Erst aus der Mark Brandenburg. Nun aus Markhausen im Markatal. Die Mark. Ein unverwüstliches Stück Heimat.
Posts mit dem Label kunst-iör werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label kunst-iör werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, 12. März 2015
Twitter und was das Wichmann-Denkmal mit newtopia gemeinsam hat.
auf Twitter gibt es dann doch irgendwie eine mitunter eigene Sprache. Ich glaube, wenn man immer nur 140 Zeichen hat, dann hilft es irgendwann, Gefühlen mit wenigen Buchstaben eine eigene Identität zu geben. So ist etwa das Gefühl der Zustimmung und vor allem der Freude und Begeisterung unter "awww" zu finden und das Gefühl des Aufregens und der Ablehnung unter "orrr".
Interessant ist, wie schnell ich mich an die Twitter-Sprache gewöhnt habe, von der ich Anfangs noch dachte, sie existiert nicht oder müsste wenn, dann ja auch einigen Facebook-Äusserungen angepasst sein. Nein. Facebook lässt mehr Raum als Twitter und auf Facebook weiß ich meistens, mit welchen Personen ich kommuniziere. Bei Twitter kenne ich die Alias-Namen, manchmal einen Teil ihres Lebens - aber ich weiß im Normalfall nicht, wer hinter welchem Account steckt - macht nix, ans Herz gewachsen sind mir einige Leute dort sehr schnell. Auch das ist etwas, dass an Twitter fasziniert: man kennt sich meistens nicht persönlich, aber ist sich dennoch oft sehr nahe - und wenn man scheiße drauf ist, reichen eigentlich ein paar Minuten Twitter und man kann schon wieder lachen, weil das Niveau von Klappspatenverdächtig bis Stratosphäre reicht.
Dienstag war Kultur- und Sozialauschuss, es ging unter anderem um das Pater Wichmann-Denkmal. Für mich ist in den letzten Wochen dann die Frage interessant geworden, wer denn hinter der Initiative / Interessengemeinschaft "Wir alle sind Neuruppin" tatsächlich alles steckt. Das würde ja nicht nur ich gerne wissen, ich kenne einige andere Leute, die das auch gerne wissen würden - und immer nur auf eine Person stoßen, die für diese Gruppe steht. Das ist Herr Firl.
Wir hatten mittlerweile zwei direkte Begegnungen, er hat mir ein paar Zettel mit Absender "Interessengemeinschaft Wir alle sind Neuruppin" in den Postkasten gesteckt und diese Interessengemeinschaft wurde mir halt immer suspekter. Kann es doch auch sein, wenn jemand die Frage, wer alles dazu gehört mit: "30 000, alle Neuruppiner!" beantwortet - oder? Gut, später hat er es eingeschränkt, aber auch nach mittlerweile 3 Wochen weiß ich immer noch nicht, wer ganz konkret noch zu dieser Gemeinschaft gehört. Die Treffen finden am See oder zufällig statt, nichts ist geplant, nichts ist nachvollziehbar. Also alles sehr merkwürdig, aber dafür behauptet er, würde er für sehr viele Leute sprechen und die wären alle seiner Meinung. Zusätzlich vertritt er ja den Verschönerungsverein. Und der hat wohl nur noch etwa 40 Mitglieder, die Mehrzahl davon passiv.
Zumindest das ist dann halbwegs nachvollziehbar und fast transparent, auch wenn es wirklich nett wäre, ihn auf der Webseite des Vereines irgendwo genannt zu bekommen. So hat es bei allem mittlerweile auftretenden Fällen von "Nepper, Schlepper, Bauernfängern" und den immer wiederkehrenden Warnungen vor irgendwelchen falschen Mitarbeitern von Sozialen Diensten, Städten, Polizei und so weiter, einen etwas blöden Beigeschmack, wenn man in der heutigen Zeit kurz mal online abfragen möchte, ob jemand denn nun tatsächlich für etwas ist oder steht, das er angibt oder alles eigentlich ganz anders ist.
Der Vorsitzende der Lions hat dann erklärt, Herr Firl hätte das Ohr an der Menge (oder hat er Masse gesagt?) und das wäre gut so. Das mag ja alles sein und einige Ideen sind ja nicht einmal schlecht. Nur die Art und Weise, die ist sehr fragwürdig. Ich habe das Ohr "nicht an der Menge bzw. Masse", aber dadurch, das ich viel unterwegs bin und mich engagiere, kenne ich die Meinung VIELER Neuruppiner Bürger zu einigen Dingen und ich könnte sogar bei Bedarf konkret Namen nennen. Ich kann auch zum Beispiel sagen, wann sich der Stammtisch trifft, wann sich der Kulturbeirat trifft, ich kann sagen, wann das "Kulturcafe" ist, wo sich konkret Leute treffen um zu reden, zu diskutieren, Meinungen auszutauschen. Stammtisch und Beirat sind sogar öffentlich und haben lange im Voraus festgelegte Termine! Ich bin mindestens dreimal am Tag mehr oder minder lang unterwegs und auch dabei treffe ich immer wieder Leute mit denen ich mich unterhalte. Mag sein, das ich mein Ohr eben nicht "an der Menge/Masse" habe - aber bitte immer daran denken: Auch ein Atom hat eine Menge/Masse - und die sieht man nicht. Ich habe mein Ohr lieber bei vielen Leuten, die ich in vielen Fällen eben auch benennen kann.
Ich bin eigentlich noch nicht sooo lange hier in der Stadt. Seit Sommer 2012, und seit 2013 engagiere ich mich hier. In dieser Zeit habe ich sehr oft etwas über "Neuruppin ist Korrumpien" gehört, über Filz, Mauschelei und "die da oben...". Ungefähr alle zwei bis drei Wochen werde ich mit solchen Aussagen konfrontiert. Die XY-Bande, die Geschichte mit Lenz oder Herrn Theel... das alles war vor meiner Zeit hier und ich kenne davon nur, was man mir erzählt oder was ich dazu lese. Es hat die Stadt enorm geprägt und ich bin mitunter sehr betroffen, wenn ich davon höre. Ich will darüber auch gar nicht ganz so viel wissen - denn ich lebe JETZT hier und finde, das Neuruppin eine absolut tolle Stadt ist und man mehr und mehr versucht, die Bürden der Vergangenheit zu vergessen und sich bemüht, es besser zu machen. Das dieses Bemühen nicht jedem passt und in vielen Augen nicht gut genug ist - ok, da gibt es immer Leute, die eines am Besten können: Stammtischreden. Das ist einfach, das klingt toll und damit trägt man weder Verantwortung noch muss man auf ein vielfach kompliziertes Regelwerk an Vorgaben und Richtlinien Rücksicht nehmen. Außerdem würde ich auch gerne mal wissen, wer immer wieder fröhlich aufsteht und nicht irgendwann lieber im Rahmen seiner Möglichkeiten "sein Ding" macht und es nur im kleinen Kreis durchzieht, wenn man erlebt, immer und immer wieder nur niedergemacht zu werden. Ein Mensch ist kein Punchingball. Weder konkret als auch im übertragenen Sinne.
Wer hier öfters liest, hat sicherlich meinen Wunsch, hier manche Dinge der Kommunalpolitik etwas transparenter und verständlicher zu erklären, mitbekommen. In dem Absatz hier drüber ist letztlich genau der Grund dafür: ich möchte, das sich nach und nach in den Köpfen der Menschen etwas ändert. Und wenn sich nur bei einem Menschen etwas ändert und er plötzlich versteht, warum nicht immer alles so einfach ist, wie es sein könnte und warum man der Verwaltung bitte eine Chance geben sollte anstatt ständig draufzuhauen, dann hat sich meine Mühe gelohnt. Ich weiß, Katastrophen bleiben am Besten in Erinnerung. Und hundert tolle Sachen, die auf die Beine gestellt worden sind können durch eine Fehlentscheidung sofort und schlagartig in Vergessenheit geraten.
Ich habe über einen Tag gebraucht, um für mich zu verarbeiten, was da auf der Sitzung eigentlich abgegangen ist. Dabei bin ich NICHT etwa fassungslos, das es eine knappe Mehrheit für das Denkmal gegeben hat. Ich denke, auch wenn ich selbst ein Denkmal für Wichmann von Arnstein für überflüssig halte, ist GRUNDSÄTZLICH gegen ein Denkmal für ihn nichts einzuwenden. Fassungslos bin ich über die Art und Weise gewesen, wie die Nachfrage von mir, wer denn nun noch alles so hinter der Interessengemeinschaft steckt, eigentlich mit einer barschen knappen Antwort weggefegt worden ist - und vor allem, das selbst die Nachfrage von Ronny Kretschmer, ob der Verwaltung noch jemand ANDERES bekannt wäre, der in der Initiative "Wir alle sind Neuruppin" aktiv ist, gar nicht erst beantwortet wurde.
Fassungslos bin ich darüber, das eine undurchsichtige, intransparente Vorgehensweise und die Ansage des Lion-Vorsitzenden: "Also wenn es eine Ausschreibung geben sollte, sind wir nicht mehr dabei... dann muss neu verhandelt werden!", die für mich sehr nach: "Entweder das Teil von Hohlstein und ER bekommt unsere Kohle oder GAR NICHTS" klingt. Darf ich daran erinnern, das auch Herr Hohlstein bei den Lions ist und beim Vor-Ort-Termin gesagt wurde "dann habe ich meinen Kumpel Hohlstein angerufen"? Da ich sicher bin, das hier auch Lions mitlesen - darf ich mal an die Internationale Satzung erinnern? Artikel VIII Absatz 4? Persönliche Vorteile? Darf ich daraus mal den Part "...soll kein Amtsträger oder Mitglied dieses Clubs seine Mitgliedschaft zur Förderung privater, politischer oder anderer Ambitionen ausnutzen..." . Wie gesagt, aus der Internationalen Satzung der Lions - und vielleicht bin ich auch einfach zu doof zu kapieren, warum es dann voll in Ordnung ist, "seinem Kumpel" mal eben einen 5stelligen Auftrag zuzuschustern und zu den Eindruck zu erwecken: "Wenn der den nicht bekommt, sind wir raus!".
Etwas anderes ist mir und meinem Kulturbeiratskollegen noch bei der Rede vom Lions-Chef aufgefallen. Es gab uns gegenüber eine "wundersame Geldvermehrung". Auf der Beiratssitzung wo sie das Modell vorgestellt haben und wo einige andere Künstler anwesend waren, war von einem weitaus niedrigeren Betrag die Rede. Nur die Materialkosten und Cortenstahl nicht, das wäre zu teuer. Lediglich unser hiesiger Kunstschweißer würde das zum Materialpreis machen. Leider ist die damals genannte Summe nicht konkret nicht im Protokoll vermerkt worden - aber wir waren dann doch überrascht, das sie sich innerhalb von wenigen Monaten vervielfacht hat. Allerdings habe ich mittlerweile mitbekommen, das wohl nur auf der Beiratssitzung wo die anderen Künstler anwesend waren, von dieser niedrigen Summe die Rede war, sonst wurde durchaus schon von einer fünfstelligen Summe gesprochen. Da sind die Nebenkosten für Gutachten etc. nicht mal drin. Die werden extra bezahlt.
