Samstag, 19. März 2016

Aaargh... ich werd´wahnsinnig!!!! Die 101. Tour.

Vorgestern habe ich meine Bikejöring-Statistik mal wieder auf Vordermann gebracht und alle Touren vom Februar und März nachgetragen. Die Statistik sagt, wir haben heute dann die 101. Bikejöring-Tour gemacht und insgesamt auf den Touren etwas über 938 km hinter uns gebracht. Das ist ganz ordentlich, als es so schweineglatt war, haben wir ja mit dem Radfahren pausiert.

Nun sind wir wieder im Training und es läuft eigentlich ziemlich gut. Montag ist mir dann aber blöder Weise der Bowdenzug einer Bremse gerissen, was extrem blöd ist, wenn man nur zwei Bremsen am Rad hat und einen Zughund davor. War aber an der Mesche und von daher war die Radtour dort dann auch zu Ende und ich bin zurück gelaufen und habe das Rad sofort zum Fahrradschrauber gebracht. Der hat dann den Zug gewechselt und auch einen neuen Ständer angebaut, weil der andere sich zerlegt hatte... aber es war immer auch klar, dass der Umbau vom Sparta-Rad nur ein Kompromiss ist. Ich meine, es kann doch nicht sein, das ich für ein Fahrrad einen HUFKRATZER brauche, weil die Konstrukteure eine völlig überflüssige Platte vor das Hinterrad gepackt haben, auf der sich munter der Dreck sammelt!

Keine Frage, das Sparta ist ein nettes Rad. Für Leute, die 160 kg wiegen und auf ebener Strecke ein paar Kilometer unterwegs sind um sich zu bewegen. Dafür ist es tatsächlich nahezu perfekt, super stabil und entsprechend schwer. Aber eben nichts für Feldwege und Querfeldein. Da hat es halt seine Grenzen - und ich meine.

Nun stand ich also beim Fahrradhändler, wir unterhielten uns über die Grenzen des Rades, den Sport und das ich eigentlich ein MTB brauche und er hatte zwei gebrauchte stehen. Eines davon habe ich letztes Jahr schon dort rumstehen sehen und gedacht, so etwas wäre ziemlich perfekt.  Gestern habe ich es auf einer kleinen Tour ausprobiert und bin über Sand, Erde, Schotter, Granitpflaster etc. gefahren, also eigentlich habe ich nix ausgelassen  was in zwei Kilometer Umkreis zu finden war. Ein bisschen Recherche brachte positive Testberichte zu dem Rad und den Hinweis, das die Firma im Bereich MTB etc. sehr gut ist - und nun steht es bei mir. Ich habe eigentlich erst gen Sommer ein MTB eingeplant, aber ich wäre letztlich ziemlich blöd gewesen, das nicht zu nehmen. Bis ich Joey davor spanne, dauert es noch ein paar Tage, denn es ist ein völlig anderes Fahren damit und da muss ich erst ein paar hundelose Touren machen um zu schauen, wie es sich fährt, worauf ich achten muss etc.. Nick hat es heute geschoben und ist auch ganz begeistert davon, wie leicht es ist - und amüsiert sich schon bei der Vorstellung, das ich nach einer Querfeldein-Tour aussehen werde wie ein Schwein, weil das Ding keine Schutzbleche hat. Egal. Hauptsache glücklich - und fit.

Heute war dann die Tour mit dem "alten" Rad 11,2 km lang und die meiste Zeit sind wir zusammen mit meinem Freund und seinem Hund gefahren. Das ist dann für beide eher ungewohnt, weil selbst wenn ich mit Joey langsam unterwegs bin kommt dann immer: "Los, Rocky, das ist hier keine Trödelrunde!" an den anderen Hund. Da wo der zweite Hund schon rennt, trabt Joey locker flockig vor dem Rad.

Hier habe ich euch mal zwei Geschwindigkeitsprofile der App hochgeladen. Wenn es dabei lange Leerräume gibt, sind wir mit zwei Menschen und zwei Hunden unterwegs und gehen unterwegs Kaffee trinken ;-). Aber ansonsten scannt die App von Komoot alle 5 Sekunden den Standort und berechnet daraus die Geschwindigkeit. Ich finde es für mich völlig ausreichend, sie nachher in so einer Form auf dem PC aufzurufen.




Gestern bin ich dann gefragt worden, ob ich eigentlich so Sportsendungen gucken würde und wenn ja, was ich mir im Fernsehen an Sport angucken würde. Nun.. wir haben kein Fernsehen - und die Sportarten, die ich gerne schaue, kommen ja ohnehin höchst selten mal im Fernsehen. VOX hatte letztens bei Hund-Katze-Maus den Iron-Dog. (Klick mich, ich bin ein Link) Das habe ich meiner Mutter erzählt, die ja ziemlich weit weg wohnt und mir immer erzählt, was bei Hund-Katze-Maus kommt. Ich habe ihr gesagt, wenn sie mal gucken möchte, was wir so an Sport machen, soll sie das gucken wo der Iron-Dog kommt, ein Biathlon bzw. Triathlon, weil es Bikejöring und Canicross gab sowie Bikejöring, Canicross und Schwimmen. Hat meine Mutter geschaut und danach gefragt, ob ich auch so mit dem Hund vor dem Rad durch die Gegend eiern würde, ich sollte das sofort sein lassen, viel zu gefährlich! Denke ich nicht. Von einem Pferd fliegt man viel tiefer.



Nun ja, heute habe ich dann dem, der mich gestern gefragt hat, mal auf YouTube Videos davon rausgesucht, was ICH gerne an Sport gucke. Igor Tracz. Siehe oben.  "Und das da sind europäische Schlittenhunde! die sind so 30 - 40 km/h schnell und wenn Joey mal nicht mehr ist wäre so ein Hund..." er so: "Lang lebe Joey!". Na ja und dann gucke ich vorhin so auf unsere Tourauswertungen wo halt ziemlich gut zu sehen ist, wie Joey sich stetig verbessert und auch die Geschwindigkeit sich ganz passabel entwickelt hat - da sehe ich bei der heutigen Tour ein paar unüblich lange Geschwindigkeitsbalken. Joey hat heute während einer Aufholjagd doch tatsächlich 30 km/h geschafft! Kurz aber immerhin. Wie so ein Geschwindigkeitsprofil aussieht, seht ihr oben.

Na ja, ich bin gespannt, wie sich unser Training entwickelt, freue mich über das neue Rad und viele tolle Touren damit. Es bringt mich auch einem etwas spezielleren Wunsch von mir näher. Vor vielen Jahren hatten wir mal ein Shetty. Das habe ich vor der Kutsche eingefahren (mit professioneller Unterstützung von einer Fahrerin, die früher mit ihrem Gespann Wettkämpfe bestritten hat und einem Richter für Gespannprüfungen). Es war seit dem dann immer mein Wunsch, mit einem Gespann mal einen richtigen Hindernisparcour für Kutschen zu fahren. In Rastede, wo wir herkommen, gibt es das Landesturnier auf dem jedes Jahr solche Fahrturniere stattfinden und wo einige Kutschenhindernisse fest verbaut sind.


Konnte ja nicht ahnen, das mein Gespann dafür dann wohl aus Hund und Rad besteht. Wie es aussieht, wenn Kutschen einen Hindernisparcour fahren, könnt ihr oben im Video von ReitTV  angucken. Vielleicht denkt ihr auch, es ist einfacher, das mit Hund und Rad zu fahren, weil das Gespann insgesamt ein kleiners Format hat. Ich denke, es ist schwerer, so einen Parcour mit einem Hundegespann zu fahren. Denn klar, Fahrrad und Hund davor sind nicht so breit wie eine Kutsche und auch nicht ganz so lang. ABER... eine Kutsche hat eine Deichsel (Zwei- und Vierspänner) bzw. eine Schere (Einspänner). Das verbindet Pferd/e und Kutsche fest miteinander. Das Pferdegeschirr ermöglicht, ein paar Schritte rückwärts zu fahren, die Leinen und die Fahrpeitsche ermöglichen recht genaue Signalgebung und sogar die Scheuklappen helfen, damit das Pferd nicht durch störende Sichtreize von hinten abgelenkt wird. 

