Mittwoch, 23. Oktober 2019

E 10, Gnewikow - Seehof und übers Feld zurück.


Wie ihr seht, habe ich Komoot erst später gestartet... 

Heute war ich mit Joey auf dem nächsten Stück vom E 10 unterwegs. Von Gnewikow nach Seehof. Das ist nicht sehr lang, aber da wir den Rückweg fast über Lichtenberg gemacht haben, wurden es doch 6 Kilometer. Klingt auch nicht so sonderlich lang – aber für eine Mittagsrunde ist das schon ziemlich ordentlich.



Im Prinzip fährt auf der anderen Seeseite sogar ein Bus, insbesondere wenn Schule ist. Ansonsten müsste das ein Rufbus sein. Theoretisch sind Rufbusse eine nette Sache. Aber wenn man zu Fuß unterwegs ist, dann können die auch schon mal ziemlich blöd sein. 

Zwergenbehausungen der etwas anderen Zwerge

Gestartet sind wir in Gnewikow „An der Brennerei“, also am Jugenddorf vorbei und dann beim zweiten „Sackgasse“-Schild rein. Dort gibt es auch ein paar Parkplätze am Wasser und der E 10 führt genau dort entlang. Nach einem Stück über Rasenfläche landet man dann wieder direkt auf einem Pfad am Ufer. Fast auf Wasserhöhe und teilweise wirklich sehr schmal. Aber er ist total schön!



Bald landet ihr dann in einer Datschensiedlung – einfach immer geradeaus gehen. Beim ersten Mal, wo ich hier entlang gelaufen bin, bin ich fast am Ende der Siedlung dann zur Straße hoch. An der Ecke steht ein mit dem E 10-Zeichen markierter Baum und ein Pfad führt nach oben. Dort ist auch ein kleiner Rastplatz und noch ein Baum, an dem allerlei Sachen angebracht worden sind. 



Ihr könnt aber auch den Weg weitergehen! Irgendwann kommt ihr an so einer Art Kinderspielplatz hinter einem gelben Haus raus und müsst ein paar Meter Richtung Straße. Auch hier geht es dann tatsächlich noch ein Stück am See weiter! Im Prinzip dann zwischen den Häusern durch und am Ende direkt am Zaun entlang – das funktioniert nur, wenn dort die Brombeersträucher freigeschnitten sind! Dann noch am Rand einer Pferdeweide entlang, über eine wackelige Brücke und erst dann ist tatsächlich mit „am See entlang“ erst einmal Ende!

Die Brücke wackelt tatsächlich! Mutprobe für Joey

Ein Weg führt euch dann hoch zur Straße. Wir sind dann links gelaufen, zurück Richtung Gnewikow. Da wir aber noch Zeit hatten und ich nicht nur Straße laufen wollte, sind wir nach wenigen hundert Metern rechts in den Weg nach Lichtenberg abgebogen. Laut Karte gäbe es dort an den Bahngleisen einen Weg. 



Erst einmal: es ist echt ein toller Weg, wenn man die Häuser hinter sich hat! Links und rechts ist er mit Bäumen und Büschen gesäumt, es gibt viele Vögel – und über den großen Feldern kreisten Kranichgruppen, die sich dort dann zu größeren Schwärmen gesammelt haben. Ein paar Kraniche standen auch auf dem Feld um zu fressen. Wandern während über einem die Kraniche rufen – toll!

Es ist auch spannend zu beobachten, denn aus einer kreisenden Kleingruppe hat sich ein einzelner Kranich gelöst und ist zu einer größeren Gruppe geflogen, hat diese umkreist und ist dann wieder zu seiner kleineren Gruppe geflogen. Als ob die sich abchecken würden oder er einen speziellen Vogel gesucht hätte. 


Der R 6 vom Acker aus. Es ist als etwa Viertel nach

Wir haben dann den Fußgängerüberweg passiert, da es vor dem keinen Weg gab. Nach ihm auch nicht, da ist eine... na ja... es war wohl mal ein Nadelwald, jetzt sieht es dort eher ziemlich apokalyptisch aus, weil Baumstümpfe rausgerissen sind, Baumreste ausgeblichen und tot in den Himmel ragen und Büsche und Co das Gelände für sich erobert haben. Da kein Weg Richtung Gnewikow zu sehen war, sind wir dann am Ackerrand entlang gelaufen. Also ich bin sicher, Wild freut sich über das Gelände und hat dort einen prima Rückzugsraum. Joey habe ich erst einmal wieder angeleint. Und dann gehofft, wir treffen kein schlecht gelauntes Wildschwein. 