Ich bin sicher, für einen fünfstelligen Betrag hätten sich auch andere regionale Künstler gefunden, die ein Modell eingereicht hätten, wie IHR Vorschlag zu Pater Wichmann aussieht.
Wenn ihr euch also fragt, was das Wichmann-Denkmal mit newtopia zu tun hat - und hier komme ich noch mal auf Twitter zurück - die ganze Entwicklung ist ungefähr so, wie der "tote Biber" (O-Ton auf Twitter), auf Candys Kopf: verworren, undurchsichtig, Filz...
Es ist genau DAS, was hier doch keiner mehr möchte. Dachte ich. Es ist so wie vor einigen Jahren, da hat sich jemand mit einem hohen Einkommen hingestellt und vielen Leuten verkündet, er verdient viel Kohle und würde das und das machen... und alle "Awww!". Da muss nur jemand mit einer großen Summe winken - und dann ist Transparenz, Demokratie und Moral etwas, das sofort im Klo runtergespült wird. Also Werte, die doch eigentlich als elementar und wichtig erachtet werden.
Letztlich ist es auch der "Hoeness-Effekt": "Boaaaah, der hat SO VIEL für den Verein getan, warum muss der für ein paar hinterzogene Millionen an Steuern eigentlich in den Knast?". Ich erinnere daran, das seine "Verdienste für die Allgemeinheit" durchaus strafmildernd gewirkt haben. Tue (scheinbar) Gutes - und erkaufe dir damit die Akzeptanz bei moralisch verwerflichen Dingen.
Vielleicht ist man einfach viel sensibler (nein, getriggerter), wenn man immer dann, wenn man Hilfe haben wollte, weil man von so einem Menschen scheiße behandelt worden ist (was ein Amtsrichter dann irgendwann endlich mit mißhandelt bezeichnet hat) von ganz normalen Leuten Sätze wie: "Das musst du verstehen, der hat Stress im Job!", oder "sein nett zu ihm" oder "mach ihm Bratkartoffeln und lies ihm jeden Wunsch von den Augen ab!" beantwortet wird - und man fassungslos feststellt, das es anscheinend völlig in Ordnung ist, wenn Leute mit (vermeintlich!) viel Geld Menschen wie mich und mein Kind wie Dreck behandeln.
Wenn wir in Neuruppin eine Gesellschaft wollen, in der jemand nur mit Geld winken braucht, mit teuren Geschenken, um seinen Willen durchzusetzen, dann sind wir hier wieder genau dort angelangt, wo wir eigentlich weg wollten. Das Denkmal hat bislang so noch niemand vermisst. Ja, es wäre vielleicht für viele Leute schön, eines zu haben...
aber in DIESEM FALL ist der Preis dafür einfach viel zu hoch!
Vielen Dank denen, die mich dienstag Abend und mittwoch morgen ausgehalten haben! Ohne euch wäre meine Welt echt ärmer.
Ergänzung (20. März) andere Beiträge zu dem Thema:
Pilger, Pilger...
Pater Wichmann - des Paters...
Einem geschenkten Gaul...
Riesenrad, Kulturbeirat...
Samstag, 21. Februar 2015
Pilger, Pilger, du musst wandern...
Ich bin gerade ein bisschen sprachlos.
Da gab es doch letzten Sonntag eine eigentlich ganz nette Hunderunde zum Thema Blechmänneken Wichmann. Auf dieser Hunderunde wurde mir erklärt: "Jaaaaa, also der ist ja auch für die PILGER, immerhin geht ein Pilgerweg durch Neuruppin!". Aha. Ich wusste bis dahin nur, dass der Fernwanderweg E 10 durch Neuruppin geht.
In Brandenburg kann man auf dem E 10 je nach Variante 429 oder 452 Kilometer Wandern, das sind 19 / 20 Etappen. Insgesamt ist der Weg, der von Rügen über die Alpen bis nach Bozen führt, rund 2800 Kilometer lang. In Neuruppin findet ihr z. B. im Stadtwald am Uferweg die Markierung mit einem weißen Quadrat, durch das ein waagerechter blauer Strich geht.
Nun, da ich davon ausgegangen bin, das wahr ist, was mir erzählt wird, habe ich vorhin Google nach einem Pilgerweg durch Neuruppin befragt. Und bin auf den Pilgerweg Berlin - Bad Wilsnack gestoßen, der auf einigen Seiten wirklich gut beschrieben wird. Nur: von Neuruppin steht da nix.
"Ja, die Pilger, die gehen ja nicht in die Kirche, die wollen einen Pater Wichmann zum Anfassen haben!" - aha. Warum PILGERN sie dann? Ich meine, ich erwarte ja nicht, das sie alle zum Beten in eine mehr oder minder bedeutende Kirche am Wegensrand gehen, aber es gibt auch ganz anderen Gründe, in eine Kirche zu gehen. Interessantes Gebäude, wie sieht sie von innen aus? Oder wenn es im Sommer heiß ist, ist es in einer Kirche eher kühl.
Durch einen Ortsteil von Wuppertal führt übrigens der Jacobsweg. Beyenburg. Total schön und romantisch und überall am Wegverlauf sieht man das Zeichen des Pilgerweges, die gelbe Jacobsmuschel auf blauem Grund.
Der Wanderweg Berlin - Bad Wilsnack führt über Henningsdorf - Linum - Protzen - Garz - Wusterhausen. Neuruppin? Klosterkirche? Fehlanzeige
Ich meine, es gibt ja immer wieder mal Menschen, die denken, sie könnten mich für dumm verkaufen. Sie bemühen sich ihre Interessen mir irgendwelchen kruden Aussagen durchzusetzen - und vielleicht übersehen sie dabei, das wir heute in einem Zeitalter leben, wo innerhalb kürzester Zeit überprüft werden kann, ob so etwas überhaupt stimmt.
Von daher ist die Frage, die sich mir gerade stellt die, ob derjenige, der mir von dem "Pilgerweg durch Neuruppin" erzählt hat, einfach nur irgendetwas aufgeschnappt hat und sich gar nicht darum gekümmert hat, ob es stimmt oder nicht - oder ob er mich für dumm verkaufen wollte. Aber da wir in einer Zeit leben, wo es vielen Menschen völlig ausreicht, irgendwo Schlagzeilen zu lesen und sie dann denken, sie wüssten schon genau bescheid, ist es wohl das Erstere.
"Ich lese die Bild, ich gucke RTL, ich weiß genau bescheid!". Ja, und es gibt einen Weihnachtsmann, wegen dem feiern wir Weihnachten und der Osterhase kommt auch jedes Jahr und verteilt bunte Eier... mittlerweile hat der sogar einen Deal mit einer großen Schokoladenfirma und es gibt Ostereier von braunen Schokoladenmilch-Kühen mit einem gelben Plastikküken drin, dessen Intelligenz interaktiv ist. Also nach dem Motto: Kopf ab und bastle meinen Inhalt zusammen.
Also, selbst das Argument: "Die Pilger wollen eine Pater Wichmann!" hat sich damit mehr als erledigt und so langsam wird es ein bisschen lächerlich wie auf Teufel komm raus versucht wird, das Blechmännchen die Klosterkirche verschandeln zu lassen und welch unwahren Behauptungen dafür kundgetan werden, die sich Stück für Stück in Schall und Rauch auflösen.
Münchhausen hätte es nicht besser hinbekommen!
Ansonsten feiern wir heute den 14 000. Blogzugriff. Vielen Dank allen Lesern!
Ein Dank geht von mir auch für die faire Bewertung des Businessplanes im Wettbewerb nach Potsdam. Dort sitzt einer der Juroren.
Das IT-Spezialisten aus einer Großstadt keinen Beitrag bewerten sollten, der sich mit ländlicher Regionalentwicklung und Tieren befasst, weil das schief geht, weiß ich ja schon seit einigen Jahren. Blöder Weise war Juror 2 so ein Fall und ich schließe ob der Konstellation nicht einmal aus, das Juror 2 meinen Ex kennt.
Den mit der stattlichen Sammlung an verendeten Tieren und dem eigenen Tierfriedhof...und diversen anderen "Leichen" im Keller... und 80 % der Sachen von Nick und mir, die wir nie wiedersehen werden. Habe ich von ihm ja mehrfach schriftlich bekommen. Also jemand, der seinen Frust an mir an einem behindertem Kind austobt und dem selbst das Therapiematerial unterschlägt. Aber es gibt ja irgendwie viele Leute, die so etwas gut finden. Kann ich zwar nicht verstehen, aber ist so. Denn wenn sie es nicht gut finden würden und einen Funken von Anstand hätten, würden sie ihm das ja sagen - oder? Zivilcourage? Anstand? Ach ne, Dafür gibt es ja die bunten Klickbildchen zum Teilen auf Facebook. Da so Jammersachen zu teilen ist für die meisten Leute Zivilcourage genug...
So, genug ausgekotzt. Schönen Sonntag!
Da gab es doch letzten Sonntag eine eigentlich ganz nette Hunderunde zum Thema Blechmänneken Wichmann. Auf dieser Hunderunde wurde mir erklärt: "Jaaaaa, also der ist ja auch für die PILGER, immerhin geht ein Pilgerweg durch Neuruppin!". Aha. Ich wusste bis dahin nur, dass der Fernwanderweg E 10 durch Neuruppin geht.
In Brandenburg kann man auf dem E 10 je nach Variante 429 oder 452 Kilometer Wandern, das sind 19 / 20 Etappen. Insgesamt ist der Weg, der von Rügen über die Alpen bis nach Bozen führt, rund 2800 Kilometer lang. In Neuruppin findet ihr z. B. im Stadtwald am Uferweg die Markierung mit einem weißen Quadrat, durch das ein waagerechter blauer Strich geht.
Nun, da ich davon ausgegangen bin, das wahr ist, was mir erzählt wird, habe ich vorhin Google nach einem Pilgerweg durch Neuruppin befragt. Und bin auf den Pilgerweg Berlin - Bad Wilsnack gestoßen, der auf einigen Seiten wirklich gut beschrieben wird. Nur: von Neuruppin steht da nix.