Alles das ist bei einem Hundegespann a la Schlittenhund nicht der Fall. Letztendlich ist eine sehr gute und möglichst genaue Ausbildung von Joey auf Distanzkommandos schon allein deshalb wichtig, weil wir immer mitten in der Stadt starten. Spannend wird es halt, ob alles das dann ausreicht, um so einen Parcour zu bewältigen. Wir werden sehen. Aber es wäre schon ziemlich der Hammer, wenn es klappt. Mein Freund erzählt mir ab und an, das er immer, wenn er mich und die Hunde so vor zwei Jahren gesehen hat, dachte: "Mensch Mädchen, was soll das denn noch mit euch werden?!" - weil er halt mitbekommen hat, wie Joey sich am Anfang benommen hat. Von daher denke ich auch, dass es vor allem auch für Joey eine enorme Leistung wäre, wenn er auch nur EINES der Hindernisse vor dem Rad auf Distanzkommandos bewältigt.
















Kunst & Kultur: Stadt-Land-Motte


Soooo... und dann war da noch die Ausstellungseröffnung im Kunstraum Neuruppin von „Stadt-Land-Motte“. Die Einladungskarte hat ja schon mal irgendwie sehr neugierig gemacht, da ist Wald und jemand mit einem Aktenkoffer, der um einen Baum herumschleicht.



Am Abend vor der Eröffnung war in der Galerie dann Licht an, was ja immer unglaublich toll ausschaut – und ich konnte die drei Bilder von der Einladungskarte durchs Fenster sehen. Die sind riesig. Und dann habe ich auch verstanden, warum die ein bisschen anders aussehen. Sie sind auf Bambusrollos gemalt!

Voller Spannung bin ich also am nächsten Tag in die Galerie gestiefelt, wo sich schon ein munteres Völkchen („die üblichen Verdächtigen“) eingefunden hat. Was für Neuruppin spricht ist, das eigentlich alle Künstler, die bei Johannes Bunk im Kunstraum ausstellen, völlig überrascht sind, wenn sie zur Ausstellungseröffnung mit so vielen Leuten konfrontiert werden. Sie vermuten das in einer Kleinstadt nicht, sondern denken eher so: „Na ja, so 6 – 10 Leute...“ - und dann sind es über 30 Leute, die tatsächlich alle die Bilder sehen wollen – und das ist mehr, als in mancher Großstadtgalerie zu einer Eröffnung auftauchen!



So, nun also zu „Stadt-Land-Motte“ von Alexander Jakimenko. Der ist 1979 in der Ukraine geboren und aufgewachsen und nach seinem Kunststudium 2001 nach Deutschland ausgewandert. Hier hat er ein zweites Kunststudium angehängt, ist also ziemlich umfassend ausgebildet. Er lebt in Köln und für „Stadt-Land-Motte“ hat er Motive aus zum Teil Kölner Problemvierteln genommen. Nun ja, man sieht nicht, das es zum Teil Problemviertel sind, es ist viel Natur und die sieht halt interessant und gut aus.

Wenn ihr durchs Fenster schaut, seht ihr in dem einen Raum diese beiden Bilder, die aus jeweils vier Einzelteilen bestehen. Wenn ihr genauer schaut, dann stellt ihr fest, ja, die gehören eigentlich zusammen – sind aber eben alle einzeln gemalt und passen nicht wie ein Puzzle einfach nahtlos zusammen. Eigentlich ganz spannend gemacht und im Gegensatz zu diversen „Fertigbildern“ in ähnlicher Art die man schon fix und fertig bekommt kann man hier viel mehr entdecken. Einfach mal gucken!

Ein anderes Bild ist das hier:



Er nennt es „Volkspark“ und es ist ganz bewusst die Financial Times als Maluntergrund ausgesucht worden. Warum kann sich jeder vielleicht selbst mal überlegen. Was könnte der Grund sein, einen mehr oder minder zerstückelten Wald einer Großstadt, die immer mehr Fläche für Häuser braucht, auf so einer Zeitung zu malen?

Im hinteren kleinen Raum sind zwei Arbeiten aus Stoff, Perlen und Schnüren. Zwei große Motten. Motten sind ja eigentlich die „Schmetterlinge der Nacht“ - eher in dunkleren Farben, aber letztlich nicht weniger faszinierend wie Schmetterlinge. Wenn man sich mit ihnen näher beschäftigt. Auf der Eröffnung wurde die Verbindung von Motten und Architektur nur ganz kurz erwähnt und deshalb war ich sehr neugierig auf die „Architekturmotten“. Wenn man sie sich anschaut, dann entdeckt man auf den Flügeln Gebäude und Straßenfluchten. Das ist schon sehr cool.


Auch sonst hat der Begriff "Motte" etwas mit Architektur zu tun: es sind Turmburgen. Klingt groß, ist aber eher klein. Früher waren Turmburgen eher etwas für den Kleinadel, die halt nicht so viel hatten. Turm gebaut, Haus oben drauf – fertig war die „Alles in einem Burg“, die eben Motte genannt wurde.

Und, wie erklärte man, wenn ein Pferd vor so einer Kleinstburg stand? „Das Hotte vor der Motte“. Kleiner Scherz.

Die Ausstellung ist noch bis zum 17. April zu sehen. Wer in die Galerie möchte, kann das von Mittwoch bis Samstag von 15 - 18 Uhr sowie an Sonn- und Feiertagen von 11 - 13Uhr und nach Vereinbarung.

Ihr findet den Kunstraum Neuruppin in der Friedrich-Engels-Straße 37 (bei der Post) und im Internet unter kunstraum-Neuruppin.de






















Freitag, 11. März 2016

wir leben noch



So, zwischendurch mal ein Lebenszeichen von uns. Wir leben noch, haben aber derzeit privat einige Sachen die wir erst einmal verarbeiten müssen und dabei ist der Blog leider etwas zu kurz gekommen.

Aber so langsam geht es wieder, nach und nach ist aus einer herben Enttäuschung und viel Verunsicherung etwas sehr Großartiges geworden. Ich habe ja immer gesagt: "Ich bleib´ beim Hund!" - ich habe aber nie gesagt, das da am anderen Ende der Leine vielleicht noch jemand dran hängt. OK, das kam alles dann wie eine riesengroße Welle über uns hereingebrochen und wie das mit Wellen so ist, wenn die groß sind und über einen hereinbrechen, hat man mitunter das Gefühl, zu ertrinken. Grad, weil in den letzten Jahren ziemlich viel schief gelaufen ist, hat es mir ziemlich den Boden unter den Füßen weggehauen. Ich glaube, gelernt haben wir beide in den letzten Wochen eine ganze Menge. Aber nicht nur wir Zweibeiner, auch unsere Vierbeiner haben einiges gelernt. Das sie miteinander problemlos umgehen zum Beispiel. Für Joey ist das schon ziemlich gut, auch wenn er ein eher defensiver Hund ist und der andere eher so ein Hans-Dampf in allen Gassen.

Dann gab es noch einen Termin im Jobcenter, der dann so die "Krönung" der letzten Monate und dem ganzen Hin- und Her war und mich für einige Tage ziemlich aus der Bahn geworfen hat. Nicht nur das, der Stress, der sich dadurch entwickelt hat, bescherte mir dann einen hochfrequenten Dauerton im Ohr und die Erkenntnis, das man in Neuruppin sehr schlecht HNO-Termine bekommt. Mittlerweile habe ich zumindest (oder sagen wir mal so, ich hoffe es zumindest) erreichen können, dass nicht immer wieder irgendwelche neuen Leute die letztlich nichts wissen, für mich zuständig sind und mir einen Scheiß nach dem Anderen erzählen und sich gerne auch mal widersprechen oder das jemand, der mir auf jede Frage antwortet, das er keine Ahnung hat, mit mir dann eine rechtsverbindliche Vereinbarung schließen möchte. Das geht ja mal so gar nicht, ständig wird in der Zeitung vor Haustürgeschäften gewarnt, die im Prinzip genau so ablaufen, aber ausgerechnet eine Behörde arbeitet so? An dem Tag habe ich mich gewundert, das dort noch niemand Amok gelaufen ist. Denn im Grunde wissen die Mitarbeiter dort oft doch gar nicht, was sie in den Menschen anrichten. Letztlich interessiert es auch die wenigsten Leute, die dort arbeiten, wie es einem tatsächlich geht, ob Mitarbeiter eins und zwei sich widersprechen und der Sachbearbeiter im Hintergrund wieder eine andere Auffassung hat, weil er nur auf ein paar Daten guckt aber nicht auf den Menschen.

