Montag, 2. Mai 2022

Von Straßensperren, Mai, Kotzerei und einem Rülpswettbewerb

Maifeiern auf einem Dorf ist schon recht krass. Eigentlich sind wir Samstag noch nach Hemmelte zum Regiomarkt gefahren, weil ich DACHTE, da wäre ein Hähnchenwagen. Falsch gedacht. Aber sehr typisch für mich war die Überlegung, ob das Dorf zu einer Großbaustelle wird, weil überall Straßenabsperrungen rumliegen. Ich immer so zu Nick: „Meine Fresse, DA liegt auch was! Ich glaube, ich habe irgendetwas verpasst!“. Also gegoogelt. Nichts gefunden. Auf die Seite vom Heimatverein, letzter Eintrag von 2018...

Die arme Sau im Baum...

War 1. Mai. Samstag haben schon viele Leute gefeiert und sind durch die Lande gezogen. Ich nur mit Joey, sehr gut gelaunt und "Versuchs mal mit Gemütlichkeit..." von Balou der Bär singend – bis ich mir irgendwie das Knie verknackt habe. Scheiße, das tat weh... und noch ein paar Kilometer bis nach Hause. Das war echt übelst. Und nicht mehr gemütlich. Aber ich habe dann an unsere Abenteuertour in Neuruppin gedacht, ziemlich am Anfang als wir hingezogen sind. Sonntags. Und Nick ist quasi fernab der Zivilisation auf einem Haufen Äpfel ausgerutscht und hat sich richtig übel das Knie verdreht. Wir hatten beide Hunde dabei – und es gab zu der Zeit sonntags kein Taxi in der Stadt. 2,5 Kilometer bis zur Wohnung im Schneckentempo mit vielen Pausen zurücklaufen und immer wieder Tränen trocknen, weil es ihm richtig scheiße weh getan hat.

Mittlerweile bin ich schon ganz froh, dass er sich von der Chemo soweit erholt, dass er wieder stabiler steht und nicht wie 75 Kilo Kartoffelsack immer zusammensinkt. Mit viel Stützen kann er wieder ein paar Schritte laufen. Als wir 2009 nach Wuppertal gezogen sind, hat er wenige hundert Meter mit Mühe geschafft. Nach zwei Jahren hatten wir dann mal eine 15 Kilometer-Tour, die er gut gemeistert hat. Wir hatten echt eine tolle Zeit – und haben so unglaublich viel geschafft. Und jetzt bin ich schon froh, wenn er mit wirklich viel Hilfe ein paar Meter läuft ohne hinzufallen oder es schafft, den Rolli durch die Wohnung zu bekommen und auch mal einen Tag nicht kotzt oder ein bisschen mehr als drei Becher voll trinkt. Ganz schön krass!

Ich bin jetzt auch „kotzerprobt“ und kann notfalls weiter essen, während ich zugucke, wie Nick kotzt und bin auch recht zügig im Schüssel oder Tuch anreichen. Man wächst an und mit den Aufgaben. Wobei mich am Meisten an der Kotzerei der Flüssigkeitsverlust stört. Während der Chemo hat Nick zum Schluss so wenig getrunken, dass bei der Blutbildkontrolle kein Tropfen Blut zu bekommen war. Dann hat es sich auf die Verdauung so übel ausgewirkt, dass er einen Tag darauf richtig viel getrunken hat. Ich habe bestimmt fünf Mal gefragt, ob er auf Toilette muss - „Nein“. Der Körper hat alles aufgesaugt wie ein Schwamm. Unglaublich.

Wobei es auch immer wieder Situationen gibt, wo wir trotz allem (und dazu gehört mittlerweile auch eine sehr eingeschränkte Mimik von Nick) Momente haben, wo wir uns kringelig lachen können. Über irgendwelchen Unfug. Gestern war es mit Marie ein Rülpswettbewerb. Und ja, das war saukomisch!

Zu den Bildern: auf der Hunderunde bin ich wieder an einem Baum vorbei gekommen, der eine kleine Besonderheit hat. Die finde ich so zum schmunzeln, dass ich das natürlich gleich zu einer Geschichte verwurschteln muss. Dabei habe ich dann gemerkt, ich bin so alt, ich kenne noch Bauern, die ihre ausrangierten Anzugjacken im Stall an hatten. Das war voll normal. Nicht wie heute extra Hörner-Bertel-Emu-Klamotten.








Freitag, 22. April 2022

von Ostern, Ärzten und Essen

 

Ne, wat schöööön, Ostern 2022


Also eigentlich ist Ostern dieses Jahr bei uns ausgefallen, weil „is nich“ und „keine Lust“ und überhaupt, wir haben andere Sorgen. Aber mein mitunter etwas alberner Kopf hatte vor Ostern noch richtig viel Spaß daran, sich am Wort „Kreisverbandsarzt“ auszuleben. Eckig kann der nicht und eiförmig wird bestimmt auch schwer. Königsdisziplin wird dann wahrscheinlich „Stichwunden“ sein, bei der eine Dartscheibe mit mehreren Pfeilen vernünftig verbunden wird. 


