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Montag, 15. Februar 2021

Vom Guten Heinrich, Goldforellen, bunten Beten und hohen Beeten.

"Guter Heinrich" Bild: Thomé, Flora von Deutschland, 1885

 

Während draußen – 7 Grad sind, beschäftigen wir uns drinnen mit unserem Garten.

Wir haben Hochbeete geplant und gestern sind die Rahmen dafür gekommen. Die beiden größeren Beete werden 80 x 120 cm groß. Damit das Holz länger hält, werden die Rahmen mit Bootslack gestrichen. Von innen kommt Noppenfolie dagegen, damit das Holz nicht direkt mit der Erde in Berührung kommt. Weil ein Hochbeet kuschelig warm werden kann, kommt auf den Boden Wühlmausgitter. Das ist schließlich für unsere Ernährung gedacht und kein Wellness-Hotel für Wühlmäuse! Gegen Schnecken kommt ein breites Kupferband um die Kisten.

Die Hochbeete werden etwa 60 cm hoch, jeder Rahmen ist knapp 20 cm hoch und unten kommt noch eine Reihe Steine hin, damit das Holz nicht direkt auf dem Boden liegt. Man sollte in der Schule bei Mathe auch deshalb aufpassen, weil es zwar irgendwie nach wenig klingt, wenn man sagt „das Hochbeet wird 120 cm lang und 80 cm breit und etwa 60 cm hoch!“. Bis man ausrechnet, wieviel Füllmaterial dafür tatsächlich gebraucht wird!

Famila hatte Folienfrühbeete. Sehr einfach und sehr günstig und genau in der Rahmengröße. Davon haben wir dann auch zwei Stück, weil wir so die Aussaat früher machen und bis in den Winter hinein ernten können.

Wer mit Hochbeeten selbst anbauen möchte, wird feststellen, dass es sich von der finanziellen Seite her oft nur bedingt lohnt. Also dann, wenn es nicht unbedingt nach verwilderter Müllhalde aussehen soll. Jeder Supermarkt bietet deutlich günstiger fast alles an, was wir anbauen wollen, wenn die Baukosten mit einberechnet werden. Aber es lohnt sich von der „Erlebnisseite“ her. Von dem „das haben WIR gemacht!“ und von dem „DAS können wir!“.

Andere machen für das Geld, das wir in die Hochbeete investieren, eine Woche all-inclusive-Urlaub irgendwo an einem Strand in einem Betonklotz mit 3000 anderen Leuten. Wobei das ja ohnenhin dieses Jahr für viele Menschen wegfällt, da wir eine Naturkatastrophe mit Namen Corona haben und jeden Tag deutschlandweit im Prinzip ein Dorf stirbt oder ein bis zwei Flugzeuge abstürzen. Aber letztlich sorgt gerade Corona auch für einen enormen Auftrieb beim eigenen Anbau von Obst und Gemüse. Denn nicht nur, dass man beschäftigt ist, sondern man muss auch ein bisschen weniger einkaufen gehen und sich der Ansteckungsgefahr aussetzen, wenn alles angewachsen ist. Wer einen Garten hat, besitzt damit sein eigenes Refugium in dem er ausreichend Abstand zu anderen Menschen wahren kann.

Wir haben die Hochbeete. Im Garten. Den wir für uns alleine haben. Die Sonne scheint auch hier – und wir haben natürlich noch etwas: Wenn alles klappt, haben wir einige ganz alte Gemüsesorten, die man eben nicht im Supermarkt bekommt. Weil die sich für konventiolle Landwirtschaft nicht lohnen, aber sicherlich eine Entdeckung wert sind.

Wir haben dann das, was vielleicht Großeltern und Urgroßeltern noch kannten und schätzten: Guter Heinrich, Melde, Kerbelkraut und marmorierte Kartoffeln, Zuckererbsen direkt vom Strauch, Tomaten, die Wind und Wetter erlebt haben und lila Möhren direkt aus dem Beet, die nicht schon nach wenigen Tagen verschimmelter Matsch sind. Sogar Fische können wir anbauen: Goldforelle! Die schwimmt aber nicht, sondern ist eine alte Salatsorte die eine tolle Färbung hat. 

Darauf freue ich mich!











Dienstag, 3. Dezember 2019

Nick bloggt: über Milch.