Ich habe für mich auf meine Gesamtsituation und mit Junior vereinbar das Optimum an Möglichkeit gefunden und spare dem Landkreis jeden Monat ganz konkret ein paar hundert Euro durch das, was ich alles mache. Ich habe eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf, entlaste langfristig das Sozialsystem und engagiere mich. Mache also alles das, was doch eigentlich immer wieder in vielen Zeitungsartikeln gefordert wird. Aber... es ist egal. Das zählt nicht. Weil der Blickwinkel vieler Behörden genau am Rand ihrer Espresso-Untertasse endet. Ich denke, wenn wir eine sozialere Gesellschaft wollen, darf der Blick nicht irgendwo an einem Untertassenrand hängen bleiben. Denn genau damit verbauen wir uns viele Chancen. Wenn man möchte, das mehr Menschen sich engagieren, dann darf man sie nicht gängeln wollen, zu Nummern oder Fällen reduzieren. Denn genau damit verhindert man doch, was man eigentlich ändern möchte. Selbstverständlich wird man nicht jeden Menschen dafür begeistern können, sich zu engagieren, sich seinen Bereich zu suchen, der für ihn optimal ist und wo er alles umsetzen kann, was er je gelernt hat... aber ich halte es eben für verkehrt, deshalb genau denjenigen, die für sich einen Weg gefunden haben, mehr Steine als notwendig in den Weg zu werfen. Ich könnte auch gar nichts machen, dem Klischee entsprechen und Bier trinkend den ganze Tag die Glotze laufen lassen, auf Kleidergröße 58 anquellen und dafür sorgen, das mein Kind für den Rest seines Lebens eine kostenaufwändige Betreuung benötigt und mir alle Rechtstricks aus ALG2-Foren raussuchen und zu meinem Lebensziel erklären, die Behörde mit Anträgen, Widersprüchen und Klagen zuzupflastern. Das ist aber nicht mein Ding. Ich möchte einfach nur fair behandelt werden.

Dann gibt es endlich kein türkis-grünes Zimmer mehr in unserer Wohnung. Wir haben sie damals  zum Teil unrenoviert übernommen. Mein Ex so: "Die brauchen wir sowieso maximal ein halbes Jahr, dann ist das Haus fertig!". Ah... ja. Das war so eine Aussage vom Sommer 2012. Vorgestern haben Junior und ich mit einer Mischung aus Gelächter und Entsetzen quer über dem Tisch gelegen... im Haus, wegen dem wir überhaupt hier gelandet ist, wird "gerade das Bad gemacht". Ich wollte nie für längere Zeit in so einer Art Favela-Feeling leben. Favelas sind größere Flächen in Städten, wo sich die finanziell sehr schwachen Menschen aus allerlei Fundsachen Hütten gebaut haben. Anderswo nennt man das Slums. Urgs... ne. Klein Johannisburg in Neuruppin.

Junior hat zum Geburtstag ein renoviertes Zimmer in seinen Lieblingsfarben bekommen, jetzt müssen wir nur noch ein neues Bett bauen, denn das alte war so "3.Hand" und eh ganz ursprünglich aus einem Billigmöbelmarkt. Das hat nicht überlebt. Im Flur habe ich dann Farbreste verarbeitet und einen ziemlich tollen Effekt damit hinbekommen, das ich zwei Farben unten in einen Farbeimer gekippt habe und dann mit einer Farbrolle beide aufgenommen habe. Tja und dann habe ich nach über 6 Jahren auch wieder ein richtiges Bett und schlafe nicht mehr auf dem Fußboden.  Das ist jetzt nur für Joey blöd gewesen, weil er immer vor meinem Bett gelegen hat, so dass ich ihn mit einer Hand noch streicheln konnte. Ganz fertig ist mein Bett noch nicht, aber eigentlich fehlen jetzt nur noch "die Goodies".  Es ist mittelhoch und wenn es so fertig wird, wie geplant, habe ich eine Burg. Weil ich es immer total bescheuert gefunden habe, auf den tollen Abenteuerbetten der Kinder dann Probleme mit dem Beziehen von Matratzen zu haben, habe ich jetzt gleich beim Entwurf darauf geachtet, das ich so etwas problemlos hinbekomme. Weil es etwas höher ist, steht unser Trampolin davor. Erkläre mir mal jemand, wer sonst mit 48 Jahren ein Bett hat, vor dem ein Trampolin steht, damit man rauf kommt!  Ich bin sicher, LANGWEILIG wird das Leben irgendwann ganz von alleine. Joey ist schon etwas mutiger geworden, was das Trampolin anbelangt, er traut sich dort jetzt viel schneller drauf.

Nach wie vor sind wir mehrmals in der Woche bikejörend unterwegs. Die längste Tour war vor zwei Wochen 17 km. Das Wetter war schön sonnig und ich dachte, es wäre ok, wenn ich mal nicht die dicke Sicherheitsjacke anziehe. Dann ging es über den Alt-Stöffiner Weg und ich bin als Eisklotz wieder zu Hause gelandet. Ansonsten sind wir auch oft im Gutspark unterwegs. Die Durchschnittsgesschwindigkeit hat sich jetzt schon mehrmals bei 11 km/h eingependelt. Das ist auf eine Stunde gesehen voll in Ordnung und wir haben den Skaterplatz mal erkundet. Den finde ich ziemlich gut um zwischendurch einfach mal ein bisschen Fahrtechnik zu üben. Klingt zwar auf dem ersten Blick irgendwie etwas albern - aber es ist ein Unterschied, ob ich auf einem Weg über einen Hubbel oder durch ein Loch knalle, und sofort stehen bleiben kann oder mich halt hinpacke - oder ob ein Hund vor dem Rad ist und es auch dann zieht, wenn das Rad unter dir ausbricht oder was auch immer. Oder ein glatter Ast - zack, rutscht dir einer der Reifen weg...  die Wellenbahn auf dem Skaterplatz ermöglicht mir, da einfach mehr Sicherheit aufzubauen. Wie erwartet wirkt sich auch das Trampolin sehr positiv aufs Bikejöring aus, weil das Gleichgewicht einfach besser geworden ist.

Zum Schluss noch ein kleiner Hinweis:











































Donnerstag, 11. Februar 2016

OT: Zum Valentinstag - Das Herz in der Pralinenschachtel


Liebe Leser,

der Valentinstag kommt und viele von euch freuen sich sehr darauf. Ich möchte euch heute eine voll unhundische Geschichte schenken, die seit fast drei Jahren (Mai/Juni 2013) auf einer Speicherkarte vor sich hin dümpelt. Die, wie ihr merken werdet, sehr persönlich ist. Vielleicht denkt der oder die Eine oder Andere ja ein bisschen länger darüber nach, was mich freuen würde.

Allen Liebenden einen schönen Valentinstag, und wenn ihr nicht wisst, was ihr machen sollt, zieht euch aneinander gekuschelt „Forrest Gump“ rein, futtert eine Pralinenschachtel leer und überlegt zu jeder Praline, für was sie in eurem Leben stehen könnte... 


Das Herz in der Pralinenschachtel


oder:


Eine Art von Mut...


Einleitung:

…Ich weiß übrigens nicht, was es soll, das ich mich bis über beide Ohren in dich verliebt habe und mein Verstand sagt mir, das es wahrscheinlich das Blödeste ist, was mir derzeit überhaupt passieren konnte. Als ob ich nicht schon genug Probleme hätte...




und dann kam mein Herz angeschwappt und sagt: „Halt einfach die Klappe und genieß das Gefühl... den Augenblick... jeden Gedanken...“
gleich darauf meldete sich dann der Verstand und sagte: „Ich kann dich ja verstehen, mein Herz, aber es wird schief gehen und fürchterlich weh tun!“

worauf das Herz erwiderte: „Das mag durchaus sein, bedenke aber, das auch du es nicht genau weisst, sondern nur ahnst – und lasse ihr das Wissen, das sie trotz allem, was war und ist, jemanden einfach unglaublich lieben kann. Das sie wieder lieben kann. Niemand weiß, was das Leben bringen wird. Es ist - wie Forrest Gump schon sagte – eine Pralinenschachtel. Du weisst nie, was drin ist! “

Verstand:„In diesem Falle jemand, der für seine Arbeit lebt!“ -

Herz: „Das mag sein... aber auch dieser Mensch hat ein Recht – und ein Bedürfnis, geliebt zu werden. So, wie er ist und mit der wenigen Zeit, die er hat. Man kann sich nicht immer aussuchen, wer einen liebt – wie gesagt, es ist wie die Pralinenschachtel: du weisst nie, was drin ist. Manchmal schmecken sie bitter, manchmal herb... manche sind aufwändig verziert und verpackt und schmecken letztlich nach nichts - und manchmal sind die unscheinbarsten Dinge das Süßeste und Beste, was dir je untergekommen ist! Das wirst du aber nur herausfinden, indem du das Leben ausprobierst. Selbst dann, wenn es manchmal einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt ! “


Der Verstand schwiegt einen Moment, bevor er sagte: „ Sie wird wieder die Bitterkeit schmecken! Denn nach dem süßen Schokoladenüberzug des verliebt-seins wird wohl nichts bleiben als ein bitterer Kern und die nächste Enttäuschung ! “

Das Herz dachte ebenfalls nach... 