Ostern als Kreisverbandsarzt ist jedes Jahr eine besondere Herausforderung


Ein Ostergeschenk gab es dann doch, über das ich mich gefreut habe: Es kam ein Päckchen aus Leipzig von der Schäferin Sandra, die noch ein handgroßes Stück Kirschholz vom im Sturm umgewehten Baum ihrer Streuobstwiese hatte. Das habe ich bekommen, weil sie die Fotos von den Sachen sieht, die durch meine Hände entstehen. Ich finde es ganz spannend, verschiedene Hölzer zu verarbeiten, allerdings sind Harthölzer wie Buche oder Eiche super anstrengend zu schnitzen und dann macht es keinen Spaß mehr. Wusstet Ihr, das Sägespäne „Männerglitzer“ sind? Ist das nicht ein total schönes Wort?!


 


Mein Osterüberraschung: ein Stück Kirschholz

Aber der ganze Schokokram etc. ist dieses Jahr weggefallen, auch weil Nick das derzeit nicht darf. Und ich zu dick werde. Samstag waren wir nachmittags mit Kai und Marie grillen. Da Nick wegen der Chemo mit dem Essen aufpassen muss, haben wir noch einen Sack Kartoffeln gekauft und Pellkartoffeln mitgebracht. Von einigen Dingen darf Junior gar nichts, von anderen ein paar Gramm und wieder andere sind erlaubt, im Prinzip geht es um einen Stoff der sich Tyramin nennt. Tyramin ist etwas, dass bei der Verarbeitung von Lebensmitteln durch die stattfindenden chemischen Prozesse entstehen kann. Wenn z. B. Eine Banane so reift, bis sie braun wird, ist das ja im Grunde ein chemischer Prozess. Bei einer Banane entsteht dabei ebenfalls Tyramin. Ebenso bei ungekochten sauer eingelegten Dingen oder bei fermentierten Dingen, wie z. B. Käse. Frischkäse geht noch, aber Schimmelkäse wie Brie und Camenbert oder Hartkäse wie Gouda geht nicht. Frische weiche Salami geht, harte Salami nicht. Frisch gekochte Sachen aus den erlaubten Dingen gehen, Reste sofort in den Kühlschrank und binnen 24 Stunden aufessen.

Das ist jetzt mit einem großen Topf voll Bologneseeintopf etwas blöd gelaufen, weil das Essen noch 3 Stunden lang zu warm für den Kühlschrank war. Aber da der mild gewürzt ist, teilen Joey und ich uns den Rest und für Nick wird frisch gekocht. Also falls er nicht schon wie heute, schon das Frühstück quer durch die Küche kotzt und nachmittags dann nochmal alles vollkotzt. Dann gibt’s nur Salzstangen und wir müssen gucken, was drin bleibt. Frisch gepresster O-Saft bis 100 Milliliter geht, gekaufter geht nicht. Laut Medikationsplan geht Cola nicht, laut Recherche geht Cola doch. Da es eines der wenigen Dinge ist, die Nick trinkt, gibt es – wie üblich - WENIG Cola. Es ist ein bisschen Kuddelmuddel und das Blöde ist einfach, dass ich mir die wirklich wichtigen Informationen selbst aus dem Internet suchen muss. Tyramin kann übrigens Migräne auslösen und muss auch bei einem bestimmten Wirkstoff von Antidepressiva vermieden werden. Aber das Raussuchen ist nur blöde und kein Berg, weil irgendwann hatte ich da ja mal eine zweite Ausbildung in dem Bereich angefangen und das war sehr spannend. 

Nachdem heute dann beide riesen-kuschel-Decken-Pullis, kurz: „Oodies“ vollgekotzt wurden, trägt er jetzt meinen und ich habe noch welche nachbestellt. Einen dicken, zwei aus Flanell und einen Surfponcho aus Frottee, der ist nach dem Duschen ganz praktisch (auch weil ich den Fön reinhalten kann und damit das Abtrocknen schneller geht). Fast alle Kuscheljacken passen mittlerweile nicht mehr – und wenn er sich in den Kuscheldingern wohl fühlt und die weder Schmerzen noch Würgereiz auslösen, dann soll er sie tragen. Meine zweite Lieblingsweste trägt er mittlerweile auch schon, wenn wir unterwegs sind, die passt nämlich über so ein Teil.

Die Auswirkung von Tyramin wäre bei Nick unter anderem Bluthochdruck. Aber es blockiert auch irgendwelche Aufnahmen von Medikamentenwirkstoffen oder haut da anderswie richtig übel quer. Deshalb stocken wir unser häuslicher Pflegearsenal jetzt mit einem Blutdruckmessgerät auf, dass eine App-Aufzeichnung hat. Zu sagen: „Gibt dann halt vielleicht Bluthochdruck“ ist eben doof, wenn ich nicht weiß, wie der Normalwert ist und keine Gelegenheit habe, irgendwie zwischendurch mal zu kontrollieren. (Oh, da ist ein komisches Zeichen beleuchtet, erst mal gucken, was das bedeutet.... UNREGELMÄSSIGER HERZSCHLAG. Ah ja...)