Letztens habe ich euch vom Käse machen geschrieben. An einem Tag haben über 50 Leute den Bericht gelesen! Das finde ich richtig toll. Heute geht es um die Milch.

Milch ist die erste Nahrung, die Menschen- und Säugetierbabys bekommen. Säugetiere sind zum Beispiel Kühe, Schafe, Hunde, Katzen oder Elefanten. In den Körpern von Menschen und diesen Tieren wird Milch mit Milchdrüsen gebildet, die in Brüsten, Zitzen, Eutern oder Gesäuge enden. Je nach Lebewesen. 


Für längere Zeit können Babys gar nichts Anderes zu sich nehmen. Sonst würden sie verhungern, da sie nicht ausreichend Nährstoffe bekommen bzw. schwer krank werden, weil sie etwas anderes noch nicht vertragen. Die Erstmilch (Colostrum) von Kühen enthält wichtige Immunstoffe (Abgekürzt IgF ) für das Kalb. Diese Milch landet nicht im normalen Milchtank für die Molkerei.

Neugeborene Kälber haben kein Immunsystem. Das bedeutet, sie haben keine gute Abwehr gegen Krankheiten und Infektionen. Sie bekommen ihre Abwehrstoffe durch die erst milch der Mutterkuh. Kälber müssen in den ersten 2-3 Stunden nach der Geburt 3 Liter dieser Biestmilch trinken um ein Immunsystem aufbauen zu können. Danach verlieren sie mehr und mehr die Eigenschaft, die wichtigen Immunstoffe aus der Milch aufnehmen zu können. Deshalb bleiben neugeborene Kälber in Milchviehbetrieben auch für 10-14 Tage alleine in einem Kälberiglu oder so. Sie können andere Kälber zwar sehen und riechen und hören und auch Kontakt aufnehmen, aber nicht direkt hin. Die Aufzucht von Kälbern bis zum 6. Monat ist in der Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung geregelt.


Da jede Herde ihren eigenen „Abwehrstoffemix“ hat, ist es sehr wichtig, dass Kälber die Biestmilch der Mutterkuh bekommen. Viele Höfe frieren auch Biestmilch ein, um sie bei Bedarf an Kälber zu verfüttern, wo die Mutterkuh nicht genügend Erstmilch produziert.

In Heilbrunn ist es anders. Wir haben keine Milchkühe, sondern Fleischrinder. Die Kälber laufen bei uns von Anfang an mit ihrer Mama. 




Die Gitter im Hintergrund begrenzen übrigens das "Kälberkinderzimmer". Das ist ein Bereich, wo zwar die Kälber rein können, aber die Kühe nicht. In Heilbrunn kann es übrigens passieren, dass die Leute morgens in den Stall kommen und so ein kleines Kalb dann durch den Stall marschiert und die Welt entdeckt, weil es durch die Gitter vorne passt.

Da Milch ein sehr umfangreiches Thema ist, haben wir mit den Grundlagen angefangen, es gab einen Lückentext, einige Fragen und zum Schluss wurde alles für den Blog passend umgetextet und Nick hat heute Fotos im Stall gemacht. Es gibt also noch einige Fortsetzungen zu dem Thema. 

Wusstet Ihr übrigens, dass Hamsterweibchen bis zu 18 (!!!!) Zitzen haben können? 


Freitag, 22. November 2019

Nick bloggt: Käse selbst machen

Ab und an werdet ihr hier nun Blogartikel von Nick finden. Nick arbeitet seit Sommer auf dem Bauernhof der Stephanus-Stiftung  in Heilbrunn. Da er noch viel rund um Landwirtschaft lernen möchte, bloggt er ab jetzt ab und zu über landwirtschaftliche Themen und Sachen, die damit zu tun haben. Denn dadurch lernt er eine ganze Menge. Nicht nur über die Themen, sondern er übt dabei auch lesen, Leseverständnis und schreiben. Wir hoffen, ihr lernt dann ab und zu auch noch etwas dazu!


Die Heumilchtankstelle in Gottberg


Wir haben angefangen, Käse selber zu machen.

