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Mittwoch, 9. September 2015

Joey´s "Geschenk"

Joey Katastrophulus hatte eine Überraschung für mich. Vorausgegangen waren ein paar Touren mit Fahrrad und Anhänger. Joey springt zwar in den  Anhänger rein, bleibt auch drin - aber so ganz sein Ding ist es nicht. Das hat er Nick und mir mit ziemlich vielen Tönen klar gemacht.

Also habe ich letztens mal versucht, ihn neben dem Rad laufen zu lassen. Schön langsam, damit ich keinen Abgang mache, wenn Joey plötzlich irgendwas total spannendes in die Nase bekommt und quer schießt. Das war etwas anstrengend, denn langsam neben dem Rad laufen findet Joey mindestens so doof wie im Anhänger fahren. Das ist einfach nicht sein Ding.

Pausenbild...


Was viel eher sein Ding ist, hat er mir dann beim zweiten Versuch klar gemacht. Wieder waren wir mit dem Rad unterwegs - ohne Anhänger. Bis wir "freies Feld" hatten, musste Joey sich neben dem Rad um passables Benehmen bemühen, was ihm sichtlich sehr schwer gefallen ist. Manchmal sehen wir auch Katzen, dann ist alles noch viel schwerer (wobei er heute Kitty auf einem niedrigen Gaskasten gesehen hat - und Kitty lässt sich von so etwas wie Joey schon lange nicht mehr beeindrucken. Das Ende vom Lied: Joey hat mit ganz langem Hals und gaaanz vorsichtig angefangen, Kitty zu beschnuppern. Was für eine großartige Leistung für diesen Hund!).

Aber dann... hat er mir gezeigt, das er viel lieber VOR dem Rad läuft. Nach ein bisschen Hin und Her habe ich dann auch eine akzeptable Möglichkeit gefunden, Geschirr, Halsband und Leine zu zu verbinden, das er rennen kann und Luft bekommt, aber ich immer noch eine adäquate Einwirkungsmöglichkeit habe, falls er sich blöd benehmen sollte oder das Norweger-Geschirr aufgeht. 

Siehe da - ab ging die Luzie - äh, der Joey  - und meine Überlegungen, ob der tatsächlich gerne vor dem Rad läuft oder nur vor dem Rad wegrennt, haben sich im Laufe der Tour dann zerstreut. Denn: Würde er aus Angst davor wegrennen - dann könnte ich nicht mit Distanzkommandos auf ihn einwirken. Dann hätte er "Durchzug im Kopf" und würde nichts an Kommandos annehmen. Da er aber recht gut auf Kommandos reagiert hat und irgendwie auch sichtlich Freude am Laufen hatte, war alles ok.

Whow! Ich stehe ja eher so auf etwas ungewöhnlichere Sportarten - und Bikejöring war mein Traum, seit dem ich es auf einer WM und einer EM für Schlittenhundesport in Rastede live erlebt und mich mit Mushern unterhalten habe. Da war Farino noch ziemlich jung. Wir hatten damit mal angefangen, dann kamen viele persönliche Sachen dazwischen - und als ich dann dachte, man könnte ja mal wieder kam die Diagnose mit der Herzkrankheit und damit für so einen Sport das endgültige Aus. 

Deshalb freue ich mich natürlich riesig, wenn das mit Joey machbar ist. Das er gerne läuft liegt letztlich in seiner Natur und wenn ich auf dem Rad fahre, kann er endlich mal SEIN Tempo laufen. Da die Strecken dann ohnehin auf "geteert/befestigt" und "Feld-Wald-Wiesenweg" aufgeteilt sind, habe ich auch ziemlich viel davon, wenn es mit dem schweren Stadtrad querfeldein geht. Ich will sowieso mal wieder ein bisschen abnehmen... ;-) 

sogar ein Chor ist vorbeigeflogen...

Heute habe ich dann den Ruckdämpfer mitgenommen, das ist ein spezielles Seil, das zum Teil ein Gummi eingearbeitet hat. Damit verhindert man, das der Hund alle Rucke die durch das Rad entstehen, sofort bis auf die Knochen spürt. Das Renngeschirr haben wir leider nicht mehr, aber die Größe "Malamute" für unseren Fellberg Farino hätte Joey ohnehin nicht gepasst und nichts ist blöder als wenn ein schlecht passendes Geschirr anfängt zu scheuern. 

Tja und dann haben wir heute eine Tour zum und auf dem alten Flugplatz gemacht, mit ein bisschen Pause, mit ein bisschen Freilauf - und der Bekanntschaft mit dem Herdenschutzhund. Der ist beeindruckend, weiß was er will - und sieht aus wie ein Eisbär. Wir haben den sogar zweimal gesehen. Einmal im Gehege und einmal ausserhalb des Geheges, auf dem Weg zu seinen Schafen. Da habe ich dann so über ein Facebook-Posting nachgedacht, in dem berichtet wird, das in der Nähe vom Kuhberg ein paar Hunde frei herumlaufen. Letztendlicher Tenor: "Das geht so doch nicht, da wollen wir spazieren gehen..." - wohlgemerkt: Die Hunde sind da nur herumgelaufen, das Erlebnis hatte ich dort auch schon mal.

Interessant wird so ein "aber das geht doch nicht, das Hunde dort einfach so herumlaufen", wenn man überlegt, das gleiche Leute wahrscheinlich a) selbstverständlich für den Wolfsschutz sind - ist ja auch ok. Nur sind die mittlerweile auch schon in Neuruppins Wäldern gelandet und nicht jeder Wolf ist scheu, manche verhalten sich atypisch und kommen näher.
b) entsetzter Aufschrei, als in Rumänien die frei herumlaufenden Hunde eingefangen wurden. Gut, wie die umgebracht wurden und werden ist unter jeglicher Würde - aber in vielen Ländern laufen Hunde frei herum und DANN ist es ok.  Aber wenn hier in der Pampa ein paar Hunde herumlaufen, ist es das irgendwie nicht? Hm. Klingt so nach "Dusch mich, aber mach mich nicht nass dabei!". 