Letztlich waren die letzten zwei / drei Wochen dann wieder so voller Erlebnisse aus dem medizinischen Bereich, dass ich immer noch in Gedanken auf den blöden Erlebnissen herumkaue wie auf einer alten Schuhsohle. Ich verstehe das „warum ist jemand so scheiße drauf?“ nicht. Je problemloser die Patienten, desto schneller sind sie abgefertigt. Bei mir waren es etwa 3 Minuten. Schnell, schnell, schnell, Diagnose um die Ohren hauen und verschwinden. Ich weiß bis heute nicht, wie der Arzt heißt, weil er nicht zu den Fotos von dem Praxisteam passt. Aber da ich für ihn offensichtlich ein Stück menschlicher Müll bin, werden wir uns ohnehin nicht wiedersehen. Tut mir leid für die Mühe, die sich gemacht wurde, damit ich den Termin bekomme. 

Auf Twitter hat heute eine Ärztin geschrieben, sie hätte sich Zeit genommen, einer Patientin mit nicht herauszufindender Diagnose einfach mal zuzuhören. Die Patientin hätte sich dann mit den Worten: „Sie sind der erste Arzt, der mir wirklich zugehört hat!“ bedankt. Nach einer wahren Ärzte-Odysee. Es gab darauf viele Berichte von anderen Ärzten, die ähnliches erlebt haben und von Menschen, die als Patienten am „nicht zuhören können“ der Ärzte mehr und mehr verzweifeln. Ich bin also in guter Gesellschaft.

Es ist völlig in Ordnung, wenn ein Mensch sagt: „Ich habe Angst vor dem Zahnarzt, kennt jemand einen, der gut mit Angstpatienten umgehen kann?“. Das ist überhaupt kein Problem, man bekommt Tipps wer das gut kann und niemand sagt: „Du stellst dich einfach nur blöd an!“ oder „Du willst ja nur nicht!“ oder macht sich über dich lustig. Ein Problem wird es nur, wenn man grundsätzlich Angst vor Ärzten hat. Dann ist das alles nur blöde Anstellerei und man soll sich nicht so haben und wenn man all die super Ratschläge nicht befolgt, die Menschen einem geben, die sich nicht einmal im Ansatz vorstellen können, wie das so tatsächlich ist, dann will man einfach nur nicht.

Tja, dann ist das wohl so. Dann kennen einen viele Menschen, die oft nicht einmal im Ansatz wissen, was alles passiert ist und warum manche Dinge so sind, wie sie sind, mich wohl viel, viel besser als ich mich selbst. Und ich lebe mit mir nun schon 54 Jahre. 

Montag, 11. April 2022

Von Maulwurfshaufen, Bleistiften und der Port-OP

 

Es gibt Dinge, die sind für manche Menschen so einfach zu überwinden wie Maulwurfshaufen. Die werden für mich immer wie der Himalaya sein. Umgekehrt gibt es Dinge, die für Andere wie unüberwindbare Berge sind – und für mich wie Maulwurfshaufen. Manchmal sieht man aber eben nicht, dass die eigenen Maulwurfshaufen für einen anderen Menschen ein Ausflug ins Hochgebirge ist. Ohne Kondition und mit Flip Flops an den Füßen.


Heute waren meine "Maulwurfshaufen" Nick ins ambulante OP-Zentrum zu begleiten. Ich durfte mit in den Aufwachbereich bis er zur OP abgeholt wurde, danach habe ich mich wieder der Schutzkleidung entblättert und bin mit dem Hund eine Runde gelaufen. Auch durch die Heiligengeiststraße. Es gibt dort einen neuen Laden für Künstlerbedarf und ich habe erst einmal durch die Schaufenster geschaut, ob ich dort irgendwo einen Ständer von Faber-Castell sehe. War aber erst mal nix zu sehen, also zum Lappan, weil da Bösner.... WAR. Ups. Wieder retour und mit Joey in den neuen Laden. Wenn Joey etwas kann, dann sich in Läden benehmen. Der Ständer von Faber-Castell war dann gleich vis a vis der Türe.

So schnell wird man Geld los! Eine Blechkiste Bleistifte mit unterschiedlichen Härtegraden, dann gab es noch einzelne Bleistifte in unterschiedlichen Härtegraden und ich habe bei "2B" zugeschlagen. Natürlich musste auch ein neuer Knetradierer her. Weil ich schon mal da war und gerne unterwegs zeichnen würde, habe ich dann auch gleich ein Skizzenbuch in A4 erstanden. 

Also ob der Besuch dort nicht schon großartig genug gewesen wäre, wurde ich gefragt, wo ich zeichnen möchte und habe erklärt, dass ich aus Friesoythe-Markhausen komme und erst mal von der Gegend hier geschwärmt. Dann wurde ich aufgeklärt, dass die einzelnen Bleistifte ein neues Produkt von Faber-Castell wären, habe noch ein "Goodie" bekommen. Der Hund wurde gestreichelt (auf Bodenhöhe) und ich wurde nach dem Namen gefragt. "Joey Katastrophulus". Ein kurzes Stutzen "der kommt aus Griechenland" habe ich dann noch erklärt und Joey wurde auf Griechisch angesprochen. DAS ERSTE MAL. Das war so unglaublich lieb! 