"Ganz toll, suuuuper!"
Nach einem Kilometer Acker und Treckerspur laufen kommt dann eine Teerstraße, links ab und immer geradeaus. Na ja, für Joey nicht ganz, der musste erst einmal in einer Pfütze saufen – und sich reinlegen.




Joey trägt zur Zeit wieder sein Klettergeschirr (klick mich, ich bin ein Link) nachdem er ein paar Tage lang Probleme auf der Treppe hatte. Da er nicht mehr ins Auto springen soll, ist es auch ganz praktisch, wenn wir hier irgendwo in der Stadt parken.  Ein beherzter Griff ins Geschirr und der Hund ist im Auto - wenn kein Platz für die Rampe ist, die wir nun für Joey haben. 




Dienstag, 15. Oktober 2019

Endlich mal wieder - E 10

Heute waren wir endlich mal wieder auf einer richtig langen Hunderunde. Ich schon ein paar Monate nicht mehr auf dem E 10-Abschnitt von Wuthenow nach Gnewikow. 



Heute aber, bei wunderschönem Herbstwetter habe ich meine Kiepe gepackt (Jacke, Feuerkanne, Wasser, Becher, Digicam, Regenponcho, Messer und Mäc) und war ein paar Stunden mit Joey unterwegs. 


Hier eine Bilderschwemme: 





Schönes Geländer, hübsch neu gemachte Stufen. Wir kennen das ja noch in der anderen Version "Fitzcaraldo ist nix gegen uns!" (klick mich, ich bin ein Link)






Schön - oder? Ich hatte zwar die Kiepe mit und bin auch angesprochen worden, ob ich Pilze sammeln möchte, aber ich habe den lieber stehen lassen und sehe mich an dem Foto satt. Zumal es auch immer eine Warnung in der Pilzgruppe gibt, wenn der Stiel "genattert" ist. Müsste aber ein Parasol sein - und der ist paniert echt lecker. 






Hier bin ich auch mal mit Joey beim Bikejöring durchgefahren, das war einfach unglaublich schön. Seufz... aber da sich ja rausgestellt hat, dass ihm ein Stück Hüftknochen fehlt... aber manchmal fehlt mir der Sport wirklich sehr.



Das Zeichen, dass man immer auf dem richtigen Weg ist: Die E10 Markierung an einer Buche an der Seebiegung. 




Mäc, das Schottische Highland war übrigens auch mit. Soll ja auch was von der Welt sehen. 





"Oh, das riecht sooo toll!" gleich mal wälzen wie doof. Und noch mal und noch mal und noch mal und noch mal... und dann an die Leine kommen, weil wir auf dem Stück schon mal Wild getroffen haben. Dort ist der Weg etwas über Seehöhe und damit das Gelände auch für Wild angenehmer. Joey lässt sich zwar schon gut abrufen, aber ich möchte mich da nicht komplett drauf verlassen. 




Ich liebe diesen Dschungelweg!



Ist das nicht einfach unglaublich schön? 




Mäc hat so eine Art "Laubbadewanne". Gerade in so einem ursprünglichen Bereich kann man sehen, dass es in dem Sinne kein "Totholz" gibt. Was hier aufgerissen und tot aussieht, ist zwei Meter weiter ein grüner Baun.





Absolut wie im Märchen. Pünktlich zum Fontane-Jahr wurde der E 10 übrigens gründlich überarbeitet. Es gibt diese Treppe, ein paar Geländer, ein paar Sitzgelegenheiten am Weg. Es wurde auch ziemlich viel Müll eingesammelt! Ich hatte extra noch eine Tüte dabei, habe aber erfreulich wenig gefunden. Aber genug, dass es gestunken halt wie ein halber Müllwagen. 































Noch mehr alte Weidenbäume. Also das, was am Seedamm zum Teil stark verkürzt wurde - weil es dort einfach auch problematischer war.