"Nachtanken" aus der Faltschüssel

Ich fand es beeindruckend, den Herdenschutzhund "in freier Landschaft" auf den Weg zu seinen Schafen zu erleben. Joey hat das erst gar nicht so mitbekommen, dann hat er gemerkt, da bewegt sich etwas im langen Gras - da muss er unbedingt hin. Das ging auch nur, weil er ein längeres Stück Freilauf auf einer Strecke hatte, die mit dem Rad wirklich extrem blöd zu fahren war.  Ich war gespannt, wie beide Hunde reagieren. Der Herdenschutzhund hat dann gemerkt, da kommt Joey, ist stehen geblieben und hat freundlich zu Joey geguckt. So nach dem Motto: "Na Kleiner, willst du mal Tach sagen?" - und dann hat Joey kapiert, das er auf den Herdenschutzhund zurennt - und schlagartig eine 180 Grad-Wende hingelegt. Ich würde nicht dafür garantieren, das es so freundlich gewesen wäre, wenn die Schafe in unmittelbarer Nähe gewesen wären. Denn dann macht der Schutzhund seine Arbeit. Dazu sind die über Jahrhunderte gezüchtet worden und wenn der seinen Job macht, ist Schluss mit lustig. Daran solltet ihr bitte denken, wenn ihr dort unterwegs seid. Es sind Arbeitshunde die ihre Arbeit sehr, sehr ernst nehmen! 

Sooo... am Ende der Tour standen 8,14 km in rund 1 1/2 Stunden auf der Komoot-App. Das ist voll in Ordnung, weil wir ja auch ein paar Pausen gemacht haben, in denen Joey Wasser bekommen hat und wir uns ein paar Minuten ausgeruht haben.
















Samstag, 14. März 2015

uuund Action - unterwegs mit der SJ4000

 


Gestern haben wir wieder mal die Kamera ausprobiert. Joey trägt jetzt fast immer das Geschirr. War ursprünglich nicht so gedacht, hat sich aber so ergeben, weil es meistens wirklich gut klappt. 

Also nach ungefähr 100 Meter, wenn wir aus dem Haus sind. So lange braucht er, um sein "boah, suuuper, ich bin draussen!!!! Abenteuer, ich komme!!!" in den Griff zu kriegen. Je nach Tagesform auch mal länger.

Die derzeitige Kombination ist das Geschirr und das Seilhalsband, weil das länger ist. Zusammen ist es sehr variabel, ich kann ihn nur am Seilhalsband führen, am Halsband und Geschirr als duales System mit "in je einen Karabiner" oder, weil das Seil so lang ist, das es wirklich locker passt, Geschirr und Seilhalsband gemeinsam in einen Karabiner klinken.

Weil wir mit der Kamera noch üben und die Wifi-App irgendwie nicht hinhaut, hatte er sich also gestern zwar auf dem Rücken, es gab aber keine Bilder. Schade, denn ich war echt gespannt. Dafür gibt es ein paar Bilder, wo Joey die Kamera auf dem Rücken hat. 

Der Hangar hat übrigens einen Namen. Gestatten: das ist Barbara... 



...Barbara Streusand. ;-)


Schönes Wochenende!


 






Dienstag, 14. Oktober 2014

Herbstspaziergang

Heute waren wir fast zwei Stunden nachmittags unterwegs und haben den Herbst genossen. Auch wenn der Himmel heute nicht unbedingt so viel Sonne zeigt. Wir möchten euch gerne ein paar Impressionen davon zeigen:




Wir sind durch den Tempelgarten gelaufen und haben überlegt, ob die nackten Sandsteinfiguren da nun langsam anfangen, zu frieren...

Dann habe ich dort noch etwas gesehen, meistens guckt man ja eher nicht nach oben...

 


Sieht auf den ersten Blick aus wie ein undefinierbarer Tonklumpen, aber es ist ein Helm - und zwar einer der noch recht gut erhalten ist. Oben auf dem Helm unter dem Federschmuck oder wie immer sich das Gefussel da oben drauf nennt, ist ein Löwe und wenn man genau guckt, dann erkennt man, das dieser Helm so gestaltet ist, das er dem Träger über die Augen ging - er hat Augenschlitze.

Das ist so schön hier: wir waren bestimmt schon 200 Mal im Tempelgarten. Und ganz oft passiert es, das wir etwas entdecken, was uns vorher noch nicht aufgefallen ist!





Das geht uns aber nicht nur im Tempelgarten so... :-D. Völlig überrascht war ich auch, als ich diese tolle Lampenhalterung gesehen habe. Die ist in der Rosenstraße / Ecke Karl-Marx-Straße. Denn die kannte ich bislang nur in etwas kleiner. Die kleinere Version ist nämlich beim Amtsgericht von der Bernhard-Brasch-Seite aus zu finden. Also: Guckt ab und an mal hoch, kann sich lohnen, manchmal sieht man sogar Sterne ;-) (nicht nur, wenn man dabei gegen Laternenpfähle läuft). 

Ich hätte euch gerne noch ein Foto von dem neueren Modell bei Humanitas gezeigt, aber da lag eine Katze rum... Katzen sind nicht Joey-kompatibel.  Oder andersherum. Auf jeden Fall findet man auf dem Humanitas-Gelände hinter der St. Georg Kapelle einige Gebäudeminiaturen auf verschiedenen Sockeln, die man auch ertasten kann. 

Wir haben dann an der Kapelle die Straße überquert und sind durchs Kleingartengelände bis an den See gewandert. 



Dahlien und Astern geben sich redlich Mühe, Farbtupfen in den Herbsttag zu setzen. Als Kind waren das für mich immer die "Ohrenkneiferblumen", weil diese Viecher sich am liebsten in den aufgerollten Blütenblättern versteckt haben. Dann kam eine Zeit, da fand ich diese Blumen echt "altbacken" - aber wenn man so tolle Farbtupfer an trüben Tagen hat, sind die eigentlich sehr schön. Und wenn man längere Zeit mit jemandem zusammen lebt, der Dahlien sammelt und ein großer Teil des Gartens mit X verschiedenen Dahliensorten bepflanzt ist... tja... 


Auch Äpfel gibt es derzeit wieder massenweise, die Bäume hängen zum bersten voll.




Genau wie viele andere fruchttragende Pflanzen, hier zum Beispiel wilder Wein. Da freuen sich später bestimmt die Vögel über jede Menge Futter. Wir hatten hier lange auch Wein an einer Hauswand und viele Vögel direkt vor dem Fenster. Leider ist der vor ein paar Monaten abgerissen worden, er macht "zu viel Dreck". 




Die Hunde durften natürlich auch noch in den See, was sie sehr gut fanden. Hier suchen sie gerade ein paar Leckerchen aus dem Wasser. Dann ging es langsam wieder zurück. 

Fast 2 Stunden später und nach rund 5,5 km waren wir um viele Eindrücke reicher dann wieder zu Hause.  