Gleich den neuen Bleistift ausprobiert höhöhö

Das Tolle und ein bisschen das Doofe ist, der Laden ist genau gegenüber von der Onko-Ambulanz. Das bedeutet, ich kann ihn regelmäßig gut erreichen. Das ist natürlich toll. Das Doofe ist, es wird halt immer Geld dort bleiben. Aber für eine gute Sache. Nämlich, weil es mir dann ein bisschen gut geht, wenn ich gute und wundervolle Dinge habe um mich kreativ auszutoben! 

Nachdem ich meine neuen Schätze dann eingepackt und Joey wieder zum Auto gebracht habe, gab es noch ein bisschen Wartezeit im OP-Zentrum. Gleich mal die neuen 2B-Stifte ausprobieren. Ich habe vor zwei Wochen schon eine ähnliche Skizze für eine Geschichte gemacht, aber die hier gefällt mir viel besser. 

Dann durfte ich mich wieder umziehen, weil Nick im OP fast fertig war und im Aufwachbereich auf ihn warten. Er hat zwar ein Medikament zum relaxen bekommen, aber die OP war unter örtlicher Betäubung. Während ich noch auf ihn gewartet habe, kam der Arzt um mir zu erzählen, wie die OP verlaufen ist, wo es Probleme gegeben hat und gibt, wie er es sieht. Es war aus Gründen sehr beeindruckendes und tolles Gespräch und ich bin echt sehr dankbar, dass es so unglaublich tolle Ärzte gibt. 



Ich habe heute mal ein Bild vom Stand des nächsten Brandopferviechs gemacht. Da bei Bruzzel die fühlbaren Narben nach dem Nassfilzen verschwunden sind, sieht der Kopf vom neuen Vieh leider gerade ziemlich krass aus. Ich weiß auch nicht, wie es aussehen wird, wenn es dann am Schluss nassgefilzt wird, damit die Fasern sich noch besser verbinden. Aber es ist auch noch lange nicht fertig und irgend eine Überraschung wird schon dabei rauskommen - und eigentlich ist genau das mit ein wesentlicher Teil dessen, was ein Filzviech ausmacht. 







Sonntag, 10. April 2022

Vom nicht gut gehen, Wegrennen und schnitzen

 

Es geht mir nicht mehr wirklich gut und die Zeit mit dem neuen Hirntumor von Junior, dem Umzugsstress, Corona und letztlich meiner eigenen Geschichte kassiert gerade so ziemlich alles, was an Zuversicht, Energie und Co mal da war. Ich kratze jeden Tag alles an solchen Resten zusammen, was ich irgendwo in mir finden kann und schaue, ob ich die ein bisschen vermehren kann. Ich habe lange darüber nachgedacht, was mir gut tun würde. Mich mit den Filzviechern, mit Filzen, Zeichnen und so weiter zu befassen. Das tut einfach meiner Seele gut.


Herr Rehbock ist mittlerweile deutlich gerissener geworden...

Klar, es gibt das Land-Laden-Lecker-Projekt. Aber weil Nick auch nicht mehr viel kann, und es sich auch nicht so entwickelt, wie ich es gehofft habe, liegt das auf Eis. Ich sollte mich eher auf das besinnen, was MIR gut tut. Was mir WIRKLICH gut tut. Denn es ist zwar toll und spannend „immer eine neue Sau durchs Leben zu treiben“ - aber vielleicht ist es irgendwo auch ein „Wegrennen“ gewesen. Auch wenn es echt Spaß gemacht hat. Aber immer, wenn ich denke „da wäre eine Chance etwas aufzubauen, das Anderen vielleicht hilft und ich dann damit anfange, wird das eigentlich wie so ein Crash-Test vor eine Betonwand. Es gibt Menschen, die haben einfach das bessere Netzwerk, werden mehr gefeiert und können sich weit besser verkaufen als ich. Also sollte ich es lassen. Vielleicht schreibe ich es mir noch mal sehr groß in Schönschrift auf, rahme es ein uns hänge es in ständiger Sichtweite auf. Zumindest habe ich bei allen diesen Dingen immer auch etwas gelernt und über den Tellerrand gucken können. Deshalb ist es im Prinzip auch nicht schlimm, wenn man an einer Sache scheitert. Denn auch vor und beim Scheitern kann man, wenn man will, viel lernen. Mehr als „ich bin zu blöd dazu, ich Opfer!“.


Erst wollte es ein Löffel werden, dann ein Haken, dann ein Zauberstab

Nach einem phänomenalen Löffelschnitz-Workshop, bei dem wir vier Stunden im Wald gesessen haben und es ein großes Stück „wie früher“ war, habe ich unser Schnitzwerkzeug erweitert. Nick sitzt oft mit am Küchentisch und wurschtelt mit dem Kram vor sich hin, während bei mir die Späne fliegen und ein Stück Ast sich nach und nach überlegt, was es gerne wäre. Mein Lieblingswerkzeug ist von Flexcut und sorgt immer mal wieder für Pflasterbedarf. Da „Feinewerkzeuge“ Flexcut-Produkte in Rolltaschen-Sets hat, die noch bezahlbar für mich sind, habe ich mit riesen Begeisterung dort weitere Schnitzeisen gekauft. In den Rolltaschen ist EXTRA noch einmal vermerkt, dass die Sachen extrem scharf sind. Ich sach mal so: ein Handy drauf ablegen und wieder hochnehmen kann dann schon mal zu einer blutigen Angelegenheit werden.