„ Vielleicht hast du recht... vielleicht aber auch nicht. Du weißt es eben so wenig wie ich. Das musst du zugeben. Aber du solltest bedenken, wie viel ihr im Leben fehlen würde, wenn sie aus Angst, irgendwann auf einen bitteren Kern zu stoßen, nicht einmal die süße Umhüllung probieren und genießen würde. Und ist es nicht eine der schwierigsten Lektionen der Liebe überhaupt, das, was man liebt, frei zu lassen? Zu sagen: > Ich liebe dich von ganzem Herzen – und weil ich dich so liebe, lasse ich dir deine Freiheit, respektiere ich deine Entscheidung ! < ?“

Der Verstand wird etwas unwirsch: „ Aber das wird weh tun, sollte nicht langsam mal gut sein mit weh tun ?! “.

„ Im Prinzip schon... “ antwortete das Herz „ aber – wenn du nicht mehr die Gefahr möchtest, dass Liebe weh tut, sondern nur schön ist – dann darfst du nie mehr lieben. Stell dir das mal vor ! Und schau, wie viele Menschen genau das scheinbar wollen – und weglaufen. Dadurch, dass sie sich in Arbeit vergraben vielleicht, oder dass sie sich vom Fernsehen berieseln lassen, sich einer Medienflut aussetzen, exzessiv Sport treiben oder was auch immer. Sie sind betroffen wenn sich ein Paar im Fernsehen trennt, weinen, wenn der Fussballverein verliert, ertragen die Schmerzen, wenn sie sich beim Sport verletzen... alles das ist für sie im Verhältnis gesehen weit weniger schlimm als die Furcht davor, durch eine enttäuschte Liebe verletzt zu werden ! Aus lauter Angst vor der Liebe verzichten sie auf das wundervollste im Leben, das es gibt . Nämlich die Liebe “

„Weil es ihr Innerstes verletzt ! “ entgegnete der Verstand.

„ Mag sein, aber sie verzichten auch darauf, tief in ihrem Innersten berührt zu werden ! Dort wo das tiefe Gefühl des Glücks neben der Demut zu finden ist... denke einfach mal darüber nach... Demut... das kommt von Mut. Jemanden zu lieben bedeutet also auch, mutig zu sein ! “ lächelt das Herz „ Allein jemandem das erste Mal zu sagen: „ Ich liebe dich ! “ ist doch eigentlich eine sehr mutige Sache ! “

„ Leider zu inflationär geworden “ schnaubte der Verstand mit leichter Verachtung und fuhr fort: „ Weißt du Herz, schau dich um in der Welt und du wirst sehen, dass diese drei Worte so oft für letztlich nichts gebraucht werden, dass man ihnen schon nicht mehr glauben kann. Die Werte haben sich verschoben, dass ist das Problem... “ 


„ Deshalb sage ich ja, dass es sehr mutig ist, jemandem das erste Mal zu sagen, dass man ihn von ganzem Herzen liebt, gerade wenn man gelernt hat, das es viel zu oft hinterfragt wird ! “ lächelte das Herz immer noch: „ Viele Menschen brauchen einen werthaften Grund, um zu verstehen, warum sie geliebt werden. Dass man sie nur um ihrer selbst willen lieben könnte, das kommt ihnen gar nicht in den Sinn – weil sie es vielleicht verlernt haben, das es genau so sein kann. Die Kehrseite ist aber auch, dass es sie verunsichert, um ihrer selbst willen geliebt zu werden. Oft ist so die Angst, nicht gut genug zu sein um zumindest ernst genommen oder die Angst, ausgelacht zu werden, größer als der Mut ! “

Der Verstand stimmte zu: „ Da hast du recht. Schau sie dir an... wie sie zweifelt... “

das Herz fing an zu lachen: „ Wenn sie zweifelt, dann weil wir hier diskutieren ! Liebe hat erst einmal nichts mit dem Verstand zu tun. Sie beginnt im Herzen... also bei mir. Ich kann dir sagen, es ist eine wahrhaft tiefe Liebe, die sie so vorsichtig behandelt wie eine alte Christbaumkugel – weil sie weiß, wie verletzlich sie ist. Du als Verstand bist derjenige, der draufhaut – und im schlimmsten Fall sagt: „ Guck mal, kaputt, habe ich doch gesagt ! “ du solltest ihr eine Chance geben ! “

„ Verletzt zu werden ? “ der Verstand runzelte die Stirn.


„ Nein “ sagte das Herz, „ gibt ihr die Chance, mutig zu sein. Zu sich selbst zu stehen. Zu dem, was sie ist... wie sie ist. Das sie jemanden so sehr liebt, das es ihr mitunter weh tut. Du weißt, sie ist in vielen Dingen nicht so wie Andere. Gibst du ihr nicht die Chance, mutig zu sein – noch mutiger als bislang, nimmst letztlich beiden die Möglichkeit aufeinander zuzugehen um zu schauen, ob sich ihre Seelen berühren ! “

Der Verstand dachte nach. „ Eigentlich ist es doch egal, wie man es dreht und wendet – möchte ich sie schützen und sage, es geht nicht, weil sie wieder verletzt werden könnte ist sie vielleicht tiefer verletzt weil ich ihre Angst mehr schüre als ihren Mut. Sage ich: es ist ok, sei so, wie du bist und sei mutig – dann wird sie vielleicht verletzt, weil sie erkennen muss, das sie jemanden liebt, dem sie vielleicht nichts bedeutet... “

Das Herz fiel ihm ins Wort: „ Aber dann bleibt ihr zumindest die Gewissheit ! Wenn du dir etwas gewiss bist, mag es vielleicht erst sein wie ein Felsblock – hart und schwer. Aber einen Fels kannst du bezwingen und so lernen, mit der Gewissheit zu leben. Ungewissheit ist wie... eine Wand aus nassem Sand. Du wirst sie nicht bezwingen können, denn du wirst immer wieder an ihr
abrutschen und nie wissen, was dich oben erwartet ! Du wirst dich immer fragen, was es wohl ist, wäre, sein könnte – es nie erfahren – und so auch nie damit abschließen können. Ich frage dich: Was ist wohl schlimmer ? “

„ Du hast recht ! “ seufzte der Verstand und fügte hinzu: „ jetzt fehlt ihr nur noch der Mut... “.

„ Ich sagte schon, sie ist oft nicht wie Andere... sie wird ihren Weg finden um ganz für sich mutig zu sein ! “ antwortete das Herz und ergänzte: „ Du weisst so gut wie ich, dass Mut für jeden etwas anderes ist. Für manchen bedeutet Mut, ins Wasser zu springen. Für einen Anderen ist es vielleicht, eine Spinne zu fangen – und für wieder einen Anderen, eine Rede zu halten. Mut ist immer, eine Grenze zu überwinden . Und für sie ist Mut, trotz dem Wissen um ein Herz, das viel Schlimmes erlebt hat, ihm zu sagen: „ Ich habe mich in dich verliebt ! “ - und damit zuzulassen, dass wieder etwas Schlimmes passieren kann – oder eben auch genau das Gegenteil!"

„ Daran möchte ich lieber nicht denken... “ meinte der Verstand „ stell dir einfach vor, wie das wäre... “.