Nach knapp 4 Kilometern haben wir unseren Pausenplatz erreicht. Erst einmal einen frischen Kaffee  mit der Feuerkanne! In der unteren Feuerschale wird Holz etc. angezündet und dann die Feuerkanne auf die Schale gesetzt. Das Besondere an der Feuerkanne (klick mich, ich bin ein Link) ist, dass sie doppelwandig ist. Im Prinzip wie eine Thermoskanne - nur dass in die doppelte Wand das Wasser kommt und durch den Kamineffekt schnell erhitzt wird. In diese Kanne passt etwas über einen halben Liter Wasser. So viel hatte ich in etwa mit, also genügend für einen Kaffee und um mit dem Rest die Glut zu löschen. Da Nick und ich unglaublich talentiert im Feuermachen sind (das war jetzt ein Scherz), habe ich Esbit dabei gehabt, damit ich nicht zwei Stunden auf den Kaffee warten muss und dann noch trockenes Holz draufgepackt. Also drei kleine Zweiglein. 




Manchmal haben wir sogar ein bisschen mehr vom See gesehen.


Am Ufer haben wir tatsächlich auch Herbstzeitlose gefunden. Sie sehen etwas nach Krokus im Herbst aus - sind aber Herbstzeitlose. 




Hier in Gnewikow haben wir uns vom E 10 verabschiedet, um über einen Weg quer durch die Felder wieder nach Wuthenow zu laufen. Ich bin übrigens die, die denkt: "Oh, hier verbrennt jemand Holz oder so!" weil es so riecht - und der erst 10 Minuten später einfällt, die verrußte Feuerkanne auf dem Rücken zu haben... 




Am Feldweg haben wir dann dieses Elfenhaus gefunden... wer da wohl drin wohnt?




In Wuthenow startet ihr am Weg zum Friedhof. Bei den Vor dem Weg könnt ihr an der Seite parken, weil der Feldweg da auch rauskommt. Bei den Ferienhäusern haltet ihr euch links und geht am Schild "Privatweg" vorbei. Wenn es geregnet hat etc. braucht ihr DICHTES SCHUHWERK! Denn dann lauft ihr dort durch einen Sturzbach. In Gnewikow könnt ihr auch ein Stück weiter laufen bis zum Jugenddorf, da kann man auch hoch, wir haben gegenüber vom Bootssteg einen schmalen Weg zwischen zwei Grundstücken gefunden. 

Solltet ihr auch Müll einsammeln, was sehr erfreulich wäre, findet ihr gen Ortsausgang Richtung Wuthenow einen Mülleimer an der Bushaltestelle. 

Insgesamt sind es etwa 6 km, wir waren über 2 Stunden unterwegs.












Sonntag, 6. Oktober 2019

Vom Mühltal, der Froschmühle und Burg Herzberg


Oh, es war ja echt monatelang Funkstille hier. Okay, dann mal los:

Im Sommer haben wir etwas über eine Woche Urlaub in der Nähe von Gießen gemacht. Da waren wir zur Hochzeit der ältesten Tochter und weil es so weit ist und wir dort noch mehr Familie getroffen haben, haben wir ein paar Tage dort verbracht. Die Hinfahrt war bei richtig heißem Wetter, was mit Ranzi ziemlich anstrengend war, da Ranzi keine Klimaanlage hat(te). Wir haben das dann mit einer kleinen Blumensprühflasche überbrückt und zwischendurch einfach mal Wasser zerstäubt. 

Gießener Luftrettungszentrum: Links Schrottplatz, Rechts Abdecker o. ä., gegenüber Kläranlage. Toll!

Weil die Strecke fast bei Leipzig vorbei ging, haben wir dort noch eine Twitterbekanntschaft besucht. Nicht irgendeine, sondern ein Schäferpaar, dass eine ganz besondere Schafrasse züchtet. Sie haben Blue faced Leicester-Schafe – die haben eine Ramsnase, Hasenohren und ein unglaublich tolles Fell! Sie sind auch ganz nett, aber selbst denen war es zu warm. Wir haben die Herde auf der Solaranlage besucht, wo sie weiden und ihr Stallzelt haben. Da es ein paar Lämmer gab, konnten wir auch gleich mit Flaschen geben. Das war echt toll – und wir haben danach ziemlich nach Schaf gerochen. Joey ist dann gleich mal eben unter die Schermaschine gekommen und hatte danach „Bauchfrei“. Das hat ihm sogar gefallen.
Wer schon immer mal wissen wollte, wie Frösche kacken... (Hinterhof JH Eisenberg)
Eine Zwischenübernachtung haben wir dann in der Jugendherberge Eisenbach gemacht. Genau: EisenBach. Es gibt auch eine in Eisenach, aber wir waren am Bach. Es hat etwas gedauert, bis wir dann dort waren – aber die ist absolut toll! Sie liegt mitten im Mühltal dort (was nicht das berühmte Mühltal ist, sondern eines in Thürigen) und heißt Froschmühle. Da dreht sich echt alles um Frösche! Wahrscheinlich war unser Landrat auch dort und hat sich in die Farbe vom Haus verliebt, wenn ich mir so das Kreishaus angucken. Da Assistenzhunde in Jugendherbergen kein Problem sind, war es auch mit Joey voll unproblematisch. Wir haben ein 4-Bett-Zimmer mit eigenem Bad für uns drei bekommen. Lediglich am nächsten Morgen zum Frühstück habe ich Joey dann irgendwann von „draußen angeleint“ in die Box im Auto verfrachtet, weil er irgendetwas blöd fand und unruhig wurde. Da das Auto aber in Blickweite war, alles kein Ding. Das Frühstücksbuffet kann übrigens mit jedem Hotelbuffet mithalten, bzw. ist sogar noch besser!