Es ist oft ein beinahe meditativer Schöpfungsprozess – und mich einfach in ein Stück Holz zu vertiefen und zu schauen, was es dann tatsächlich wird, das ist sehr wohltuend. Es ist so wunderbar unperfekt und sieht oft eher unordentlich aus – und genau DAS tut mir gut. Denn ich fühle mich von viel zu viel Perfektionismus umgeben, von viel zu viel Äußerlichkeiten – denn es muss nach ja immer alles toll und super sein, blitzen und funkeln. Der schöne Schein ist alles, was zählt. Und Schnelligkeit. Schnelligkeit ist unglaublich wichtig! Denn Zeit ist... ja, was eigentlich?

Wir haben in den letzten Jahrzehnten immer mehr Dinge erfunden bekommen, die Zeit sparen und uns das Leben erleichtern sollten. Aber irgendwie ist genau das Gegenteil eingetreten. Alles das, was doch so toll Zeit sparen soll, macht das Leben nur viel stressiger. Weil man die gesparte Zeit nämlich nicht dafür verwendet, vielleicht achtsamer zu sein und Luft zu holen, sondern da lieber noch Arbeit und Tun reinquetscht bis zum „geht nicht mehr“. „Nur noch eben schnell“. Interessanter Weise halten wir und dafür für die Krone der Schöpfung und enorm intelligent. Ich wage das einfach mal zu bezweifeln.

Nick und Opas Zugeisen. Aus dem Ast ist der Zauberstab entstanden.


Was Junior anbelangt hatte er letztes Jahr durch die Chemo einen zusammengeschmolzenen Tumor, das war ganz schön. Aber es war klar, dass es nicht so bleibt. Im Januar ist der Tumor schon wieder etwas gewachsen – und das neueste MRT zeigt, er hat wohl ziemlich gestreut und ist noch weiter gewachsen. Das merke ich auch an dem, was Nick noch kann – oder eben nicht mehr kann. Er hatte dann beim MRT-Nachgespräch genau zwei Optionen: Nichts mehr machen und auf den Tod warten oder noch eine andere Chemo-Kombination versuchen um Zeit zu gewinnen. Er hat sich für Letzteres entschieden. Einen neuen Port bekommt er dann auch, die OP ist montag morgen. Dann hat er einen links und einen rechts, weil der alte Port eingewachsen ist und zu dicht am Herzen liegt.

Gründonnerstag fängt die Chemo mit Procarbazin an, die geht über 14 Tage - und wir müssen dann ziemlich mit dem Essen aufpassen, weil Nick keine Sachen essen und trinken darf, die den Stoff Tyramin enthalten. Das wird ganz spannend werden. Es überschneidet sich zum Teil mit "Ihr Cholesterinspiegel ist zu hoch" was mich anbelangt. Wobei ich noch angestrengt darüber nachgedacht habe, was zum Teufel das verursacht hat, weil ich ja eigentlich schon aufpasse, dann bekam ich einen Zettel in die Hand gedrückt "falls ich umstellen will". Heute habe ich dann gelesen, dass Stress den Cholesterinspiegel enorm anheben kann. Ach, sie mal einer guck. Üblicher Tipp: "Reduzieren Sie ihren Stress!". Danke. Also sollte ich nicht mehr für mich zum Arzt gehen. Zack, deutlich weniger Stress! 





Freitag, 23. Juli 2021

Was aus Küche, Kochen, Essen und dem Verfahren in der Pampa geworden ist:

 Wir sind ja mitunter Meister darin, die scheinbar unmöglichsten Dinge miteinander zu verbinden. 

Das haben wir mit den obrigen Dingen auch geschafft und das Ergebnis seht ihr auf 

Land-Laden-Lecker – Von Hofläden, Regioboxen, Milchtankstellen und so weiter.

Wechselt da doch einfach mal rüber und guckt euch etwas um!


Sonntag, 4. Juli 2021

Vom Verfahren in der Pampa, Dachzelten und klugen Sprüchen


Mittlerweile waren wir also das 3. Mal in der Zeitung. Den Artikel haben wir total verpasst, weil keiner genau wusste, wann der erscheint. Aber wir haben ein PDF davon bekommen. Das war sehr lustig, Nick den vorzulesen.




Unter anderem, weil in dem Artikel steht, dass ich mich öfters heillos auf Wirtschaftswegen verfahre. Nicht nur auf Wirtschaftswegen – aber eigentlich ging es um „Warum nehmt ihr keinen Anhänger fürs Dachzelt oder einen kleinen Wohnwagen?“ und da habe ich gesagt, dass ich ab und an durchaus mal auf einem Wirtschaftsweg in 3 Zügen wenden muss und das mit Anhänger nicht geht. Zack, gleich wieder aus dem Nähkästchen geplaudert von wegen „Lass uns da mal in die Pilze fahren, der Weg ist voll gut!“ (die erste Tour mit Ranzi und Jürgen in OPR) – und wir sind mitten im Wald gelandet und irgendwann konnte ich einem der Schlaglöcher nicht mehr ausweichen und das war dann leider Ranzis „Schnüss“, die halbseitig abgerissen war. Auf die andere Hälfte habe ich irgendwann Zähne gemalt. So sah Ranzi (VW-Golf Kombi) aus wie ein verkloppter Boxer. Jürgen war jemand, der schon lange nicht mehr Autofahren konnte und durfte und der meinte dann später nur „also vor 20 Jahren war der Weg noch super!“ JAAAAAAA, glaube ich.





