Donnerstag, 3. Januar 2019

Up, up und Award. Wir sind unter den Teilnehmern!




Oh man, aufregend! Mit dem Filzviecher-Projekt haben Nick und ich uns beim Dein Weg-Award der ERGO (klick mich, ich bin ein Link) beworben. Weil wir denken, dass die Filzviecher-WG eine tolle Sache ist und es gut wäre, damit ein Kleinunternehmen zu gründen. Weil wir aber eben aus regulären Förderungen herausfallen oder ich mich verschulden müsste, ist es halt problematisch, das notwendige Startgeld aufzubringen. Der Award wäre da eine tolle Möglichkeit - und wenn es vielleicht nur dazu dient, die Filzviecher bekannter zu machen. 

Also haben wir uns dort beworben. Per Post. Alle anderen haben die Online-Formulare ausgefüllt und waren ganz schnell auf der Teilnehmer-Seite. Wir halt nicht. Da gucke ich gestern  mal wieder so auf die Seite vom Dein-Weg-Award, klicke auf die Seite "Teilnehmer 2018" und zack, ganz oben sind wir!

Da war ich erst einmal geplättet. Wir waren dann die Einzigen, die sich auf dem Postweg beworben haben. Weil es dann ja auch darum ging, aufzuzeigen, wie sich der Lebensweg geändert hat und so... na ja, bei uns hat der Lebensweg ja diverse Haken geschlagen. Da habe ich dann halt die für uns wichtigsten Sachen rausgesucht. Das ist schon über eine Seite gewesen. 

Wie hat sich das Projekt entwickelt? Na ja, das war auch nicht nur mit zwei Sätzen erklärt und weil wir handwerklich arbeiten, gab es diverse Fotos dazu, um zu erklären, wie sich die Filzviecher entwickelt haben und was drumherum so abläuft. 

Dann wollte man noch wissen, wie es mit der Realisierung aussieht, ob das tatsächlich möglich wäre. Auch das wäre dann schon blöd gewesen, wenn wir nur: "Ja" geschrieben hätten, denn das würden sicherlich auch viele Leute machen, die Projekte nicht so gründlich durchdenken und vorbereiten. Eigentlich ist die Bewerbung so ein halber Businessplan - nur ohne die Schönrechnerei, die bei solchen Plänen erwartet wird und meistens völlig Banane ist, weil keiner eine Kristallkugel hat.




Deshalb machen wir beim Award mit. Um die Chance zu haben, eine Förderung zu bekommen, die notwendige Kosten abdeckt ohne das Damoklesschwert "Schulden" über uns hängen zu haben. Um die Zeit zu haben, unsere Ideen weiter umzusetzen - so, wie wir es am Besten können und WIR es für richtig halten. Da wird es sicherlich auch weiterhin immer wieder "Versuch und Irrtum" geben. Das ist normal - und nur dadurch entwickelt sich ein Projekt letztlich wirklich weiter. 

Generell ist aber das Ziel, im Laufe der nächsten Jahre immer weniger Geld vom Jobcenter zu bekommen. Ich halte es für ein gutes Ziel und für genau das, was ein Jobcenter letztlich von seinen "Kunden" erwartet. Selbst für sein Auskommen zu sorgen und weniger staatliche Leistungen zu benötigen. 

Irgendwann in den nächsten Wochen wird es ein Online-Voting geben, bei dem man unter zwanzig ausgewählten Projekten sein Lieblingsprojekt wählen kann. Wir hoffen also, dass wir ins Vorfinale kommen und unter den 20 ausgewählten Projekten sind - und würden euch dann bitten, für uns abzustimmen. Aber das werden wir dann noch mal extra bekannt geben.

Mehr und Aktuelles über die Filzviecher findet ihr unter

Filzviecher-WG (klick mich, ich bin ein Link)





Das ist übrigens Tamara, die Damaraziege. Sie wurde am 24.12. im Rahmen eines Adventskalenders für die Organisation "Heimatstern" versteigert und hat die tolle Summe von 222,22 Euro eingebracht. Dafür wird z. B. Milch für hungernde Kinder in Afrika gekauft oder Lebensmittel für ein Flüchtlingslager in Syrien. 