Nachlaufen? 
Von der Kommunikation am Museum in den Tempelgarten, von dort über den Wall, über die Schinkelstraße wechseln. Weiter den Wall entlang, am Bauzaun auf die Kommunikation wechseln (also an der Stadtmauer entlang), hinter dem Spielplatz rechts in die Rosenstraße. Dort ist es zwar grad etwas eng, aber es geht. Guckt mal bei dem Fahrradladen in der Rosenstraße auf die Tür beim Hof.  Ist die zu? Dann könnt ihr ja mal überlegen, wie die wohl aufgeht... :-D

Am Ende links in die Karl-Marx-Straße, über die Bahn und weiter bis zur Kapelle St. Georg. Vorher habt ihr noch ein paar Häuser mit tollen Fresken auf eurer Seite. Wenn ihr um die St. Georg Kapelle herumlauft, guckt dahinter mal nach links, dann seht ihr die Miniaturen. Da könnt ihr hin - und unter der Miniatur von der Kapelle könnt ihr gerne auch für den Erhalt von St. Georg spenden. Es ist mit das älteste Gebäude in der Stadt und irgendwo habe ich gelesen, das dort früher das St. Georg-Hospital war und man kranke Leute nicht in die Stadt gelassen hat um die eigene Bevölkerung nicht anzustecken. Die wurden ins Hospital St. Georg vor den Toren der Stadt geschickt.

Wieder an der Straße wechselt ihr die Seite und geht geradeaus in die Straße hinein. An dem großen weißen Haus findet ihr oben an einem Balkon Engeldarstellungen... ok, da fehlten dann nur noch die Hörner, dann wären sie wahrscheinlich perfekt. 

Hinter den Garagen könnt ihr links in den Weg einbiegen und an Kleingärten vorbei gehen, der Weg führ euch an einem eher illegalen Entsorgungslager vorbei auf wieder auf einen Betonweg Richtung See. Wo der scharf links abbiegt findet ihr geradeaus einen Trampelpfad zum See. 

Zurück geht ihr den Betonweg, kommt an der Ernst-Toller-Straße heraus, wo ihr euch links haltet. Am Ende über die Steinstraße in die Seepromenade wechseln, noch einen Blick auf die "Galerie auf Zeit" werfen, die irgendwann Geschichte sein wird und an der Klosterkirche wieder den Weg quer durch die Stadt zum Ausgangspunkt nehmen. 

Nachgeschoben: 



Das ist von einem Grabstein. Also einem richtigen SCHÖNEN und nicht so einer glatten langweiligen Seelenrutsche, wie man sie heutzutage hat. Den findet ihr hinten beim Museumsparkplatz.












 

Montag, 8. September 2014

Der Hummer im Kopf... oder auch: Warum ihr Kuchen essen gehen solltet.



Kuchen? Lecker! Hier hat der Bär gesteppt. Warum ihr nächstes Jahr hier mitsteppen sollt und warum ich ein toller Kerl bin, erklärt euch Frauchen jetzt mal


Nick hat einen Hummer im Kopf!“
- sein Kumpel Joost zu seiner Mutter, nachdem die Kindergärtnerin erklärt hat, warum Nick lange nicht mehr in den Kindergarten kommen wird.

Manchmal muss ich irgendwo eintragen, was die Grunderkrankung meines Sohnes ist. So steht auf der Zeile dann „Zustand nach Medulloblastom“ - und hinter den drei sachlichen trockenen Worten versteckt sich eigentlich eine A4 Seite an „Zustand nach“. Weil der „Zustand nach“ war, dass kaum irgendwelche Neben- und Folgeerkrankungen ausgelassen wurden. Mein Kind ist der lebende Beweis dafür, das Prognosen zwar die Summe der Erfahrungen bei einer bestimmten Sache sind... aber dass es manchmal auch ganz anders laufen kann.  Es war der 11. Geburtstag seiner großen Schwester, an dem unser Leben als Familie aus den Fugen geraten ist. 
Einen Tag später ging es mit Rettungswagen und Blaulicht nach „Ganzweitwegvonzuhause“. Die erste von mehreren solcher Fahrten. Zweieinhalb Stunden mit Blaulicht über Autobahnen, weil der Zustand kritisch ist, den Transport aber gerade eben so zulässt. Zwei Wochen später, kurz nachdem der Nikolaus mit dem Hubschrauber vor der Klinik in Ganzweitwegvonzuhause gelandet ist um auf allen Stationen die Kinder zu besuchen, war „mein“ Nikolausgeschenk, dass mir erklärt wurde, wie die Scheiße heisst. „Medulloblastom“ wurde mir mit ganz ernstem Gesicht vom Oberarzt erklärt. Das es gleichbedeutend ist mit Krebs, das habe ich damals erst später begriffen. 


Medulloblastome sind Hirntumore und damit eine der ungefähr 120 verschiedenen Krebsarten, die es gibt. Es ist ein Tumor des Zentralnervensystems. Da jeder Mensch eigentlich von klein auf lernt, wie empfindlich das Gehirn ist und das es eigentlich das Gehirn und seine Leistung ist, die uns Mensch sein lässt, haben Hirntumore im Prinzip schon eine besondere Stellung. „Was hast du denn schon für Probleme? Du hast dein Kind noch, meines ist gestorben!“ brüllte mich einmal eine Mutter an, deren Kind an Leukämie verstorben war. Damals war mein Kind ein schwerstbehinderter Vollpflegefall und es war klar, das es immer behindert bleiben würde. Sebastian war tot. Der hatte sein Leben hinter sich. Aber mein Kind und wir als Familie... wir hatten ein Leben vor uns, von dem nicht klar was, wie es wird. Das war das letzte Mal, das ich zu einem Treffen der Elterninitiative gegangen bin.

Wenn es bei der ganzen Sache etwas Gutes gibt, dann die, dass das Leben uns die ganze Sache in „kleinen Häppchen“ serviert hat. Im Nachhinein ist es, als ob du vor dem Mount Everest stehst, es nicht merkst das er das ist und einfach losläufst, weil der Weg des Lebens da nun einmal drüber führt. Und ja, die Luft wird verdammt dünn, wenn man weiter geht – und so ein Mount Everest sortiert ziemlich gnadenlos aus. Er wird zu einem Teil deines Lebens. Ob du drüber kommst oder nicht, ob du direkt betroffen bist oder Elternteil eines krebskranken Kindes. „Wind und Wetter“ so einer Erkrankung und der Folgen gerben nicht deine Haut – aber deine Seele und viele Stürme schmirgeln die Schutzschicht in manchen Bereichen mitunter papierdünn.