Oder als wir einem Straßenschild in Netzeband gefolgt sind und die Teerstraße zur gepflasterten Straße wurde, dann zur rudimentär mit Findlingen gepflasterten, Feldweg, Waldweg... aber es war eine offizielle Straße! Kurz vor einer Kurve kam uns dann ein Tatra-LKW im Wald entgegen. Ich habe mich damals weggeschmissen vor Lachen ob der Situationskomik und wusste zumindest, dass die Autobahnbrücke dann breit genug ist und Ranzi aushält. Aber das „also da lang müsste es eine Abkürzung sein!“ war dann mal eben 18 km Umweg. Aber die Gegend war total schön! Umwege nicht als Ärgernis zu sehen, sondern als Chance, tolle Gegenden zu sehen, in die man sonst nicht gekommen wäre ist eine gute Option! Dabei haben wir schon oft richtig tolle Sachen erlebt. (Zum Bild: beim gelben Kreuz waren wir, zum roten Kringel daneben wollten wir, beim roten Kringel oben sind wir gelandet...)





Nun ja. Dienstag waren wir ja in den Niederlanden. Das war bis zum gewünschen Ort auch kein Problem. Wir sind vom Niederrhein aus Richtung Amsterdam gefahren und eigentlich war das gruseligste eine Brücke mit Stahlseilen über einen Fluss. Das macht mir normalerweise nix aus, das kenne ich von Duisburg her von den Rheinbrücken. Aber in den Niederlanden waren die Pfeiler und die Seile weiß, es ging leicht hoch - und außer den weißen Pfeilern und Seilen vor einem fast grauschwarzem Himmel habe ich nicht viel gesehen. DAS war schon etwas gruselig von der Optik her, aber auch voll faszinierend. In Baarn hat Google Maps gestreikt und die Zufahrt zu dem Gewerbegebiet war eine ganz kleine unscheinbare Pflasterstraße ohne große Hinweisschilder. Das hat uns eine Ehrenrunde durch den Ort beschert.


Aber wir haben dann Europas größten Anbieter für Dachzelte doch noch gefunden! Warum wir dafür in die Niederlande gefahren sind? Den Händler habe ich eher durch Zufall gefunden – und es hätte nur eine Alternative gegeben, wo jemand auch verschiedene Dachzelte aufgebaut hätte, die man sich auguckt. Die meisten haben ihre eigene Marke und vielleicht noch ein anderes. Oder sie haben zwar Dachzelte im Angebot, aber irre lange Lieferzeiten. Von Friesoythe aus bis nach Baarn sind es 250 km. Von Friesoythe aus nach Schleswig zum anderen Händler mit Showroom wären es 350 km. Jeweils eine Tour. Da wir dann vom Niederrhein aus dort hingefahren sind (Oma wohnt dort), haben wir erst einmal 100 km gespart. Na ja, Thema „Verfahren“ und der Google Maps-Streik haben das auf 70 km reduziert.

Aber es sind dort wirklich VIELE Dachzelte aufgebaut – nur leider war das, was ich eigentlich haben wollte, nicht auf Lager und die zwei Alternativen auch nicht. Die dritte Alternative war auf Lager – aber die passenden Dachträger nicht. Die sollte ich dann in Deutschland besorgen – und wenn ich in 2 Tagen eines gelernt habe, dann dass ich an Vieles vorab gedacht habe, aber nicht daran, dass mein Berlingo von 2002 ist und damit die erste Generation und dass ich bei der dritten Alternative, die dann auf Lager ist, dann beim nachforsten von „wie bekomme ich das jetzt auf die gekauften breiten Träger?“ nicht auf das Gewicht von genau diesem speziellen Dachzelt geachtet habe. Denn das ist genau 10 Kilo über der zugelassenen Dachlast.

Also bedeutet es, das vorgesehene Dachzelt wieder zu tauschen gegen eines, das leichter ist und bei gleicher Größe bzw. sogar mehr Grundfläche ein kleineres Packmaß hat, weil es geklappt wird. Nun ja, jetzt warte ich die Antwort vom Händler ab, der „kein Problem, wenn was ist, schreibe mir einfach eine Mail, die kann ich immer lesen!“ sich dann noch nicht wieder gerührt hat. Es ist einfach nur alles irgendwie anstrengend gewesen bis jetzt, auf jeden Fall holen wir das Zelt dann selbst ab, weil es vor Ort fachgerecht montiert und erklärt wird. Außerdem kommen wir am Veluwemeer vorbei, das hat Nick auf der Rückfahrt verpennt. Aber er hat dort drei Jahre lang von der Wuppertaler Schule aus Surfen gelernt und erzählt immer noch ab und an davon.