Und das hier ist Böller. Wie Böller zu seinem Namen gekommen ist, findet ihr auf dem 

Filzviecher-Blog (klick mich, ich bin ein Link)












Samstag, 27. Oktober 2018

Mäc - oder was FAS und Zellteilung mit Duplosteinen zu tun hat



Mäc ist ein schottisches Hochlandrind mit FAS. Das ist die Abkürzung für Fetales Alkohol Syndrom. Kinder von Müttern, die während der Schwangerschaft Alkohol trinken, haben oft das Pech, davon betroffen zu sein. Ich versuche mal, das möglichst einfach und verständlich zu erklären, wie das im Prinzip funktioniert: 

Ein Kind entsteht ja dadurch, das sich Zellen in der Gebärmutter vermehren. Jede Zelle hat ihre DNS, also quasi ihren „Arbeitsauftrag“, was sie mal werden soll, wie sie funktionieren soll und was sie bei einer Teilung weitergeben soll. Das, was da im Bauch als Kind heranwächst, ist schon ziemlich bald nach der Zeugung an den Blutkreislauf der Mutter angeschlossen und wird so mit allen, was zum Wachsen und Gedeien notwendig ist, über den Blutkreislauf versorgt.

Zu den Stoffen, die dabei ziemlich schlimme Auswirkungen haben können, weil sie Zellen schädigen, gehören viele Medikamente, Gifte und auch Alkohol. Aber was ist das eigentlich, so eine „Zellschädigung“ und warum ist die blöd? 

Ich versuche es mal mit Duplos zu erklären: 

Stellt euch vor, Ihr wärt jemand, der viel Geld hat und der aus Lego-Duplos zum Kinder bespaßen ein begehbares Haus bauen möchte.  Da dafür ganz viele Duplos benötigt werden, kommt Ihr auf die Idee: „Tolles Zeug, das lasse ich jetzt in Asien als billige Kopie herstellen und dann baue ich damit einen riesengroßes Kinderspielhaus!“. 

Die Leute aus einer Firma dort in Ganzweitweg haben euch ein gutes Angebot gemacht und gesagt, es wäre überhaupt kein Problem, die Steine nachzumachen, sie bräuchten nur von jedem Stein ein Exemplar. Weil ihr nicht selbst nach Asien reisen wollt, nehmt ihr also von jedem Duplostein den ihr braucht ein Exemplar. Das sind 5 verschiedene Steine. Die packt ihr in einen Karton und schickt den mit dem Auftrag „von jedem Stein 5000 Stück in gelb, rot, grün und blau herstellen!“ dort hin.

Nun passiert aber ein Unglück und das Paketauto fängt an zu brennen, in dem Euer Karton transportiert wird. Zum Glück kann es schnell gelöscht werden und viele Pakete sind gar nicht so doll beschädigt. Euer Paket gehört zu denen, die offensichtlich noch mal Glück gehabt haben – es wird im Verteilzentrum noch mal mit Klebeband umwickelt und weitergeschickt.

Drei Wochen später kommt es in Asien in der Firma an und wird dort ausgepackt. Es sind 5 Duplosteine drin und die Anweisung, was zu tun ist. Blöd nur, dass das Feuer im Paketauto die Steine verformt hat! Bei dem einen Stein sind ein paar Noppen verformt, ein Anderer ist an einer Ecke verschmort, den Dritten hat es in die Länge gezogen und nur zwei kurze Steine sind verschont geblieben. Die Leute in der Fabrik denken, die Steine müssten alle so aussehen und fangen an, sie genau so nachzubauen. Denn genau das steht ja in der Anweisung von euch!

Eine Woche später gehen zwei Paletten mit mehreren Kisten der nachgebauten Duplosteine in Asien auf die Reise zu euch. Ihr habt eine Nachricht bekommen, dass der Auftrag erledigt und verschickt worden ist und freut euch jetzt darauf, ein riesiges Haus daraus bauen zu können, wenn die Lieferung endlich da ist. Dann kommt sie an, ihr reißt den Karton auf – und seht tausende von verformten Duplostein-Kopien! Der Versuch, damit etwas wie vorgehabt zu bauen, geht schief und ihr habt nur Wände mit Brüchen und Löchern, wenn denn überhaupt etwas zusammenpasst.

Eigentlich geht genau so Zellschädigung. In einer Zelle geht die DNA zum Teil kaputt – also die wichtigen Informationen – und wenn diese Zelle sich teilt, gibt die in jeder Zelle nur die defekten Infos weiter. Diese Zellen teilen sich auch – und können nur das weitergeben, was sie selbst haben: kaputte Infos. 


