Erst aus der Mark Brandenburg. Nun aus Markhausen im Markatal. Die Mark. Ein unverwüstliches Stück Heimat.
Samstag, 8. März 2014
Schönes Wetter!
Boah, es ist so ein richtig schönes und sonniges Wetter draussen! Wir wünschen euch deshalb ein tolles Wochenende, genießt die Sonnenstrahlen und den blauen Himmel!
Donnerstag, 6. März 2014
Auflösung - wer war das denn jetzt????
Nun,
ich war ja noch die Auflösung des Fotorätsels schuldig. Auf den
Fotos ist Erich Arendt zu sehen.
Das Blöde an manchen Namen ist, das
man sie erst einmal leicht verwechseln kann. Als ich das erste Mal
die Büste gesehen habe und auf den Namen geguckt habe, dachte ich:
„Moment... erstens sah der doch ganz anders aus – und warum zum
Teufel steht hier eine Büste von einem
Edgar-Wallace-Schauspieler???“. Verwechselt, das war Eddi Arent,
der Komiker – und der ist 22 Jahre nach Erich Arendt in Danzig
geboren.
![]() | ||
| Eddi Arent /Wikipedia |
Erich
Arendt war ein bedeutende Lyriker und Übersetzer der DDR. Geboren
wurde er 1903 in Neuruppin als Sohn eines Schulhausmeisters und einer
Waschfrau. Seine Kindheit hat er unter eher ärmlichen Verhältnissen
verbracht – was damals genau so wenig ungewöhnlich war, wie es
heute ist. Das Haus, wo die Familie früher in einer feuchten
Kellerwohnung gelebt hat, das gibt es auch heute noch. Früher war es
die „Höhere Töchter Schule“. Heute ist es die Montessori-Schule
zwischen Rosengarten und Friedrich-Engels-Strasse - und der Keller ist schon lange keine feuchte Wohnung mehr.
Schon
als Jugndlicher suchte Arendt den Kontakt zu Künstlern und fand ihn
zum Beispiel in der Kunsthandwerkersiedlung Gildenhall auf der
anderen Seeseite. Er machte das Abitur und besuchte danach das
Lehrerseminar in Neuruppin. In Gildenhall unterrichtete er an einer
reformpädagogischen Schule, wurde danach Theatermaler, Fahnennäher,
Bankangestellter und Hilfsjournalist. Später zog er nach Berlin wo
er ebenfalls an einer reformpädagogischen Schule unterrichtete.
Erste
Gedichte von ihm erschienen 1925. Sein Beitritt zur KPD
(Kommunistische Partei Deutschlands) erfolgte 1928. Als Kommunist und
mit einer halbjüdischen Frau an seiner Seite floh er 1933 aus dem
nationalsozialistischen Deutschland erst in die Schweiz und lebte
dann zwei Jahre auf Mallorca, wo er seinen Lebensunterhalt als
Hauslehrer verdiente. Später arbeitete er als Übersetzer für die
Informationspresse der internationalen Brigaden auf dem spanischen
Festland.
Von
1939 - 1950 lebte er mit seiner Frau in Frankreich und Kolumbien,
teils eingesperrt, teils auf der Flucht aber immer um das Überleben
kämpfend.
1950
siedelte Arendt in die DDR über wo er als freier Schriftsteller
lebte. Seit 1957 wurde er von der Stasi überwacht. Er sah viele
Dinge kritisch, was auch dazu führte, das einige Werke von ihm der
Zensur zum Opfer fielen. Dennoch war er – wenn man Wikipedia
glauben darf – ein durchaus sehr anerkannter Lyriker und
Übersetzer.
Auf
jeden Fall ein Mensch, in dessen Leben „Langeweile“ und
„Eintönigkeit“ wohl eher nicht vorkamen und wo es sich lohnt,
mal ein bisschen genauer zu schauen, wer das eigentlich war und was
er gemacht hat, denn letztlich hat er ein Stück Kulturgeschichte
geschaffen.
Mag
sein, das es für viele Menschen heute einfacher ist, sich mit
fiktiveren Charakteren aus irgendwelchen Serien und Romanen zu
beschäftigen, weil dazu schon alles „vorgekaut“ ist und es
allerlei Merchandising dazu gibt, mit denen man sich und seine
Wohnung dekorieren kann. Aber diese fiktiven Figuren, die oft so real
erscheinen – auch sie sind von Menschen erschaffen worden, die sich
in ihrem Leben an irgendwelchen Vorbildern aus Fleisch und Blut
orientiert haben.
Samstag, 1. März 2014
Farino erzählt: Neulich, abends....
Frauchen
ist mit uns raus, zur letzten Hunderunde im Dunkeln. Wir kommen so
aus der Türe, biegen gegenüber zwei angetrunkene Jugendliche auf
den Schulplatz. Einer von denen tritt noch mit Wucht gegen das
Schild, das besagt „Schulplatz ist Fussgängerzone“ - es
scheppert blechern, die Jungs feiern sich als Helden.
Einen
Augenblick später wirft einer von beiden eine Bierflasche aufs
Pflaster und der andere springt drauf. Bierflasche kaputt, die
Scherben verteilen sich übers Pflaster, die Jungs johlen. Aber nicht
lange, denn da fängt Frauchen an zu brüllen, das sie den Scheiß
jetzt gefälligst auch wieder wegräumen sollen.