„ Ach, “ sagte das Herz „ sicherlich wäre sie sehr traurig, aber wie gesagt, sie hätte dann Gewissheit. Und wenn sie oben auf dem Fels der Gewissheit ankommen würde, ihn also bezwungen hätte, würde sie sehen, das sie mit ihrer Art und Weise oft ein besonderer Mensch ist. Besondere Menschen brauchen andere Menschen, die ebenso auf ihre ganz eigene Art und Weise etwas besonderes sind, denn nur so können beide ihre Werte im Leben leben, weil beide die Werte des jeweils anderen respektieren und achten würden. Mit Partnerschaft hat das übrigens erst mal nichs zu tun, sondern es ist etwas Grundsätzliches “.

„ Sag´ doch einfach, wer sie nicht will hat sie auch nicht verdient ! “ knurrte der Verstand.

„ So oder so ähnlich ! “ grinste das Herz „ aber es dauert immer, bis man das wirklich begriffen hat wenn man jemanden sehr liebt, denn in der Liebe steckt immer auch die Hoffnung – und die stirbt bekanntlich zuletzt. Wie schon gesagt, mit einer Partnerschaft hat das erst einmal nichts zu tun, sondern mit
Verständnis, Respekt und Achtung voreinander “.

Der Verstand verdrehte die Augen: „ Das mit der Hoffnung, mein liebes Herz, brauchst du mir nun wahrhaftig nicht zu erzählen ! Ich bin froh, das ich mich wenigstens mit einigen Dingen durchsetzen konnte – und selbst das hat viel Mühe gekostet ! “

Das Herz lächelte: „ Sei dir gewiss, sie hat viel für ihr Leben gelernt. Zugegeben, nicht nur gute Dinge, auch viele, die sehr weh getan habe. Aber siehe es doch mal so: Sie hat bewiesen, das sie für eine Partnerschaft sehr, sehr viel von sich geben würde - und im Gegenzug nicht einmal viel erwartet. Da hätten viele andere Menschen schon längst aufgegeben ! “ 

Der Verstand fing an zu schimpfen: „ Sie hat sich fast aufgegeben ! Das war nicht in Ordnung ! Schau, was aus ihr geworden ist ! “

Das Herz zog die Augenbrauen hoch: „ Ich weiß was du meinst – und ich weiß nicht was du meinst. Liebe ist eine Sache des Herzens, nicht des Verstandes. Und ich sehe jemanden, der sich bemüht, nach vorne zu gehen, auf die Leute zuzugehen... zu vertrauen... egal was war. Die ihren Weg sucht, mit allem umzugehen, nicht zu zerbrechen, ihre Träume lebt, so gut es geht – und die weiß, das Liebe an sich bedingungslos ist, denn sonst wäre es keine Liebe. “ 

Der Verstand räusperte sich grinsend: „ Ah, der berühmteste Stolperstein, den es gibt ! Die Liebe mit einer Partnerschaft verwechseln... der Klassiker der Erpressung > wenn du mich wirklich lieben würdest, dann... < “

„ zusammen mit > du liebst mich nicht weil du dies das und jenes nicht für mich tust < das berühmteste Rezept für Beziehungsquark ! “ lachte das Herz: „ Aber du musst zugeben, es ist sehr schwer, beides zu trennen mein lieber Verstand ! “

„ Durchaus, durchaus und es wird sich wohl nie ganz verhindern lassen. Aber es ist schon viel Wert, wenn man begriffen hat, das Liebe an sich grundsätzlich bedingungslos ist, da sie von Herzen kommt – eine Partnerschaft es aber nicht sein kann. Du kannst einen Menschen so sehr lieben, das du für eine Partnerschaft mit ihm etwas an dir ändern würdest, das dir wichtig ist. Aber du musst nicht mit jedem Menschen, den du liebst, auch eine Partnerschaft eingehen, was mitunter ja auch allein deshalb nicht geht, weil es einseitig ist ! “ dozierte der Verstand.


„ So ist es. Dennoch braucht es Mut, jemandem das erste Mal zu sagen, das man ihn von ganzem Herzen liebt. Insbesondere dann, wenn man ihn ja eigentlich gar nicht kennt, denn auch wenn die Liebe an sich an keine Bedingungen gebunden ist, tut es weh, wenn man mitbekommt, das der Andere das Geschenk kategorisch ablehnt, nicht zu würdigen weiß oder völlig verunsichert ist. “ überlegte das Herz.

„ Eine Praline kannst du hübsch einpacken und eine dicke Schleife drum machen. Von Kindheit an lernen wir, mit materiellen Geschenken umzugehen. Vielleicht ist es deshalb einfacher, mit einer verpackten Praline als Geschenk umzugehen als mit den Worten „ Ich liebe dich “ denn wir haben keinen Zeitpuffer beim Annehmen und Auswickeln um uns etwas zu überlegen, eine anerzogenen und antrainierten Verhaltensweisen – sondern in genau dem Augenblick, wo man es zu jemandem sagt, sind sich beide gnadenlos ausgeliefert. Das kann sehr schwer sein und Angst machen ! “ fuhr der Verstand fort und das Herz nickte zustimmend.

Der Verstand reckte sich: „ Sie hat mich... “ 

weiter kam er nicht, denn das Herz meinte lakonisch: „ Ja, und manchmal muss man dir einfach vor´s Schienbein treten, damit du ruhig bist und den Dingen Raum gibst, sich zu entwickeln ! “

Dem Verstand klappte der Mund zu und er nuschelte: „ ich meine ja nur... “

„ Lass ihnen Zeit ! “ ermahnte das Herz „ Ich weiß, es ist schwer. Aber um uns herum rauscht die Zeit so unheimlich schnell vorbei... lass ihnen beiden einfach die Zeit, die sie brauchen um mit der Situation umgehen zu können. Ihr die Zeit um Mut zu sammeln und ihm sagen zu können: „ Ich habe mich in dich verliebt ! “ - und ihm die Zeit, nachzudenken. Man bekommt nicht jeden Tag gesagt, das man für einen anderen Menschen so wichtig geworden ist, das man einen sehr großen Platz in seinem Herzen hat. “

Der Verstand dachte nach... „ Was ist, wenn es schon jemanden in seinem Leben gibt ? “ fragte er nachdenklich.

„ Denke daran, was wir vorhin gesagt haben ! “ antwortete das Herz ihm „ die Liebe an sich ist bedingungslos. Es wird mehrere Menschen geben, die ihn lieben – es wäre für einen Menschen ja auch sehr traurig, wenn es nicht so wäre. Nur die Art und Weise und die Intensität, die wird unterschiedlich sein. Egal ob es jemanden in seinem Leben gibt oder nicht – es ist ohnehin seine Entscheidung, wie weit er die Türe seines Lebens für sie aufmacht. Vielleicht lässt er sie zu, vielleicht macht er sie soweit auf, das er mit dem Kopf rausschauen kann, wer dort eigentlich angeklopft hat... Niemand erwartet, das er die Türe seines Lebens aufreißt und sagt: > Komm rein, auch wenn ich dich gar nicht kenne, und fühle dich wie zu Hause ! < “

Beide schwiegen eine kleine Weile...

Dann fuhr das Herz fort: „ Weisst du, wenn jemand schon älter ist, dann hat er in seinem Leben Höhen und Tiefen erlebt. Er hat herzlich gelacht – und in tiefer Trauer geweint. Er weiß, das niemand perfekt ist und es im Leben nicht immer glatt geht. Sein Herz wird selbst so manche Schramme abbekommen haben... “ dann verfiel es wieder in nachdenklichem Schweigen.

Der Verstand sinnierte: „ Sicherlich, es braucht viel Mut, jemandem so etwas zu sagen. Aber ich weiß noch, wie es war, als es zu spät war um jemandem zu sagen: > Du bist mir in meinem Leben sehr wichtig ! < . Es sind doch oft genau diese verpassten Möglichkeiten, die einen das ganze Leben lang immer wieder ermahnen... dieses > du warst zu spät ! <, > du hättest noch gerne dies und das geklärt... < oder das > hätte ich doch bloß... <. Sicherlich sagt man in seinem Leben oft auch Sachen, die man besser nicht gesagt hätte –
aber es ist die Frage, wie oft man etwas nicht sagt, das man hätte sagen sollen...







Falls ihr überlegt, ob ich so mutig war: Nein. War ich nicht.






Freitag, 29. Januar 2016

Von Schmerynka , Piratenkatzen und Jugendprojekten.