"Ja, die Pilger, die gehen ja nicht in die Kirche, die wollen einen Pater Wichmann zum Anfassen haben!" - aha. Warum PILGERN sie dann? Ich meine, ich erwarte ja nicht, das sie alle zum Beten in eine mehr oder minder bedeutende Kirche am Wegensrand gehen, aber es gibt auch ganz anderen Gründe, in eine Kirche zu gehen. Interessantes Gebäude, wie sieht sie von innen aus? Oder wenn es im Sommer heiß ist, ist es in einer Kirche eher kühl.
Durch einen Ortsteil von Wuppertal führt übrigens der Jacobsweg. Beyenburg. Total schön und romantisch und überall am Wegverlauf sieht man das Zeichen des Pilgerweges, die gelbe Jacobsmuschel auf blauem Grund.
Der Wanderweg Berlin - Bad Wilsnack führt über Henningsdorf - Linum - Protzen - Garz - Wusterhausen. Neuruppin? Klosterkirche? Fehlanzeige
Ich meine, es gibt ja immer wieder mal Menschen, die denken, sie könnten mich für dumm verkaufen. Sie bemühen sich ihre Interessen mir irgendwelchen kruden Aussagen durchzusetzen - und vielleicht übersehen sie dabei, das wir heute in einem Zeitalter leben, wo innerhalb kürzester Zeit überprüft werden kann, ob so etwas überhaupt stimmt.
Von daher ist die Frage, die sich mir gerade stellt die, ob derjenige, der mir von dem "Pilgerweg durch Neuruppin" erzählt hat, einfach nur irgendetwas aufgeschnappt hat und sich gar nicht darum gekümmert hat, ob es stimmt oder nicht - oder ob er mich für dumm verkaufen wollte. Aber da wir in einer Zeit leben, wo es vielen Menschen völlig ausreicht, irgendwo Schlagzeilen zu lesen und sie dann denken, sie wüssten schon genau bescheid, ist es wohl das Erstere.
"Ich lese die Bild, ich gucke RTL, ich weiß genau bescheid!". Ja, und es gibt einen Weihnachtsmann, wegen dem feiern wir Weihnachten und der Osterhase kommt auch jedes Jahr und verteilt bunte Eier... mittlerweile hat der sogar einen Deal mit einer großen Schokoladenfirma und es gibt Ostereier von braunen Schokoladenmilch-Kühen mit einem gelben Plastikküken drin, dessen Intelligenz interaktiv ist. Also nach dem Motto: Kopf ab und bastle meinen Inhalt zusammen.
Also, selbst das Argument: "Die Pilger wollen eine Pater Wichmann!" hat sich damit mehr als erledigt und so langsam wird es ein bisschen lächerlich wie auf Teufel komm raus versucht wird, das Blechmännchen die Klosterkirche verschandeln zu lassen und welch unwahren Behauptungen dafür kundgetan werden, die sich Stück für Stück in Schall und Rauch auflösen.
Münchhausen hätte es nicht besser hinbekommen!
Ansonsten feiern wir heute den 14 000. Blogzugriff. Vielen Dank allen Lesern!
Ein Dank geht von mir auch für die faire Bewertung des Businessplanes im Wettbewerb nach Potsdam. Dort sitzt einer der Juroren.
Das IT-Spezialisten aus einer Großstadt keinen Beitrag bewerten sollten, der sich mit ländlicher Regionalentwicklung und Tieren befasst, weil das schief geht, weiß ich ja schon seit einigen Jahren. Blöder Weise war Juror 2 so ein Fall und ich schließe ob der Konstellation nicht einmal aus, das Juror 2 meinen Ex kennt.
Den mit der stattlichen Sammlung an verendeten Tieren und dem eigenen Tierfriedhof...und diversen anderen "Leichen" im Keller... und 80 % der Sachen von Nick und mir, die wir nie wiedersehen werden. Habe ich von ihm ja mehrfach schriftlich bekommen. Also jemand, der seinen Frust an mir an einem behindertem Kind austobt und dem selbst das Therapiematerial unterschlägt. Aber es gibt ja irgendwie viele Leute, die so etwas gut finden. Kann ich zwar nicht verstehen, aber ist so. Denn wenn sie es nicht gut finden würden und einen Funken von Anstand hätten, würden sie ihm das ja sagen - oder? Zivilcourage? Anstand? Ach ne, Dafür gibt es ja die bunten Klickbildchen zum Teilen auf Facebook. Da so Jammersachen zu teilen ist für die meisten Leute Zivilcourage genug...
So, genug ausgekotzt. Schönen Sonntag!
Samstag, 31. Januar 2015
Pater Wichmann – oder: des Paters neues Kleid. Erich von Däniken hatte Recht.
Kurze Vorgeschichte: Der Lions-Club hat den Vorschlag des Verschönerungsvereins aufgegriffen, Pater Wichmann als Gründer des Klosters Neuruppin ein Denkmal zu stiften. Der Lions-Club hat sein Mitglied Hohl-Stein beauftragt sich dazu etwas auszudenken, davon hat er ein Modell gebaut das nicht völlig unumstritten ist. Soviel zur Vorgeschichte.
Der Denkmalschutz hatte vorgeschlagen, ein lebensgroßes Modell von dem Ding herzustellen und damit an verschiedenen Orten rund um die Klosterkirche zu gucken, wie das wohl aussieht. Dazu gab es dann am Dienstag einen Vor-Ort-Termin. Alles, was ich jetzt schreibe, ist meine ganz private Meinung! Es wäre schön, wenn meine private Meinung den Einen oder die Andere zum „Denkmaldarübernach“ anregt.
Es trafen sich also allerhand Leute um sich anzugucken, wo das Ding wohl am besten hinpasst und das „lebensgroße Modell“ war eine Lattenkonstruktion aus Holz. Ein bisschen mehr Bretter dran und sie hätten den Hütten der Wachsoldaten in London echt alle Ehre gemacht. Ich wusste gar nicht, das die in Schinkel-Hütten stehen. Bin beeindruckt.
![]() |
Allein das es nicht einmal die Mühe wert war, beim "lebensgroßen Modell" sich an den Dachwinkel zu halten. Ja, wie soll es denn nun aussehen? Und nachher dann noch mal wieder anders? Wenn ich ein Haus bauen wollte, möchte ich eine Vorlage haben, die GENAU SO AUSSIEHT wie das spätere Haus. Ihr möchtet doch auch nicht einen Architekten beauftragen, der euch viel Geld für ein individuell geplantes Haus abknüpft - und nachher steht auf der Baustelle "Fertighaus Typ Sylt" - oder? Also wenn schon kleines Modell und "lebensgroßes Modell" himmelweit auseinanderklaffen und die Abgeordneten beschließen würden, aufgrund des Modells das Teil zu wollen - was kommt denn dann im Endeffekt tatsächlich dabei heraus? Das wäre mir völlig unklar.
Noch mal kurz ein Rückblick: Pater Wichmann von Arnstein hat 1246 das Dominikanerkloster in Neuruppin gegründet. Diese Holzhütte über dem Modell – also die Laube – soll dann quasie ein Gruß an Schinkel sein, der um 1800 gelebt hat. Beide haben also eigentlich absolut gar, aber auch gar nix miteinander zu tun. Das Einzige, was sie verbindet ist Neuruppin. Aber dann hätte man eigentlich auch aus der Laube eine Hütte machen müssen und Auszüge aus Fontanes Werken in Metall gravieren müssen, denn Fontane ist auch in Neuruppin geboren. Da aber Pater Wichmann ja hier nicht geboren ist, sondern nur gewirkt hat, würden sich bestimmt noch viele andere Leute finden, die man in dem Denkmal gleich mit verwursten könnte: Strittmaters zum Beispiel oder Kronprinz Friedrich, Wilhelm Gentz, Gustav Kühn... also wenn schon, denn schon!Immerhin, ein Regionalbezug stellt die - wahrscheinlich dem Material geschuldete - Miniaturdarstellung eine Bombenabwurfgeländes als Haut dar. Die ist nämlich eine Kraterlandschaft.
Aber es ist ja nicht nur das. Dieses Metallteil wurde von jemandem mit dem Blechmann aus dem Stück „Der Zauberer von Oz“ assoziiert. Na ja, der Blechmann im Zauberer von Oz ist eine weit durchdachtere Figur als dieser Möchtegern-Pater-Wichmann. Beim Blechmann stimmt alles. Bei dem Metallfuzzi stimmt irgendwie so gar nix. Da hält der eine Kirche auf den Händen – laut Ikonografie steht dem das gar nicht zu, der hat ja die Kirche gar nicht gestiftet. „Ach, nicht so schlimm, die kann auch weg!“ so Hohl-Stein. Ach? Einmal Flex und futsch? So einfach ist es?
Dann die Bekleidung. Einmal googeln was es mit dem Dominikanerorden auf sich hat – und hallo???? Da hat sich jemand aber wirklich „viel“ Mühe gemacht und nur kurz auf die Hauptseite des heutigen Ordens geschaut. DANN würden die Klamotten ja irgendwie passen. Aber bei historischen Abbildungen von Ordensbrüdern passen sie nicht. Nicht einmal das Hauptmerkmal des Ordens, das Dominikanerkreuz, ist auch nur ansatzweise auf dem Blechteil vorhanden. Ich habe zwar kein Abitur gemacht und nur ganz normalen Kunst- und Geschichtsunterricht auf einer Hauptschule gehabt, aber das hätte eine 5 gegeben, wenn ich beim Vorstellen eines Dominikaners DAS Ordenssymbol schlechthin mal eben – wer braucht so etwas schon - weggelassen hätte. Schweißen kann Herr Hohl-Stein. Seine Hausaufgaben machen anscheinend nicht.
![]() | ||
| Wichmann von Arnstein, Statue in der Klosterkirche | * |
Herr Hohl-Stein wird wahrscheinlich sauer auf mich sein. Aber ich kenne Viele, die das Teil hässlich finden. Traut sich nur niemand, zu sagen, weil „einem geschenkten Gaul schaut man eben nicht ins Maul!“ und mit dem Lokalmatador der Kunstschweißer möchte sich nun auch keiner anlegen. Zumal nicht, wenn der ohnehin schon eine breite Schneise seiner Schaffenskraft quer durch die Stadt gezogen hat und ich mit meinem naiven Blick bei manchen Dingen denke: „Ja, auch hässliche Babys werden von ihren Eltern geliebt!“. Mit dem Unterschied: aus einem hässlichen Entlein kann mal ein schöner Schwan werden. Bei einer materiellen Hässlichkeit geht das nicht. Ein Kunstwerk wird weder besser noch eindrucksvoller noch bedeutender, wenn man davon gleich mehrere aufstellt. Nein, die Idee nutzt ab, der "Boah!"-Effekt bleibt weg, alles schon mal irgendwie gesehen, alles schon da.