Aus Zellen, die nur kaputte Informationen haben und weitergeben, kann nichts wachsen, was gesund und normal ist! Je früher in der Entwicklung des Kindes eine Zelle geschädigt wird, desto häufiger wird sich diese Zelle mit ihrer Schädigung teilen und desto größer wird später das Ausmaß der Behinderung des Kindes werden. Dann heißt es in manchen Zellen vielleicht: „Wir sind Zellen der Nieren und unsere Eigenschaft, Giftstoffe zu filtern ist kaputt!“, oder es heißt: „Wir sind Zellen, die das Gesicht bilden – und unsere Information, wie ein Gesicht eigentlich aussehen sollte, sind kaputt, also bauen wir es nur so auf, wie wir es können!“

In Paaren-Glien hat Mäc ein originalgroßes Kuhmodell gesehen...
Nun sollte man nicht denken: „Okay, also wenn das Kind im Bauch 7 oder 8 Monate alt ist, kann ich Alkohol trinken und nix passiert, weil das Kind dann ja schon fast fertig ist!“ - das stimmt so nicht. Denn das Kind hat dann zwar einen ziemlich fertigen Körper – aber das Gehirn wächst ja noch! Dort teilen sich noch Millionen von Zellen und bilden wichtige Grundlagen! Wenn sich dort vor allem Zellen teilen, deren DNS kaputt ist und so wichtige Informationen eben nicht geteilt werden, ist das halt dann ziemlich bescheuert, weil es eine geistige Behinderung nach sich zieht.

Das Leben mit einem behinderten Kind ist selten das Leben mit Kind, welches man sich in der Schwangerschaft so überlegt hat. Es ist oft anstrengend – auch wenn es durchaus richtig toll sein kann. Aber das es oft einfach unglaublich anstrengend ist, wird so dermaßen normal (wenn man sich halt als Eltern Mühe gibt, es gut zu meistern), dass man kaum mitbekommt, wie man nach und nach ausbrennt. Da, wo andere Kinder schon längst selbstständiger sind, brauchen viele behinderte Kinder noch einen großen Betreuungsaufwand. Da, wo andere Familien problemlos etwas unternehmen können, taucht mit einem behinderten Kind oft die Frage auf: „Ist das für uns überhaupt machbar?“.

Mehr über FAS findet ihr z. B. HIER oder HIER (Erklärvideo)

Deshalb... TRINKT KEINEN ALKOHOL in der Schwangerschaft. Und macht euch auch nie über Menschen lustig, die keinen wollen oder versucht sie zu überreden oder zu täuschen. Egal ob die schwanger sind oder eben nicht, ob Mann, Frau, Diverse, jung oder älter.

Ihr möchtet ja auch in den wenigsten Fällen Haschkekse oder LSD untergeschoben bekommen, weil das „lustig macht“ oder jemand findet "stell dich nicht so an, ist doch gar nichts bei" - oder?




Dienstag, 25. September 2018

Giraffnili, Rattatatte, Brutzel und Uffwuff


Oh man, fast einen Monat nichts mehr gebloggt. Dann wird es ja Zeit! Nun also... 

Wir können auch auf Bäumen herumklettern!
Die Filzerei hat im Moment relativ hohe Priorität und es sind weitere ganz wundervolle Sachen entstanden. Mit Namen: Herr Jenfeld, Giraffnili, Rattatatte, Brutzel und Uffwuff. Herr Jenfeld ist ein alter, mürrischer Motzkopp. Eigentlich kennt irgendwie fast jeder einen „Herrn Jenfeld“. Meiner hat schon ein Bein durch seine Qualmerei verloren, das andere ist auch schon ein ziemlich braunes Raucherbein, dass langsam abfault. Er hat etwas Übergewicht, bläulich-verwaschene Augen, graue Haare, einen kleinen Penis, Nikotinflecken auf den Händen – und trägt den ganzen Tag seinen Bademantel und am verbliebenen Fuß eine Asilette. Eben so ein richter klassischer Klischee-Motzkopp. Damit Herr Jenfeld etwas „jugendfreier“ ist, hat er eine Feinripp-Unterhose mit Eingriff genäht bekommen.
Herr Jenfeld. 
Aber irgendwie habe ich den Dreh zu dem, was ich eigentlich gerne machen wollte, nach Herrn Jenfeld immer noch nicht bekommen. Hier liegt jetzt so eine halbe Puppe mit Skoliose herum, der noch Hände und Unterschenkel fehlen. Denn als sie in dem Stadium war, hatte ich irgendwie von solchen Figuren etwas die Nase voll. Es folgte ein Versuch, Nadelfilzen mit Nassfilzen zu verbinden und Handpuppen herzustellen. Das hatte ich schon versucht und das war damals eher ein Desaster. Aber diesmal. Diesmal lag ein relativ großes Nilpferd vor mir, das ja auch „irgendwie etwas haben sollte“. Es hat sich dann ergeben, dass dieses Nili eine Hasen... ach, soll man ja nicht mehr sagen... eine Kiefer-Gaumen-Spalte bekommen hat. Als es fertig trockengefilzt war, habe ich es dann eingeseift und nass gefilzt. Das dauert ungefähr eine Stunde und ist partiell ziemlich anstrengend. Dann schrumpfen die Fasern noch mehr zusammen und die Figur wird einfach auch unempfindlicher.
Giraffnili VOR dem Nassfilzen...