Sagt euch der Name „Schmerynka“ etwas? Nein? Klingt irgendwie nach leckerem Essen, so nach „Smacznego“. Das ist polnisch, wird etwa „Schmatznego“ ausgesprochen und heißt „Guten Appetit!“. Aber wenn euch „Schmerynka“ nicht sagt, dann geht es euch so, wie es mir bis vor kurzem ging. Wobei ich ja schon Karten aus allen möglichen Orten der Welt bekommen habe und deren Absender alle wissen, das es hier in Neuruppin etwas gibt, das sich „Ruppi-Struppi-Blog“ nennt und sich bemüht haben, mir eine Karte mit einem Hund drauf zu schicken um mir eine Freude zu machen. Schmerynka hat übrigens einen geflügelten Schimmel im Wappen. So als Ex-Niedersächsin und pferdebegeistert ist das natürlich sehr sympathisch.


Vor einiger Zeit rief unser Kulturmanager mich an und erzählte, es kämen Gäste aus der Ukraine, die sich die Kulturwirtschaft in Neuruppin anschauen wollten. Neuruppin hat einen Kultur-Entwicklungs-Plan und die Stadt, die so etwas jetzt auch aufstellen will, heißt Schmerynka, liegt in der West-Ukraine und da würden fünf Leute kommen. Der Bürgermeister Herr Kuschnir, Herr Dudik als Dezernent und Frau Savina, Frau Frenkel und Herr Tretiakov als Projektmanager. Es wäre also nicht sicher, ob er beim Kulturstammtisch dabei ist. Aber was eignet sich besser um die hiesige Kulturwirtschaft und ihre Vernetzung kennen zu lernen, als den Kulturstammtisch? Also waren Neuruppins Gäste mit uns beim Skipper. Sehr wichtig: Ab in eine gemütliche Kneipe! Denn auch das gehört ja irgendwie zur Kultur des Landes dazu.

Wenn man schon keine Segelboote sieht, dann immerhin den Kater. Also den vierbeinigen, fellbesetzten Senior, der sich tapfer durchs Leben schlägt. Letztes Jahr wurde ihm aufgrund eines Tumors ein Auge entfernt, was eine ziemliche Katastrophe war. Aber wie vierbeinige Skipper-Kater so sind, man ist nur ein echter Pirat mit einem Auge und auch dann kann man noch ordentlich zuschlagen! Sprich: sich mit einem Waschbären prügeln und nur knapp an einem Holzbein vorbeischrammen. Sympathisches Kerlchen!


Aber nun, Schmerynka... interessante Frage: „Wie kommen Leute aus Schmerynka ausgerechnet dazu, sich die Kulturwirtschaft und so in Neuruppin anzuschauen?“. Tja, das hat mit Dr. Patrick Föhl zu tun, den ich auch schon kennenlernen durfte. Herr Föhl leitet in Berlin das Büro für Kulturberatung und hat für Neuruppin zum Einen das Kultur-Entwicklungs-Konzept mit auf die Beine gestellt als auch dann vor zwei Jahren die Workshops zum Thema „Braucht Neuruppin einen Kulturbeirat?“ geleitet. Weil er gute Arbeit macht, hat er zum Thema „Kulturentwicklung in der Ukraine“ in Kiew Workshops im Goethe-Institut geleitet, an denen Leute aus Schmerynka mit wachsender Begeisterung teilgenommen haben. Sie möchten für ihre Stadt auch so etwas umsetzen, weil es eine Möglichkeit wäre, zum Beispiel den Kultur-Tourismus zu fördern und so die Stadt weiter zu entwickeln. Neuruppin und Schmerynka sind beides Kleinstädte – und mit unserem vielfältigen kulturellen Angebot und dem großen Engagement von vielen Leuten ist unsere Stadt durchaus ein ziemlich gutes Beispiel.

Schmerynka hat in seiner Geschichte einige mittlerweile recht berühmte Menschen über längere Zeit beherbergt. So zum Beispiel Tschaikowski, der dort einige seiner Stücke geschrieben hat, den Erfinder des kleinsten Motors (ich entschuldige mich dafür, das ich mir den Namen nicht gemerkt habe, slawische Namen klingen oft anders, als sie geschrieben werden...) oder auch den Autoren Jan Brzchewa, der „Die Akademie des Herrn Klecks“ geschrieben hat, was später auch verfilmt wurde.

Natürlich gibt es schon Überlegungen, was man in Schmerynka veranstalten könnte, zum Beispiel ein Dixiland-Festival, da es dort sehr gute Jazz-Musiker gibt, oder ein „Festival der kleinen Dinge“. Oder sogar ein kulinarisches „Feldküchen-Festival“. Warum auch nicht. Wichtig ist den Initiatoren, neue Wege zu finden, um ihre Stadt weiter voran zu bringen. Durch die ganzen Veränderungen in den letzten zwei Jahrzehnten ist vieles eingeschlafen, zusammengebrochen, wie vorher nicht mehr möglich.

Was bei manchen Menschen und Verbänden im kleineren Rahmen passiert ist – in der Ukraine ist es in einem großen Rahmen passiert und einer der neuen Wege ist für Schmerynka die Option, einen Kulturtourismus und damit das überwiegend nicht-materielle Potenzial aufzubauen um sich weiter zu entwickeln. Neuruppin hat ja gezeigt, wie es geht. Wenn ich mir das Video von 1992 auf youtube angucke... na ja, so attraktiv wie heute war diese Stadt für Touristen damals sicherlich nicht – und entsprechend lasst uns doch lieber stolz sein, als Vorbild zu dienen! Finde ich nämlich ziemlich beeindruckend und klasse!


Vor dem Kulturstammtisch war die Delegation bei der Feier anlässlich des Gedenktages für die Opfer des Holocausts am Denkmal im Rosengarten. Auch diese Geschichte verbindet uns letztlich, denn in der Ukraine hat die Wehrmacht ebenso furchtbare Dinge angerichtet wie hier und letztlich sind wir ja als Land auf dem „besten Wege“ (das ist bitter-ironisch gemeint!) die ganze Scheiße noch einmal zu veranstalten. Letztens habe ich bei Twitter so einen denkwürdigen Spruch darüber gelesen: „An Alle, die im Geschichtsunterricht gesagt haben, so etwas würden sie nie zulassen – jetzt ist eure große Stunde!“. Aber es wird lieber in weiten Teilen weitergepennt. Manchmal wird auch gerne in andere Länder geschaut und betont, wie sehr dort noch Familienwerte gelebt werden und wieviel Achtung dort vor Älteren herrscht. Ist es nicht merkwürdig, wenn dann genau derjenige hier im Land solche Werte in den Dreck tritt? Und da nicht einmal drüber nachdenkt?

Nun ja, davor waren sie im Jugendwohnprojekt „Mittendrin“ als soziokulturelles Zentrum und im Jugendfreizeitzentrum. Insbesondere das Mittendrin war dann auch länger Thema auf dem Stammtisch – und zeigt die kulturellen Unterschiede auf. In der Ukraine wäre so etwas in der Form nicht möglich. Es herrschte Verwunderung darüber, das etwas, das aus einer illegalen Aktion heraus, nämlich einer Hausbesetzung, dann akzeptiert und toleriert wurde. Nicht nur das – es wurde dann ja letztlich auch gefördert und hat tatsächlich dann irgendwann dazu geführt, das ein Haus gekauft wurde. Ich denke, das wir mit solchen Dingen hier durchaus ein ziemliches Privileg haben – AUCH wenn es ab und an Besuch mit Blaulicht gibt. Aber anderswo wäre es wahrscheinlich von vorneherein zum Scheitern verurteilt gewesen und hätte nicht einmal den Hauch einer Chance gehabt.

Besonders verwundert war man darüber, das Jugendlichen so viel Geld geliehen wurde um den Bahnhof zu kaufen. Auch das wäre in der Ukraine so nicht möglich. Also zum Einen sind dort ja nicht nur Jugendliche am Werk, sondern auch Erwachsene – und zum Anderen ist es eine lohnenswertere Investition, Geld über eine Sozialbank in so ein Projekt zu investieren als bei einer regulären Bank. Denn die Verzinsung ist höher – und Sozialbanken unterstützen mit dem Geld ihrer Anlieger keine Rüstungskonzerne. Auch sehr wichtig. Letztlich auch für die Ukraine. Das Geld, das ins Mittendrin und andere soziale Projekte fließt, bringt anderswo keine Menschen um.