Ertappt
drehen sich die beiden um und erklären, sie wollten das gerade, also
wirklich GERADE wollten sie die Scherben auch wieder wegräumen...
aha, im Weggehen. Toll. Wahrscheinlich können die zaubern oder so.
Aber immerhin, sie fangen an, sich gen Scherben zu bücken, Frauchen
erklärt, wo die nächsten Mülleimer sind. Weil es dunkel ist und
nicht so viel los ist, hört man so eine Schreierei ja viel weiter
und so stehen nach kurzer Zeit sechs Leute um die Beiden herum und
gucken zu, wie die die Scherben aufsammeln, sich gegenseitig die
Schuld in die Schuhe schieben – und dann anfangen auf die
„Sumpfkühe“ zu schimpfen. Eine davon ist Frauchen, weil die laut
geworden ist und die andere steht dann wohl neben Frauchen. Aber es
gucken ja nicht nur Zweibeiner zu, wie die Scherben aufgesammelt
sind, nein, drei größere Hunde gucken auch ganz interessiert zu.
Dann
lassen noch zwei andere Zweibeiner einen Kommentar los, und die
Scherbenfabrikanten versuchen, mit einer Art „Möchtegern-Bushido-Art“
Eindruck und Respekt zu schinden. So a la: „Ey, wir sind
RUSSSSSSEN, weischt du, man legt sich nicht mit RUSSSSSSEN an – und
Kroaten sind wir auch, man legt sich nicht mit Krrrroaaaten an! Wir
sind ganz gefährlich, weischt du!“ und damit zogen sie laut
lamentierend weiter gen Bilderbogenpassage.
Frauchen
sagt, es ist mitunter ganz praktisch, mindestens einen Hund dabei zu
haben. Vor allem mich. Weil, ich habe schon mehrfach bewiesen, das
ich durchaus ungemütlich werden kann. Sieht man mir zwar nicht an,
ist aber so. Eine meiner ersten Ungemütlich-Taten war, beinahe einen
Ortsbrandmeister zu zerlegen. Na, was kommt der auch im Dunkeln auf
uns zu! Aber mir wurde erklärt, der hat eine Feuerwehr-Uniform an,
der wird nicht doof angemacht!
Was „Jelly-Bellys“ sind, weiß
ich auch. Nur mal so am Rande, für die Herren der Gesellschaft. Wer
mit meinem Frauchen scheiße umgeht, merkt sowieso, daß ich weiß,
was das sind. Da arbeite ich sehr eigenständig.
Aber
Frauchen sagt, es ist schon interessant so mit der Zivilcourage von
Menschen. Die meisten haben keine, wenn es darauf ankommt. Nur im
Nachhinein, da haben sie eine große Klappe.
Aber
was ist das eigentlich? Zivil-Courage? Der Begriff wird erstmals 1835
in Frankreich als „courage civil“ erwähnt, übersetzt wird es
mit „bürgerlichem Mut“.
Otto
von Bismarck erwähnt das deutsche Wort „Zivilcourage“ 1865. Eine
neuere Definition kommt von dem Politikwissenschaftler Gerd Meyer. Er
definiert Zivilcourage als sozialen Mut. Eine bestimmte Form sozial
verantwortlichen Handelns. Zivilcourage zeigt, wer in Situationen wo
zentrale Werte oder soziale Normen wie Menschenwürde,
Menschenrechte, Gerechtigkeit und so weiter verletzt werden. Oder
wenn man mitbekommt, das jemand eine andere Person körperlich
und/oder seelisch angreift. Wer da eingreift um das zu verhindern,
selbst wenn er dadurch Nachteile hat, der hat Zivilcourage.
Und,
wie steht es so mit eurer Zivilcourage? Oder ist es einfacher,
wegzugucken und sich lieber am Kaffeetisch drüber aufzuregen, wie
blöd manche Leute sind?
(Quelle:
Wikipedia)
Montag, 24. Februar 2014
Hundesteuer wird erhöht! Ein kleiner Einblick in die hiesige Kommunalpolitik.
Nun ist es amtlich, frisch und noch sehr warm beschlossen: die Hundesteuer in der Stadt wird erhöht.
Aufgrund des Haushaltsdefizites wurde die vor einiger Zeit abgelehnte Erhöhung der Hundesteuer nun doch Makulatur. Nicht nur das: die vor einiger Zeit abgelehnte Erhöhung wäre sogar niedriger gewesen als das, was jetzt auf die Hundehalter in Neuruppin zukommt.
Aber ein bisschen von Anfang an um auch mal zu erklären, wie so ein Verfahren grundsätzlich abläuft: Es wurde schon vor längerer Zeit, viel eher als die Kreisumlage erhoben wurde, festgestellt, das viele Gebührenordnungen veraltet sind. So ist z. B. die Gebührensatzung vom "Haus der Begegnung" in Neuruppin von 1996 und seit dem nicht mehr angepasst worden. Selbst wenn Gebührensatzungen "nur" 5 Jahre alt sind - in der Zwischenzeit steigen die Betriebskosten - wie in jedem ganz normalen Familienhaushalt auch. Die Differenz zwischen dem, was durch die Nutzer einer Einrichtung für die Nutzung bezahlt wird und dem, was die Stadt für das Gebäude letztlich an tatsächlichen Kosten aufwendet, nennt sich "Unterdeckung". Ziel ist es, wenigstens die Kosten für Strom, Wasser und Gas, das die Nutzer verbrauchen, gedeckt zu bekommen und genau deshalb werden jetzt alle Gebührenordnungen überprüft. Dies als grundsätzliche Erklärung.