„Rudern gegen Krebs“ ist eigentlich auch wunderbar doppeldeutig. Denn das Leben gerät erst einmal völlig aus dem Ruder. Aber was ist das eigentlich? Warum soll man gegen Krebs rudern? „Rudern gegen Krebs“ ist eine Benefizregatta. Die Erlöse dieser Regatta werden unter anderem dazu aufgewendet, das Krebspatienten unabhängig davon, was sie für ein Einkommen haben und was sie von ihrer Krankenkasse zugebilligt bekommen, für sie begleitende und angepasste Sportangebote angeboten werden. Denn man kann sich aufgeben wenn man die Diagnose bekommt – und man kann kämpfen. Die Behandlung ist anstrengend, angepasste Sportangebote helfen, mit den Auswirkungen besser klar zu kommen. Es sind Moti-Vieren, die viele Patienten dringend brauchen!

Jeden Tag werden wir in Klatsch- und Tratsch-Blättern mit Berichten über Krebserkrankungen und vermeintlichen neuen Therapien konfrontiert. Besonders wenn irgendwelche Personen des öffentlichen Lebens an einer der vielen Krebsformen erkranken, kommt es mal wieder ganz dicke im Blätterwald. Betrifft Kinder weniger, aber Erwachsene, die das serviert bekommen. Egal ob direkt oder durch „wohlmeinende Angehörige/Freunde/Kollegen/whatever“.

Geht es um neue Therapieansätze, kräht die Presse schon extrem laut, wenn diese letztlich gerade mal abstrakt irgendwelchen Gehirnwindungen entschwunden sind und schürt leider oft falsche Hoffnungen. Das ist einfach so, denn auch solche Artikel lassen ein Blatt gut verkaufen. Dazu kommt, das Krebspatienten ein lukrativer Absatzmarkt irgendwelcher geschäftstüchtiger Wunderheiler ist, denen es eigentlich völlig egal ist, ob das, was sie da teuer verkaufen wirklich geeignet ist, ausgerechnet beim Kampf gegen entartete Körperzellen zu helfen – oder ob es letztlich einen Effekt wie Düngemittel für diese Zellen hat. 

Es gibt viele Gründe, warum man Moti-Vieren braucht um diese Krankheit durchzuhalten. Viele Gründe, warum man genau dann auch ein angepasstes Sportprogramm benötigt, das sicherlich wirkungsvoller ist, als irgendwelche Pflanzenextraktsäfte, deren wundersame Studien im Hinterland von Timbuktu gelaufen und deren Ergebnisse auf Sand notiert wurden. Oder die Papiere sind von wilden Tieren gefressen worden. Jedenfalls findet man sie nirgendwo. So ein Bewegungsangebot ist auch wirkungsvoller, als wenn man in der ganzen Therapiezeit hundert mal „ach, Kopf hoch, das schaffst du schon!“, „Das Leben geht weiter“ oder „ach Gott, ach Gott, wie schlimm!!!“ hört. Sport motiviert Körper und Seele und Sporttherapeuten sind wichtig, aber oft eben nicht im regulären Klinikbudget oder in der Kassenleistung drin (genau so wenig wie Klinikclowns).


In Neuruppin hat diese Regatta schon zum 7. Mal stattgefunden. Dieses Jahr haben wir sie das erste Mal miterlebt – und es ist ein Volksfest, auf dem viel los ist. Die Promenade leuchtete in weiß-blau. Die örtliche Filmcrew hatte einen Leiterwagen organisiert, aufgestellt und Bilder aus einer Kamera zum Teil sofort auf eine große Leinwand übertragen, Es gab Musik und Ansagen aus großen Lautsprechern (danke für die Trainingseinheit mit Joey), Kinderbelustigung, Erwachsenenbelustigung und so weiter.

Nächstes Jahr wird es sie sicherlich wieder geben. Wenn ihr mir und an Krebs erkrankten Leuten einen Gefallen tun wollt – geht hin. Und stopft euch lieber den Mund mit Benefizkuchen voll, anstatt auf die Idee zu kommen, zu einem Krebskranken „ach Gott ach Gott wie schliiiiimmm!“ zu sagen oder irgendeine andere Floskel. Oder zu Angehörigen: „Wie du das nur aushälst, also IIIICHHH könnte das nieeeee!“. Mit so einem Gerede tut ihr nichts Gutes. Da man nun einmal mit vollem Mund nicht redet, aber in diesem Fall etwas Gutes tut – esst Kuchen. Oder Hotdogs, oder Bratwurst...


Oder Möhren-Walnuss-Eis. Aber das ist ekelig. Ausser für Hunde.

Mit Dank an Schröder, Maxi, Titus, Krani, Ferreira und Farino, als vierbeinige Therapeuten und die ganzen Physio-, Ergo-, Moto-, Musik-, Reit- und Psychotherapeuten sowie Marylin & Carlotta, die Klinikclowns. 
Ohne alle diese Tiere und Menschen wäre Nick nicht so, wie er jetzt ist. Letztlich hat die Kasse nur einen Bruchteil von denen dafür bezahlt, dass sie meinem Kind seit mittlerweile 13 Jahren wieder ein relativ normales Leben ermöglicht haben. Je üblicher das Leben, desto weniger Therapeuten waren notwendig.

Und in Erinnerung an all diejenigen, insbesondere Lena, die für immer gegangen sind.

Also... geht futtern!





Montag, 1. September 2014

Morgens um 7 ist die Welt noch voll Tau...


Nick hat heute seinen ersten „richtigen“ Arbeitstag und musste dafür um kurz nach 6 Uhr aufstehen. Ich natürlich auch – und weil ich ihn die ersten Tage auf dem Weg zur Arbeit begleiten wollte, haben wir heute unsere Hunderunde um 7 Uhr angefangen. Ich habe für die Hunde und mich das Frühstück mitgenommen, da es praktischer Weise auf das alte Flugplatzgelände ging.


Um 7:30 Uhr waren wir also auf dem Gelände, es war alles noch feucht vom Nebel. Aber total schön! Das Spannende ist ja, dass jede Jahreszeit und jede Tageszeit etwas Neues zu bieten hat. Nachmittags fällt der „Elch“ eigentlich gar nicht auf. Aber morgens, wenn der Nebel die Blickweite einschränkt, alles weich zeichnet und die Farben dämpft, steht da in der Entfernung plötzlich ein Elch am Weg. Etwas dichter dran sieht er so aus:


Für Menschen mit Spinnenphobie ist diese Tageszeit nicht unbedingt etwas, denn auf den hauchdünnen Spinnfäden der Netze haben sich die Tautropfen verfangen und sind wie Perlen auf einer Schnur. Das sieht sehr schön aus – und nach wenigen Stunden schon ist dieser Zauber wieder vorbei, weil die Sonne alles trocknet.