![]() |
| Dominikanerkreuz * |
Allein der Parzival ist in Neuruppin 3 Mal vertreten – die größte Figur unten am Bollwerk. Der hat was, ja... der sieht ein bisschen nach Origami aus und mit seinem ausgeprägten Hohlkreuz ist er auch ein guter Werbeträger für die Wirbelchirurgie der Ruppiner Kliniken (die haben doch so ein innovatives Ding für die Korrektur von Bandscheibenvorfällen entwickelt...) - aber ist das nicht schon Denkmal genug? Ich meine nicht für Wichmann. Sondern für Hohl-Stein. Zumal man ja alle Arbeiten NACH Parzival an genau diesem messen würde. Gegen Parzival am See, ist sein Wichmann vor der Kirche, na, mindestens halb vergraben. Von der Idee und von der Ausführung her kann das Wichmann-Denkmal dem Parzival bei weitem nicht das Wasser reichen! Eigentlich geht es doch darum, das nicht Pater Wichmann hier ein für ihn angemessenes Denkmal bekommt. Das braucht der nämlich gar nicht, das gibt es schon. Die Wichmann-Linde unter der er begraben sein soll.
Warum muss es ausgerechnet ein figürliches Denkmal sein für einen Menschen, der eigentlich hier seinen Glauben gelebt hat, der anderen Menschen zeigen wollte, wie gut so ein Glauben sein kann (auch wenn die Kirche und viele Glaubensbrüder immer mal wieder schlechte Zeiten hatten und gerne selbst Gott spielen wollten). Dominikaner... die gibt es bis heute. Sie leben das Evangelium so gut man es heute leben kann, sie setzen sich für die Wissenschaft ein – und figürliche Denkmäler – PASST SO ETWAS ÜBERHAUPT zu solchen Menschen? Und dann noch aus Edelstahl? Für jemanden, der um 1250 hier gewirkt hat? Munter verwurstet mit allem möglichen anderen Krempel?
![]() | |
| Hungerhaken, Hohlkreuz - und Wasserkopf |
Das mit dem „Denkmal“ ist eine Lions-Club interne Sache. Hohl-Stein ist schließlich Mitglied in dem Club und irgendwie sieht es leider auch nach „Mensch, ich brauche mal wieder irgendwie einen Auftrag, habt ihr nicht was für mich?“ aus. Es wurde auf der Begehung ja auch gesagt: „Und dann habe ich meinen Kumpel gefragt, ob er da nicht was machen kann...“. Würde so etwas innerhalb der StadtVERWALTUNG laufen, ginge die komplette Stadtverordnetenversammlung auf die Barrikaden und würde „Mauscheleiiiiiii!“ brüllen, die Sitzungen würden ob der Debatten (ach ne, die haben sich ja selbst das Rederecht beschnitten) bis tief in die Nacht gehen, die Zeitungen wäre zugepflastert mit Artikeln in deutlicher Sprache und es hätte sich erledigt. Natürlich bleibt es privaten Investoren (die vielleicht auch Mitglieder im Lions-Club sind, der in seinen Regeln stehen hat, das Mitglieder einander helfen sollen) auf ihren eigenen Grundstücken selbst überlassen, wen sie mit irgendwelchen Kunstwerken beauftragen.
Wer sich in Neuruppin umschaut wird feststellen, das gerade Matthias Hohl-Stein eigentlich schon überrepräsentiert ist. Aber: Weil jeder weiß, das schon die halbe Stadt mit seinen Sachen zugepflastert ist und bislang nie jemand „neee, wollen wir nicht haben!“ gesagt hat, wenn es um irgendwelchen geschenkten Gedöns ging (Ausnahme ist das Krümelmonster für die Krümelkiste) war man sich relativ sicher, auch dieses Teil wird angenommen und bekommt dann seinen Platz an der Kirche und schwupps gibt es kein Motiv mehr von der Kirche, ohne das irgendwo ein Hohl-Stein-Metalldings drauf ist. Deshalb noch mal die Frage: WER will sich hier eigentlich tatsächlich ein Denkmal setzen?
Und dann noch mit einem Ding, bei dem ich als Ex-Wessi eigentlich nur rufen kann: „Erich von Däniken hat Recht gehabt! Die Erde war schon immer von Ausserirdischen bevölkert!“ Denn eigentlich sieht das Modell schon aus wie ein Alien – da passt dann sogar das Material. Es ist dann ein bunter Mix zwischen Erich von Däniken und dem Film mit Will Smith und der Ufo-Invasion, wo der nachher mit einem Ufo rumsaust und ein gigantisches Teil im Weltraum in die Luft sprengt, damit die Erde nicht atomisiert wird.
Sicher, ich habe nicht Kunst studiert. Ich sehe das Ding nicht mit wissenschaftlichen, material-bedeutsamen oder sonstwie hochtrabendem Hintergedanken. Ich sehe es genau so, wie es tausende von Leuten sehen werden, die dann gezwungenermaßen an dem aufgestellten Ding vorbeikommen: ganz naiv. Und ganz einfach, ganz naiv und ohne viel Gedöns – das Teil ist hässlich, es wird definitiv nicht schöner, wenn es auf Überlebensgröße aufgeblasen wird, sondern eher noch hässlicher. Fast jeder wird insgeheim bereuen, das er nicht den Mund aufgemacht und das gesagt hat. Es sei denn, er ist der Künstler selbst, die halten sich immer für recht unfehlbar oder derjenige, der dieses Alien von seinem Clubkumpel finanziert hat. Und wer findet, dass das, was ich hier schreibe, kein guter Stil ist, der sollte mal darüber nachdenken, ob es ein so viel besserer Stil ist, mit so einer clubinternen Geschichte und ohne die Chance für irgendeinen anderen Künstler – und Neuruppin hat davon mehrere – so ein Ding durchzuziehen!
Überlegt euch gut, ob ihr über Jahrzehnte so eine unausgegorene, mal eben zusammengewurschtelte und bunt gemischte Figur tatsächlich als Denkmal vor der Kirche stehen haben wollt! Überlegt genau, was Pater Wichmann und auch Schinkel wohl dazu sagen würden, wenn Dinge die nichts, aber auch gar nichts miteinander zu tun haben, so zusammengebaut werden. Als „DENKMAL“. ICH DENKE MAL... sie würden sich im Grab umdrehen und über den Gräbern würden Sprechblasen aufploppen: „Ihr habt nichts, gar nichts von dem begriffen, was wir eigentlich wollten!“.
Noch etwas: ich hätte Angst, das die Wichmann-Linde dann eingeht. Denn wenn Menschen nicht begreifen, das so ein Baum auch nach einen heftigen Blitzeinschlag immer noch lebt, das er ein DENKMAL für etwas ist, das irgendwie unsterblich ist, das einen Gedanken weitertragen soll – immerhin war Wichmann von Arnstein ein Mystiker – wenn Menschen also ein hässliches Blechteil statt Natur brauchen um sich an ihn zu erinnern und etwas „Vorzeigbares“ präsentieren zu können – warum sollte dann die Linde weiterleben? Denn dann braucht sie ja keiner mehr, weil der Materialismus über die Natur gesiegt hat! Gibt es einen Gott? Gibt es ihn nicht?
Es kann doch kein besseres Denkmal geben, als eine solche Linde! Denn schon zur Zeit Wichmanns waren Linden Lieferanten für Heilmittel, Färbemittel, Honig. Das Holz hat gewärmt oder es wurde daraus etwas gebaut. Kloster waren zwar überwiegend in sich abgeschlossen – aber sie haben ihrem Umfeld auch immer etwas gebracht: Bildung, Handwerk, ärztliches Wissen. Genau deshalb kann es für einen Dominikaterpater wie Wichmann kein schöneres, passenderes und ehrenvolleres Denkmal geben als diese Linde. Andere Bäume sind nach so starken Blitzeinschlägen zur Hälfte verdorrt oder komplett tot. Diese Linde nicht. Sie ist gespalten, ja. Aber dennoch zeigt sie sich in der Krone als eine Einheit, die jedes Jahr neue Blätter trägt, jedes Jahr neue Blüten, in der es summt und brummt. Tiere finden bei ihr Schutz und die herabfallenden Blätter werden zu neuer Nahrung für den Boden.
Dieses Edelstahlalien wird zwischen zwei alten Bäumen stehen. Ein schwerer Betonsockel wird sich auf ihre Wurzeln drücken, das Stahlding noch viel mehr. Unter dem Betonsockel wird nichts mehr wachsen, der Boden wird dort überwiegend tot sein. Das Stahlteil wird herumstehen, niemandem Schutz bieten, niemandem Nahrung bieten, kein Heilmittel sein und auch nix wärmen. Es ist kalter, liebloser Stahl, der zusammengebraten wurde, verdreckt, grün anläuft und für den sich irgendwann kein Geld mehr findet, um ihn zu reinigen. Siehe den Brunnen von Marianne Kühn-Berger an den Kliniken oder den Stadtpark. Wenn die Löwen wirklich 3000 Euro übrig haben, könnte man damit im Stadtpark verdammt viel anfangen. Und viele Menschen erfreuen. Nicht nur einen oder zwei.
Wer SO einem geschenkten Gaul nicht ganz genau ins Maul schaut, ist ganz schön... dumm. Ehrlich. Denn aus der Nummer kommt man nicht wieder heraus. Die bleibt. Mit allen Konsequenzen. Bekommt man einen „echten“ Gaul geschenkt und es stellt sich raus, das er eine Macke hat und nichts als Probleme macht – na ja, ist ja cholesterinarmes Fleisch und schmeckt auch gar nicht mal so schlecht...
* Bilder von Wikipedia, GNU-Lizenz.
Donnerstag, 20. November 2014
Suchen? Kunststück!
Hi Leute, heute haben Joey und ich einen Auftrag gehabt. Denn wir sind ja ein Team und es wäre ziemlich ungerecht, wenn alles immer nur an Frauchen kleben bleibt. Die hat sich ja gestern genug aufgeregt. Also waren wir heute dran. OK, wir haben Frauchen mitgeschleppt, das sieht immer besser aus.
Frauchen hat gesagt: "Wir gehen heute zur Fontane-Schule und fotografieren das, was die Schüler da gebaut haben!". In der Ecke waren wir letzte Woche schon mal, weil der "Weihnachtsmann", also der Ersatzfrachtzusteller von der DHL immer noch nicht begriffen hat, das wir hier eine große Post gleich um die Ecke haben. Der bringt unsere Päckchen immer in die Artur-Becker-Straße.
Von daher wussten wir, wo wir hinsollten und von was Fotos gemacht werden sollten, denn die Holzskulpturen haben dort letztes Mal auf dem Schulhof gestanden.