Nun nutzen die Hundehalter aber keine Gebäude etc. Die Hundesteuer landet im allgemeinen Haushalt und wird auch nicht explizit für eine bestimmte Sache verwendet, wie zum Beispiel dafür, das der Bauhof die Mülltonnen leer macht. Aber dadurch, das diese Steuern im allgemeinen Haushalt landet, kann es sein, das ein kleiner Teil davon tatsächlich dafür verwendet wird, ein anderer Teil finanziert vielleicht Kindergartenplätze mit und wieder ein anderer Teil sorgt ein winziges Stück dafür, das wir ein tolles Museum bekommen und die Stadt doch sehr lebenswert ist.
Wenn die Stadtverwaltung nun die Idee hat, das man so etwas wie die Hundesteuer erhöhen könnte um auch für die Zukunft dafür zu sorgen, das diese Stadt eine tolle Stadt ist, dann schreibt sie dafür eine "Beschlussvorlage". Darauf steht die Überlegung, die Begründung und die Höhe, die sie sich überlegt hat. Oben auf der Beschlussvorlage stehen dann die verschiedenen Ausschüsse, die diese Vorlage zur Beratung bekommen. Die Beschlussvorlage zur Hundesteuer war vorher im HFA, das ist der Haupt- und Finanzausschuss, in dem sowohl die Dezernenten der verschiedenen Bereiche (der Kämmerer z. B.) als auch einige von den Bürgern gewählte Stadtverordnete sowie sachkundige Einwohner sitzen, um schon einmal vor der Stadtverordnetenversammlung über Anträge ausführlich zu beraten. Die Ausschüsse stimmen auch über Anträge ab - was aber nicht bedeutet, das ein Antrag damit automatisch beschlossen ist und durchgesetzt wird. Bei solchen Abstimmungen haben Dezernenten und sachkundige Einwohner übrigens kein Stimmrecht. Sie dürfen zwar ihren "Senf dazugeben", aber mehr auch nicht. Die Ausnahme ist im HFA und in der Stadtverordnetenversammlung aufgrund seiner Mitgliedschaft in der Wählergemeinschaft "Pro-Ruppin" der Bürgermeister. Herr Golde darf durchaus mitstimmen - aber eben nicht alleine entscheiden. Das "letzte Wort" hat immer die Stadtverordnetenversammlung, die den Beschluss und die Entscheidung des oder der entsprechenden Ausschüsse dann mitgeteilt bekommt. (Mit herzlichen Dank an Herrn Krohn für die Korrektur :-) )
So, jetzt wisst ihr, wie das grundsätzlich so funktioniert. Im HFA wurde über die Hundesteuererhöhung beraten und die Erhöhung wurde dort mit einer sehr, sehr deutlichen Mehrheit angenommen: 10 Leute haben für die Erhöhung gestimmt, 4 dagegen.
In der Stadtverordnetenversammlung gab es auch eine Diskussion. Dabei ging es aber eigentlich darum, was die Stadt dafür tut, das für alle Hunde, die in der Stadt leben, Hundesteuern bezahlt werden und nicht nur für die etwas über 1800, die angemeldet sind.
Dazu aber gleich. Die 28 anwesenden Stadtverordneten haben sich mit 24 Stimmen FÜR eine Erhöhung ausgesprochen (und es waren auch Hundehalter dabei), 2 Leute haben dagegen gestimmt - und 2 haben sich enthalten. Das bedeutet für Hundehalter in Neuruppin, das sie in Zukunft für den ersten Hund 70 Euro, für den zweiten Hund 80 Euro und für den dritten und jeden weiteren Hund 95 Euro bezahlen müssen. Wer einen Listenhund hat, darf sich auf 400 Euro einstellen. Das zur Hundesteuererhöhung.
Das Ordnungsamt hat den klaren Auftrag, mehr Hunde(halter) zu kontrollieren. Dabei - darauf hat Herr Fengler mich explizit hingewiesen - haben die Stadtinspektoren den Auftrag, sich auch um die Hundehalter zu kümmern, die normalen Politessen sind ausschließlich für den ruhenden Verkehr zuständig. Damit aber künftig auch diejenigen Hunde erfasst werden, die noch nicht angemeldet sind, wird es 2015 eine Hundezählung geben. Die Stadtverwaltung holt gerade ein Angebot ein, was so eine Zählung kostet. Da ein sehr großer Teil der Hunde in Neuruppin nicht angemeldet ist, lohnt sich eine Hundezählung allemal - spült es doch für jeden Hund, der "ertappt" wurde, mindestens 70 Euro pro Jahr in die Kasse.