Das ist ein Radnetz, eigentlich mit die bekannteste Netzform von Spinnen. Wusstet ihr, dass eine Spinne für ein Radnetz bis zu 7 verschiedene Formen von Spinnseide produzieren kann? So ein kleines Tier! Spinnseide ist – im Verhältnis gesehen – auch stärker als Stahl. Es ist ein ziemlich faszinierender Stoff der in der Wissenschaft auch viel Aufmerksamkeit bekommt. Würde es gelingen, Spinnseide künstlich herzustellen, könnte man z. B. einige Bereich in der Medizin revolutionieren. Was nicht bedeutet, das Menschen dann plötzlich Spinnennetze wie Spiderman aus der Hand schleudern können, sondern es könnte neues Nahtmaterial geben, das sich selbst auflöst oder Kapseln für Wirkstoffe, die weit gezielter an den gewünschten Ort gebracht werden können, da Spinnfäden sich von vielen Dingen, die andere Kapselmaterialien angreifen, nicht beeindrucken lassen.

Übrigens gibt es auch Spinnen, die tatsächlich Netze auf ihre Beute werfen und nicht warten, bis die Beute ins Netz fliegt oder fällt. Manche Spinnen bauen ein Baldachinnetz, sie spannen Fäden kreuz und quer, und darunter ein horizontales Netz, so fischen sie Fluginsekten aus der Luft... das hier ist aber kein Baldachinnetz:


Im Tau sieht man auch oft Netze, die ähnlich wie Trampoline aufgespannt sind.

Die Hunde haben sich sehr gefreut, ausgiebig herumtoben zu können – und morgens riecht alles noch so „neu“. Joey war voll in seinem Element und ist neben dem Weg wie ein Känguru durchs hohe Gras gehüpft. Er war nach kurzer Zeit platschnass vom Tau, war aber nicht schlimm für ihn, da er in einer wahren Geruchsorgie geschwelgt hat und sich gar nicht entscheiden konnte, wo es denn nun am Besten riecht.

Bei den Schafen vielleicht? Mal gucken...





Die Schafe haben es eher gelassen gesehen, das die betrachtet wurden



Neben dem Weg stehen noch ein paar alte Laternen in der Landschaft. Der Anblick hat mich an eine Radierung erinnert, die mir letztens gezeigt worden ist – da waren es Telefonmasten, die in der Landschaft verschwunden sind... das sah toll aus. Fast so wie hier:


Schön sind natürlich die bunten Tupfer unter dem trüben Himmel. Löwenmäulchen (auf dem Foto unten) und Goldrute sind ziemlich gut darin, sich farblich von ihrer besten Seite zu zeigen und alles, was nicht so leuchtend gelb ist wie sie, in den (nicht vorhandenen) Schatten zu stellen.


Auf einem HDR-Art-Bild sieht das dann so aus:


Irgendwann war der Punkt angelangt, wo ich beide Hunde anleinen musste, weil selbst Farino plötzlich auf eine Witterung ziemlich heftig reagiert hat. Er fand es definitiv nicht lustig, dann wieder an der Leine zu landen, aber Joey hat sich halt auch seines Lebens gefreut über so viele tolle Gerüche – und zwei Hunde die in unterschiedliche Richtungen rennen, weil es überall toll riecht, sind einfach problematisch zu händeln. Joey war dann auch so aufgedreht, das er erst einmal wieder runterkommen musste. Also beide angeleint, den Rückweg angetreten – und an einem Hangar, wo ich die Leinen festmachen konnte, eine Frühstückspause eingelegt. Das war ziemlich nett und es hat den Hunden einfach auch gut getan, weil die sich mehr darauf konzentriert haben, mir ein Teil vom Brot abzuluchsen als auf irgendwelche tollen Wildgerüche.

Zurück sind wir dann über den Klappgraben zur Mesche gelaufen und haben verwilderte Äpfel entdeckt. Die Obstbäume hängen dieses Jahr zum Bersten voll und man sieht dicke lila Pflaumen, rote und grüne Äpfel, Kirschen und so weiter. Mjammi! Nach etwas über zwei Stunden waren wir dann wieder zu Hause und die Hunde sind zu ihrem Entsetzen umgehend in der Wanne gelandet. Farino hat sich in irgendwas Ekeligem gewälzt und Joey war auch eher grau als weiß. 

Aber auch das haben sie gut überstanden, dann ihr richtiges Frühstück bekommen und sich auf ihre Decken gerollt zum schlafen. Und Träumen. Von vielen tollen Gerüchen und wilden Rennereien.

Euch einen schönen Tag!




Donnerstag, 7. August 2014

Wasserspiele bei den Ruppiner Kliniken

Heuten waren wir bei einem phantastischem Himmel unterwegs. Guckt selbst:




sieht das nicht toll aus? (Gut, ein winziges kleines bisschen habe ich durch die HDR-Art-Einstellung nachgeholfen...). Also, wer schon immer mal einen Haufen Kunstwerke auf einem überschaubaren (hahahaha...) Gelände sehen wollte, ist bei den Ruppiner Kliniken damit am richtigen Platz, wenn er mit der Innenstadt fertig ist. Ehrlich! 



Es ist ein wunderschönes Gelände, das es zu entdecken lohnt, auch wenn man nix in den Kliniken zu tun hat. Weder jemanden besucht, noch selbst irgendwie geflickt werden muss oder dort arbeitet. Bummelt einfach mal über das Gelände und durch den Klinikpark und entdeckt, was dort alles steht. Und die Tafeln, die ab und an wo stehen und erklären, wie es früher dort war.

Dann war die Makro-Einstellung der Kamera dran. So, oder so ähnlich. An den Wasserspielen gen Klinikpark. Als ich dann die Bilder just gerade am PC durchgesehen habe, na ja... guckt selbst und strengt eure Phantasie mal etwas an...






Findet Ihr auch, dass die Fontäne rechts aussieht wie eine Frau mit Tasche? Beim shoppen oder so? Gut, beim ANFANG vom shoppen. Die Tasche ist ja klein.




Das hier vorne... also DAS... sieht ja fast aus wie ein Neandertaler auf Stelzen... oder?

Los, lasst eurer Phantasie freien Lauf, was oder wen seht Ihr wo?


Viel Spaß beim phantasieren!