Klar gibt es viele Leute, die erst mal sagen, dass ein Dachzelt ja völlig ungeeignet wäre. Aber was wäre denn bitte eine vernünftige Alternative FÜR UNS und UNSERE Art und Weise zu Leben? Der Berlingo ist einer Ladeflächenlänge von nicht einmal 1,60 Meter zu kurz um ein Bett reinzubauen. Zumal ja noch Hund, Rolli /Sacco und alle anderen Sachen mitmüssen. Selbst für 2 Tage kommt da was zusammen. Bodenzelt? (Klick mich, ich bin ein Link zum Zeltabenteuer)  Haben wir. Aber das ist wiederum zu niedrig und braucht extra Platz. Einfach mal eben irgendwo für 3 Stunden aufbauen ist nicht. Das Dachzelt ist für Nick eine ziemliche Motivation. Genau darum geht es nämlich auch.

Es ist ja nett, wenn immer wieder Sprüche geteilt werden „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum“ oder Menschen erzählen, was sie noch alles gerne gemacht hätten, als es noch ging. Was sie letztlich bereut haben, nicht getan, nicht einmal ausprobiert zu haben. Was bringt es, solche Sprüche ggf. zu teilen, als Wandbild rumhängen zu haben oder Bücher / Artikel darüber zu lesen, was alte Menschen / Sterbende Rückblickend über ihr Leben denken und was sie bedauern, wenn man für sich selbst daraus nichts lernt, sondern so etwas einfach als Phrasen-Deko benutzt? Nix. Klar, es wird anstrengend, es ist ein Abenteuer und wir wissen beide nicht, ob es letztlich überhaupt funktioniert. Aber es wäre immer viel, viel blöder, es gar nicht erst auszuprobieren!







Dienstag, 22. Juni 2021

Küche, Kochen, Essen!

 Das Tolle an unserer neuen Wohnung ist ja, dass wir eine große Küche haben. Das ist wirklich richtig super, denn wenn direkt neben dem Kochfeld zwei Spülbecken sind und daneben eine Wand, dann ist es ziemlich doof. Auch auf der anderen Seite vom Kochfeld hat faktisch nichts hingepasst und vor dem Herd war nach der Breite „Ofenklappe auf“ ein Buffetschrank... aber auch nicht wirklich viel Platz um vernünftig in der Küche zu arbeiten. Deshalb waren in Neuruppin oft Döner-Dealer und Asia-Imbiß eine Alternative.

Das ist hier total anders. Zum Einen: wir leben auf einem Dorf. Da ist die nächste Pizzeria mit Lieferdienst etwas weiter weg als der Asia-Imbiß, dem wir von oben durch die Küchenfenster gucken konnten. Gut, wir müssten nun einen Kilometer laufen. Oder anrufen, Firat liefert auch. Aber in all der Zeit hier haben wir * grübel * tatsächlich nur einmal Pizza bestellt, einmal hat Frau Tochter was von Mäcces mitgebracht und einmal haben wir einen Döner-Dealer in einem Nachbarort ausprobiert. Im Prinzip sind wir daran erinnert worden, dass es nicht nur gute Döner-Dealer gibt. Ich glaube, es war das erste Mal überhaupt seit wir so etwas essen, dass davon über die Hälfte entsorgt wurde.

Durch Zufall habe ich auf „Sallys Blog“ dann einen Beitrag von Murat gesehen, wo er den „Iskender Kebab“ vorstellt. Das fand ich so dermaßen gut, dass ich zu Nick gesagt habe: „Machen wir nach!“. Haben wir auch. Beim Iskender Kebab hat Murat nämlich Rouladenfleisch bestrichen, überlappend nebeneinander geschichtet und dann aufgerollt und angefroren, damit er das besser in Streifen schneiden kann. Dazu gab es bei uns nur eine Sorte Sauce und zwar die Tomatensauce und Fladenbrot, dass in der Pfanne angeröstet wird, wo die Sauce drin war. Es war einfach nur super lecker! Auf Vorrat liegt jetzt eine Rolle vorbereitet im Gefrierschrank... na ja, ich glaube, nachher nicht mehr.


Okay, den Viet Thai vermisse ich etwas, aber das wird mittlerweile eigentlich durch das Kochen in unserer Tajine ausgeglichen. Auch wenn wir die Tajine im Prinzip auf dem Ceranfeld benutzen könnten, sie wird unser „Feuertopf“ bleiben. Aber was ist eine Tajine und wieso kochen wir damit? Grundsätzlich ist es so, dass Nick viele Kochvideos guckt und immer davon erzählt. Manchmal ist das echt anstrengend, aber es hat den Vorteil, dass ich ihn bei Bedarf auch darauf festnageln kann. Und dass er nicht gleich „bäh“ sagt, sondern zumindest probiert. Manchmal auch selbst ausprobiert. Kartoffelchips herstellen zum Beispiel. Oder Brennesselchips. Das war seine Idee nach einem Video darüber. Wir haben einen ganzen Haufen Gemüsebrühe selbst gemacht, Fleisch gedörrt, gekäst und einmal auch Bratwurst gemacht. Aber da war der Aufwand für uns zwei einfach zu hoch.

