Mittwoch, 25. Januar 2017

Endlich! Joey ist Assistenzhund

Joey, (Bild von 2016)

So, von Dezember bis nach Mitte Januar ist ja eine recht lange Zeit, in der ich nichts gepostet habe.

Wie üblich hat sich aber sehr viel getan in dieser Zeit. Für mich mit das Wichtigste: Joey ist jetzt mein Assistenzhund. Endlich habe ich eine Bescheinigung, das es für mich aufgrund meiner Erkrankung sehr wichtig ist, dass Joey mich ständig begleitet (also draußen...). Damit ist er jetzt „ganz in echt“ mein PTBS-Assistenzhund. Also im Endeffekt genau wie ein Blindenführhund ein medizinisches Hilfsmittel – nur eben für PTBS und dass solche Hunde in Deutschland komplett selbst finanziert werden müssen, während sie in anderen Ländern vom jeweiligen Staat finanziert werden. Üblicher Weise ist es ja nur mit dem Anschaffen nicht getan, da kommt dann je nach dem noch die Ausbildung dazu. Da die aber binnen weniger Monate durchaus eine höhere vierstellige Summe verschlingen kann, bilde ich Joey erst einmal selbst aus und investiere in Lernen für mich. Also alles wie gehabt, nur derzeit etwas intensiver. Meine Hundefachbücherbibliothek ist auf über sechzig Bücher angestiegen, die nächsten stehen quasi schon in der „Warteschlange“.


Bei dog-ibox belege ich verschiedene Webinare zum Thema Hundetraining und Hundeverhalten. Da diese Seminare als Fortbildungen für Hundetrainer von verschiedenen Verbänden anerkannt sind, kann man sich vielleicht vorstellen, das man tatsächlich eine ganze Menge lernen darf und es nicht mit „ich guck das jetzt einmal an und fertig“ getan ist. Ich habe mir zum Beispiel ein Webinar über Target-Training ausgesucht. Grundgedanke: „Super, du hast jetzt einen Targetstick um mit dem Hund zu üben, guck dir hier mal an, wie das genau geht, das wird in etwas über zwei Stunden erklärt!“ Man, habe ich mich auf den Hintern gesetzt! 93 Folien, 25 Filme, der Vortrag und alle Folien noch mal als Arbeitspapier zum Ausdrucken und nacharbeiten – und der Targetstick kam nur 2 Sekunden auf einem Bild vor. 


Weil Joey als Assistenzhund auch mehr Rechte als andere Hunde hat, haben wir das Bikejöring jetzt dann auch erst einmal zurückgestellt. Wir arbeiten im Moment an all den Dingen, die ich von ihm als Assistenzhund erwarte und die noch nicht so gut hingehauen haben oder eben immer noch nicht so gut hinhauen. PTBS-Assistenzhunde sind von allen Assistenzhunden die wohl am individuellsten ausgebildeten, da PTBS ein enormes Spektrum an Auswirkungen hat. Solche Hunde können einen aus Dissoziationen holen, aus Alpträumen aufwecken, sie sichern einen ab, sorgen bei Bedarf für Distanz zu anderen Menschen, können an Tabletteneinnahme erinnern / Medikamente zum Besitzer bringen, Licht anmachen, Handy holen und so weiter und so fort – je nachdem, was der Hundehalter für sich benötigt, wird der Hund ausgebildet. Das bedeutet für mich selbst natürlich auch ganz viel lernen um mit Joey diese Sachen so gut wie möglich erarbeiten zu können – aber das mache ich sehr gerne, weil ich einfach auch total gerne solche Sachen lerne. Die größte Hilfe von menschlicher Seite her sind die Leute von Lichtblicke e. V. , dem Verein zur Förderung des Assistenzhundewesens. Manche davon sind genau so wunderbar unbequem wie ich, was mich dann natürlich erst recht freut. 