Am nächsten Tag sind wir dann Richtung Gießen weitergefahren und nachmittags völlig fertig und erledigt in der Ferienwohnung angekommen, die ganz toll war – auch wenn wir uns da dann später fast gestapelt haben, weil der Rest der Familie ja auch angereist ist und wir uns die Ferienwohnung dann geteilt haben. Wir haben einige Wanderungen in der Gegend gemacht, die recht „großhügelig“ ist und wollten eigentlich noch einen Biobetrieb mit Hühnern angucken, dazu sind wir aber nicht mehr gekommen. 

Burg Gleiberg


Was ich aber wirklich nett fand auf einer Wanderung war die Feststellung, dass es in dem Ort eine Arbeitsgruppe mit Senioren gibt, die Bänke etc. herstellen und die dann an den Wegen aufstellen! Das ist wirklich eine richtig tolle Idee!

Erkunden der Burg Gleiberg

Die Rückfahrt wollten wir eigentlich auch eine Zwischen-übernachtung machen, dazu sind wir aber nicht gekommen. Dafür habe ich auf einer Bundesstraße den Wegweiser „Burg Herzberg“ gesehen. Da war ich dann mal neugierig, weil wir hier ja auch ein Herzberg haben. Burg Herzberg ist... TOLL! Absolut! Wir haben uns dort alles angeschaut, es ist einfach nur schön. Es gibt eine Niederburg, eine Mittelburg und die Hochburg, alles sehr weitläufig. Man kann fast alles besichtigen und in der Niederburg gibt es nicht nur eine Schänke, sondern dort laufen auch im Burghof Hühner und Schweine herum. Joey war durchaus fassungslos, als er eines der Schweine erblickt hat.

Burg Herzberg




Einmal im Jahr gibt es übrigens das „Burg Herzberg-Festival“, auch „Klein Woodstock“ genannt. Es muss phantastisch sein – und es ist tatsächlich familienfreundlich. Das finde ich auch sehr gut. Wer irgendwie da Interesse hat – googlen hilft! Spät Abends waren wir wieder in Neuruppin und mussten uns dann erst einmal „vom Urlaub erholen“. 



Nun ja, dann gab es auf der Weiterfahrt noch einen kleinen Zwischenfall. Da schlängelt sich nämlich eine Bundesstraße durch die Tallandschaft und durch einige wirklich schöne Orte. Weil alles etwas eng ist und kurvig, ist die Geschwindigkeit begrenzt. Nun ist Ranzi ja auch nicht das schnellste Auto (gewesen), also waren irgendwann rund 6 Autos hinter mir, als in einer Ortsdurchfahrt plötzlich die Beifahrertüre aufschwang und ich ziemlich in die Bremse getreten habe, damit wir anhalten und die vernünftig zumachen können. Wütendes Gehupe hinter mir. Echt, wer mir so dicht auf der Pelle sitzt mit seiner Karre, dass er in einem Ort wo durchaus Kinder spielen können, keinen Platz zum bremsen hat...