Montag, 28. Juli 2014

Fotopausenrunde durch den Tempelgarten

Ich habe mich ja endlich mal daran gesetzt, die Speicherkarte meiner Kamera durchzugucken. Also, nicht nur durchgucken, sondern manche Bilder können runter und von anderen lasse ich einen Referenzabzug machen, damit ich weiß, wo ich bestimmte Motive in Originalauflösung wiederfinde. Für den Blog und Facebook werden die Bilder ja verkleinert. Keiner braucht hier ein Bild mit 2 Megapixel oder größer - aber das wiederum bedeutet, Fotoabzüge von den Blogfotos werden nicht so gut, weil die Auflösung für ein gutes Foto viel zu klein ist.

Die Exilim habe ich seit November 2013. Der Bildzähler steht aktuell auf über 4300, durchgeschaut habe ich jetzt bis 4000. Ich bin also bald durch. Mit DIESER Speicherkarte... ich hätte da noch eine andere aus der alten Kamera. 

Aber es ist toll die Bilder durchzusehen, es ist ja nur ein winziger Bruchteil auf dem Blog gelandet und es gibt so manches "Oh, stimmt ja!"-Erlebnis beim Durchgucken. In den nächsten Tagen kommen dann ungefähr 200 Fotos an, die alle thematisch sortiert und zum Teil beschriftet werden wollen. Ich finde es für mich einfach besser, die wichtigsten Fotos auch in einem klassischen Fotoordner greifbar zu haben. 



Heute war ich mit den Hunden wieder mal im Tempelgarten - und wieder gab es ein paar nette Fotomotive. Ich finde es total schön, wie alles wieder auf Vordermann gebracht worden ist. Es ist wirklich ein Besuch dort wert, die ganzen Sandsteinfiguren sind gesäubert und restauriert, die Mauern und die Sitztreppe zur ehemaligen Kegelbahn auch. Es gibt wieder Steinvasen auf dem Weg zum Tempel... also ganz toll. Fehlt dann irgendwann wenn die Kommunikation auf der anderen Seite der Stadtmauer fertig ist, nur noch die Sicherung der Stadtmauer im hinteren Gartenteil.  Ob da tatsächlich die Knochen der eingemauerten Frau dann irgendwann unten rausbröseln?

Ich bin gespannt.




Mittwoch, 7. Mai 2014

Tja, was soll man da....

...in eine Sprechblase schreiben? 

Ich gucke so die Fotos der letzten Tage durch und finde das:






"Sonne!!!!! Los, bräune mich!"

oder:

"Guck: tot!"

oder was könnte man sonst zu diesem Bild schreiben?

Es ist eines aus einer Serienaufnahme mit 25 Bildern pro Sekunde wie Joey seinen nassen Panz durchs Gras schrubbelt...



Sonntag, 4. Mai 2014

Kunst-iör: Das unmögliche Dreieck



Gestern, am 3.Mai, wurde am Certaldo-Kreisel das Kunstwerk eingeweiht. Für mich war es auch deshalb ganz interessant, weil in der ersten Stadtverordentenversammlung, die ich in Neuruppin überhaupt besucht habe, darüber abgestimmt worden ist, welcher der drei vorliegenden Entwürfe für diesen Kreisel letztlich genommen wird.

aus Richtung Westbahnhof

Schön, wenn man dann so ein Projekt fertig sieht, es erklärt bekommt und auch etwaige Bedenken dann ausgeräumt werden. „Das unmögliche Dreieck“ ist eine optische Illusion. Vielleicht kennen einige der Leser den Zeichner M. C. Escher (guckstdu), der ist für seine gezeichneten optischen Illusionen sehr bekannt.

vom Nymburg-Ring aus

„Das unmögliche Dreieck“ ist ein Entwurf von Carlo Vanni, dem Stadtarchitekten aus Certaldo und dortigen Kollegen unseres Baudezernenten, Herrn Krohn. 

Carlo Vanni, Stadtarchitekt von Certaldo

Es ist ja auch nicht nur damit getan gewesen, dass Carlo Vanni einen Entwurf zeichnet und die Mehrheit dann gesagt hat: „OK, wir nehmen genau das!“ (wobei viele Einwohner eigentlich eher mit einer Chimäre aus Trabbi und Fiat500 mitten auf dem Verkehrskreisel gerechnet haben... das muss einfach mal erwähnt werden). Danach musste ein Statiker ausrechnen, ob man das Teil überhaupt bauen kann ohne das es irgendwann zusammenbricht und eine Metallbaufirma gefunden werden, die einen Weg findet, den Entwurf dann auch „in echt“ umzusetzen. Fundamente mussten berechnet werden und vieles, vieles mehr. Kunst im öffentlichen Raum sieht oft einfach aus - aber dahinter steckt mitunter so unglaublich viel mehr, was man sich als normaler Bürger gar nicht so vorstellen kann.

von der Mesche aus gesehen

Die Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten hat dann zu einem sehr schönen Ergebnis geführt. 

(fast) vom Certaldoring aus ;-)

Die Erklärung von Carlo Vanni : “Man wäre daran gewachsen“ interpretiere ich mal so, das es nicht immer ganz reibungslos vonstatten ging, was ja normal ist, wenn so viele Leute dran beteiligt sind. Jedenfalls zauberte sie mir ein breites Grinsen aufs Gesicht.

Stele mit Guckloch 

Ein besonderer Dank ging dann noch an die Firmen Huch Behälterbau und die Firma Kaartsch. Die beiden Firmen haben durch ihr Sponsoring die Stelen ermöglicht, die an zwei Stellen aufgebaut sind und durch deren Guckloch man einen perfekten Blick auf "Das unmögliche Dreieck“ bekommt. Wissen sollte man auch, das von der einen Seite die Farben der Deutschlandflagge zu sehen sind – und von der anderen Seite die Farben der Italienischen Flagge. Da habe ich in den letzten Wochen gar nicht drauf geachtet, wenn ich mit den Wuffels zur Mesche raus bin, aber jetzt weiß ich es halt.Den perfekten Blick hat man zu Fuß beim Blick durch die runden Gucklöcher an den Stelen.

Blick via Kamera durch eine Stele

Was noch? Es wurden einige Reden gehalten, klar – und anwesend waren vor allem Schüler vom EVI, weil dort gerade auch Gastschüler aus Certaldo sind. Ausserdem gibt es in verschiedenen Neuruppiner Firmen gerade Praktikanten aus Certaldo. Das finde ich sehr bemerkenswert – und genau das verbindet ja letztlich auch. „Europa“ klingt ja oft sehr abstrakt und weit weg, als ob es uns hier eigentlich gar nichts angeht. Aber eine Städtepartnerschaft die so eng ist und so viel Austausch hat, ist auch ein großes Stück gelebtes Europa – hier in Neuruppin. Damit ist der europäische Gedanke auch ganz konkret zu begreifen. Egal, ob man es gut oder schlecht findet, was mitunter im Namen „Europas“ so verzapft wird – Fakt ist, das Neuruppin und die Bürger durchaus oft davon profitieren – und nicht nur bei den Städtepartnerschaften, sondern bei vielen geförderten Projekten. Das sollten sich einige chronische Meckerfritzen mal bewusst machen, die in erster Linie nur sehen, wieviel Geld anderswo hin verschwindet und gerne übersehen, wieviel wir hier auch über diverse Fonds davon profitieren und wieviel Geld damit letztlich auch in Neuruppin landet.

