Montag, 13. Juli 2015

"Suche Deckrüde für meine läufige Hündin..."

oder auch: Was Autos und Hunde gemeinsam haben...

Farino, ca. 3 Monate

Diese Überschrift trug eine Anzeige in einer Facebookgruppe. Darunter das Foto einer Mopsdame mit sichtlich platter Nase. Wie das so ist bei solchen Anzeigen gibt es weniger Antworten a la: „geil, ich habe einen passenden Rüden“ - sondern eher welche aus Sicht des Tierschutzes und des Tierwohls. So auch diesmal. C. regte sich auf, man sollte mal die Glubschaugen aufmachen, es gäbe schon genügend Hunde, ich verlinkte einen Artikel der Vet-Uni in Wien, bei der es um eklatante Atemprobleme von Plattnasen ging (den hatte ich bei der Recherche zum Artikel „Garen bei Niedrigtemperatur“ gefunden“), A. meinte, die Besitzerin wäre wohl nicht genügend aufgeklärt und I. fand das Tierschutzengagement der Kommentatoren gut. Wenig später war die Anzeige gelöscht.

Letztens sprach mich dann noch jemand an, was denn wohl so schlimm wäre, wenn man 20 Euro für eine französische Bulldogge aus Polen ausgeben würde, die Züchter, ja die würden doch spinnen mit ihren Preisvorstellungen, alles völlig überzogen! Wiederum vor einigen Wochen kam mir eine Bekannte mit einem Welpen auf dem Arm entgegen: „Guck mal, mein neuer Hund – aber der Verkäufer hat mich beschissen, der ist erst 5 Wochen alt. Jetzt muss ich immer zum Tierarzt und Welpenmilch füttern... ganz schön teuer!“. Kurz darauf erzählte mir eine alte Dame, das sie ihren Kavalier King Charles leider einschläfern lassen mussten und als ich gesagt habe: „Epileptische Anfälle?“ guckte sie ganz traurig. Bei dieser Rasse wächst das Gehirn oft größer, als der Schädel an Raum hergibt und das ist für die Hunde der Anfang von einem ganz furchtbaren Ende. Dann begegnete mir am Abend, nachdem die Anzeige erschienen ist, noch eine Frau mit einem Mops wie auf dem Foto in der Anzeige, es war nicht einmal sonderlich warm – und sie auch nicht schnell – aber der Hund röchelte und grunzte wie kurz vor dem Ersticken. Das alles sind keine Ausnahmen – sondern es ist eigentlich Alltag.

Ich möchte hier keine großen Aufriss machen über verantwortungsvolle Zucht und dem, was viele Hundeleute als „Vermehrerei“ bezeichnen. Also dem gedankenlose Verpaaren von Hunden, damit die eigene Hündin mal Welpen hat. Welpen sind ja niedlich und wenn es eine Moderasse ist, dann kann man sicher sein, die Welpe los zu werden. Nicht zu einem Preis von einem regulären Züchter – aber ein paar hundert Euro weniger sind immer noch ein guter Schnitt und wenn alles glatt geht, hat man nicht nur ein paar Wochen lang „süße Welpen“, sondern wenn alle gut verkauft werden, auch noch ein paar hundert Euro in der Tasche. Selbst wenn man die Tiere „geimpft und entwurmt“ abgibt – aber das wird gerne gleich noch mal draufgeschlagen, zu verschenken hat so ein Vermehrer nämlich nix.

Ich gönne jedem Menschen einen günstigen Rassehund. Allerdings bin ich dafür, das ein Käufer so eines günstigen Hundes sich vorher mal über die Rasse und ihre gesundheitlichen Probleme schlau macht. Denn viele Züchter von Rassehunden weisen auf ihren Webseiten auf Untersuchungen zu üblichen Rassemängeln hin und unterliegen strengen Zuchtregeln in der Hinsicht. „Kleinanzeigenzüchter“ die ohne Papiere züchten, interessiert das alles eher weniger und entsprechend werden sie sich hüten, darauf hinzuweisen.


Farino, ca. 3 Monate

JEDER Käufer eines Hundes, insbesondere eines Welpen, sollte auf einen schriftlichen Kaufvertrag bestehen! Das was euch bei Autos oder Pferden lieb ist, sollte es euch auch bei einem Hund wert sein!

Warum?

Weil es für den Käufer bares Geld wert sein kann! Darum! Ich denke nämlich, Hundekäufer haben das Recht darauf, einen gesunden Hund zu kaufen – und für Tiere gilt ebenso eine Gewährleistungsfrist wie für einen Gebrauchtwagen. Kauft ihr ein Auto, das euch als „unfallfrei“ angeboten wurde, wo sich dann aber herausstellt, das es schon mal gegen einen Baum geschlittert ist und die Karosserie gerade gezogen wurde, dann seid ihr ja auch sauer, fühlt euch betrogen und seht zu, das ihr den Kauf rückgängig macht oder zumindest einen Teil des Kaufpreises erstattet bekommt. Denn euer Geld wächst nicht auf Bäumen, der Lottogewinn geht sowieso nie über 3 Richtige hinaus und der Dukatenesel lässt auch auf sich warten.

Also: Ich gönne jedem seinen Hund – aber wenn ihr euch einen anschafft, dann nicht „oh wie süß“-Hirn ausschalten, sondern auf einen Kaufvertrag bestehen! JEDER, wirklich JEDER der angibt, wie sehr ihm das Wohl seiner Hunde am Herzen liegt und der seine Welpen „wirklich nur in allerbeste Hände“ abgeben will wird vielleicht erst stutzen – aber dann einverstanden sein. Denn wenn er es nicht ist, dann ist das, was er sagt, nicht das, was er tatsächlich meint! 



Gewissenlose Profitgeier erkennt ihr daran, das sie für das, was sie tun, letztlich nicht einstehen wollen. Also keinen Kaufvertrag mit euch machen. So niedlich der Hund ist, alle Babys haben das Kindchenschema und lassen viele Herzen schmelzen – aber dreht um! Es wird noch viele andere „süße Hunde“ geben. Hundekäufer brauchen die Kombination: „Süßer Hund“ und „Besitzer mit Verantwortungsgefühl für sein Handeln!“ und nicht die Kombination „süßer Hund“ und „Labertasche die jemandem einen Knopf an die Backe quatscht“!

Wie bei einem Auto kann ein Hund mit einem Mangel verdammt teuer werden. Noch mal: kaum jemand hätte das Geld mal eben so übrig, für einen Hund den er als „gesund“ gekauft hat, dann plötzlich das mehrfache an Tierarztkosten auszugeben, weil er vom Verkäufer über den Tisch gezogen wurde!


Soweit Teil 1, quasi als Einleitung in das Thema.


Teil 2 wird sich bemühen, euch die Rechtslage zu erklären


Teil 3 befasst sich mit dem Gebiet „was ist eigentlich ein Mangel bei einem Hund“?






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Vielen Dank für den Kommentar. Er wird nicht sofort zu sehen sein, weil ich erst noch schauen möchte, ob es tatsächlich ein Kommentar ist oder ob es Werbung aus Nigeria und Co ist.