Tja. Nassfilzen verändert eine Figur aber auch ziemlich – und so ist aus dem Nili ein Giraffnili geworden. Außerdem ist es ziemlich geschrumpft und zwar total niedlich, aber zum Spielen als Handpuppe nichts für Leute mit großen Händen.

Giraffnili NACH dem Nassfilzen

Auf Giraffnili folgte Rattatatte. Was es letztlich wird, welches Handicap es bekommt und wie es heißt entwickelt sich während des Filzens der Figur. Das dauert ja auch lange genug – allein mit dem Trockenfilzen einer Figur bin ich rund 6 – 8 Stunden beschäftigt. Immer wieder wird kontrolliert, ob es überall dick genug ist, ob die Proportionen stimmen – und zu der Filzzeit kommt dann ja noch das „okay, du hast also (xyz), also gucke ich mal, was das genauer ist, welche Auswirkungen das hat und wie das ggf. genauer aussieht. Das ist bei Rattatatte weggefallen, die hat ein kaputtes Ohr und große, schiefe Zähne. 

Au man, wäre ich eine Stadtratte, wäre das genau mein Revier.... (Rathaus A, Neuruppin)
Aber ihr Nachfolger ist Brutzel, ein Schweinchen mit Brandverletzungen – und da habe ich mich nicht nur an Paulinchen e. V. Erinnert, ein Verein für Eltern mit Kindern, die Verbrennungen und Verbrühungen erlitten haben, sondern ungefähr eine halbe Stunde lang dann auch Fotos zu Brandverletzungen angeschaut. Danach war mir total schlecht... aber Brutzel ist ziemlich gut geworden. Es bekommt noch eine Kompressionsjacke genäht, denn Brandverletzte müssen 1 – 2 Jahre lang rund 24 Stunden am Tag spezielle Kompressionsanzüge tragen, nachdem die Wunden verheilt sind, damit die Narben nicht wuchern und die Haut an den Stellen weich bleibt. Das ist bestimmt wahnsinnig anstrengend auf Dauer. Brutzel ist auch gut für größere Hände, weil ich eine ganz neue Vorlage zum Umfilzen gemacht habe.

Wuhuuuu, RATHAUSFILZ in Neuruppin! 
Nach Brutzel ist dann Uffwuff entstanden. Uffwuff ist ein herzkranker Hund. Deshalb auch Uff-Wuff. Weil er einfach schnell erschöpft ist. Wie oft bei Menschen mit Herzerkrankung sind die Extremitäten schlechter durchblutet und etwas blau, ebenso gibt es blaue Augenringe. Das Herz wurde zwar erst vorgefilzt und dann eingefilzt und solange es trocken gefilzt war, was auch alles paletti – aber das Nassfilzen hat es ein bisschen verändert. Wieder etwas gelernt. Wobei es nicht schlimm ist, denn ein richtiges Herz sieht ja nicht so aus wie das symbolische Herz – und mittlerweile ziert auch eine Narbe den Herzbereich.

Von Uffwuff muss ich aber erst noch bessere Fotos machen. Ich bin mit dreien unterwegs gewesen um Fotos zu machen - denn die haben ja eine Geschichte. 

Montag, 27. August 2018

Von Mm. Elvira, John Markus Aurelius, Kung-Fu-Katze und Freddy Blue Oyster


Kurz vor dem Urlaub habe ich wieder mit Filzen angefangen. Entsprechend habe ich dann auch Wolle, Nadeln und eine Unterlage mit in den Urlaub genommen, um dort ein paar Figuren zu machen. „Madam Elvira“ ist in Rastede entstanden, wo wir auch ein paar Tage waren und schmückt nun seit dem die Antenne vom Auto. Wurde auch Zeit, dass der Trauerfloor mal weg kommt, der da vorher dran war. Elvira hat mittlerweile über 1000 Kilometer, Regen, Wind und Waschbox hinter sich und hält sich immer noch! 





Seit dem steigt die Zahl der Filzarbeiten stetig und es macht zugegeben auch viel Spaß, mit der Wolle kreativ zu sein und auszuprobieren. Derzeit vermehrt sich meine „Schweinebande“, die meisten von denen haben Puppenstubenfigurengröße. Also rund 12 cm. Dazu kommen auch Figuren mit Behinderung. Denn irgendwie gibt es das zu wenig und es ist natürlich etwas, was mich auch beschäftigt. 