Joey döst während der Sozialausschusssitzung

Zu den Rechten, die mein Hund jetzt hat gehört z. B., dass er mich in eine Praxis begleiten darf. Dafür muss er sich halt auch benehmen können. Also so, wie man sich das bei einem Hund vorstellt, der gelernt hat, zu sitzen oder zu liegen, wenn man das möchte, nicht rumzunerven oder andere Leute zu belästigen. Ganz toll war deshalb ein Besuch bei einem Arzt in Berlin, wo Joey dann mit in der Praxis war und es aufgrund der Bescheinigung gar kein Problem war. Vorzeigen, fertig. Wir mussten noch recht lange warten und er hat sich tadellos benommen, niemanden genervt, brav halb unter meinem Stuhl gelegen und es haben sich ganz nette Gespräche ergeben, was das für ein toller Hund ist „und sooo brav!“. 


Joey guckt sich im Wartezimmer um... nix los...

Weil es dann ja letztes Jahr noch ein paar Vorfälle gegeben hat, die mich letztlich ziemlich retraumatisiert haben und ich zum Teil wieder mehr Angst habe – aber auch gerne wieder meine üblichen Sachen machen würde – war es mir sehr wichtig, dass Joey mich ins Rathaus zu den Sitzungen begleiten darf. Im Moment ist es ja schon dunkel, wenn die Sitzungen sind und besonders dann ist es für mich wieder ziemlich blöd geworden, zumal ein paar für mich eher unerfreuliche Menschen dort in dem Bereich wohnen. Deshalb auch hier an dieser Stelle noch mal – VIELEN DANK an die Stadtverwaltung, dass Joey mich jetzt begleiten darf! Das hat er nun schon ein paar Mal gemacht. Er kennt jetzt den Weg zum Aufzug, fährt auch ganz gerne damit und benimmt sich im Ratssaal ganz unproblematisch. Im Sommer hat es dort ein neues Audiosystem gegeben, also Ton und Co alles neu – und seit dem ist es da auch dann von den Lautsprechern her relativ laut. Was macht mein Hund? Legt sich irgendwann dicht an einen Lautsprecher, rollt sich ein und döst weg.


Ich kann mit Joey jetzt den Fernbus benutzen, was mich sehr freut, da es mit der Bahn ja oft Probleme im Fernverkehr gegeben hat und der Fernbus mitunter für uns optimalere Verbindungen hat als die Bahn – und natürlich günstiger ist. Assistenzhunde dürfen sogar mit in die Flugzeugkabine. ABER... alles das muss eben Tage vorher angemeldet werden und die Transportgesellschaften möchten Nachweise sehen, dass so ein Hund dann tatsächlich ein notwendiger Assistenzhund ist.


Damit hätten wir übrigens im Arbeitskreis barrierefreie Stadt Neuruppin jetzt auch jemanden, der ein bisschen ein Blick auf das Thema „Assistenzhunde“ hier in der Stadt hat. Was ich übrigens auch in den letzten Monaten gelernt habe ist, dass Neuruppin in vielen Dingen einfach total hundefreundlich ist. Auslaufflächen und Muffbeutelspender sind das Eine, aber letztlich nur ein schwaches Indiz dafür, wie unproblematisch es hier tatsächlich mit einem Hund ist. Wenn ich mitbekomme, wieviele Probleme gerade Menschen, die auf einen Hund angewiesen sind, in anderen Städten im täglichen Leben haben ist Neuruppin im Vergleich dazu schon fast ein Paradies. 


Falls es jemandem aufgefallen ist: Joey hat "neue Klamotten" bekommen. Er hat jetzt ein breites Halsband, das weich gepolstert ist und das hat mir so dermaßen gut gefallen, dass ich davon noch ein Norweger-Geschirr habe anfertigen lassen. Beide Sachen kommen von blaire.de und sind Einzelstücke. Dort kann man aus verschiedenen Gurtbändern, Borten, Polsterstoffen und Bestickungen alles selbst zusammen stellen kann, wie man es haben möchte und es dann auf Maß angefertigt wird. Das Norweger hat dann auch eine längere Schlaufe auf dem Rücken, weil ich das so wollte. Beim fast täglichen Gebrauch hat sich aber heraus gestellt, dass es noch nicht ganz das ist, was ich mir vorgestellt habe. Wird also noch mal geändert. 

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Vielen Dank für den Kommentar. Er wird nicht sofort zu sehen sein, weil ich erst noch schauen möchte, ob es tatsächlich ein Kommentar ist oder ob es Werbung aus Nigeria und Co ist.