Es ist einfach total spannend, so ganz verschiedene Sachen zu entdecken. Auch so etwas ist ein Abenteuer! Wusstet ihr eigentlich, wie viele verschiedene Salzsorten es gibt? Wir haben letztens ein Päckchen bekommen mit ganz vielen verschiedenen Sorten. Das ist toll! Am liebsten verwenden wir rosafarbenes (Pakistan) und schwarzes (Hawai) Salz. Auf Facebook wurde mir dann die Chamsbox als „kulinarische Weltreise“ angezeigt und das hörte sich so spannend an, dass ich sie bestellt habe.

Die „Marokko-Box“ war dann für uns die Erste und sehr spannend – und lecker. Nick hatte die Aufgabe, herauszufinden, wie man dort kocht. Traditionell wird eine Tajine verwendet und da wir hier einen Garten haben, haben wir uns eine richtige unglasierte Lehmtajine mit Stövchen gegönnt. Wie die aussieht, seht ihr auf den Fotos. Es ist wichtig, dass sie unglasiert ist, weil die Glasur einer Tajine abplatzen und mit giftigen Schwermetallen versehen sein kann. Überdies verschafft sich eine Tajine ihre „Patina“ und eine Art Glasur im Laufe ihrer Nutzung selbst. Mir war auch wichtig, dass wir tatsächlich eine original marokkanische Lehmtajine bekommen. Die gibt es nämlich auch in Gußeisen. Aber wenn ich in Gußeisen garen will, dann nehme ich halt unsere Pfanne oder den Dutch-Oven. Wir haben eine viereckige Kastenform davon.


Der Unterschied zu einem unglasierten Römertopf aus Ton ist nicht nur die Form, sondern vor allem die Zusammensetzung der Ton-Lehm-Masse und die Brenntemperatur. Denn so ein Römertopf ist aus sehr ähnlichem Ton wie Blumentöpfe – und der ist hart und unelastisch. Die Erdmischung der Tajine ist Ton-Lehm-Schamotte. Deshalb glitzert die auch etwas – und genau diese Mischung und eine niedrige Brenntemperatur sorgt dafür, dass sie einfach auch mit den Temperaturunterschieden gut klar kommt, wo hart gebrannte Tontöpfe springen würden. So ein Lehmtopf ist nichts für Generation „aber es muss alles desinfiziert oder in die Spülmaschine gestopft werden, sonst werden wir an den Keimen alle sterben!!!!“. Sehr wohl aber für Menschen, die etwas mehr „Ursprünglichkeit“ mögen.

Man kann darin eine ganze Menge machen, sogar Brot backen. Und es kann einem darin auch durchaus etwas anbrennen oder verkochen. Ersteres lässt sich problemlos mit Stahlwolle und Topfkratzer beheben und notfalls kocht man die Tajine dann noch mit Zitronenwasser etwas aus, damit das nächste Gericht nicht angebrannt riecht. Mittlerweile haben wir darin auch schon Bratwurst gemacht. Mit marokkanischer Gewürzmischung – das habe ich in eine Rezension zur Chamsbox geschrieben und Ghita von Chamsbox hat dann geschrieben, das wäre ja schon „Fusion-Food“. Das wird fast wie „Fjuschäen-Fuud“ ausgesprochen. Gut, man kommt ohne Anglizismen nicht mehr aus, aber ich nenne solche Sachen jetzt „Fussel-Food“. Bevor mir noch ein Holzfäller-Shirt und ein Hipster-Bart wächst und der Berlingo ein Schiebefenster a la Food-Truck bekommt.



Die ersten Versuche, in der Tajine Feuer zu machen haben etwas länger gedauert und ob der Qualmentwicklung hatten WIR zumindest keine Mücken. Aber die Nachbarn glaube ich dann auch nicht. Aber zum Glück machen Junior und ich uns ja erst einmal nur für uns selbst zum Clown. Aber das dann auch ziemlich gründlich. Der sorgfältig gehegte Schatz an Feuerstartern aus Birkenpapier (also den abgerupften Streifen von der Rinde) hat sich zumindest enorm dezimiert. Ich bin dann doch irgendwann eingeknickt und habe mit Nick zusammen einen Anzündekamin ausgesucht. Aber wie wir so sind, es muss schon etwas ausgefallener sein, also das Teil ist zum zusammenfalten und hat einen kleinen Grillrost. Auf dem kann auch die Tajine stehen, dann aber eben in unserer Feuerstelle mit den Steinen umzu.




Nick erzählt mir öfters von Videos in denen Menschen Außenküchen haben, Gasgrills mit Temperaturregler und so weiter. Also für viel Geld eigentlich noch mal draußen haben, was sie drinnen eh schon haben. Wenn wir die Werbebeilagen von den Wochenendsblättern durchgucken, sind wir immer etwas fassungslos, was der Krempel alles kostet – und wie riesig das alles ist! Wir haben unsere eigene Version von „Outdoor-Küche“. Und eigentlich ist das Tollste daran, dass wir bis auf die Feuerstelle alles auch ins Auto laden können um „Outdoor-Küche“ nicht nur im eigenen Garten zu haben.


Adressen:

Iskender-Kebab: iskender-kebab-ramadan-rezept-murats-5-minuten | Sallys-Blog

Kulinarische Weltreise: Chamsbox.com 

Tajine: tajine.de