Den Anfang hat „John“ gemacht. John hatte einen Hirntumor und braucht jetzt einen Shunt. Man sieht so ein bisschen den Shuntverlauf vom Schädel bis in den Bauchraum. Außerdem hat er eine Port-/Broviac-Narbe und sein kahler Schädel sieht aus, als ob ein Kaltblut ihm welche verpasst hätte – es ist aber eine recht häufige Narbenform, je nach Hirntumor. Er schielt, was halt auch oft vorkommt wenn man so einen Mist hatte und ist relativ dünn. 




Nach John habe ich einen Rohling umgearbeitet, der im Urlaub entstanden ist. „Kung-Fu-Katze“. Sie ist schwerhörig und hat völlig neue Arme bekommen, damit sie mit ihren Fingern ein paar Gebärden machen kann. Kung-Fu-Katze ist noch nicht fertig, sie bekommt noch Hörgeräte, Augen und Fell.



Dann habe ich einen Grauschimmel gefilzt, der einen Bezug aus Gotlandwolle hat. Die ist absolut der Hammer, voll weich! 
Mittlerweile ist der Schimmel noch mal überarbeitet worden, weil er zusammen mit John einen neuen Besitzer bekommt. Der wollte für John gerne eine Toga haben – und da man mit Toga nicht reiten kann, habe ich ein bisschen länger gesucht, bis ich ein Bild von der Reiterstatue von Markus Aurelius gefunden habe. Das war dann so ein bisschen die Vorlage für die Bekleidung, ein anderes hatte ich vorher gefunden, das eine Vorlage für den Sattel war. 



Einen kleinen Schimmel habe ich auch noch gefilzt, der lässt sich ganz gut biegen, wird aber eher dann zu einem Mobile weiterverarbeitet. Auch wenn man es dem kleinen Schimmelchen nicht ansieht, es sind mindestens 6 Stunden Arbeit gewesen. 


Na ja und dann ist da noch meine Schweinebande, die mittlerweile drei Schweine mit Behinderung beherbergt. Ein Schweinekind mit FAS – das ist das Fetale Alkohol Syndrom, weil die Sau in der Trächtigkeit Alkohol gesoffen hat. FAS gehört mit zu den häufigsten Behinderungen die vorkommen und schon eine kleine Menge Alkohol während der Schwangerschaft kann ziemlich drastische Konsequenzen für das ungeborene Kind haben. Wenn man eine Puppe mit einer Behinderung haben möchte, dann bekommt man in Deutschland entweder eine Stoffpuppe mit Trisomie 21 oder eine Puppe, die im Rollstuhl sitzt – oder eben „Grannyrace“. Das ist mir einfach zu doof gewesen und deshalb habe ich damit angefangen, auch andere Behinderungen irgendwie umzusetzen. Hier hat die Schweinebande gerade das Lego-Quad von Nick gekapert und fährt damit rum. 


Das zweite Schwein mit Behinderung hat einen amputierten Arm. Wäre der auf der anderen Seite, hätte ich meinen „Angelopa“ draus gemacht. Der ist als junger Mann unter die Straßenbahn geraten, die ihm einen Arm abgetrennt hat. Ich kenne ihn nur einarmig – und als jemand, der mit einem Arm sein Leben gut im Griff hatte und leidenschaftlicher Angler und Radfahrer war. So gesehen mein erstes Vorbild was Behinderungen und „geht trotzdem!“ anbelangt! Noch jetzt im Urlaub war Angelopa und seine Urlaube bei uns in der Provinz, wo er an einem Siel stundenlang mit seinem Angelkram ausgesetzt wurde, ein Thema... und es war lustig. Denn er war ein unglaublich erfolgreicher Angler. Der keine Fisch mochte. 


Schwein Nummer drei ist vor zwei Tagen entstanden. Eigentlich sollte es ein reguläres Bentheimer Schwein mit Prothese (weil: “Eisbein ist aus!!!“) werden. Dann hat es unbedingt Freddy Blue Oyster werden wollen. Ich werden das Lied aus der Blue Oyster-Bar  (klick mich, ich bin ein Link) sicherlich noch ein paar Tage lang nicht mehr loswerden! Aber es muss ja nicht jede Figur für Kinder sein. Jedenfalls hat Freddy schon für viel Spaß gesorgt. 


Die Prothese ist mein Erstlingswerk aus Apoxy, einer 2-Komponenten-Modelliermasse, die ansonsten bevorzugt von Leuten benutzt wird, die Modellpferde überarbeiten. Die Rückseite der Prothese sieht leider wie so ein mißglückter Skiunfallgips aus. Übrigens brauche ich hoffentlich NICHT darauf hinweisen, das nicht jedes Schwein einen geringelten Schwanz hat - oder?