In die Bredoullie kommen dann allerdings die Halter von nicht angemeldeten 20/40 Hunden. Also Hunde, die mindestens 20 Kilo wiegen und/oder eine Rückenhöhe von 40 cm haben. Messt doch mal an eurem Bein aus, wie hoch 40 cm sind - und dann achtet einfach mal darauf, wie viele Hunde so groß sind.
Warum bekommen diese Halter dann ein Problem? Ganz einfach - weil sie entweder nachweisen müssen, das sie seit mindestens 2009 durchgehend einen Hund halten. Was für sie soviel heisst wie: "Leute, ich gebe zu, ich habe meinen Hund seit 2009 nicht angemeldet..." - und das kann richtig teuer werden! Wenn sie das NICHT nachweisen können, müssen sie einen Sachkundenachweis vorweisen. Das kostet dann zwar auch was, aber nicht so viel wie 5 Jahre nicht bezahlte Hundesteuern, falls dann rückwirkend tatsächlich für 5 Jahre Hundesteuern erhoben werden. Diese Zählung spült der Stadt richtig viel Geld in die Kasse. Meine persönliche Schätzung aufgrund der Hunderunden ist, das maximal 1/3 der Hunde angemeldet sind. Neuruppin ist ja mehr als die Stadt... von daher ist bei einer groben Hochrechnung klar, das die Hundezählung sich theoretisch locker selbst finanziert.
Fällig werden für jeden Besitzer eines 40/20-Hundes überdies etwa 13 Euro für ein aktuelle Führungszeugnis, ist der Hund nicht gechipt, die Kosten dafür ebenfalls (ca. 80 Euro) und für die Hundehalterhaftpflichtversicherung. (ab etwa 60 Euro pro Jahr, Listenhunde sind bei fast allen Versicherungen ausgeschlossen) Die muss nachgewiesen werden! Für Besitzer eines Listenhundes (Kategorie B, Hunde der Kategorie A dürfen in Brandenburg nicht gehalten werden, siehe aktuelle Diskussion um den Therapiehund Tascha) werden zudem ggf. die Kosten für einen Wesenstest fällig, solche Hunde müssen zusätzliche Plaketten tragen, deren Farbe von weitem klar machen, ob der Hund unbedenklich ist oder ob er als bedenklich eingestuft werden kann. Das wiederum lässt die Kasse des Landkreises klingeln, weil der Amtstierarzt dafür zuständig ist.
Menschen, die Arbeitslosengeld, Hartz 4 oder Sozialhilfe bekommen, können auf Antrag die Steuern für ihren ersten Hund ermäßigt bekommen. Darauf weise ich noch einmal explizit hin. Da die Hundehalterhaftpflichtversicherung
eine Pflichtversicherung ist, können z. B. Bezieher von ALG 2 die Versicherungsrechnungen bei ihrem nächsten Antrag mit einem entsprechenden Vermerk abgeben, die Kosten für Pflichtversicherungen müssen berücksichtigt werden.
Aufgrund des Haushaltsdefizites wurde die vor einiger Zeit abgelehnte Erhöhung der Hundesteuer nun doch Makulatur. Nicht nur das: die vor einiger Zeit abgelehnte Erhöhung wäre sogar niedriger gewesen als das, was jetzt auf die Hundehalter in Neuruppin zukommt.
Aber ein bisschen von Anfang an um auch mal zu erklären, wie so ein Verfahren grundsätzlich abläuft: Es wurde schon vor längerer Zeit, viel eher als die Kreisumlage erhoben wurde, festgestellt, das viele Gebührenordnungen veraltet sind. So ist z. B. die Gebührensatzung vom "Haus der Begegnung" in Neuruppin von 1996 und seit dem nicht mehr angepasst worden. Selbst wenn Gebührensatzungen "nur" 5 Jahre alt sind - in der Zwischenzeit steigen die Betriebskosten - wie in jedem ganz normalen Familienhaushalt auch. Die Differenz zwischen dem, was durch die Nutzer einer Einrichtung für die Nutzung bezahlt wird und dem, was die Stadt für das Gebäude letztlich an tatsächlichen Kosten aufwendet, nennt sich "Unterdeckung". Ziel ist es, wenigstens die Kosten für Strom, Wasser und Gas, das die Nutzer verbrauchen, gedeckt zu bekommen und genau deshalb werden jetzt alle Gebührenordnungen überprüft. Dies als grundsätzliche Erklärung.
Nun nutzen die Hundehalter aber keine Gebäude etc. Die Hundesteuer landet im allgemeinen Haushalt und wird auch nicht explizit für eine bestimmte Sache verwendet, wie zum Beispiel dafür, das der Bauhof die Mülltonnen leer macht. Aber dadurch, das diese Steuern im allgemeinen Haushalt landet, kann es sein, das ein kleiner Teil davon tatsächlich dafür verwendet wird, ein anderer Teil finanziert vielleicht Kindergartenplätze mit und wieder ein anderer Teil sorgt ein winziges Stück dafür, das wir ein tolles Museum bekommen und die Stadt doch sehr lebenswert ist.