Heute standen sie dort aber nicht mehr. Wir haben überall geguckt und auch die Ziegen vom Bauspielplatz konnten uns nicht weiter helfen. Also sind wir in die Schule rein um zu fragen. Frauchen hat gesagt: "Na komisch, so wie die in den letzten Sitzungen beschrieben wurde, hätte ich hier eine Eingangskontrolle und Wachschutz erwartet!". Wachschutz gibt es, aber ein Gebäude daneben.
Kaum waren wir dort auf dem (leeren) Schulhof, tönte es von oben "Oh Gooott, oh Goooooott, wie niiiieeeedlich, guck mal, Hunde!". Boah, ich hätte ja nie gedacht, dass der(die /das) Gott dort unterrichtet! Ich bin echt beeindruckt. DAS hat nicht mal das EVI anzubieten, auch wenn die jede Woche in der Klosterkirche singen und einen netten Lehrer haben, der denen was über Gott und die Welt erzählt.
Frauchen hat uns dann die Türe aufgehalten, damit wir in die Schule können und war so nett, dem Menschen der uns mit großen Augen angeguckt hat, zu fragen, wo die Skulpturen sind, wir würden gerne Fotos machen damit die Leute im Kulturbeirat und auf dem Kulturstammtisch wissen, wovon die Rede ist.
"Alter Sehrohrhof, am Baum abbiegen!". Wir dann so: "HÄÄÄÄhhh?????" Menschen, die an Bäumen abbiegen? Aber... wir sind ja schon oft in der Gegend gewesen und wenn da ein alter Hof sein soll, dann ist es der an der alten Bahnstrecke, wo die Fenster rumstehen. Wir haben dann freundlich gewedelt und sind los.
Beim Döner-Laden haben wir dann einen alten Bekannten wieder getroffen. Aus der Box-Gruppe, die aus der Rosenhalle raus musste. Das war sehr nett. Und... da gibt es das beste Lahmacun in der ganzen Stadt! Einhellige Meinung von uns dreien, wir haben das getestet.
Dann hat Frauchen noch mitbekommen, das die Krankenkasse irgendwie ein neues Programm haben muss, für das schon bei jugendlichen Männchen Werbung gemacht wird, damit die später diese Krankenkasse wählen. Frauchen sagt, tolle Idee. Also, ich und Joey, wir KÖNNEN ja nicht mehr für Nachwuchs sorgen. Aber Menschenmännchen. Und bei den Menschenmännchen scheint es welche zu geben, die das auch nicht mehr so richtig können. Dafür hat die Krankenkasse jetzt wohl Fachangestellte, denn so ein Menschenmännchen erzählte seinen Kumpels ständig etwas über "die Nutte von der Krankenkasse". Frauchen sagt, das ist die moderne Form der Kundenbindung.
Na ja, und dann haben wir halt den Rohrhof aufgesucht, die Skulpturen gefunden und fotografiert - und dabei auch gleich "alte Bekannte" gesehen. Die Pinsel-Zwerge vom Flugplatz!
Frauchen hat gesagt: "Wir gehen heute zur Fontane-Schule und fotografieren das, was die Schüler da gebaut haben!". In der Ecke waren wir letzte Woche schon mal, weil der "Weihnachtsmann", also der Ersatzfrachtzusteller von der DHL immer noch nicht begriffen hat, das wir hier eine große Post gleich um die Ecke haben. Der bringt unsere Päckchen immer in die Artur-Becker-Straße.
Von daher wussten wir, wo wir hinsollten und von was Fotos gemacht werden sollten, denn die Holzskulpturen haben dort letztes Mal auf dem Schulhof gestanden.
Heute standen sie dort aber nicht mehr. Wir haben überall geguckt und auch die Ziegen vom Bauspielplatz konnten uns nicht weiter helfen. Also sind wir in die Schule rein um zu fragen. Frauchen hat gesagt: "Na komisch, so wie die in den letzten Sitzungen beschrieben wurde, hätte ich hier eine Eingangskontrolle und Wachschutz erwartet!". Wachschutz gibt es, aber ein Gebäude daneben.
Kaum waren wir dort auf dem (leeren) Schulhof, tönte es von oben "Oh Gooott, oh Goooooott, wie niiiieeeedlich, guck mal, Hunde!". Boah, ich hätte ja nie gedacht, dass der(die /das) Gott dort unterrichtet! Ich bin echt beeindruckt. DAS hat nicht mal das EVI anzubieten, auch wenn die jede Woche in der Klosterkirche singen und einen netten Lehrer haben, der denen was über Gott und die Welt erzählt.
Frauchen hat uns dann die Türe aufgehalten, damit wir in die Schule können und war so nett, dem Menschen der uns mit großen Augen angeguckt hat, zu fragen, wo die Skulpturen sind, wir würden gerne Fotos machen damit die Leute im Kulturbeirat und auf dem Kulturstammtisch wissen, wovon die Rede ist.
![]() |
| Sehrohrhof? U-Boot mitten im Wohngebiet versenkt? |
"Alter Sehrohrhof, am Baum abbiegen!". Wir dann so: "HÄÄÄÄhhh?????" Menschen, die an Bäumen abbiegen? Aber... wir sind ja schon oft in der Gegend gewesen und wenn da ein alter Hof sein soll, dann ist es der an der alten Bahnstrecke, wo die Fenster rumstehen. Wir haben dann freundlich gewedelt und sind los.
Beim Döner-Laden haben wir dann einen alten Bekannten wieder getroffen. Aus der Box-Gruppe, die aus der Rosenhalle raus musste. Das war sehr nett. Und... da gibt es das beste Lahmacun in der ganzen Stadt! Einhellige Meinung von uns dreien, wir haben das getestet.
Dann hat Frauchen noch mitbekommen, das die Krankenkasse irgendwie ein neues Programm haben muss, für das schon bei jugendlichen Männchen Werbung gemacht wird, damit die später diese Krankenkasse wählen. Frauchen sagt, tolle Idee. Also, ich und Joey, wir KÖNNEN ja nicht mehr für Nachwuchs sorgen. Aber Menschenmännchen. Und bei den Menschenmännchen scheint es welche zu geben, die das auch nicht mehr so richtig können. Dafür hat die Krankenkasse jetzt wohl Fachangestellte, denn so ein Menschenmännchen erzählte seinen Kumpels ständig etwas über "die Nutte von der Krankenkasse". Frauchen sagt, das ist die moderne Form der Kundenbindung.
Na ja, und dann haben wir halt den Rohrhof aufgesucht, die Skulpturen gefunden und fotografiert - und dabei auch gleich "alte Bekannte" gesehen. Die Pinsel-Zwerge vom Flugplatz!
Freitag, 14. November 2014
Ein Tempel wie eine Buttercremetorte
Nun ist sie vorbei, die Präsentation des 9. Lichtworkshop des Studienganges Master of Arts in Architectural Lighting Design. Letztes Jahr haben wir uns das Spektakel ja zum ersten Mal angeschaut, da war die Präsentation im WK - und es war so toll, das ich mich letztes Jahr schon auf dieses Jahr gefreut habe.
![]() |
| Joey und Farino im Hoftor... |
Nun denn, seit 2006 gibt es diese Workshops die sich immer mit einem Stück der Neuruppiner Stadt befassen. Jedes Jahr sind dadurch über 20 Gäste aus ganz vielen unterschiedlichen Ländern bei uns für eine Woche zu Gast. Den internationalen Studiengang "Lichtgestaltung in der Architektur" findet man an der Hochschule in Wismar. Dieses Mal haben seit September 32 Studenten sich dem Thema "Museum Neuruppin - Licht für die Kunst" gewidmet und überlegt, wie man das Museum "ins rechte Licht" rücken könnte. Es ist ein Erstsemester-Workshop. Die haben kaum an der Hochschule angefangen, Lichtdesign zu studieren und dürfen gleich schon eine Präsentation ausarbeiten, die sich hunderte von Leuten in kurzer Zeit angucken! Das nennt sich Motivation. Wobei... ein Studium z. B. als Dipl.-Ing oder im Bereich Gestaltung haben schon alle hinter sich, jetzt spezialisieren sie sich auf Lichtdesign.
Hier vor Ort waren aber aus Platzgründen nur 21 Studenten, die sich in drei Gruppen aufgeteilt haben: Architektur, Stadtmauer/Tempel und Garten. Die Architekturgruppe hatte sich in Wismar schon überlegt, wie sie das Museum in Szene setzen könnte. Dabei gab es zwei Ideen, die sie sich überlegt hatten, eines war eine Beamerprojektion mit Motiven von MC Escher und das Andere waren bunt beleuchtete Fenster, ich komme jetzt nicht auf den Namen des Künstlers der tatsächlich Vorbild war, aber es waren Farbflächen ähnlich wie bei Piet Mondrian. Wie das aber mitunter so ist, wenn man dann vor Ort ist, stellt man fest: "eigentlich passt etwas Anderes besser!". Das war dann die Erkenntnis der Architekturgruppe nach einer Exkursion durch die Stadt.
Während das alte Museum straßenseitig einladend beleuchtet wurde und die Lichter zum Eingang geleitet haben, war es am modernen Anbau eine Beamer-Projektion in Grautönen von sich im Wind wiegenden Zweigen. Das sah toll aus und viele haben sich umgedreht und geschaut, wo denn der Baum steht. Auch Nick fand das sehr schön, hatte aber noch mehr Spaß an der Mauer, auf der in allen Sprachen der Studenten das Wort "Licht" projiziert wurde.
Die Gruppe "Stadtmauer / Tempel" hat sich viele Gedanken dazu gemacht, wie man die alte Stadtmauer so beleuchten könnte, das neu und alt harmonisch betont wird. Welche Lichtfarben nimmt man? Die Stadtmauer wurde dann sowohl mit Halogenstrahlern in den Bögen, als auch auf den Pfeilern zwischen den Bögen mit Fackeln beleuchtet (die allerdings im Wind etwas gelitten haben). Improvisation gehört für jede Gruppe dazu, hier mussten sie sich z. B. überlegen, wie sie die Fackeln an der Mauer befestigen können. Eine andere Aufgabe von ihnen war, den Tempel so zu beleuchten, das eine Verbindung vom Museum zum Tempelgarten geschaffen wird. Und ganz ehrlich: der Tempel ist unglaublich toll beleuchtet worden. Das sonst triste Weiß ist in ein helles, leicht glänzendes Cremeweiß verwandelt worden und ich habe richtig Hunger bekommen. Der Tempel sah aus wie eine Buttercremetorte. Für diese Tempelbeleuchtung gab es viel, viel Lob. Zu recht.