Rittersaal Burg Herzberg
Nun denn, von vorne kam gerade ein Trecker, also konnten wir nicht überholt werden. Türe zu und weiter ging es. Es war Sonntag, es war ein schöner sonniger Tag, die Landschaft war phantastisch und diese Zahlen in den rot umkringelten Schildern... also das sind doch Maximalgeschwindigkeiten - ODER? Ich wusste allerdings nicht, dass es bis zur Autobahnauffahrt dann noch rund 15 Kilometer waren, als ich beschlossen habe, 10 km/h WENIGER ob des schönen Wetters, des Sonntages, der möglicherweise draußen spielenden Kinder etc. zu fahren. UND WEIL DER BLÖDMANN HINTER MIR GEHUPT HAT!


Ich sach mal so, auf den ersten 500 Metern Autobahn haben mich dann alle 10 ziemlich angefressen überholt und manche mussten mir noch zeigen, das ihre Hupe auch funktioniert. Die hätten froh sein sollen, dass sie nicht den Russen vor sich hatten, der mit 60 km/h über die Autobahn geschaukelt ist! 

Samstag, 13. April 2019

Dornröschen & Co


Huch, lange nichts mehr geschrieben. Es gibt uns aber noch!

Bei der ganzen Wolle, die hier angeliefert wurde, ist vor einigen Wochen eine Spindel dabei gewesen. Also das runde Holzteil oben auf dem Bild. Vor rund 40 Jahren hatte ich „Wolle spinnen mit einer Handspindel“ dann mal in der Schule. Es war furchtbar und hat nicht geklappt. Was aber auch mit an der Lehrerin lag, die es selbst eigentlich nicht richtig konnte und die Spindel damals war auch so ein „Säg mir mal eine Scheibe aus Restholz und schiebe da einen Rundstab durch...“. Zu schwer, zu groß.

Mein Probierset war eine Holzspindel und drei verschiedene Wollsorten im Kammzug für 8 Euro. Kammzug heißt, die Wolle ist gereinigt und gekämmt, die Fasern liegen alle in einer Richtung. Eine Anleitung habe ich bei Chantimanou gefunden, die macht Youtube-Videos darüber. Sie kann das wirklich super erklären – und so habe ich mir der „Park and draft“-Technik die ersten dicken Fäden hinbekommen. Also Wolle auseinander ziehen, Spindel drehen, den entstehenden Drall in die Wolle wandern lassen, Spindel festklemmen, aufwickeln. Und so weiter. Das hat echt Geduld und Durchhaltevermögen gekostet, weil es einfach mühselig ist, der Faden oft reißt und neu angesetzt werden muss, die Spindel runterfällt oder sich zurückdreht, weil der Faden zu dick geworden ist und die Spindel sich dann nicht lange dreht. 


Weil man Wolle, die man kardiert hat (Karden sind Bürsten mit vielen Metallhäkchen, also ähnlich wie manchen Hundebürsten, nur in viel größer) aufgerollt besser verspinnen kann, habe ich das auch ausprobiert. Dabei kann man auch Wolle mischen, was mir noch viel besser gefällt. Diese Rollen, die man verspinnt, werden "Rolags" genannt.

Mittlerweile habe ich mindestens schon einen halben Kilometer Faden gesponnen. Der gelbe auf den Fotos hier ist mit einer der ersten Versuche und auf dem Bild unten sieht man, wie unregelmäßig und dick der da noch war. Der wird immer noch etwas unregelmäßig, aber ich bekomme den grundsätzlich schon mal gut hin und auch so, dass die Spindel sich frei dreht und ich dabei die Wolle ausziehen kann, bis die Spindel auf dem Boden aufsetzt und ich den entstandenen Faden auf die Spindel wickeln muss um das nächste Fadenstück zu spinnen. Besuch, der bei uns war und gesehen hat, dass ich nun so spinne, das Garn dabei herauskommt, hat "Dornröschen" zu mir gesagt. "Oder Frau Holle!". 



Mit dem Faden auf der Spindel ist aber noch keine Wolle fertig, die man verhäkeln, verstricken oder verweben kann! Der muss irgendwann abgewickelt und verzwirnt werden. Also mit einem zweiten Faden versponnen. Also muss man mindestens doppelt so viel Garn spinnen, wie man am Ende gerne haben möchte. Hier auf dem Bild sieht man, wie zwei Fäden miteinander verzwirnt sind. 