Dafür brauchen wir:

Milch
Calciumchlorid
Me-Kultur (Milchsäurebakterien)
Lab
Salz Jodfrei


Zum Käsen benutzen wir zwei verschiedene Milchsorten:





H-Milch, länger haltbare Frischmilch (ESL-Milch) und homogenisierte Milch lassen sich nicht zu Käse verarbeiten.
Der Milchautomat. Man kann eigene Flaschen mitbringen oder dort welche kaufen


Meistens brauchen wir 3 Liter Milch. Die kommt in einen Topf und wird auf 37 erwärmt. Rohmilch wird vorher pasteurisiert. Beim Pasteurisieren wird Rohmilch für 20 Sekunden auf 75 Grad erwärmt. Dadurch werden Keime abgetötet. 



Wenn die Milch 37 Grad hat, kommt Calciumchlorid in die Milch. Das sorgt dafür, dass der Käsebruch fester wird. Ebenso kommen Starterkulturen in die Milch. Das sind Milchsäurebakterien . Zusammen mit dem Lab sorgen sie dafür, dass sich die festen Milchbestandteile zusammenpappen und Käsebruch entsteht. Damit das in Ruhe passieren kann, lassen wir die Milch 30 Minuten ruhig stehen. Dann ist die Gallerte entstanden. Die festen Bestandteile der Milch haben sich von der Molke getrennt. Meine Aufgabe ist es, den Bruch zu schneiden. Ich schneide dazu die Gallerte in Würfel.



Dann lassen wir die Masse wieder 30 Minuten ruhen, damit sich noch mehr Molke bilden kann. Später wird umgerührt bis nur noch kleine Stücke Käsebruch vorhanden sind. Den zerkleinerten Bruch schöpfen wir dann in eine Käseform . Die Molke fangen wir auf. Man kann sie trinken oder verbacken oder ins Badewasser tun. Auf die Käseform kommt ein Pressdeckel. Dann stellen wir ein Wasserglas darauf. 



Der Käse wird gepresst und in den ersten Stunden öfters gewendet. Dadurch fließt noch viel mehr Molke aus dem Käse. Nach 90 Minuten kommt der Käse in den Kühlschrank. Die Kälte stoppt die Säuerung. Auch jetzt wird der Käse noch ab und zu gewendet . Am nächsten Tag ist der Käse fertig gepresst. Er wird in Scheiben geschnitten und für etwa 10 Minuten in heißes Wasser gelegt. Danach wird er in kaltem Wasser schnell abgekühlt. Als Pfannen- und Grillkäse ist er jetzt fertig. 



Ich finde ihn lecker






Wie hat Nick (der auf einer Förderschule für geistige Entwicklung war und viele Dinge dort nicht lernen durfte) den Text hinbekommen? Nachdem klar war, dass er über unsere Käserei bloggt, habe ich für ihn einen Lückentext erstellt. Die Antworten hat er sich aus dem Käsereibuch gesucht, die in der Tabelle von den Internetseiten beider Betriebe und bei Hemme-Milch von einer Milchverpackung. Er hat ein paar Tage für alles gebraucht - aber dabei hat er noch viel mehr gelernt: Warum man fürs Käsen jodfreies Salz braucht, ein bisschen was über Chemie (das hatte er in der Schule nicht), wie Lab und Milchsäurebakterien funktionieren, was es mit den Schimmelkäsen auf sich hat und so weiter. Übrigens haben Bauernhöfe mit Flächen in Landschaftsschutzgebieten / Biosphärenreservaten besondere Auflagen. Deshalb ist Hemme zwar konventionell aber... 



Sonntag, 8. Juli 2018

Steinbunt, weizenblond und lecker quer durchs Land





Nach kornblumenblau dann heute weizenblond. Gestern waren wir in der Forstsiedlung Neuglienicke und haben dort eine Hunderunde bis zur Sielmann-Fläche gemacht - aber weil ab Waldbrandstufe 4 dort vom Betreten abgeraten wird und wir Waldbrandstufe 5 haben, sind wir dann lieber weiter die Waldwege gelaufen.

Was mich irritiert hat - weder in Neuglienicke noch am Eingang zur Heide ist ein Schild mit der Waldbrandstufe aufgestellt. Nicht mal beim Forsthaus. Das verwundert dann doch schon, denn das kommt sonst nicht vor. Jedenfalls nicht bei den Forsthäusern, die wir bislang kennen. Außerdem gibt es in dem ganzen Dorf keinen öffentlichen Mülleimer. Nicht mal an der Bushaltestelle. Dafür, dass es einer der Ausgangspunkte für Wanderungen durch die Kyritz-Ruppiner Heide ist und so viel Werbung von der Sielmann-Stiftung läuft ist das schon irgendwie ziemlich beschämend.