![]() |
| Buttercremetortentempel... Hunger! |
Die Gartengrupppe hat sich überlegt, welche Elemente aus dem Gartenbereich sie aufnimmt. Sie haben sich entschlossen, das Element der Steine aufzunehmen und spielerisch zu verarbeiten. Das ist ihnen mit 600 (!!!) Lichtbällen wunderbar gelungen. Ein großer Teil der Lichtbälle wurde erst schachbrettförmig auf dem Kies ausgelegt und dann durften die Besucher damit spielen. Sie wurden zu anderen Figuren gelegt, manche sind durch die Luft geworfen worden... und auf jeden Fall haben sie viel Spaß gemacht. Die anderen waren in den Beeten verteilt und sahen zum Teil wie kleine Osternester aus. Auch ganz wundervoll.
![]() |
| Osternester fast zur Weihnachtszeit... |
![]() |
| belle Bälle - wau! |
![]() |
| Playstation. Wie alles anfing, bevor es Computer gab |
Esta Ruppin hat mit Schmalzbroten, Kürbissuppe und Bratwurst aus Heilbrunn (der Hof dort gehört zur Stephanus-Stiftung) und heißen Getränken für das leibliche Wohl gesorgt, die Stadtwerke für ordentlich viel Strom und Verteiler - und ein herzliches Dankeschön geht von den Workshop-Teilnehmern auch an die Nachbarn vom Museum, die sehr kooperativ waren. Viele Räume vom Museum konnten auch besichtigt werden. Sehr spannend!
Nächstes Jahr gibt es dann den 10. Workshop...
Montag, 3. November 2014
Kunst-iör: einem geschenkten Gaul...
...schaut man nicht ins Maul. So ein Sprichwort. Na ja, zu der Zeit, wo das Sprichwort aufgekommen ist, ging es tatsächlich um Pferde und die landeten, wenn die nichts taugten, dann eben in der Pfanne.
Cholesterinarmes Fleisch das von Tieren kommt, die nicht durchs permanente Furzen die Ozonschicht demontieren. Gut, manchmal muss man es durchfrieren um keine Schuhsohlen in der Pfanne zu braten und Dauerkaugummi mit Fleischgeschmack herzustellen, aber ansonsten gar nicht mal so schlecht. Aber abgeschweift. Der "geschenkte Gaul" um den es hier jetzt geht, dem durfte man heute schon mal so richtig "ins Maul" schauen, bevor die Entscheidung fällt, ob man ihn nimmt oder nicht.
In der Galerie "Kunstraum Neuruppin" war jetzt längere Zeit eine Ausstellung zum Thema "Idole". Es war eine gemischte Ausstellung mit gemalten Werken - und welchen in Spiegeltechnik. Vielleicht seit ihr ja mal dort vorbei gelaufen und habt einen Blick durch die Fenster geworfen und diese Spiegelköpfe gesehen, die alles mögliche reflektiert haben.
So sieht der modern gestaltete Fontane aus
Genau so einen Spiegelkopf möchte nun jemand der Stadt Neuruppin schenken - und weil es einen Bezug zu Neuruppin haben sollte und das hiesige Idol Theodor Fontane ist, sollte es ein Fontane werden. Es ist einer geworden, 1,30 m groß und sein vorgesehener "dauerhaft temporärer" Platz ist im Foyer des Alten Gymnasiums. "Dauerhaft temporär" deshalb, weil er abgehängt wird, wenn dort eine andere Ausstellung ist.
Dort wurde er heute zur Probe aufgehängt und man konnte schauen, wie er aussieht und wie es einem gefällt. Und... ja, ich finde ihn gut gelungen - und dort auch sehr passend. Denn es ist zwar das "Alte Gymnasium" - aber von innen ist es ja sehr jung - und bietet auch vielen jungen Menschen dort Raum. Sei es das sie in der Jugendkunstschule etwas lernen, oder Bücher entdecken, Theater machen, Tanzen oder studieren.
So sieht es dann von etwas weiter weg aus, davor sehr dekorativ Herr Bunk, Inhaber der Galerie "Kunstraum Neuruppin" (in schwarz) und Herr Zetzsche, Kulturmanager der Stadt Neuruppin
Ein tolles Kunstwerk an einem tollen Platz. Nun gibt es Menschen, die sagen: "Na ja, ist DAS Kunst?" - Kunst ist nun einmal Vielfalt. Und Glaskunst ist die Spiegeltechnik zweifelsohne. Der Künstler, Herr Menck, erklärte uns dann auch noch den Herstellungsprozess, was sehr interessant war. Für den Spiegel-Fontane brauchte er erst einmal passende Bildvorlagen. Anhand der Vorlagen hat er dann eine Zeichnung angefertigt. Der Unterschied zwischen einer "normalen" Zeichnung und der für den Spiegelentwurf ist, so erklärte er, das er von vorneherein beachten muss, das man den Spiegel nicht einfach x-beliebig schneiden kann. Er muss die Eigenschaften des Materials berücksichtigen, Kurven gehen nur bis zu einem bestimmten Radius, einfach irgendwo etwas heraus schneiden geht gar nicht. Der Entwurf muss also aus Linien bestehen, die auf Glas tatsächlich zu schneiden sind.
Hier erklärt Herr Menck, wie der Kopf entstanden ist. Im Hintergrund Frau Ahlers, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur, Soziales, Schule und Ordnung
Danach werden die einzelnen Teile zugeschnitten, geht ein Teil dabei zu Bruch, muss ein Ersatzstück geschnitten werden. Ebenfalls wird eine Trägerplatte aus Holz mit den Umrissen des Kopfes ausgesägt, geschliffen und schwarz grundiert.
Die einzelnen Spiegelteile werden dann an den Kanten geschliffen, damit sie eben sind, die Kanten werden gefast. Sind alle Teile fertig geschliffen, wäre es letztlich nur wie ein normaler Spiegel, wenn man alle Teile gleich plan aufkleben würde. Der Effekt, und damit die Kunst ist, sie mit so viel Winkel aufzukleben, dass sich am Ende eine vielfältige Spiegelung ergibt. Das ist ziemlich gut gelungen - und je nachdem, wo man vor dem Teil steht, spiegelt sich etwas Anderes.
"Da fehlt ein Teil!" meinte dann jemand und deutete auf ein sehr langes schmales Dreieck am unteren Rand. Nein, da fehlte nichts. Genau in dem Stück spiegelte sich der schwarze Pullover von der Person. Im Teil daneben schon wieder etwas völlig Anderes.
Und so sieht es aus, wenn der Fotograf der MAZ versucht, nicht auf dem Bild zu erscheinen, das er gerade macht.
Es gibt Kunst zum Anfassen, und Kunst, um sich darin zu spiegeln. Das Teil ist Kunst, in der man sich spiegeln kann, in der man auf Entdeckungsreise gehen kann "Was sehe ich, wenn ich immer ein Schritt weiter gehe?". Ich denke, daran werden Leute viel Freude haben. Es ist ein tiefsinniges, niedrigschwelliges und Spaß machendes Kunstwerk an einem wirklich tollen Platz.
Herr Bunk, der Galerist meinte dann: "Interessant ist doch auch, das man sich als Neuruppiner in Fontane spiegeln kann - und sich fragen kann: Was bedeutet er mir?". Auch das. Neuruppin ist nun einmal Fontane-Stadt. Ein altbackenes Fontane-Gemälde wäre wirklich uninteressant und langweilig, das guckt man sich an, sagt: "Na ja, ganz nett!" und das war´s dann meistens.
Warum aber heute nur Probe hängen? Weil so ein Kunstwerk im Wert von 2500 Euro, das jemand der Stadt schenken will, letztlich auch ein Politikum ist. Ja, es hätte an vielen vorbei einfach angenommen werden können. Getreu dem Motto: "Leute, wir bekommen etwas geschenkt" und alle sind froh, das es nix kostet und sagen ja und Amen. Das wäre dann wirklich so ein "geschenkter Gaul, dem man nicht ins Maul schaut".
Die Beschlussvorlage zu dieser Schenkung geht aber zum Haupt- und Finanzausschuss (Entgegennahme einer Sachspende) - und in den Kulturbeirat (dito) zur Diskussion. Gerade der neue Kulturbeirat möchte sich damit befassen, das es in Zukunft eine Art Leitlinie für Kunst im öffentlichen Raum gibt und nicht jeder, der will, einfach sagt: "Leute, ich schenke euch jetzt mal was, stellt das da und da auf!". Das gab es bisher mehr oder minder und letztlich stehen im Stadtgebiet ziemlich zusammenhangslos irgendwelche Kunstwerke. Davon zum Teil nach dem Motto: "Einem geschenkten Gaul...".
So wird auch ein riesiger Pater Wichmann aufgestellt, den die Lions Herren von dem Künstler anfertigen lassen, der auch den Parzival hergestellt hat. Da wurde nicht vorab gefragt: "Wie ist das, gibt es da Einwände gegen?". Sondern der Beigeschmack "Wer blecht, der bestimmt" bleibt und es ist die Frage, warum die Lions-Herren einen Pater Wichmann an exponierter Stelle aufstellen lassen dürfen - aber eine andere Person, die gerne eine große Krümelmonster-Figur stiften wollte, wurde abgewiesen?
Wie ihr seht, es ist manchmal gar nicht so einfach mit der Kunst. Schon gar nicht im öffentlichen Raum.
Cholesterinarmes Fleisch das von Tieren kommt, die nicht durchs permanente Furzen die Ozonschicht demontieren. Gut, manchmal muss man es durchfrieren um keine Schuhsohlen in der Pfanne zu braten und Dauerkaugummi mit Fleischgeschmack herzustellen, aber ansonsten gar nicht mal so schlecht. Aber abgeschweift. Der "geschenkte Gaul" um den es hier jetzt geht, dem durfte man heute schon mal so richtig "ins Maul" schauen, bevor die Entscheidung fällt, ob man ihn nimmt oder nicht.
In der Galerie "Kunstraum Neuruppin" war jetzt längere Zeit eine Ausstellung zum Thema "Idole". Es war eine gemischte Ausstellung mit gemalten Werken - und welchen in Spiegeltechnik. Vielleicht seit ihr ja mal dort vorbei gelaufen und habt einen Blick durch die Fenster geworfen und diese Spiegelköpfe gesehen, die alles mögliche reflektiert haben.
Genau so einen Spiegelkopf möchte nun jemand der Stadt Neuruppin schenken - und weil es einen Bezug zu Neuruppin haben sollte und das hiesige Idol Theodor Fontane ist, sollte es ein Fontane werden. Es ist einer geworden, 1,30 m groß und sein vorgesehener "dauerhaft temporärer" Platz ist im Foyer des Alten Gymnasiums. "Dauerhaft temporär" deshalb, weil er abgehängt wird, wenn dort eine andere Ausstellung ist.