Auch dann ist die Wolle noch nicht fertig zum verstricken und Co! Die verzwirnte Wolle muss gehaspelt werden. Das bedeutet, sie wird fest um ein Gestell gewickelt und hat Zeit, sich „zu setzen“. Ich wickle sie um eine Stuhllehne. Eine Runde sind etwa 75 cm. Dann kann ich gleich gucken, wieviel ich gesponnen habe. Dort bleibt die Wolle einen Tag. Dann wird sie mit Bändern abgebunden und kommt in eine Schüssel mit heißem Wasser. Sie wird so mindestens 20 Minuten gebadet. Wolle schrumpft dabei. Danach kommt sie in kaltes Wasser und dann wird sie gestreckt, ausgewrungen, ein paar Mal auf den Wannenrand geschlagen um sich besser zu verfilzen – und dann darf sie trocknen.

Es ist ein langwieriger und langsamer Prozess und ich bewundere unsere Vorfahren, die es so fertig gebracht haben, Garn für die komplette Bekleidung und sogar für riesige Segel zu spinnen! Dazu kommt ja, das verschiedene Fasern auch verschieden lang sind. Es gibt Schafwolle mit langen Haaren, die bis zu 12 cm lang sind. Andere Schafrassen haben nur kurze Haare mit 3 – 4 cm. Auch Leinenfasern habe ich schon mit versponnen – die sind zwar schön lang, aber sehr glatt. Insgesamt finde ich es total faszinierend, wie man aus wenigen Fasern dann einen Faden spinnen kann, der eine immer schwerer werdende Spindel hält. 


Es ist sehr spannend, sich mit dem Thema zu befassen – und es gibt sehr viel zu lernen. Da die von mir hergestellte Wolle sehr unregelmäßig ist und keine lange Lauflänge hat, wird sie verwebt. Und das... ist dann die nächste Geschichte! :-)

Donnerstag, 3. Januar 2019

Up, up und Award. Wir sind unter den Teilnehmern!




Oh man, aufregend! Mit dem Filzviecher-Projekt haben Nick und ich uns beim Dein Weg-Award der ERGO (klick mich, ich bin ein Link) beworben. Weil wir denken, dass die Filzviecher-WG eine tolle Sache ist und es gut wäre, damit ein Kleinunternehmen zu gründen. Weil wir aber eben aus regulären Förderungen herausfallen oder ich mich verschulden müsste, ist es halt problematisch, das notwendige Startgeld aufzubringen. Der Award wäre da eine tolle Möglichkeit - und wenn es vielleicht nur dazu dient, die Filzviecher bekannter zu machen. 

Also haben wir uns dort beworben. Per Post. Alle anderen haben die Online-Formulare ausgefüllt und waren ganz schnell auf der Teilnehmer-Seite. Wir halt nicht. Da gucke ich gestern  mal wieder so auf die Seite vom Dein-Weg-Award, klicke auf die Seite "Teilnehmer 2018" und zack, ganz oben sind wir!

Da war ich erst einmal geplättet. Wir waren dann die Einzigen, die sich auf dem Postweg beworben haben. Weil es dann ja auch darum ging, aufzuzeigen, wie sich der Lebensweg geändert hat und so... na ja, bei uns hat der Lebensweg ja diverse Haken geschlagen. Da habe ich dann halt die für uns wichtigsten Sachen rausgesucht. Das ist schon über eine Seite gewesen. 

Wie hat sich das Projekt entwickelt? Na ja, das war auch nicht nur mit zwei Sätzen erklärt und weil wir handwerklich arbeiten, gab es diverse Fotos dazu, um zu erklären, wie sich die Filzviecher entwickelt haben und was drumherum so abläuft. 

Dann wollte man noch wissen, wie es mit der Realisierung aussieht, ob das tatsächlich möglich wäre. Auch das wäre dann schon blöd gewesen, wenn wir nur: "Ja" geschrieben hätten, denn das würden sicherlich auch viele Leute machen, die Projekte nicht so gründlich durchdenken und vorbereiten. Eigentlich ist die Bewerbung so ein halber Businessplan - nur ohne die Schönrechnerei, die bei solchen Plänen erwartet wird und meistens völlig Banane ist, weil keiner eine Kristallkugel hat.




Deshalb machen wir beim Award mit. Um die Chance zu haben, eine Förderung zu bekommen, die notwendige Kosten abdeckt ohne das Damoklesschwert "Schulden" über uns hängen zu haben. Um die Zeit zu haben, unsere Ideen weiter umzusetzen - so, wie wir es am Besten können und WIR es für richtig halten. Da wird es sicherlich auch weiterhin immer wieder "Versuch und Irrtum" geben. Das ist normal - und nur dadurch entwickelt sich ein Projekt letztlich wirklich weiter. 