Wir kommen in letzter Zeit echt viel herum, ich fühle mich schon fast wie so ein Politiker auf Sommertour… nur dass wir verschiedene Orte abklappern ohne Selfies mit irgendwelchen Leuten zu machen. Vor ein paar Wochen waren wir z. B. in Alt Daber und haben uns den Findlingsgarten dort angeschaut, der auch zum "Geopark Eiszeit" gehört. In dem Findlingsgarten werden verschiedene Steinsorten vorgestellt, ihre Eigenheiten, Entstehung und Herkunft. So gibt es z. B. Steine, die durch die Eiszeit aus Skandinavien hierher geschlurrt worden sind. Andere sind aus verschiedenen Steinen zusammengepresst, wieder andere entstanden dadurch, dass sie aus tiefen Erdschichten nach oben befördert wurden.

Alles das wird in Alt Daber im Findlingsgarten total gut erklärt. Auch, dass man über "Zeugen der Eiszeit" läuft, wenn man hier in der Region unterwegs ist. Daran musste ich gestern denken, als wir in Neuglienicke auf den Wegen unterwegs waren, die mit "den Zeugen der Eiszeit" gepflastert wurden. Genau wie manche Straßen hier in der Stadt. Der Unterschied ist - hier in der Stadt sind viele Steine schon sehr abgeschliffen und die Straßen aus den Steinen in einem schlechten Zustand. Dort auf dem Land sieht man viel mehr die große Vielfalt und auch die Schönheit der ganz unterschiedlichen Steine.

Gestern haben wir dann große Zapfen gesehen, die bei der Wärme weit geöffnet sind und ihre Samen rausfallen lassen. Ein paar der großen Zapfen habe ich dann mitgenommen, weil sie einfach sehr schön aussehen. Dann haben wir noch Binsen gefunden - leider habe ich vergessen, die paar Binsen dann zu Hause gleich in ein Wassergefäß zu stellen. Denn damit wollten wir ein Experiment machen, das mit trockenen Binsen nicht funktioniert. Heute ausprobiert.

Ein Exemplar von zwei zu dicht wachsenden Minitannen auf dem Weg musste dann auch dran glauben. Tännchen war nur etwas über eine handbreit hoch und jetzt kann das zweite Tännchen besser wachsen. Das andere ist heute im Kochtopf gelandet. Zusammen mit ein paar anderen Sachen - und ja, es schmeckt ganz wunderbar. Leider ist das Gelee nicht fest geworden, aber für Joghurt und Quark habe ich jetzt ein absolut hammerleckeres Süßungsmittel.

Hatte ich geschrieben, dass wir auf Juniors Wunsch hin vor einiger Zeit Brennesselchips ausprobiert haben? Nein? Auch lecker. Pflücken, waschen, im Küchentuch rumrollen bis sie trocken sind und im heißen Fett ausbacken. Vorsicht, die Dinger werden bröselig - und nein, wenn die gewälzt und in der Pfanne sind, dann brennen die nicht mehr. Nur noch ab, wenn das Fett in der Pfanne zu heiß wird.

Heute waren wir dann erst einmal das Auto von dem ganzen veganen "Fixogum" befreien. Es ist ja schön, wenn wir die Landkarten auf dem Auto ausbreiten können und die nicht gleich wegfliegt, weil sie haften bleibt. Aber wenn man dann vor lauter Baumkleber langsam nichts mehr sieht, ist das schon doof. Danach sind wir über Stöffin nach Protzen gefahren und haben dort unsere Hunderunde gemacht. Auf dem Weg dahin ist dann das Foto von den endlos erscheinenden Getreidefeldern entstanden.

Leider musste ich Joey auf dem Weg dann irgendwann anleinen. Der ist so durstig geworden, der wäre voll ins Siel mit Entengrütze geklettert. Das wollte ich halt nicht. Nachdem er dann das Wasser am Auto aus der Flasche (Leitungswasser...) verschmäht hat, haben wir auf dem Rückweg an einem Friedhof angehalten. Der Hund hat so derbe gehechelt, dass ich dachte, der kippt mir um. Friedhöfe sind immer gut, weil es dort im Sommer irgendwo einen Wasserhahn gibt - und als ich dann noch ein Schälchen aus dem Auto gekramt habe, war Joeys Glück so ziemlich perfekt für den Augenblick.
