Wenn die Stadtverwaltung nun die Idee hat, das man so etwas wie die Hundesteuer erhöhen könnte um auch für die Zukunft dafür zu sorgen, das diese Stadt eine tolle Stadt ist, dann schreibt sie dafür eine "Beschlussvorlage". Darauf steht die Überlegung, die Begründung und die Höhe, die sie sich überlegt hat. Oben auf der Beschlussvorlage stehen dann die verschiedenen Ausschüsse, die diese Vorlage zur Beratung bekommen. Die Beschlussvorlage zur Hundesteuer war vorher im HFA, das ist der Haupt- und Finanzausschuss, in dem sowohl die Dezernenten der verschiedenen Bereiche (der Kämmerer z. B.) als auch einige von den Bürgern gewählte Stadtverordnete sowie sachkundige Einwohner sitzen, um schon einmal vor der Stadtverordnetenversammlung über Anträge ausführlich zu beraten. Die Ausschüsse stimmen auch über Anträge ab - was aber nicht bedeutet, das ein Antrag damit automatisch beschlossen ist und durchgesetzt wird. Bei solchen Abstimmungen haben Dezernenten und sachkundige Einwohner übrigens kein Stimmrecht. Sie dürfen zwar ihren "Senf dazugeben", aber mehr auch nicht. Die Ausnahme ist im HFA und in der Stadtverordnetenversammlung aufgrund seiner Mitgliedschaft in der Wählergemeinschaft "Pro-Ruppin" der Bürgermeister. Herr Golde darf durchaus mitstimmen - aber eben nicht alleine entscheiden. Das "letzte Wort" hat immer die Stadtverordnetenversammlung, die den Beschluss und die Entscheidung des oder der entsprechenden Ausschüsse dann mitgeteilt bekommt. (Mit herzlichen Dank an Herrn Krohn für die Korrektur :-) )
So, jetzt wisst ihr, wie das grundsätzlich so funktioniert. Im HFA wurde über die Hundesteuererhöhung beraten und die Erhöhung wurde dort mit einer sehr, sehr deutlichen Mehrheit angenommen: 10 Leute haben für die Erhöhung gestimmt, 4 dagegen.
In der Stadtverordnetenversammlung gab es auch eine Diskussion. Dabei ging es aber eigentlich darum, was die Stadt dafür tut, das für alle Hunde, die in der Stadt leben, Hundesteuern bezahlt werden und nicht nur für die etwas über 1800, die angemeldet sind.
Dazu aber gleich. Die 28 anwesenden Stadtverordneten haben sich mit 24 Stimmen FÜR eine Erhöhung ausgesprochen (und es waren auch Hundehalter dabei), 2 Leute haben dagegen gestimmt - und 2 haben sich enthalten. Das bedeutet für Hundehalter in Neuruppin, das sie in Zukunft für den ersten Hund 70 Euro, für den zweiten Hund 80 Euro und für den dritten und jeden weiteren Hund 95 Euro bezahlen müssen. Wer einen Listenhund hat, darf sich auf 400 Euro einstellen. Das zur Hundesteuererhöhung.
Das Ordnungsamt hat den klaren Auftrag, mehr Hunde(halter) zu kontrollieren. Dabei - darauf hat Herr Fengler mich explizit hingewiesen - haben die Stadtinspektoren den Auftrag, sich auch um die Hundehalter zu kümmern, die normalen Politessen sind ausschließlich für den ruhenden Verkehr zuständig. Damit aber künftig auch diejenigen Hunde erfasst werden, die noch nicht angemeldet sind, wird es 2015 eine Hundezählung geben. Die Stadtverwaltung holt gerade ein Angebot ein, was so eine Zählung kostet. Da ein sehr großer Teil der Hunde in Neuruppin nicht angemeldet ist, lohnt sich eine Hundezählung allemal - spült es doch für jeden Hund, der "ertappt" wurde, mindestens 70 Euro pro Jahr in die Kasse.
In die Bredoullie kommen dann allerdings die Halter von nicht angemeldeten 20/40 Hunden. Also Hunde, die mindestens 20 Kilo wiegen und/oder eine Rückenhöhe von 40 cm haben. Messt doch mal an eurem Bein aus, wie hoch 40 cm sind - und dann achtet einfach mal darauf, wie viele Hunde so groß sind.
Warum bekommen diese Halter dann ein Problem? Ganz einfach - weil sie entweder nachweisen müssen, das sie seit mindestens 2009 durchgehend einen Hund halten. Was für sie soviel heisst wie: "Leute, ich gebe zu, ich habe meinen Hund seit 2009 nicht angemeldet..." - und das kann richtig teuer werden! Wenn sie das NICHT nachweisen können, müssen sie einen Sachkundenachweis vorweisen. Das kostet dann zwar auch was, aber nicht so viel wie 5 Jahre nicht bezahlte Hundesteuern, falls dann rückwirkend tatsächlich für 5 Jahre Hundesteuern erhoben werden. Diese Zählung spült der Stadt richtig viel Geld in die Kasse. Meine persönliche Schätzung aufgrund der Hunderunden ist, das maximal 1/3 der Hunde angemeldet sind. Neuruppin ist ja mehr als die Stadt... von daher ist bei einer groben Hochrechnung klar, das die Hundezählung sich theoretisch locker selbst finanziert.