Dort wurde er heute zur Probe aufgehängt und man konnte schauen, wie er aussieht und wie es einem gefällt. Und... ja, ich finde ihn gut gelungen - und dort auch sehr passend. Denn es ist zwar das "Alte Gymnasium" - aber von innen ist es ja sehr jung - und bietet auch vielen jungen Menschen dort Raum. Sei es das sie in der Jugendkunstschule etwas lernen, oder Bücher entdecken, Theater machen, Tanzen oder studieren.
![]() |
Ein tolles Kunstwerk an einem tollen Platz. Nun gibt es Menschen, die sagen: "Na ja, ist DAS Kunst?" - Kunst ist nun einmal Vielfalt. Und Glaskunst ist die Spiegeltechnik zweifelsohne. Der Künstler, Herr Menck, erklärte uns dann auch noch den Herstellungsprozess, was sehr interessant war. Für den Spiegel-Fontane brauchte er erst einmal passende Bildvorlagen. Anhand der Vorlagen hat er dann eine Zeichnung angefertigt. Der Unterschied zwischen einer "normalen" Zeichnung und der für den Spiegelentwurf ist, so erklärte er, das er von vorneherein beachten muss, das man den Spiegel nicht einfach x-beliebig schneiden kann. Er muss die Eigenschaften des Materials berücksichtigen, Kurven gehen nur bis zu einem bestimmten Radius, einfach irgendwo etwas heraus schneiden geht gar nicht. Der Entwurf muss also aus Linien bestehen, die auf Glas tatsächlich zu schneiden sind.
Hier erklärt Herr Menck, wie der Kopf entstanden ist. Im Hintergrund Frau Ahlers, Vorsitzende des Ausschusses für Kultur, Soziales, Schule und Ordnung
Danach werden die einzelnen Teile zugeschnitten, geht ein Teil dabei zu Bruch, muss ein Ersatzstück geschnitten werden. Ebenfalls wird eine Trägerplatte aus Holz mit den Umrissen des Kopfes ausgesägt, geschliffen und schwarz grundiert.
Die einzelnen Spiegelteile werden dann an den Kanten geschliffen, damit sie eben sind, die Kanten werden gefast. Sind alle Teile fertig geschliffen, wäre es letztlich nur wie ein normaler Spiegel, wenn man alle Teile gleich plan aufkleben würde. Der Effekt, und damit die Kunst ist, sie mit so viel Winkel aufzukleben, dass sich am Ende eine vielfältige Spiegelung ergibt. Das ist ziemlich gut gelungen - und je nachdem, wo man vor dem Teil steht, spiegelt sich etwas Anderes.
"Da fehlt ein Teil!" meinte dann jemand und deutete auf ein sehr langes schmales Dreieck am unteren Rand. Nein, da fehlte nichts. Genau in dem Stück spiegelte sich der schwarze Pullover von der Person. Im Teil daneben schon wieder etwas völlig Anderes.
Und so sieht es aus, wenn der Fotograf der MAZ versucht, nicht auf dem Bild zu erscheinen, das er gerade macht.
Es gibt Kunst zum Anfassen, und Kunst, um sich darin zu spiegeln. Das Teil ist Kunst, in der man sich spiegeln kann, in der man auf Entdeckungsreise gehen kann "Was sehe ich, wenn ich immer ein Schritt weiter gehe?". Ich denke, daran werden Leute viel Freude haben. Es ist ein tiefsinniges, niedrigschwelliges und Spaß machendes Kunstwerk an einem wirklich tollen Platz.
Herr Bunk, der Galerist meinte dann: "Interessant ist doch auch, das man sich als Neuruppiner in Fontane spiegeln kann - und sich fragen kann: Was bedeutet er mir?". Auch das. Neuruppin ist nun einmal Fontane-Stadt. Ein altbackenes Fontane-Gemälde wäre wirklich uninteressant und langweilig, das guckt man sich an, sagt: "Na ja, ganz nett!" und das war´s dann meistens.
Warum aber heute nur Probe hängen? Weil so ein Kunstwerk im Wert von 2500 Euro, das jemand der Stadt schenken will, letztlich auch ein Politikum ist. Ja, es hätte an vielen vorbei einfach angenommen werden können. Getreu dem Motto: "Leute, wir bekommen etwas geschenkt" und alle sind froh, das es nix kostet und sagen ja und Amen. Das wäre dann wirklich so ein "geschenkter Gaul, dem man nicht ins Maul schaut".
Die Beschlussvorlage zu dieser Schenkung geht aber zum Haupt- und Finanzausschuss (Entgegennahme einer Sachspende) - und in den Kulturbeirat (dito) zur Diskussion. Gerade der neue Kulturbeirat möchte sich damit befassen, das es in Zukunft eine Art Leitlinie für Kunst im öffentlichen Raum gibt und nicht jeder, der will, einfach sagt: "Leute, ich schenke euch jetzt mal was, stellt das da und da auf!". Das gab es bisher mehr oder minder und letztlich stehen im Stadtgebiet ziemlich zusammenhangslos irgendwelche Kunstwerke. Davon zum Teil nach dem Motto: "Einem geschenkten Gaul...".
So wird auch ein riesiger Pater Wichmann aufgestellt, den die Lions Herren von dem Künstler anfertigen lassen, der auch den Parzival hergestellt hat. Da wurde nicht vorab gefragt: "Wie ist das, gibt es da Einwände gegen?". Sondern der Beigeschmack "Wer blecht, der bestimmt" bleibt und es ist die Frage, warum die Lions-Herren einen Pater Wichmann an exponierter Stelle aufstellen lassen dürfen - aber eine andere Person, die gerne eine große Krümelmonster-Figur stiften wollte, wurde abgewiesen?
Wie ihr seht, es ist manchmal gar nicht so einfach mit der Kunst. Schon gar nicht im öffentlichen Raum.
Montag, 4. August 2014
Kunst-iör: Kommunizierende Formen auf dem Skulpturenpfad
Ferienzeit. Ich habe meine Speicherkarte durchgeschaut und bin von einer wahren Bilderflut erschlagen worden. Derzeit habe ich rund 300 Referenzbilder aus dem Fotolabor zu beschriften und thematisch zu sortieren. Alles immer nur digital ist ja auch doof, also ein bisschen analog ist da gar nicht mal so verkehrt.
Unter gekommen ist mir dabei auch eine Bilderserie. Weil ich "Kunst-iör" - also "Kunst im öffentlichen Raum" ja als Reihe machen wollte, dachte ich mir, es passt eigentlich ganz gut. Manchmal hört oder liest man noch das Wort "Skulpturenpfad" im Zusammenhang mit unserer Stadt.
Der Skulpturenpfad wurde 2005 eingerichtet und verschiedene internationale Künstler haben dafür Werke geschaffen. Manche kann man noch sehen, so wie den Löwen auf dem Neuen Markt oder "Axis Mundi", den Weltenbaum, beim Amtsgericht oder die "Dreieinigkeit" hinter der Klosterkirche. Andere leider nicht mehr. Wahrscheinlich ist es dem Skulpturenpfad so wie vielen anderen Pfaden ergangen - mit der Zeit wurde er immer mehr vergessen und ist quasie wieder zugewuchert. Ab und an sieht man halt noch, dass da mal was gewesen ist, aber wie und was genau...
Laut dem Neuruppiner "Kulturentwicklungskonzept" das im September 2011 herausgekommen ist, müsste es am Bollwerk noch ein Kunstwerk "Die Wartende" geben - und auf dem Schulplatz eines, das "Bürger" heisst. Wir sind im Sommer 2012 hergezogen, da waren die Kunstwerke dort schon nicht mehr zu sehen. Im Moment ist Urlaubszeit, aber danach würde ich gerne wissen, wo die geblieben sind, da sie der Stadt letztlich auch vom Rotary Club geschenkt worden sind.
Wahrscheinlich kennen viele von euch das hier:
Das Kunstwerk steht zwischen den Bäumen in der Nähe der Post. Wer näher herangeht, kann lesen, das es "Kommunizierende Formen" heisst.
"Ja, ganz nett... aber was soll mir das sagen???" taucht vielleicht als Gedanke auf.
"Kommunizierende Formen" ist vom russischen Künstler Aleksander Posin, der am 7. August 1957 in Ufa (in diesem Fall ist nicht das Filmstudio gemeint) geboren wurde. 20 Jahre später hatte er seinen Abschluss der Fachschule für Bildhauerei in der Hand.
Posins Werk gehört zu denen, die man noch sehen kann. Würde man es schrubben, sähe man besser, das es nicht einfach nur zwei Steine sind, sondern sich die Steine aus mindestens zwei verschiedenen pro Stück zusammensetzen. Vielleicht nehme ich mir irgendwann einfach mal einen Eimer und eine Bürste, weil ich heute wieder vor dem Teil gestanden habe und einfach nicht klar zu erkennen war, ob auch vertikal Platten zusammengesetzt worden sind.
Alexander Posin wird diese Woche 57 Jahre alt. Ich hätte gerne gewusst, was er sich dabei gedacht hat, als er diese Steine bearbeitet hat, was ihn inspiriert hat. Vielleicht ist er ja Hobbykoch oder so und hat eine Vorliebe für Knoblauch. Denn - zugegeben - genau so sehen die Dinger aus. Wie Knoblauchzehen.
Aber es wäre ja doof, ein Kunstwerk nur "Zwei Knoblauchzehen" zu nennen. "Kommunizierende Formen" klingt doch viel imposanter. Nach viel mehr: "Na, dann macht euch mal Gedanken, liebe Leute, was die wohl miteinander kommunizieren!".
Für eure Ideen diesbezüglich bin ich sehr dankbar. Da ich die normale Aufnahme von den Dingern eigentlich total matschig und unattraktiv finde, hier nun ein paar HDR-Art-Aufnahmen davon:
Ähm, Farino und Joey ist es verboten, Kunstwerke anzupinkeln! Nur mal so nebenbei...
Was man hier auf den HDR-Art-Bildern übrigens sehr gut sieht, sind die verschiedenfarbigen Steine, aus denen das Kunstwerk zusammengesetzt wurde.
Was denkt ihr, was die Kunstwerke kommunizieren???
Unter gekommen ist mir dabei auch eine Bilderserie. Weil ich "Kunst-iör" - also "Kunst im öffentlichen Raum" ja als Reihe machen wollte, dachte ich mir, es passt eigentlich ganz gut. Manchmal hört oder liest man noch das Wort "Skulpturenpfad" im Zusammenhang mit unserer Stadt.