Samstag, 11. November 2017

Bratwurst a la Ryan-Air

Heute war bei uns Bratwurst-Tag.  Schon letztens haben Joey und ich eine Bratwurst vom Martinimarkt geholt. Das war nach dem Kulturbeirat und die war für Nick. Nick isst nämlich total gerne Bratwurst. 

Während des Essens hat er dann erzählt, dass manche sich darüber aufgeregt haben, wie teuer die Bratwurst auf dem Markt ist. Mir ist eher aufgefallen, dass er zwar so einen halben Meter Bratwurst hat, die aber ganz schön dünn ist. Also irgendwie da auch eher Augenwischerei ist.



Deshalb haben wir gesagt, wir machen einen Bratwurst-Test. Nach Masse und nicht nach Geschmack. Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden. Wir sind dann losgezogen um an verschiedenen Ständen Wurst zu kaufen. Hinten beim Riesenrad haben wir eine Thüringer im Brötchen geholt. Dann sind wir Richtung Braschplatz gelaufen.

Dort ist etwa beim Brauhaus auch eine Bude gewesen, da gibt es Currywurst und eigentlich wollte ich da eine holen. Bis ich gesehen habe, dass auf dem Schild unter Currywurst 6 Euro steht. Nun ja, das muss ja nicht sein.

Also haben wir an der Ecke einen halben Meter Bratwurst im Baguette geholt. Dann sind wir noch über den Braschplatz gelaufen um hinten in der Ecke "fast einen halben Meter Bratwurst im Baguette" zu kaufen. 

Alle Würste haben wir uns zum Mitnehmen einpacken lassen und in eine Isoliertasche gepackt, damit die nicht ganz auskühlen. Zu Hause haben wir die dann gewogen. 

Die Thüringer Bratwurst hinten beim Riesenrad hat 3 Euro gekostet. Thüringer sind etwas größer als normale Bratwürste. Diese hatte ein Gewicht von 101 Gramm. 

Die Halbmeter-Bratwurst von der Kreuzung bei Il Gelato hat 4 Euro gekostet. Die war 132 Gramm schwer. Also 31 Gramm mehr als die Thüringer. 

Die Fasteinenhalbenmeter-Bratwurst hinten vom Markt hat 3 Euro gekostet. Die war 110 Gramm schwer. 

Im Normalfall sollte eine normale Rostbratwurst vor dem Grillen 100 g wiegen (Quelle: Wikipedia). Die käsigeren dünnen einfachen Bratwürste sollten zwischen 80 - 100 g wiegen. Das Gewicht ist nicht genormt festgelegt. Deshalb ist es zwar irgendwie ganz nett, wenn man "einen halben Meter Bratwurst" bekommt - aber letztlich hat man dafür nicht  doppelt so viel Bratwurst. Es ist nur etwa 10 - 30 % mehr. Und ein längeres Brötchen,von dem oft genug ziemlich viel im Müll landet. 

Von der Menge her die günstigste Bratwurst war die hinten vom Braschplatz. Die war übrigens auch vom Geschmack her für mich auf dem ersten Platz. 

Natürlich kann man sagen, das ist alles sowieso Quatsch und wir würden spinnen, so einen "Bratwursttest" zu machen. Aber der hat einen ganz bestimmten Lerneffekt. Man kann nämlich über den Markt gehen und sich aufregen, dass alles so teuer ist. Und vergessen, dass ein Jahrmarkt nun einmal kein Discounter ist. Dass auf dem Markt oft genug enorme Standgebühren, der Wagen, die Ware, das Verbrauchsmaterial etc. bezahlt werden müssen. Man muss das Personal bezahlen und viele Versicherungen. Deshalb ist die rohe Bratwurst im 10er-Pack vom Discounter billiger als die gebratene auf dem Jahrmarkt. 

Würde man aber umgekehrt alle Kosten, die bei einem selbst anfallen bis man die Bratwurst vom Discounter fertig vor sich auf dem Teller hat (und bis der Teller wieder abgewaschen ist) dazu rechnen und für sich selbst einen Stundenlohn veranschlagen, dann sähe das auch schon etwas anders aus. Dann wäre so eine Wurst vom Discounter plötzlich verdammt teuer. 