Logos beider Städte auf den Stelen

Was noch? Letztes Jahr habe ich eine tief betroffene Facebook-Meldung gelesen, das es in Certaldo einen schweren Autounfall gegeben hat und dabei diejenige, die sich mit am meisten für die Städtepartnerschaft eingesetzt hat, ums Leben gekommen ist. Ich habe zugegeben nicht so sonderlich viel Ahnung von den Städtepartnerschaften (weil Menschen wir ich und Nick letztlich auch nicht sonderlich viel davon haben), aber wenn so etwas dann passiert, finde ich es selbst auch sehr traurig und berührend.

Ich sehe es so: Ein Mensch ist eigentlich erst dann wirklich tot, wenn man ihn vergessen hat. Solange er in den Erinnerungen weiterlebt, in Geschichten und Anekdoten... so lange taucht er immer mal wieder auf – wenn eben auch in Erinnerungen. Es gibt ja immer mal wieder von irgendwelchen Menschen die Bemühungen, unsterblich zu werden. Unsterblich wird ein Mensch aber genau dadurch: das man sich an ihn oft und gerne erinnert und damit etwas von ihm und seiner Art „weiterträgt“. Es ist von daher wirklich eine großartige und ungemein menschliche Geste, das an beiden Stelen an Cristina Lazzeri gedacht wird.



Es soll Autofahrer geben, die mehrmals um den Kreisel fahren, damit sie das Kunstwerk von allen Seiten sehen. Ich empfehle, den Parkplatz vom Discounter zu nutzen und zu Fuß einmal um den Kreisel zu laufen, damit man durch die Stelen gucken kann - die auch noch Hinweistafeln auf die Städtepartnerschaft mit Certaldo bekommen.


Montag, 27. Januar 2014

Winterwandern in Neuruppin


Rund 10 Kilometer war heute unsere Wanderung durchs verschneite Neuruppin. Viel Zeit, um Winterimpressionen auf sich wirken zu lassen – ebenso zum Nachdenken und „Kopf frei bekommen“.

Gestartet sind wir wie üblich vor unserer Haustüre am Schulplatz um dann Richtung Fontane-Denkmal an den Rand der Stadt zu kommen. Hinter der Sparkasse kommt man über den Exerzierplatz beim Sozialgericht / der Polizei – und von dort aus über den Parkplatz zum Wohnkomplex an der Hermann-Matern-Strasse. Auf dem alten Exerzierplatz fallen einem einige Senken auf – darin sammelt sich bei Bedarf Regenwasser. Im Schnee sieht man, das sie auch zum Rodeln benutzt werden. Das ist bestimmt ein komisches Gefühl, vor allem mit dem Absatz dazwischen.

Zwischen den Wohnkomplexen I, II und III finden sich einige wirklich nette Spielplätze. Nicht für Hunde, aber für Kinder. Auf einem davon gibt es sogar einen mehrköpfigen Drachen! 

Farino und der Drache
Weiter ging es für uns über den Kreisel an der Artur-Becker/Heinrich-Rau-Straße. Also dort, wo der Matratzenladen an der Ecke ist. Direkt hinter den letzten Häuserblocks an der Heinrich-Rau-Strasse befindet sich übrigens die Krümelkiste. Das ist ein Mehrgenerationenhaus mit einem sehr vielfältigen Angebot und wochentags mit einem wirklich netten Cafe. Also, wenn ihr in der Woche mal dort vorbeikommt und Kunst nicht grad voll doof findet, solltet ihr unbedingt ins Cafe gehen und euch wenigstens die unglaublich tollen Bilder dort angucken! Wirklich, die sind... „Kinnlade runter“.

In der Krümelkiste befindet sich übrigens auch ein großer und sehr sehenswerter Kostümverleih und als neuestes Angebot eine niedrigschwelliges Angebot für Demenzkranke. Manche haben vielleicht einen Angehörigen, der an Demenz erkrankt ist und haben irgendwann so ein Schreiben von der Krankenkasse bekommen, das man sehr erfreut ist, den Angehörigen Entlastung anzubieten, indem ein niedrigschwelliges Angebot finanziert wird. Also genau das gibt es in der Krümelkiste nun auch. Der Vorteil der Krümelkiste dabei ist, das hier von den Betreuern auf ein großes bestehendes Angebot zur Integration und zur Beschäftigung zugegriffen werden kann um wirklich sehr individuell auf die Leute einzugehen.

Farino und Joey am See

Weiter ging es rechts am Spielplatz vorbei, dann links auf dem Trampelpfad in Richtung Ruppiner Kliniken. Das Klinikgelände ist sehr schön zum Laufen, gerade hinten beim Park (also Park, nicht Parkplatz... der ist da gleich nebenan...). Der Weg vor dem Wäldchen führt euch direkt zu einem Teich und in diesem Teich seht ihr einen der beiden kleinen Parzival-Ausgaben, die es hier in Neuruppin gibt. Also es gibt einmal den großen Parzival am Bollwerk, der über den großen See guckt und dann gibt es an zwei kleinen Teichen noch jeweils einen kleinen Parzival – und einen davon seht ihr auf dem Bild. 

Kleiner Parzival
Weiter ging es hinten an der Klinik entlang, der Weg schlängelt sich ein Stück um einen Hügel und wer sich zwischendurch vielleicht mal gefragt hat, wo in Neuruppin eigentlich der Rettungsheli landet, wird hinter dem Hügel fündig. Zwischen Klinik, Parkplatz und einem großen Gehege vom Gutshof Lebensräume ist der Helikopterlandeplatz. Wir bleiben auf dem Weg und haben links von uns den Gutshof Lebensräume. Hier finden Menschen mit psychischen Erkrankungen oft einen Platz, wo sie arbeiten und zum Teil auch leben können. Der Hof ist ein Biobetrieb und weil es rund um den Hof einen ökologischen Lehrpfad gibt, findet man auch viele erklärende Schilder. Sei es zur ökologischen Landwirtschaft, zur gemischten Benjes-Hecke, zu Wallhecken oder was auch immer. Wer ein tolles Gelände zum Joggen oder Walken sucht – hier findet er es. Je nach Leistungsstand können unterschiedliche Streckenlängen gewählt werden.