Generell ist aber das Ziel, im Laufe der nächsten Jahre immer weniger Geld vom Jobcenter zu bekommen. Ich halte es für ein gutes Ziel und für genau das, was ein Jobcenter letztlich von seinen "Kunden" erwartet. Selbst für sein Auskommen zu sorgen und weniger staatliche Leistungen zu benötigen. 

Irgendwann in den nächsten Wochen wird es ein Online-Voting geben, bei dem man unter zwanzig ausgewählten Projekten sein Lieblingsprojekt wählen kann. Wir hoffen also, dass wir ins Vorfinale kommen und unter den 20 ausgewählten Projekten sind - und würden euch dann bitten, für uns abzustimmen. Aber das werden wir dann noch mal extra bekannt geben.

Mehr und Aktuelles über die Filzviecher findet ihr unter

Filzviecher-WG (klick mich, ich bin ein Link)





Das ist übrigens Tamara, die Damaraziege. Sie wurde am 24.12. im Rahmen eines Adventskalenders für die Organisation "Heimatstern" versteigert und hat die tolle Summe von 222,22 Euro eingebracht. Dafür wird z. B. Milch für hungernde Kinder in Afrika gekauft oder Lebensmittel für ein Flüchtlingslager in Syrien. 



Und das hier ist Böller. Wie Böller zu seinem Namen gekommen ist, findet ihr auf dem 

Filzviecher-Blog (klick mich, ich bin ein Link)












Samstag, 27. Oktober 2018

Mäc - oder was FAS und Zellteilung mit Duplosteinen zu tun hat



Mäc ist ein schottisches Hochlandrind mit FAS. Das ist die Abkürzung für Fetales Alkohol Syndrom. Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft Alkohol trinken, haben oft das Pech, davon betroffen zu sein. Ich versuche mal, das möglichst einfach und verständlich zu erklären, wie das im Prinzip funktioniert: 

Ein Kind entsteht ja dadurch, das sich Zellen in der Gebärmutter vermehren. Jede Zelle hat ihre DNS, also quasi ihren „Arbeitsauftrag“, was sie mal werden soll, wie sie funktionieren soll und was sie bei einer Teilung weitergeben soll. Das, was da im Bauch als Kind heranwächst, ist schon ziemlich bald nach der Zeugung an den Blutkreislauf der Mutter angeschlossen und wird so mit allen, was zum Wachsen und Gedeien notwendig ist, über den Blutkreislauf versorgt.

Zu den Stoffen, die dabei ziemlich schlimme Auswirkungen haben können, weil sie Zellen schädigen, gehören viele Medikamente, Gifte und auch Alkohol. Aber was ist das eigentlich, so eine „Zellschädigung“ und warum ist die blöd? 

Ich versuche es mal mit Duplos zu erklären: 

Stellt euch vor, Ihr wärt jemand, der viel Geld hat und der aus Lego-Duplos zum Kinder bespaßen ein begehbares Haus bauen möchte.  Da dafür ganz viele Duplos benötigt werden, kommt Ihr auf die Idee: „Tolles Zeug, das lasse ich jetzt in Asien als billige Kopie herstellen und dann baue ich damit einen riesengroßes Kinderspielhaus!“. 

Die Leute aus einer Firma dort in Ganzweitweg haben euch ein gutes Angebot gemacht und gesagt, es wäre überhaupt kein Problem, die Steine nachzumachen, sie bräuchten nur von jedem Stein ein Exemplar. Weil ihr nicht selbst nach Asien reisen wollt, nehmt ihr also von jedem Duplostein den ihr braucht ein Exemplar. Das sind 5 verschiedene Steine. Die packt ihr in einen Karton und schickt den mit dem Auftrag „von jedem Stein 5000 Stück in gelb, rot, grün und blau herstellen!“ dort hin.

Nun passiert aber ein Unglück und das Paketauto fängt an zu brennen, in dem Euer Karton transportiert wird. Zum Glück kann es schnell gelöscht werden und viele Pakete sind gar nicht so doll beschädigt. Euer Paket gehört zu denen, die offensichtlich noch mal Glück gehabt haben – es wird im Verteilzentrum noch mal mit Klebeband umwickelt und weitergeschickt.