Wir haben mit dem Test also vor allem ganz konkrete Fakten gesammelt: Wie teuer sind die verschiedenen Würste und wie schwer sind die. Das sind ganz konkrete Dinge und nicht nur so ein "alles viel zu teuer"-Gerede. Genau diese ganz konkreten Dinge zu vergleichen ist im Leben immer wieder wichtig. Denn nur so kann man sich wirklich eine Meinung bilden. 

Wenn man dann noch die Daten alle auf ein Papier schreibt, kann man sogar noch Rechnen üben. Dreisatz zum Beispiel. Mit Dreisatz ausrechnen, was jeweils 100 Gramm Wurst kosten wäre die genauere und richtigere Methode. Da ich nach der Tour über den Markt dafür aber im Kopf keine Kapazitäten mehr frei hatte, habe ich die Proletenversion für Fluggepäck genommen: 132 Gramm Bratwurst kosten 4 Euro, 110 Gramm 3 Euro. Also kostet das "Übergewicht" von 22 Gramm Wurst 1 Euro.

Ich könnte glatt bei Ryan-Air am Gepäckschalter anfangen! 






Dienstag, 24. Oktober 2017

Unterwegs: Kremmen und Kranichtourismus in Linum


Ein Auto ist toll. Man kann sich hineinsetzen und so weit weg fahren, wie man ohne Auto sonst nie gekommen ist. Entsprechend sind wir im Moment viel unterwegs, weil wir einfach auch Nachholbedarf an Gegend erkunden haben.

Wir waren zum Beispiel in Kremmen – okay, da hält auch ein Zug und da waren wir schon mal mit dem Zug. Aber deshalb wusste ich, dort gibt es ein tolle Cafe. Die „Alte Lebkuchenfabrik“. Also sind wir einen Sonntag nach Kremmen gefahren und mussten dann wenigstens nicht ganz so weit vom Bahnhof aus laufen und konnten auch ein paar andere Eindrücke von Kremmen gewinnen. 



Aber interessant war auch die Strecke dort hin, weil wir zwei Hunde dabei hatten und die ja auch mal ein bisschen laufen sollten. Also hieß es „da nach der Kurve ist eine große Wiese, da können die laufen!“. Gut, die Wiese war groß und lag zwischen Wald und Maisfeld, die Hunde haben sich die Beine vertreten und dann ging es los mit „oh, ein Butterpilz!“. Das „kurz die Beine vertreten“ hat dann etwas länger gedauert, weil wir so viele Pilze gefunden haben. Joey hat mitbekommen „Ah, es geht in ein Cafe! Eben noch schick machen!“ - und zack, lag er in einer Pfütze. Und sah seiner Ansicht nach ganz schick aus.


Mit den Pilzen und ein paar trockenen Ästen im Wagen (ich weiß ja nie, wann ich mal den Hobo anwerfe und dafür trockene Äste brauche) sind wir dann nach Kremmen gefahren und weil Joey sich so schick gemacht hat, haben wir einen Tisch im Innenhof in Beschlag genommen. 


Die „Alte Lebkuchenfabrik“ ist ein Erlebnis. Also sehr liebevoll zusammengesammelter Trödel draußen, toll restauriertes Gebäude und innen ist so eine Mischung aus Cafe und Einrichtungsladen mit Stil. Dazu kommt, dass die Inhaberinnen tolle Kuchen anbieten und es die wohl besten heiße Schokolade der Region dort gibt. Also nichts mit „Brösel in die Tasse, heißes Wasser drauf und umgerührt die Plörre“, sondern da gibt es eher so flüssigen Schokopudding in großen Tassen. Und die haben einen Henkel. Nicht diese Suppenschüsselchen, an denen man sich die Finger verbrüht, die man anderswo vorgesetzt bekommt.




Nach einem beeindruckenden Cafe-Erlebnis und mit einem Kalender zugunsten des Naturschutzes im Luch und Hundebüchern zugunsten des Tierschutzvereins in Kremmen sind wir dann Richtung Linum gefahren. An einem Wochenende. Zur Kranichzeit.

Nie wieder.