Ebenfalls war etwas überraschend, das Projekte wie das Mittendrin und das Jugendfreizeitzentrum einen Wirtschaftsplan haben und einen Teil ihrer Einnahmen selbst erwirtschaften und insgesamt Rechenschaft ablegen müssen. Jedenfalls habe ich das so verstanden, es gibt in der Ukraine zwar rund 2000 Non-Profit-Organisationen, die alle die Hand aufhalten wenn es darum geht, Geld zu bekommen – aber richtig arbeiten würden nur rund 100 davon.

Bei der Aufzählung, was Schmerynka alles so an kulturellen Dingen zu bieten hat waren ein Staatsmuseum dabei, eine Kindermusikschule, zwei Büchereien, ein Park und zwei Kulturhäuser. Das ist eigentlich eine gute Grundsubstanz. So etwas wie die Galerien hier gibt es dort nicht - wobei ich denke, dass es hier vor 20 Jahren wahrscheinlich auch eher nicht so viel mit Galerien war. Würde Schmerynka z. B. Mit Neuruppin eine Kulturpartnerschaft eingehen, gäbe es dafür Fördermittel sowohl von dem Staat Ukraine als auch von der EU.

Ich denke, es wäre sicherlich zwar etwas Arbeit – aber Neuruppin hat so viel schon von EU-Mitteln profitiert und sich dadurch auch kulturell zu dem entwickeln können, wie es heute ist – es wäre zumindest ein Versuch wert, eine Kulturpartnerschaft mit einer Stadt aufzubauen, die wohl ungefähr so dasteht, wie Neuruppin vor zwei Jahrzehnten. Denn wer könnte besser Hilfestellung leisten als jemand, der alles schon mal mitgemacht hat? Mal ganz abgesehen davon, das es einen spannenden Blick über den „eigenen Tellerrand“ gibt.

So, damit ihr aber auch wisst, wer dann außer dem Bürgermeister von Rheinsberg (der fließend russisch spricht) und Mario Zetzsche als unser Kulturmanager von den Neuruppiner Kunst- und Kulturakteuren beim Stammtisch war und damit die Kulturszene letztlich auch ein bisschen vertreten hat: Johannes Bunk, unser Kunstraum-Galerist hat sich sehr engagiert und zum Beispiel auf den Autoren der Akademie des Herrn Klecks hingewiesen und dem Bürgermeister von Schmerynka einen Kinder- und Jugendliteraturfestival-Button angepinnt. (Warum ist dort ein Rabe drauf und kein Hund? Weil der Hund hier zum Blog gehört... ;-) ). Ausserdem hat es tatsächlich super geklappt und die Einladungskarten für die neue Ausstellung im Kunstraum sind rechtzeitig fertig geworden. Ausstellen wird ab März nämlich ein Künstler, der aus der Ost-Ukraine kommt.

Dann war Uschi Jung dabei, die ihren Werkraum in der Bilderbogenpassage hat, wo es seit einiger Zeit sehr, sehr bunt zugeht. Cornelia Lambriev-Soost von der Galerie am Bollwerk war anwesend, Volker Büttner als Journalist und Vorsitzener des Kulturbeirates ebenfalls, Peter Neiss vom Tempelgarten-Verein war anwesend und hatte sie dann am folgenden Tag zu Gast, Otto Wynen als Festspiele- und Festival-Organisator... und ich als Bloggerin. Was ich eigentlich ganz lustig fand, weil von Mario Zetzsche erklärt wurde, was ich mache, aber man eben auch nicht immer dann einer Meinung wäre und die Nachfrage dann war, ob ich neutral berichten würde. Das habe ich dann verneint und erklärt, das es meine Sichtweise ist, die sich aber oft auch aus den Meinungen von anderen Kulturmenschen etc. ergeben würde. Aber immerhin – Grüße nach Schmerynka – dort kennt man nun Ruppi-Struppi.


Eine Frage möchte ich aber noch gerne beantworten, die an dem Abend so nicht beantwortet werden konnte: Das Teil auf dem Turm am Tempelgarten, dem stilisierten Minarett, stellt einen Pinienzapfen dar. Das sind sehr beliebte Schmuckelemente gewesen. Quelle: Reprint vom Handbuch der Ornamentik von F. S. Meyer (1907), Abbildung 113. Heute aus dem Schrank geholt und nachgeschlagen.

Ach so und dann ist mir bei all der Verwunderung zum Jugendwohnprojekt noch die Schülerfirma „Firma für alles Mögliche“ eingefallen. Die war an Nicks erster Förderschule für Schüler mit Körperbehinderungen und damals mit Schülern einer 7. Klasse bestückt. Diese behinderten Schüler haben mit einer ganz regulären Bank über einen Förderkredit für eine Voltaikanlage auf dem Schuldach verhandelt! Und weil sie gute Argumente hatten und vorher ein bisschen gerechnet haben, wie sie den Kredit über den Stromverkauf an die EWE zurückzahlen können, haben sie tatsächlich ein paar tausend Euro Kredit für diese Voltaikanlage von der Bank bekommen. Natürlich war auch der Lehrer dabei – aber ich fand es schon damals sehr bemerkenswert, das in Deutschland Schülern einer Förderschule die Möglichkeit gegeben wird, mit einer Bank und Firmen zu verhandeln, damit eine Schule so eine Anlage bekommt. So lernen sie gleich, das sie nicht nur etwas bekommen, sondern das dem auch Verpflichtungen gegenüber stehen, die sie zu erfüllen haben. Dies direkt zu erleben ist immer viel besser und intensiver, als es irgendwie abstrakt vorgesetzt zu bekommen und dabei in erster Linie den Blick darauf zu haben, was man bekommt.
























Freitag, 8. Januar 2016

Die "Keine Zeit"-Gesellschaft

Vorhin wollte ich einfach nur die abendliche Hunderunde machen. Angezogen, Hund geschnappt, aus dem Haus.

Man ist das glatt! Zum Schulplatz rübergeschlittert, Joey hat sich die Bäume angeschaut. Ich sehe noch aus den Augenwinkeln, wie ein Mann ein Fahrrad schiebt, drehe mich wieder zu Joey. Es kracht. Ich drehe mich um - der Mann liegt über seinem Rad auf dem Boden... und rührt sich nicht. Also hin da ohne selbst hinzufallen. Gut, er rührt sich wieder, hockt etwas verwirrt auf dem Boden und reibt sich die Nase.

Zeitgleich hält ein dick vermummelter Radfahrer und steigt ab. Ebenso hält ein Auto an, die Tür geht ein Stück auf... und gleich wieder zu, nachdem wir uns um den Mann kümmern. Das heißt ich helfe ihm hoch, er ist ziemlich angetrunken und fragt erst einmal ständig, wo wir denn plötzlich herkommen. Ein paar Worte werden gewechselt, ich frage, wo er hin muss - und er erklärt, in ein Dorf auf der anderen Seeseite. 10 Kilometer.

Nicht in dem Zustand. Der Radfahrer ruft die Polizei an, damit die sich um ihn kümmert, ignoriert den Protest des Betrunkenen und fragt dann, ob ich mich weiter kümmern kann, er hätte keine Zeit. Natürlich kann ich. Ich nehme mir einfach die Zeit, denn ich möchte nicht im Entferntesten dafür verantwortlich sein, das man morgen einen erfrorenen Menschen irgendwo aus einer dunklen Ecke zieht. Ganz einfach. Der Radfahrer bedankt sich und fährt weiter.

Joey und ich sehen zu, den doch recht hilflosen Menschen auf eine Bank zu verfrachten. Der weiß immer noch nicht so richtig, was passiert ist. Den Radfahrer nennt er ab jetzt "der Froschmann" und es wird zeitweilig sehr skurril, was ich mit viel Humor nehme. "Du lachst mich aus!" - nein, erkläre ich, ich lache ihn nicht aus, aber ich lache über einige Sachen. Das Leben, so erkläre ich ihm weiter, wäre doch schon oft so beschissen, das man es am Besten mit Humor nimmt. Das hat er dann doch irgendwie verstanden.