Fällig werden für jeden Besitzer eines 40/20-Hundes überdies etwa 13 Euro für ein aktuelle Führungszeugnis, ist der Hund nicht gechipt, die Kosten dafür ebenfalls (ca. 80 Euro) und für die Hundehalterhaftpflichtversicherung. (ab etwa 60 Euro pro Jahr, Listenhunde sind bei fast allen Versicherungen ausgeschlossen) Die muss nachgewiesen werden! Für Besitzer eines Listenhundes (Kategorie B, Hunde der Kategorie A dürfen in Brandenburg nicht gehalten werden, siehe aktuelle Diskussion um den Therapiehund Tascha) werden zudem ggf. die Kosten für einen Wesenstest fällig, solche Hunde müssen zusätzliche Plaketten tragen, deren Farbe von weitem klar machen, ob der Hund unbedenklich ist oder ob er als bedenklich eingestuft werden kann. Das wiederum lässt die Kasse des Landkreises klingeln, weil der Amtstierarzt dafür zuständig ist.
Menschen, die Arbeitslosengeld, Hartz 4 oder Sozialhilfe bekommen, können auf Antrag die Steuern für ihren ersten Hund ermäßigt bekommen. Darauf weise ich noch einmal explizit hin. Da die Hundehalterhaftpflichtversicherung
eine Pflichtversicherung ist, können z. B. Bezieher von ALG 2 die Versicherungsrechnungen bei ihrem nächsten Antrag mit einem entsprechenden Vermerk abgeben, die Kosten für Pflichtversicherungen müssen berücksichtigt werden.
"Kunst-iör" wer suchet, der findet...
"Kunst-iör" - was soll das denn heissen? Ganz einfach: Kunst im öffentlichen Raum. Davon hat Neuruppin ganz schön viel - und da wir auf den Hunderunden immer wieder auf "Kunst-iör" treffen, dachte ich, stelle ich davon mal was auf den Blog.
Heute haben wir einen sehr bedeutenden Lyriker und Übersetzer besucht. Leider konnte er selbst uns nicht mehr sehr viel sagen, sondern verwies auf Wikipedia.
Gut, dort steht unter anderem, das er in Neuruppin geboren ist. Aber wer ist es und wo begegnet man ihm hier?
Na? Wer ist das? Die Auflösung gibt es in einigen Tagen hier auf dem Blog...
Heute haben wir einen sehr bedeutenden Lyriker und Übersetzer besucht. Leider konnte er selbst uns nicht mehr sehr viel sagen, sondern verwies auf Wikipedia.
Gut, dort steht unter anderem, das er in Neuruppin geboren ist. Aber wer ist es und wo begegnet man ihm hier?
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| Bild: Nick v. Häfen |
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| In HDR-Art... |
Na? Wer ist das? Die Auflösung gibt es in einigen Tagen hier auf dem Blog...
Donnerstag, 20. Februar 2014
Gesucht... Pinsel ist weg
Heute auf der Hunderunde habe ich folgende Suchmeldung gesehen (und wie ihr seht, fotografiert). Pinsel ist nach wie vor weg, die Kinder ganz traurig. Pinsel wohnt im Bereich der historischen Altstadt von Neuruppin. Wer ihn gesehen hat, möge bitte die Familie anrufen
Kultur ist... manchmal auch philosophisches Bullshit-Bingo
Ein Artikel ganz unhundig, aber ich wollte zwischendurch gerne den Bereich Kunst & Kultur in Neuruppin weiterführen, den ich ja mit dem Adventskalender schon angefangen habe. Also:
"Kultur ist... Denken und Glauben nach
Auschwitz"
Ich war gespannt auf die Veranstaltung in der Klosterkirche,
denn ich mag Philosophie. Philosophie... jetzt überlegen
vielleicht ein oder zwei Leser hier: "was war das noch mal?"
Philosophie klingt so ein bisschen nach beliebten Kindernamen oder
nach Briefmarkensammeln. Weit gefehlt, Philosophie ist die „Liebe
zur Weisheit“. Seit Urzeiten denken Menschen darüber nach, was
wieso weshalb und warum passiert, manchmal denken sie auch über das
wo nach.
Kommen euch die W-Wörter bekannt vor?
Ja? Genau, das sind die fünf Wörter, die ihr wissen müsst, wenn
ihr irgendwie mal den Rettungsdienst anruft. Nur das Wort „warum“
müsst ihr durch „wieviel“ ersetzen. Eigentlich hätte es eine
echt interessante Diskussion werden können, wenn diese nicht
irgendwie im Vorfeld schon durch den Professor für Philosophie,
Herrn Böhler, und Frau Herrmann durch einen riesigen Wörterwal
platt gemacht worden wäre. Es war eher "Jonas und der Wörterwal". Wörter so mächtig aufgetürmt wie ein Blauwal mit genau dem gleichen Effekt, wenn es ums platt machen von etwas geht.
Ich denke mal, das war auch der
Grund, warum nach Teil eins und zwei doch einige Leute aufgestanden
und verschwunden sind. Schade, denn es waren ungefähr 60 Leute in
der Klosterkirche, die an dem Thema interessiert waren – und sich
durchaus damit auseinander setzen wollten. Der kleine Raum oben war
also rappelvoll und es wäre eine tolle Chance gewesen, Neuruppin
wirklich ein Stück bunter zu machen, einen Dialog zwischen mehr als
nur 6 Leuten zu fördern, von denen sich vier ohnehin gut kannten und
einer wirklich wichtigen Frage auf den Grund zu gehen.