Ich meine, (Ironiemodus an) es ist ja total bedauerlich, dass man ausschließlich in Linum die Kraniche sieht. Echt total schade!(Ironiemodus aus). Also überlasse ich den Anblick der Kraniche im Luch am Wochenende dann mit riesengroßem Bedauern den ganzen Besitzern der Blechlawinen, die sich im Luch und eben vor allen in Linum verteilt. Da ist quasi das „Kranich-Drive-In“ der Region. Ankommen, 1oo Meter laufen (wenn überhaupt), Fernglas raus, Stativ aufgebaut, Kamera montiert, Tele drangeklickt. Was sich da an Kranichtouristen konzentriert, richtet wenigstens anderswo keinen Schaden mehr an.







Donnerstag, 31. August 2017

Über den Tellerrand geschaut: Die Milchtankstelle




Nun sind wir schon etwas länger wieder aus dem Urlaub zurück - und ich habe euch immer noch nicht von der Milchtankstelle berichtet, die wir besucht haben. Zum Team "Milchtankstelle" gehören auch die beiden neugierigen Ladys da oben auf dem Bild. 

Also, wir waren in unserer alten Heimat, in Wahnbek und dort gibt es seit einem Jahr auf einem Bauernhof eine Milchtankstelle. Das bedeutet, man kann dort von 6 - 22 Uhr problemlos Milch direkt vom Erzeuger kaufen. Ohne klingeln, ohne die Leute zu nerven und unter Einhaltung der Hygienevorschrift. Wer schon älteren Semesters ist, wird mitunter sagen: "Na ja, früher sind wir mit unseren Milchkannen zum Bauern und haben da direkt die Milch weggeholt!". Wir leben aber 2017 und in Deutschland und "direkt vom Bauern" ist heute oft gar nicht mehr machbar. Riesige Tanks als fast in sich abgeschlossene Systeme und diverse Vorschriften über "Vorzugsmilch" sorgen dafür. 



Dazu kommt, dass viele Landwirte das sowieso nicht mehr so gerne machen. Als Beispiel nehme ich mal den, wo früher unsere Ponys auf dem Hof standen. Der hat auch Milchvieh, ist Ausbildungsbetrieb und hat auch öfters mal Gruppen auf dem Hof, denen er die Landwirtschaft erklärt. Auch Schulklassen. Weil es eigentlich "dazu gehört" hat es früher dann auch immer "Milch direkt vom Hof" gegeben. 50 - 100 Meter vom Euter der Kuh bis zum Magen des Endverbrauchers.

Einmal kam danach das Gesundheitsamt. Eine Mutter hatte sich beschwert, ihrem Kind wäre es danach sehr schlecht gegangen, es hätte eine Salmonellenvergiftung gehabt und Schuld daran konnte ja nur die Kuhmilch sein. Also wurde mit einem riesen Aufwand alles getestet und überprüft - und es wurde nichts gefunden. Zumal auch andere Kinder von der Milch getrunken hatten und dann ja auch hätten krank werden müssen.  Das Ende vom Lied war, der Hof hatte viel, viel, viel Ärger - und Schuld war NICHT die Milch - sondern am gleichen Tag hatte es irgendwo Hähnchen gegessen. Und DAS war die Ursache dafür - nur kam das erst später heraus. Seit dem gibt es dort deshalb keine frische Milch mehr für Leute, die nicht zum Hofteam (oder zu persönlichen Gästen) gehören.



So, aber nun zur Milchtankstelle - die findet man in dem kleinen und schön geschmückten Häuschen. Es ist innen geteilt und im hinteren Bereich, unzugänglich für Besucher, befindet sich der Kühltank, der die Milch auf 2,5 Grad herunterkühlt. Im vorderen Bereich ist die Bedieneinheit mit Münzeinwurf und dem Zapfhahn hinter einer Klappe. Zudem gibt es Regale, auf denen dann auch mal bunte Sträuße oder selbstgemachte Marmelade angeboten werden, eine Pinwand, einen Hocker für die Kinder und viel Infomaterial. 



Beim zweiten Besuch war Nick mit, damit ich Fotos machen kann, wie die Milchtankstelle funktioniert. Praktischer Weise wurde dann gerade Silo gefahren - also Winterfutter für die Kühe hergestellt. Grassilage ist so ein bisschen wie "Sauerkraut für Kühe". Durch die Milchsäuregärung unter Luftabschluss bleibt das Gras lange haltbar. Nur wenn die Folie kaputt gemacht wird und das Grad anfangen kann zu schimmeln, dann wird es für die Kühe unbrauchbar, weil sie sich dann daran vergiften können. 