Alle Schweine bekommen noch Schweinsäuglein und irgendwann werde ich denen ein paar kleine Sachen nähen. 

Wenn ich übrigens dann mal wieder bei Sitzungen im Rathaus zugucke, werde ich mir selbstverständlich Filzsachen mitnehmen! Denn die kann ich dann als "original Neuruppiner Rathausfilz" anbieten. Mit Beweisfoto auf einem Zertifikat! So als Andenken an zu Hause, wenn man in die Ferne gezogen ist, als Abschiedsgeschenk für Mitarbeiter, die in den Ruhestand oder aus anderen Gründen gehen oder was auch immer. Kommt bestimmt gut an - NICHT?












Montag, 16. Juli 2018

Enddarmausgangskundenkönige

(Wer für das Spiel "bilde aus den Buchstaben eines Wortes möglichst viele neue Wörter!" noch ein gutes Ausgangswort sucht - da oben steht es)



Freitag war ich bei Aldi einkaufen. Eigentlich habe ich mich ja gefreut, dass es dort so unkompliziert ist – aber Freitag war dann die Kategorie „miese Pöbelkunden“ vor Ort. Es ist okay, wenn Leute keine Assistenzhunde kennen. Es ist okay, wenn sie dann fragen, was der Hund im Laden soll. Sie können auch ruhig sagen, dass sie es nicht gut finden. Aber es ist nicht okay, wenn sie pampig werden und dann anfangen, sehr, sehr beleidigend zu werden und andere Kunden aufzuhetzen und nicht mal wissen wollen, warum der Hund da rein darf.

Das geht so gar nicht, es geht mir dann ziemlich schnell ziemlich mies und ich habe ziemlich geheult. Der Mitarbeiter, den ich dann um Hilfe gebeten habe, hat sich dann auch drum gekümmert und mir nachher gesagt, ich soll solchen Leuten ausweichen. Ich überlege, warum ICH eigentlich immer aufgefordert werde, auszuweichen. Ich möchte auch in Ruhe einkaufen, irgendwo dabei sein und was auch immer. Mit Assistenzhund, wenn es eben ohne nicht geht und sehr oft geht es mit Hund. Warum auch nicht? Warum wird nicht den Anderen gesagt, dass sie ausweichen sollen, wenn es sie stört, das Joey an meiner Seite ist?

Für das, was mir diese Pöbelkunden an den Kopf geworfen haben... also ich weiß ja nicht mal, ob der Kerl davon sich nach dem Pinkeln überhaupt die Hände wäscht, wenn er danach Obst und Gemüse im Supermarkt anfasst. Mein Hund fasst nix an. Der leckt auch nichts ab, nimmt nichts ins Maul. Er läuft neben mir und passt auf mich auf.

Wenn ich mich beim Einkaufen dann umgucke, betatschen die Leute Obst und Gemüse mit ihren Fingern. In der Brötchenbackabteilung werden die Brötchen auch ohne Handschuhe angefasst und, das, was zu viel ist oder runterfällt, zurückgelegt. Kindern wird öfters mal irgendwas in den Mund gestopft, damit sie ruhig sind. Im Winter husten viele Menschen – und greifen dann mit ihrer vollgehusteten Hand an die Lebensmittel. Mein – angeblich so dreckiger Köter – tut so etwas nicht. Der geht da gar nicht erst dran. Kinder nehmen sich auch oft mal irgendwas aus dem Regal und laufen damit herum. Und Eltern legen das irgendwo dann wieder hin. Da gibt es Joghurtpackungen zwischen Backmischungen oder Spülmittel – und manchmal werden von Kindern irgendwelche Sachen genommen, angesabbert – und „nein, lass das!“ - das angesabberte Zeugs von Eltern wieder ins Regal gelegt.

Größere Leute nehmen sich auch gerne mal etwas zu trinken aus den Regalen – um es noch im Mark auszutrinken. Manchmal findet man dann in Kassennähe die ausgetrunkenen Flaschen, irgendwo in ein Regal gestopft. Manche Sträuße muss ich bei der Arbeit alleine deshalb abschreiben und in den Container werfen, weil Kunden sich die zwar vorne herausgenommen haben – aber dann im Laden irgendwann dachten: „Ne, will ich doch nicht!“ - und die irgendwo hingelegt haben, wo sie vertrocknen. Zack, sind 4, 5 oder 6 Euro im Müll. Mag sein, dass es Kunden gibt, die denken, sie wären Könige, weil irgendwelche Werbefuzzis das mal groß aufgezogen haben. Aber leider haben die Werbefuzzis vergessen zu sagen, das gute Könige weise und nachsichtig waren, damit das Volk sie gut leiden konnte und sie unterstützte. Enddarmausgangskönige mochte schon von jeher niemand, genauso wie Enddarmausgangskundenkönige.