Was hätte ich denn auch machen sollen? Ihm eine Standpauke halten? Ne. Oder würdet Ihr es toll finden, wenn man euch hilflos findet, dann zu hören, das man zu viel gesoffen hat, einem anderen vielleicht jetzt gerade den Abend versaut oder was auch immer? Doch eher nicht - oder?

"Was bekommst du dafür, das du die Nachtschicht hier mit mir verbringst?" werde ich gefragt und "Der Froschmann hat dich doch hier für die Nachtschicht eingeteilt!". Ich lache und erkläre, das ich dafür nicht bezahlt werde. Aber ich hätte ein gutes Gefühl, weil ich wüsste, man würde ihn nicht erfroren am nächsten Tag irgendwo auffinden. "Quatsch nicht, du kannst mir nicht erzählen, das du es nur für das gute Gefühl machst!" "Doch, mache ich. Solche Menschen gibt es tatsächlich! Nicht viele, aber es gibt sie. Manchmal hat man Glück und findet so einen!". Ich grinse ihn an. Das hat ihn irgendwie beeindruckt. "Du bist... WESSI!!!" ja. "Du bist ein echt netter Wessi!". Ich gebe mir Mühe.

Zwischendurch wird Joey geknuddelt - und Joey schlecht ihm das Gesicht ab. "Siehst du..." sagt mein Gegenüber mit strahlender Miene - "Hunde lügen nie!". Zwei Sekunden später kommt Joey zu mir und schleckt sich über das Maul. Bei Joey heißt das: "Siehst du, das habe ich doch jetzt gut gemacht, belohne mich dafür!". Das ist ok, denn das hat er von Farino gelernt. Wir müssen eine ziemlich lange Zeit warten, bis die Polizei auftaucht und verbringen sie mit ernsten Sätzen, lustigen Sätzen, Lachen - und ab und an haut er lautstark jemanden an, ob er ein Wasser bekommen könnte.

Letztes Jahr im Januar ist Joey bei Eis und Schnee abgehauen - und nachdem ich die Suche nach Joey ob der schweineglatten Straßen und der Dunkelheit abgebrochen habe und auf dem Rückweg nach Hause war, kamen mir etwa bei Theos Steakhaus zwei Leute entgegen: "Da vorne liegt jemand!". Ein Betrunkener hatte sich den Parkstreifen dich am Bordstein ausgesucht um dort zu schlafen, wusste auch nicht, wie er dort überhaupt hingekommen ist... und ich habe mir die Zeit genommen, mich um ihn zu kümmern.

Die Polizei angerufen, die einen Rettungswagen geschickt hat, bin geblieben bis der Rettungswagen gekommen ist. Habe mich mit ihm unterhalten... andere sind vorbei gekommen, waren eher hilflos nach dem Motto: "Hilfe, ein Penner, was soll ich denn jetzt..." und sind wieder gegangen. Weiter oder wieder hinein um weiter zu essen.

Die ältere Dame vor ein paar Wochen im WK 3 war letztlich auch so ein Fall. Ja, der Busfahrer, der sich um sie gekümmert hat, wäre im Notfall sicherlich auch noch länger geblieben. Aber der Bus war voll und er sichtlich erleichtert, als ich gesagt habe: "Kein Problem, ich bleibe hier!" - aber Nummer zwei, der einen Rettungswagen angerufen hat, hatte dann auch keine Zeit. Ja, ich lasse die Leute dann gehen. Sie haben die Zeit nicht, die ich mir nehme.

Aber heute habe ich dann überlegt, wenn mir andere Menschen immer mal wieder erzählen, wie kalt, herzlos und unsozial diese Gesellschaft doch geworden ist (was zum Glück nicht immer stimmt) - würden sie tatsächlich bleiben wenn sie so eine hilflose Person sehen und sich das Warten auf professionelle Hilfe teilen - oder hätten sie dann auch "keine Zeit"? Und würden sie ihre Einstellung ändern, wenn sie am eigenen Leib und sogar ohne betrunken zu sein erleben, wie es ist, an einer Straße zusammenzuklappen und die Autos mitzählen können, die in den 20 Minuten an ihnen vorbeifahren, bis sie aus eigener Kraft wieder hochkommen?

Die moderne Technik reicht aus, um Polizei oder Rettungsdienst zu rufen. Dazu, jemandem zu sagen: "Tut mir leid, hier ist gerade ein Notfall, eine hilflose Person und ich muss eben auf den Rettungsdienst warten, damit ihr nichts passiert!" - dafür reicht die Zeit leider nicht. Oder der Willen nicht. Keine Ahnung.

Was ich von der Zeit heute Abend hatte? Das gute Gefühl, zu wissen, der Mensch erfriert nicht irgendwo diese Nacht. Ich habe einen netten Betrunkenen erlebt, von dem sich viele Nüchterne eine Scheibe abschneiden könnten, viele - sicherlich mitunter ungewöhnliche - Komplimente bekommen, ich habe heute Abend viel gelacht - und gelernt.

Das beste Gesicht des Abends hatte aber dann einer der Polizisten. Sein Kollege hat den Mann nach dem Namen gefragt. Der ist aber als Verschwörungstheoretiker der leichteren Sorte vorsichtig gewesen, schaute sich um, blickte auf das Werbeschild vom Drogeriemarkt gegenüber, stellte sich gerade hin und sagte: "Ich bin Herr Rossmann!". Ich habe mich zu ihm hingedreht und gesagt: "Du kannst deinen Aluhut wieder absetzen!" - ja und dann gab es da so ein unbezahlbar überrascht grinsendes Gesicht vom Freund und Helfer. Die kleinen Freuden des Alltags.

Damit melden wir uns aus der Ruppi-Struppi-Blogpause zurück!




 

Dienstag, 8. Dezember 2015

Unterwegs in...

Boah, Leute, ich warne euch... wenn ihr einen Sporthund habt, dann habt ihr einen Sporthund. Der will dann was tun. OK, ich auch. Gestern waren wir etwas über 11 Kilometer unterwegs, das war sehr nett und heute solle es wieder losgehen. Wie lang... mal gucken, wohin die Strecke und führt. 


Wir sind dann über den Seedamm, wo es eine Begegnung mit einem anderen Hund gab. Joey muss bei vielen Hunden ja noch ein bisschen üben, wie man ordentlich "Guten Tag" sagt. So auch bei diesem Hund, der zudem noch einen Ball in der Schnauze hatte.  Ich hatte ihn zwar schon kurze hinter dem Geschirr, aber in diesem Fall hat das auf dem schmalen Weg nicht ausgereicht, er ist dann rübergeschossen und wollte auf etwas ruppigere Art und Weise "Hallo" sagen. 



Letztens ist übrigens ein Buch gekommen, das "Leben will gelernt sein" heißt und über das Leben und die Arbeit mit deprivierten Hunden berichtet. Ich habe es noch nicht durch, aber bereits nach 10 Seiten war klar, dieses Buch sollte MINDESTENS jeder lesen, der einen Tierschutzhund aus dem Ausland holt. Oder einen Laborhund. Oder einen vom Vermehrer... es ist supergut geschrieben und es kullterte ein Stein nach dem anderen - schon auf den ersten Seiten! Da ging es auch darum, das Hunde wie Joey oft ein massives Problem haben, mit anderen Hunden richtig umzugehen. Weil sie es halt nicht gelernt haben. 



Abgeschweift. So, und nun will ich gar nicht mehr so viel schreiben, sondern euch einfach mit ein paar Bildern an unserer Tour teilhaben lassen...


...die übrigens nach Nietwerder ging. Da sind wir letztens schon mal durchgefahren nach Wulkow und heute haben wir da mal ein paar Wege ausprobiert. 


Nietwerder ist übrigens eines der wenigen Dörfer, die auf den Ratssitzungen und in Ausschüssen noch vertreten werden. Ansonsten haben viele, viele Ortsvorsteher und Ortsbeiräte die Segel gestrichen und lassen sich nicht mehr blicken. Was natürlich dann erst recht problematisch ist, wenn es um die Rechte und Interessen der eingemeindeten Dörfer geht.


Aufgenommen sind die Bilder mit der SJ5000X Actioncam.  Bei der muss ich noch die Datumsanzeige ausstellen, habe ich dann gemerkt.

Insgesamt war die Tour etwas über 13 Kilometer lang - und damit haben wir dann seit Anbeginn der Bikejöringzeit 572 Kilometer hinter uns gelassen und haben dafür 62 Tage gebraucht.