Winterlandschaft im Gutspark

Hinter dem Gutshof kommt so etwas wie ein Wald, mittig führt auch ein Weg dort hindurch. Es ist KEIN normaler Wald, es ist ein alter Friedhof! Ein sehr besonderer Ort dessen Geschichte eng mit der Geschichte der Kliniken verknüpft ist. Das man sich hier respektvoll benimmt, setze ich als selbstverständlich voraus! 

hier übrigens ein typisches Problem beim Fotografieren...

Wir haben dann einen nicht ganz offiziellen Ausgang/Eingang vom Gutspark genommen, nämlich den neben dem Zugang zum Kleingartengelände. Hier landet man direkt auf einer Art Wendeschleife vom Bechliner Weg. Links geht nach Treskow rein – und wir haben uns für den Weg mit dem Schild „Privatweg, Benutzung auf eigene Gefahr“ schräg links gegenüber entschieden, der direkt am Feldrand entlang führt. Es ist der Weg „Zur Keglitz“, auch wenn Google Maps einen da erst mal quer über den Acker schicken würde. Auf den Weg war ich nun schon über ein Jahr lang gespannt – und ich glaube, ich habe dann heute eine der schönsten Aussichten erwischt, die man dort bekommen kann. Ehrlich, ich fand es total schön! 

An der Keglitz

Am anderen Ende des Weges haben wir uns rechts gehalten um ein Stück zwischen den Feldern zu laufen – allerdings haben wir dann auch gleich den ersten Feldweg links wieder genommen, der zwischen den Feldern hindurchführt. Damit haben wir zwar das Naturschutzgebiet verpasst, aber irgendwann kommt der Punkt, wo man daran denken muss, das man insbesondere mit dem herzkranken Seniorhund auch noch bis in die Stadt zurücklaufen muss. Der war da zwar noch sehr gut drauf, aber das er irgendwann an eine Grenze kommt, wo er deutlich anfängt zu schwächeln, war absehbar. Also zwischen den Feldern zurück gen Zivilisation und Fehrbelliner Straße. Wir sind auf der Straße „Grüner Weg“ gelandet und wenn man die entlang geht, kommt man an der Fehrbelliner Straße schräg gegenüber der Esso-Tankstelle heraus, die ich dann zwecks „ich hätte da ein Hüngerchen...“ angesteuert habe. Ausserdem ist zwischendurch bei so einem Wetter etwas Warmes zu trinken auch ja sehr nett.

15 Minuten später war ich um die Erkenntnis reicher, das der aufgewärmte Cheeseburger von der Tanke direkt auf Platz 2 hinter Dosencheeseburger vom Outdoorausrüster landet. Aber bestimmt nicht deshalb weil er besonders lecker ist.

Falls jetzt jemand über das Wort „Dosencheeseburger“ stolpert und denkt „WTF ist ein DOSENcheeseburger????“ Jupp, gibt es tatsächlich. Mein Ex war ein Outdoorfreak und hatte diverse Expeditionsnahrung gebunkert. Darunter Dosencheeseburger. Nun sollte man grundsätzlich wissen, Outdoornahrung, also richtige, ist etwas anders abgeschmeckt wie normale Lebensmittel. Nicht so intensiv – was aber nichts ausmacht, weil, wer den ganzen Tag durch die Pampa wandert, für den wäre normal gewürztes Zeugs wahrscheinlich ein Geschmacksobergau. Man freut sich einfach, das es was zu futtern gibt und genau das „Weniger“ an Geschmacksverstärkern ist in dem Fall halt mehr. Genau andersherum ist bei wenig Bewegung die Outdoornahrung relativ fad – dafür eine unglaubliche Kalorienbombe. (Das mal als Tipp für Menschen, die eher das Problem haben, das sie viele Kalorien in möglichst wenig Nahrung brauchen. So z. B. Angehörige von manchen Chemopatienten oder wer ein Kind hat, das gen Magersucht tendiert. Mit dem Zeugs habt ihr viele Kalorien und vernünftige Ernährungsbestandteile auf relativ wenig Masse).

Aber abgeschweift. Wir haben dann beschlossen, den Dosencheeseburger auszuprobieren. In der Zivilisation, in der Küche, warmgemacht im Wasserbad auf dem Herd. Soweit war alles ok. Rumgefrotzelt, Spaß gehabt, Katze guckte auch schon um die Ecke... und dann kam der große Augenblick. Dose auf, Burger raus. Sagen wir mal so, allein der Geruch erledigte sämtliche Geschmacksnerven und Hungergefühle umgehend. Selbst Jogi-Katze (RIP), sonst gar nicht so zimperlich, hat drauf verzichtet. Da Hunde aber ja auf „je widerlicher, je besser“ stehen, fand Farino den natürlich super. 

Da man direkt über das Tankstellengelände auf den Fuß- und Radweg parallel zur Fehrbelliner Strasse kommt, haben wir den dann als Rückweg genommen, später die Verlängerung über die Stille Pauline und am Schlachthof vorbei, übers Arbeistamts-Gelände, quer über den Exerzierplatz, Schifferstraße – und schwupps, ist man wieder in der Innenstadt und hat rund 10 Kilometer hinter sich. 

Eiskaltes Seewasser auf dem Rückweg


Farino war dann auch sichtlich froh, wieder zu Hause zu sein, die letzten 3 Kilometer hat er sich zwar gut gehalten, aber es war ihm anzumerken, das es so langsam an seine Grenzen geht. Wenn die Rute immer tiefer sinkt, dann weiß ich, das so langsam bei ihm „die Luft raus“ ist. Joey hatte immerhin noch so viel Energie, um bei Hundebegegnungen rumzuspacken. Wenn ich Zeit habe, bastel ich euch dazu gerne eine Wanderkarte, leider habe ich festgestellt, das die bisherigen Karten beim einem externen Aufruf nicht so ganz unproblematisch sind. 

Sollte hier zufälligerweise der bescheuerte Fahrradfahrer lesen, der Joey absolut rücksichtslos auf vereistem Weg voll in die Seite gefahren ist, befasse dich einfach mal mit der Straßenverkehrsordnung, mit dem Wort DEFENSIV und überlege, ob du das, was du mit Joey gemacht hast, mit Kindern auch machen würdest, wenn die nicht schnell genug zur Seite springen können, weil ein Radfahrer geräuschlos ankommt.  Und was wohl passiert, wenn du dich selbst dabei voll abpackst.