Aber dann hat man einen studierten
Philosophieprofessorvor sich, der betont, er wäre Wissenschaftler. Schwupps,
kippen er und seine Begleiterin er nach einigen Buchempfehlungen
kübelweise Wörter von und über den Philosophen Hans Jonas, dessen
Ansichten und Denkweise und die verschiedenen Sichtweisen über die
Leute aus. Eigentlich hätte im ganzen Raum ein großes Fragezeichen
über den Köpfen schweben müssen. Aber alle waren so höflich so zu
tun, als ob sie verstanden hätten, was die uns da erzählen. Ihr
könnt mir glauben, es war so. Wenn jeder wirklich verstanden hätte,
was dort von den Philosophen erzählt wird, wäre Neuruppin schon
deshalb sehr reich, weil sie eine Stadt mit vielen Menschen wären,
die in Sekundenbruchteilen lange Sätze mit 8 – 10 Fremdwörtern
komplett verstehen würden. Selbst wenn man den Text vor sich liegen
hätte um ihn zu lesen, wäre man nicht in der Lage, den Sinn und die
tiefere Bedeutung so schnell zu erfassen. Deshalb ist tatsächlich
ein regelrechter Wörterzunami über uns hereingebrochen oder sehr
krass ausgedrückt: Das Bullshit-Bingo der Philosophie.
Wobei der Anfang noch recht interessant
war, Prof. Böhler stellte unter anderem das Buch „Hitlers 10
Gebote“ vor, erklärte, was es mit „Sklavenmoral“ und
„Herrenmoral“ nach Nietzsche auf sich hat.
„Wenn Philosophie die >Liebe zur
Weisheit< ist“, habe ich während des Zunamis irgendwann
überlegt, „wie kann so etwas dann überhaupt Philosophie sein?
Sollte Weisheit nicht etwas sein, was für VIELE Menschen
verständlich ist – und nicht nur für wenige, eingeweihte?“ Es
ging letztlich um die Frage, ob es Gott gibt, und ob er tatsächlich
allmächtig ist – und wenn er es wäre, warum er so etwas wie
Auschwitz zugelassen hat. Philosophie und Religion sind schon immer
eng verzahnt gewesen – denn letztlich ist Religion und Glauben im
Kern nichts anderes.
Es wäre in Ordnung gewesen, den
Philosophen Jonas, der jüdische Wurzeln hat und dessen Mutter in
Auschwitz umgebracht wurde, als Grundlage zu nehmen. Deshalb sind die
Leute ja auch gekommen. Aber statt „was und wie dürfen WIR jetzt
eigentlich denken und glauben???“ ging es eigentlich um einen oft
auf die Schnelle (des Vorlesens) unverständlichen und komplett
überladenen Vortrag von Hans Jonas: „Der Gottesbegriff nach
Auschwitz, eine jüdische Stimme“. Der Vortrag (in Buchform umfasst
er 38 Seiten!) wurde vorgelesen und es war für mich etwa so:
„blabla Hiobsnachricht blablablabla Makkabäerzeit blablabla
heilig, heilig, Gott, blabla, Schrecklich, furchtbar,
Kiddusch-haschem, Opfer, Propheten, Unsterblichkeit, blabla GOTT IST
VERSTÄNDLICH blablabla, platonisch-aristoteles, Transzendens, Gott,
heilig, Metaphysik, Immanenz, blabla...“. Mitten aus dem zu weiten
Teilen unverständlichen Redewust kamen genau diese Wörter – und
das war so herrlich paradox.
Als Platon zitiert wurde, habe ich
gedacht: „Den wirst du nie im Leben lesen, wenn der das so gesagt
haben sollte. Man, muss der zu seiner Zeit guten Stoff zu rauchen
gehabt haben!“. Es ist so, wer sich mit verschiedenen Junkies
unterhält, wird feststellen, das sie oft sehr philosophisch
veranlagt sind ob der bewusstseinserweiternden Drogen. Da braucht es
gar nicht unbedingt ein jahrelanges tiefgreifendes und
strunztrockenes Studium für, das einen den Job eines Taxifahrers
oder Bo-Frost-Dealers beschert.
Ich mag Philosophie. Es ist toll zu
philosophieren auch wenn man nicht Nietzsche, Kant, Epikur, Aurel und
so weiter auswendig rezitieren kann. Ich mag den griechischen Stoiker
Seneca, weil er sehr verständlich ist – und mein Herz hängt an
vielen Dingen, über die Bonhoeffer nachgedacht hat, bevor er im KZ
umgebracht worden ist. Aber das, was dort an dem Abend abging, war
eine Form der Philosophie, die wie ein dickes Kissen auf die Seele
und die Gedanken gedrückt wird und alles einfach nur durch die Art
und Weise, das Überfrachtete und Überhebliche erstickt und kaum
zulässt, das „Normalsterbliche“ sich auf den Weg machen dürfen,
die unglaubliche Weite und den Zauber der Philosophie zu entdecken.
Das bedaure ich zutiefst.