Der Skulpturenpfad wurde 2005 eingerichtet und verschiedene internationale Künstler haben dafür Werke geschaffen. Manche kann man noch sehen, so wie den Löwen auf dem Neuen Markt oder "Axis Mundi", den Weltenbaum, beim Amtsgericht oder die "Dreieinigkeit" hinter der Klosterkirche. Andere leider nicht mehr. Wahrscheinlich ist es dem Skulpturenpfad so wie vielen anderen Pfaden ergangen - mit der Zeit wurde er immer mehr vergessen und ist quasie wieder zugewuchert. Ab und an sieht man halt noch, dass da mal was gewesen ist, aber wie und was genau...
Laut dem Neuruppiner "Kulturentwicklungskonzept" das im September 2011 herausgekommen ist, müsste es am Bollwerk noch ein Kunstwerk "Die Wartende" geben - und auf dem Schulplatz eines, das "Bürger" heisst. Wir sind im Sommer 2012 hergezogen, da waren die Kunstwerke dort schon nicht mehr zu sehen. Im Moment ist Urlaubszeit, aber danach würde ich gerne wissen, wo die geblieben sind, da sie der Stadt letztlich auch vom Rotary Club geschenkt worden sind.
Wahrscheinlich kennen viele von euch das hier:
Das Kunstwerk steht zwischen den Bäumen in der Nähe der Post. Wer näher herangeht, kann lesen, das es "Kommunizierende Formen" heisst.
"Ja, ganz nett... aber was soll mir das sagen???" taucht vielleicht als Gedanke auf.
"Kommunizierende Formen" ist vom russischen Künstler Aleksander Posin, der am 7. August 1957 in Ufa (in diesem Fall ist nicht das Filmstudio gemeint) geboren wurde. 20 Jahre später hatte er seinen Abschluss der Fachschule für Bildhauerei in der Hand.
Posins Werk gehört zu denen, die man noch sehen kann. Würde man es schrubben, sähe man besser, das es nicht einfach nur zwei Steine sind, sondern sich die Steine aus mindestens zwei verschiedenen pro Stück zusammensetzen. Vielleicht nehme ich mir irgendwann einfach mal einen Eimer und eine Bürste, weil ich heute wieder vor dem Teil gestanden habe und einfach nicht klar zu erkennen war, ob auch vertikal Platten zusammengesetzt worden sind.
Alexander Posin wird diese Woche 57 Jahre alt. Ich hätte gerne gewusst, was er sich dabei gedacht hat, als er diese Steine bearbeitet hat, was ihn inspiriert hat. Vielleicht ist er ja Hobbykoch oder so und hat eine Vorliebe für Knoblauch. Denn - zugegeben - genau so sehen die Dinger aus. Wie Knoblauchzehen.
Aber es wäre ja doof, ein Kunstwerk nur "Zwei Knoblauchzehen" zu nennen. "Kommunizierende Formen" klingt doch viel imposanter. Nach viel mehr: "Na, dann macht euch mal Gedanken, liebe Leute, was die wohl miteinander kommunizieren!".
Für eure Ideen diesbezüglich bin ich sehr dankbar. Da ich die normale Aufnahme von den Dingern eigentlich total matschig und unattraktiv finde, hier nun ein paar HDR-Art-Aufnahmen davon:
![]() |
| Boah, Kumpel, das ist sooo stinklangweilig hier tagein tagaus zu stehen... |
![]() |
| Yo man, voll ätzend, da hinten ist wieder Action... hier nur, wenn uns die Hunde anpinkeln... |
Ähm, Farino und Joey ist es verboten, Kunstwerke anzupinkeln! Nur mal so nebenbei...
![]() |
| Ach, seufz, stell dir vor, wir wären richtige Knobi-Zehen... dann könnten wir so richtig rumstinken! |
Was man hier auf den HDR-Art-Bildern übrigens sehr gut sieht, sind die verschiedenfarbigen Steine, aus denen das Kunstwerk zusammengesetzt wurde.
Was denkt ihr, was die Kunstwerke kommunizieren???
Sonntag, 4. Mai 2014
Kunst-iör: Das unmögliche Dreieck
Gestern, am 3.Mai, wurde am
Certaldo-Kreisel das Kunstwerk eingeweiht. Für mich war es auch
deshalb ganz interessant, weil in der ersten
Stadtverordentenversammlung, die ich in Neuruppin überhaupt besucht
habe, darüber abgestimmt worden ist, welcher der drei vorliegenden
Entwürfe für diesen Kreisel letztlich genommen wird.
![]() | |
| aus Richtung Westbahnhof |
Schön, wenn man dann so ein Projekt
fertig sieht, es erklärt bekommt und auch etwaige Bedenken dann
ausgeräumt werden. „Das unmögliche Dreieck“ ist eine optische
Illusion. Vielleicht kennen einige der Leser den Zeichner M. C.
Escher (guckstdu), der ist für seine gezeichneten
optischen Illusionen sehr bekannt.
![]() |
| vom Nymburg-Ring aus |
„Das unmögliche Dreieck“ ist ein
Entwurf von Carlo Vanni, dem Stadtarchitekten aus Certaldo und
dortigen Kollegen unseres Baudezernenten, Herrn Krohn.
![]() |
| Carlo Vanni, Stadtarchitekt von Certaldo |
Es ist ja auch
nicht nur damit getan gewesen, dass Carlo Vanni einen Entwurf
zeichnet und die Mehrheit dann gesagt hat: „OK, wir nehmen genau
das!“ (wobei viele Einwohner eigentlich eher mit einer Chimäre aus
Trabbi und Fiat500 mitten auf dem Verkehrskreisel gerechnet haben...
das muss einfach mal erwähnt werden). Danach musste ein Statiker
ausrechnen, ob man das Teil überhaupt bauen kann ohne das es
irgendwann zusammenbricht und eine Metallbaufirma gefunden werden,
die einen Weg findet, den Entwurf dann auch „in echt“ umzusetzen.
Fundamente mussten berechnet werden und vieles, vieles mehr. Kunst im
öffentlichen Raum sieht oft einfach aus - aber dahinter steckt
mitunter so unglaublich viel mehr, was man sich als normaler Bürger
gar nicht so vorstellen kann.
![]() |
| von der Mesche aus gesehen |
Die Zusammenarbeit zwischen allen
Beteiligten hat dann zu einem sehr schönen Ergebnis geführt.
![]() |
| (fast) vom Certaldoring aus ;-) |
Die
Erklärung von Carlo Vanni : “Man wäre daran gewachsen“
interpretiere ich mal so, das es nicht immer ganz reibungslos
vonstatten ging, was ja normal ist, wenn so viele Leute dran
beteiligt sind. Jedenfalls zauberte sie mir ein breites Grinsen aufs
Gesicht.
![]() | |
| Stele mit Guckloch |
Ein besonderer Dank ging dann noch an
die Firmen Huch Behälterbau und die Firma Kaartsch. Die beiden
Firmen haben durch ihr Sponsoring die Stelen ermöglicht, die an zwei
Stellen aufgebaut sind und durch deren Guckloch man einen perfekten
Blick auf "Das unmögliche Dreieck“ bekommt. Wissen sollte man
auch, das von der einen Seite die Farben der Deutschlandflagge zu
sehen sind – und von der anderen Seite die Farben der Italienischen
Flagge. Da habe ich in den letzten Wochen gar nicht drauf geachtet,
wenn ich mit den Wuffels zur Mesche raus bin, aber jetzt weiß ich es
halt.Den perfekten Blick hat man zu Fuß beim Blick durch die runden Gucklöcher an den Stelen.
![]() |
| Blick via Kamera durch eine Stele |
Was noch? Es wurden einige Reden
gehalten, klar – und anwesend waren vor allem Schüler vom EVI,
weil dort gerade auch Gastschüler aus Certaldo sind. Ausserdem gibt
es in verschiedenen Neuruppiner Firmen gerade Praktikanten aus
Certaldo. Das finde ich sehr bemerkenswert – und genau das
verbindet ja letztlich auch. „Europa“ klingt ja oft sehr abstrakt
und weit weg, als ob es uns hier eigentlich gar nichts angeht. Aber
eine Städtepartnerschaft die so eng ist und so viel Austausch hat,
ist auch ein großes Stück gelebtes Europa – hier in Neuruppin.
Damit ist der europäische Gedanke auch ganz konkret zu begreifen.
Egal, ob man es gut oder schlecht findet, was mitunter im Namen
„Europas“ so verzapft wird – Fakt ist, das Neuruppin und die
Bürger durchaus oft davon profitieren – und nicht nur bei den
Städtepartnerschaften, sondern bei vielen geförderten Projekten.
Das sollten sich einige chronische Meckerfritzen mal bewusst machen,
die in erster Linie nur sehen, wieviel Geld anderswo hin verschwindet
und gerne übersehen, wieviel wir hier auch über diverse Fonds davon
profitieren und wieviel Geld damit letztlich auch in Neuruppin
landet.
![]() |
| Logos beider Städte auf den Stelen |
Was noch? Letztes Jahr habe ich eine tief betroffene Facebook-Meldung gelesen, das es in Certaldo einen schweren Autounfall gegeben hat und dabei diejenige, die sich mit am meisten für die Städtepartnerschaft eingesetzt hat, ums Leben gekommen ist. Ich habe zugegeben nicht so sonderlich viel Ahnung von den Städtepartnerschaften (weil Menschen wir ich und Nick letztlich auch nicht sonderlich viel davon haben), aber wenn so etwas dann passiert, finde ich es selbst auch sehr traurig und berührend.
Ich sehe es so: Ein Mensch ist
eigentlich erst dann wirklich tot, wenn man ihn vergessen hat.
Solange er in den Erinnerungen weiterlebt, in Geschichten und
Anekdoten... so lange taucht er immer mal wieder auf – wenn eben
auch in Erinnerungen. Es gibt ja immer mal wieder von irgendwelchen
Menschen die Bemühungen, unsterblich zu werden. Unsterblich wird ein
Mensch aber genau dadurch: das man sich an ihn oft und gerne erinnert
und damit etwas von ihm und seiner Art „weiterträgt“. Es ist von
daher wirklich eine großartige und ungemein menschliche Geste, das
an beiden Stelen an Cristina Lazzeri gedacht wird.
Es soll Autofahrer geben, die mehrmals um den Kreisel fahren, damit sie das Kunstwerk von allen Seiten sehen. Ich empfehle, den Parkplatz vom Discounter zu nutzen und zu Fuß einmal um den Kreisel zu laufen, damit man durch die Stelen gucken kann - die auch noch Hinweistafeln auf die Städtepartnerschaft mit Certaldo bekommen.
Abonnieren
Posts (Atom)
