Drei Wochen später kommt es in Asien in der Firma an und wird dort ausgepackt. Es sind 5 Duplosteine drin und die Anweisung, was zu tun ist. Blöd nur, dass das Feuer im Paketauto die Steine verformt hat! Bei dem einen Stein sind ein paar Noppen verformt, ein Anderer ist an einer Ecke verschmort, den Dritten hat es in die Länge gezogen und nur zwei kurze Steine sind verschont geblieben. Die Leute in der Fabrik denken, die Steine müssten alle so aussehen und fangen an, sie genau so nachzubauen. Denn genau das steht ja in der Anweisung von euch!

Eine Woche später gehen zwei Paletten mit mehreren Kisten der nachgebauten Duplosteine in Asien auf die Reise zu euch. Ihr habt eine Nachricht bekommen, dass der Auftrag erledigt und verschickt worden ist und freut euch jetzt darauf, ein riesiges Haus daraus bauen zu können, wenn die Lieferung endlich da ist. Dann kommt sie an, ihr reißt den Karton auf – und seht tausende von verformten Duplostein-Kopien! Der Versuch, damit etwas wie vorgehabt zu bauen, geht schief und ihr habt nur Wände mit Brüchen und Löchern, wenn denn überhaupt etwas zusammenpasst.

Eigentlich geht genau so Zellschädigung. In einer Zelle geht die DNA zum Teil kaputt – also die wichtigen Informationen – und wenn diese Zelle sich teilt, gibt die in jeder Zelle nur die defekten Infos weiter. Diese Zellen teilen sich auch – und können nur das weitergeben, was sie selbst haben: kaputte Infos. 


Aus Zellen, die nur kaputte Informationen haben und weitergeben, kann nichts wachsen, was gesund und normal ist! Je früher in der Entwicklung des Kindes eine Zelle geschädigt wird, desto häufiger wird sich diese Zelle mit ihrer Schädigung teilen und desto größer wird später das Ausmaß der Behinderung des Kindes werden. Dann heißt es in manchen Zellen vielleicht: „Wir sind Zellen der Nieren und unsere Eigenschaft, Giftstoffe zu filtern ist kaputt!“, oder es heißt: „Wir sind Zellen, die das Gesicht bilden – und unsere Information, wie ein Gesicht eigentlich aussehen sollte, sind kaputt, also bauen wir es nur so auf, wie wir es können!“

In Paaren-Glien hat Mäc ein originalgroßes Kuhmodell gesehen...
Nun sollte man nicht denken: „Okay, also wenn das Kind im Bauch 7 oder 8 Monate alt ist, kann ich Alkohol trinken und nix passiert, weil das Kind dann ja schon fast fertig ist!“ - das stimmt so nicht. Denn das Kind hat dann zwar einen ziemlich fertigen Körper – aber das Gehirn wächst ja noch! Dort teilen sich noch Millionen von Zellen und bilden wichtige Grundlagen! Wenn sich dort vor allem Zellen teilen, deren DNS kaputt ist und so wichtige Informationen eben nicht geteilt werden, ist das halt dann ziemlich bescheuert, weil es eine geistige Behinderung nach sich zieht.

Das Leben mit einem behinderten Kind ist selten das Leben mit Kind, welches man sich in der Schwangerschaft so überlegt hat. Es ist oft anstrengend – auch wenn es durchaus richtig toll sein kann. Aber das es oft einfach unglaublich anstrengend ist, wird so dermaßen normal (wenn man sich halt als Eltern Mühe gibt, es gut zu meistern), dass man kaum mitbekommt, wie man nach und nach ausbrennt. Da, wo andere Kinder schon längst selbstständiger sind, brauchen viele behinderte Kinder noch einen großen Betreuungsaufwand. Da, wo andere Familien problemlos etwas unternehmen können, taucht mit einem behinderten Kind oft die Frage auf: „Ist das für uns überhaupt machbar?“.

Mehr über FAS findet ihr z. B. HIER oder HIER (Erklärvideo)

Deshalb... TRINKT KEINEN ALKOHOL in der Schwangerschaft. Und macht euch auch nie über Menschen lustig, die keinen wollen oder versucht sie zu überreden oder zu täuschen. Egal ob die schwanger sind oder eben nicht, ob Mann, Frau, Diverse, jung oder älter.

Ihr möchtet ja auch in den wenigsten Fällen Haschkekse oder LSD untergeschoben bekommen, weil das „lustig macht“ oder jemand findet "stell dich nicht so an, ist doch gar nichts bei" - oder?