Ich wünsche den Leuten, die Assistenzhunde als „dreckige Köter“ bezeichnen, dass vor ihnen vielleicht mal ein Bauarbeiter frisch von der Baustelle durch den Laden läuft. Oder jemand frisch vom Acker. Denn im Prinzip könnte ein Mensch frisch aus der Kanalisation durch einen Lebensmittelladen gehen und in Ruhe einkaufen, Waren anfassen etc.. Darüber sollten manche Leute einfach mal nachdenken. Aber die wollen ja nicht mal zuhören oder gar lesen, was auf der Decke von Joey steht.

Was die Beleidigungen gegen mich angeht... wenn ich so recht darüber nachdenke, was solche Leute zum Teil als Beleidigung finden, müssten die eigentlich total einsam sein. Vielleicht sind sie das ja auch und ganz stolze „Städter“ für die jeder, der so etwas nicht ist, das Synonym für „ist einfach nur dumm, doof und kapiert nichts“ ist. Dann wären sie tatsächlich geistig sehr arm und würden auf der anderen Seite auch all diejenigen, die zum Teil ihre Lebensmittel produzieren, ja als „völlig verblödet“ ansehen. Denn das sind ja Leute, die auf einem Dorf leben. Oder noch abgelegener.

Wenn solche Pöbelkunden dann mal über Land fahren, gucken sie sich bestimmt die Gegend an und rufen: „Guck mal, schöne Landschaft – aber so viele verblödete Leute hier, weil hier nur Dörfer sind!“. Ich hoffe, die arbeiten auch nicht mehr irgendwo. Denn dann wären hier ja die Wahrscheinlichkeit groß, dass viele der Kollegen oder gar die Firmenleitung auf einem Dorf wohnen. Und damit in deren Sinne automatisch doof sind und nichts kapieren. 


Auf dem Foto oben seht ihr übrigens den Aldi-Neubau beim Reiz. Der sieht schon richtig gut aus, nur das "wir schließen unsere Filiale voraussichtlich zum Oktober 2018" auf dem Schild irritiert. 







Donnerstag, 12. Juli 2018

Eine Kuh macht muh, viele Kühe machen Mühe

Es hat sich ja einiges Holz bei uns angesammelt, das auf seine Verarbeitung wartet. Dabei waren auch einige ziemlich große Stücke, die erst einmal handlich gesägt werden mussten. Das ist vorgestern dann endlich mal passiert. 

Mit den großen Stücken und Scheiten in der Kiepe bin ich losgewandert und habe es auf handliche Stücke sägen lassen. Aus 5 großen Stücken sind so 25 kleine aus Lindenholz, Kastanie und Birke geworden, die nun nach und nach verarbeitet werden sollen.

Das erste Stück davon ist jetzt fast fertig, es wird noch geölt:



So sah es gestern Abend dann noch aus... und ja, mein Schnitzmesser ist immer noch scharf. Der einhändig zu bedienende Pflasterspender hat sich bewährt. 




So sieht es jetzt aus. Was ich als nächstes schnitze, weiß ich noch nicht, das ergibt sich aus dem Holz und dem, was durch meinen Kopf geistert. Da bin ich selbst gespannt. Aber mein Zimmerfußboden sieht schon wieder gut aus... :-) 

Falls jemand übrigens eine Bandsäge hat, möge er sich melden. Es würde uns die Arbeit erleichtern, wenn die Rohlinge auf einer Bandsäge ausgesägt werden könnten, da die Dekupiersäge bei der Dicke an ihre Grenzen kommt. 


Sonntag, 8. Juli 2018

Steinbunt, weizenblond und lecker quer durchs Land





Nach kornblumenblau dann heute weizenblond. Gestern waren wir in der Forstsiedlung Neuglienicke und haben dort eine Hunderunde bis zur Sielmann-Fläche gemacht - aber weil ab Waldbrandstufe 4 dort vom Betreten abgeraten wird und wir Waldbrandstufe 5 haben, sind wir dann lieber weiter die Waldwege gelaufen.

Was mich irritiert hat - weder in Neuglienicke noch am Eingang zur Heide ist ein Schild mit der Waldbrandstufe aufgestellt. Nicht mal beim Forsthaus. Das verwundert dann doch schon, denn das kommt sonst nicht vor. Jedenfalls nicht bei den Forsthäusern, die wir bislang kennen. Außerdem gibt es in dem ganzen Dorf keinen öffentlichen Mülleimer. Nicht mal an der Bushaltestelle. Dafür, dass es einer der Ausgangspunkte für Wanderungen durch die Kyritz-Ruppiner Heide ist und so viel Werbung von der Sielmann-Stiftung läuft ist das schon irgendwie ziemlich beschämend.