Sehr wohltuend war dagegen General
Superintendent im Ruhestand Esselbach. Derjenige, der verständliche
Worte fand um einen Teil seines eigenes Weges zu beschreiben. Wie
geht man als „Gottes Bodenpersonal“ damit um, das es so etwas wie
Auschwitz (und viele andere KZ´s) gegeben hat? Wie soll man
Menschen, die oft an Gott glauben möchten und die immer wieder von
der „Gnade Gottes“ und von der „Barmherzigkeit“ gehört und
gelesen haben, erklären, das ein „barmherziger und gnädiger Gott“
so etwas zugelassen hat?
Ich denke, darüber hätten sich viele
gerne unterhalten. Mit verständlichen Worten um genau das, was so
unbegreifbar erscheint, für sich zumindest ein Stück weit
begreifbar zu machen. Die Worte Esselbachs empfand ich als sehr
berührend. Denn er ist authentisch. Man nimmt ihm ab, dass er das,
was er sagt, wirklich meint – und auch lebt. „Wenn ich allein auf
die Vernunft der Menschen hoffen würde, dann hätte ich keinerlei
Hoffnung für diese Welt!“ - dennoch hofft er. Nicht auf die
Vernunft, aber auf so etwas wie wachsende Einsicht. Diese Hoffnung
ist es, die ihn trägt.
Ein toller Mensch.
Aber... wie sehe ICH es?
Denn ich wäre ja nicht zu der Veranstaltung gegangen, wenn mich die
Frage nicht interessiert hätte. Auf allerlei Papieren von mir steht:
ev-lt. Evangelisch-lutherisch. Ich bin mit Kirche aufgewachsen und es
gibt einige Menschen, die meinen Glauben und meine Art zu glauben,
sehr geprägt haben und denen ich dafür sehr dankbar bin. Denn: Ja,
ich glaube – aber mein Glauben fängt mit dem Neuen Testament an
und ich glaube vor allem, das es Jesus gegeben hat. Als coolen Typen.
Nicht weichgespült, gezuckert und auf Wattewolken gepackt. Ich
glaube sogar, dass die „verbotenen“ Evangelien mit die
interessantesten sind. Weil sie NICHT aus Geschichten bestehen, die
im Laufe von über 2000 Jahren immer wieder neu übersetzt, neu
ausgelegt wurden. Wenn man überlegt, wem es fast 2000 Jahre lang
immer wieder sehr genutzt hat, das es ein Gottesbild voller Allmacht
und Härte auf der einen Seite, Gnade und Barmherzigkeit auf der
anderen Seite gegeben hat, wer diese „Zuckerbrot und
Peitsche“-Version von Gott verbreitet hat, dann könnte man ja
darauf kommen, das vieles was so in der Bibel steht, vielleicht gar
nicht so gewesen ist.
Politik wird immer gerne
dort gemacht, wo die Allgemeinheit sie nicht auf den ersten Blick
vermutet – und ganz ketzerisch: Stellt euch vor, das weite Teile
der Bibel so etwas wie die Bildzeitung des Mittelalters waren und die
Stammtischparolen nur meist etwas netter umschrieben. Es hilft oft,
an einen Gott, an eine höhere Macht, zu glauben. Gott im Himmel...
also quasie im All. Genau DORT ist er auch „allmächtig“. Aber
ansonsten? Trial and Error. Versuch und Irrtum. Väter sind so. Ist
man klein, denkt man oft: „Whow, was mein VATER alles hinbekommt!“.
Meiner war so einer, der irgendwie alles konnte. Ein einfacher
Arbeiter – aber er hat mein Elternhaus saniert, Autos repariert,
uns Kindern eine Seilbahn gebaut, einen Trecker geschweisst... als
ich Kind war, gab es für mich nichts, was mein Vater nicht konnte.
Er war für mich fast wie ein Gott. Und dann wird man älter und
merkt: „Irgendwie... er kann doch nicht alles!“. Väter dürfen
Fehler machen – und deshalb darf Gott es auch – denn Christen
sagen Vater zu ihm. Erst als ich für mich erkannt habe, das Gott
kein übermächtiger, allmächtiger, furchteinflößender Herrscher
ist, der mit Zuckerbrot und Peitsche um sich prügelt, sondern
eigentlich – und das eben vor allem in Jesus – ein Mensch war wie
du und ich - konnte ich einen wirklich tiefen Glauben und eine tiefe
Freundschaft zu ihm entwickeln.
Denn genau DAS ist es, was
ich möchte: Eine Freundschaft zu ihm – und nicht unter einer
imaginären Knute von ihm stehen. Denn: „Wenn du dieses und jenes
nicht tust, dann wird der liebe Gott ganz böse!“ - ist immer ein
Machtmittel gewesen. Zum Einschüchtern und zum Unterdrücken.
Betrachte ich Gott bzw. Jesus als Freund, als jemanden mit Ecken und
Kanten, der zutiefst menschlich ist, DANN kann ich an ihn auch
glauben OBWOHL es Auschwitz und viele andere KZ´s gegeben hat und
obwohl es überall auf der Welt nach wie vor Hunger, Leid, Mord und
Totschlag gibt. Dafür... sind wir Menschen verantwortlich. Aber
nicht er, auch wenn es oft einfach ist, ihn als Sündenbock hervor zu
holen.
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