Wir kommen in letzter Zeit echt viel herum, ich fühle mich schon fast wie so ein Politiker auf Sommertour… nur dass wir verschiedene Orte abklappern ohne Selfies mit irgendwelchen Leuten zu machen. Vor ein paar Wochen waren wir z. B. in Alt Daber und haben uns den Findlingsgarten dort angeschaut, der auch zum "Geopark Eiszeit" gehört. In dem Findlingsgarten werden verschiedene Steinsorten vorgestellt, ihre Eigenheiten, Entstehung und Herkunft. So gibt es z. B. Steine, die durch die Eiszeit aus Skandinavien hierher geschlurrt worden sind. Andere sind aus verschiedenen Steinen zusammengepresst, wieder andere entstanden dadurch, dass sie aus tiefen Erdschichten nach oben befördert wurden.

Alles das wird in Alt Daber im Findlingsgarten total gut erklärt. Auch, dass man über "Zeugen der Eiszeit" läuft, wenn man hier in der Region unterwegs ist. Daran musste ich gestern denken, als wir in Neuglienicke auf den Wegen unterwegs waren, die mit "den Zeugen der Eiszeit" gepflastert wurden. Genau wie manche Straßen hier in der Stadt. Der Unterschied ist - hier in der Stadt sind viele Steine schon sehr abgeschliffen und die Straßen aus den Steinen in einem schlechten Zustand. Dort auf dem Land sieht man viel mehr die große Vielfalt und auch die Schönheit der ganz unterschiedlichen Steine.

Gestern haben wir dann große Zapfen gesehen, die bei der Wärme weit geöffnet sind und ihre Samen rausfallen lassen. Ein paar der großen Zapfen habe ich dann mitgenommen, weil sie einfach sehr schön aussehen. Dann haben wir noch Binsen gefunden - leider habe ich vergessen, die paar Binsen dann zu Hause gleich in ein Wassergefäß zu stellen. Denn damit wollten wir ein Experiment machen, das mit trockenen Binsen nicht funktioniert. Heute ausprobiert.

Ein Exemplar von zwei zu dicht wachsenden Minitannen auf dem Weg musste dann auch dran glauben. Tännchen war nur etwas über eine handbreit hoch und jetzt kann das zweite Tännchen besser wachsen. Das andere ist heute im Kochtopf gelandet. Zusammen mit ein paar anderen Sachen - und ja, es schmeckt ganz wunderbar. Leider ist das Gelee nicht fest geworden, aber für Joghurt und Quark habe ich jetzt ein absolut hammerleckeres Süßungsmittel.

Hatte ich geschrieben, dass wir auf Juniors Wunsch hin vor einiger Zeit Brennesselchips ausprobiert haben? Nein? Auch lecker. Pflücken, waschen, im Küchentuch rumrollen bis sie trocken sind und im heißen Fett ausbacken. Vorsicht, die Dinger werden bröselig - und nein, wenn die gewälzt und in der Pfanne sind, dann brennen die nicht mehr. Nur noch ab, wenn das Fett in der Pfanne zu heiß wird.

Heute waren wir dann erst einmal das Auto von dem ganzen veganen "Fixogum" befreien. Es ist ja schön, wenn wir die Landkarten auf dem Auto ausbreiten können und die nicht gleich wegfliegt, weil sie haften bleibt. Aber wenn man dann vor lauter Baumkleber langsam nichts mehr sieht, ist das schon doof. Danach sind wir über Stöffin nach Protzen gefahren und haben dort unsere Hunderunde gemacht. Auf dem Weg dahin ist dann das Foto von den endlos erscheinenden Getreidefeldern entstanden.

Leider musste ich Joey auf dem Weg dann irgendwann anleinen. Der ist so durstig geworden, der wäre voll ins Siel mit Entengrütze geklettert. Das wollte ich halt nicht. Nachdem er dann das Wasser am Auto aus der Flasche (Leitungswasser...) verschmäht hat, haben wir auf dem Rückweg an einem Friedhof angehalten. Der Hund hat so derbe gehechelt, dass ich dachte, der kippt mir um. Friedhöfe sind immer gut, weil es dort im Sommer irgendwo einen Wasserhahn gibt - und als ich dann noch ein Schälchen aus dem Auto gekramt habe, war Joeys Glück so ziemlich perfekt für den Augenblick.