Die Milchtankstelle wird gut angenommen, denn dort bekommt man Milch so, wie sie aus der Kuh kommt - nur eben heruntergekühlt. Das nennt sich Rohmilch. Die Milch im Kühlregal beim Discounter ist Frischmilch. Die ist schon pasteurisiert, das heißt, sie wurde auf ungefähr 67 Grad erhitzt um einen Teil der Bakterien abzutöten, die in der Milch vorkommen. Dann bekommt man im Discounter noch Milch, die nicht im Kühlregal stehen muss - die ist "ultrahocherhitzt". Das bedeutet, diese Milch ist auf über 100 Grad erhitzt worden und damit faktisch totgekocht. So schmeckt sie für uns letztlich auch: totgekocht. Wenn so eine totgekochte Milch dann noch fettarm ist, ist sie faktisch "Schlabberwasser". Nicht unser Ding. Vielleicht fällt einem jetzt ein, dass auf solchen Milchverpackungen dann noch etwas steht: H-Milch. Das "H" steht für "homogenisiert" (und nicht für hocherhitzt!) - das bedeutet, die Milch mit ihrer jeweiligen Fettstufe von 1,5 oder 3,5 % wird in der Molkerei auf dem Weg in die Milchtüte durch ein ganz, ganz feines Sieb gedrückt. Dieses Sieb sorgt dafür, dass sich das Fett - also die Sahne, die im Normalfall als Flocken auf der Milchoberfläche absetzt - in ganz kleine "Kugeln" aufteilt die sich dann gleichmäßig in der Milch verteilen und sich nicht an der Oberfläche absetzen. Eben dafür, dass sich eine homogene (gleichmäßige) Flüssigkeit bildet. 

In der Milchtankstelle haben wir eine Flasche aus braunem Glas erstanden um darin die Milch abzufüllen. Die Flaschen werden nicht zurückgenommen und müssen dann halt zu Hause gründlich gesäubert werden, bevor neue Milch darin abgefüllt wird. Für den Liter Milch frisch vom Hof haben wir dann 1 Euro bezahlt. Natürlich ist das kein "Reingewinn", denn so ein Hof ja Unkosten und auch die Milchtankstelle selbst hat sicherlich einige tausend Euro gekostet - aber ich bin sicher, dass die Familie von jedem Euro, den sie für Milch aus der Milchtankstelle bekommt, mehr hat als wenn sie auch diese Milch noch an die Molkerei abgeben würde. Für einen Liter Milch, den ein Landwirt an die Molkerei verkauft, bekommt er je nachdem mit welcher Molkerei er einen Vertrag hat, ungefähr 23 - 28 Cent. Das ist total wenig, wenn man überlegt, wieviel die Bewirtschaftung eines Hofes kostet und dass er mit seiner Familie davon auch noch leben muss! 


Von daher ist es auch völlig irrelevant für den Landwirten, ob die Butter gerade teuer ist - dann das, was die Butter grad mehr als vor ein paar Monaten kostet, kassiert die Industrie. Auch die netten Facebookbilder "Teile dies, wenn du auch 1 Euro für einen Liter Milch bezahlen würdest, damit die Höfe überleben können" - ich glaube, die WENIGSTEN Leute, die das teilen, kaufen im Endeffekt tatsächlich dann die Milch, die mehr kostet. Wir bezahlen ohne zu Maulen auch gerne 1,09 Euro bzw. 1,19 Euro für regionale Frischmilch aus der Uckermark. Die kommt von Hemme-Milch, ist in netten Milchtüten und hat einen Fettgehalte von 3,8 %. Wobei - wir haben Rohmilch mit nach Neuruppin genommen und dann auch gleichzeitig Hemme-Milch gehabt: die Rohmilch war vom Geschmack her definitiv noch besser als es die Hemme-Milch im Vergleich zur regulären Frischmilch ist. Mitlerweile wurde mir dann mitgeteilt, wo ich hier Milchtankstellen finde: Bei Edeka in der Trenckmannstraße ist eine, in Gottberg gibt es eine und dann eine in Oberhavel. Cool.



Aber zurück zur Milchtankstelle, die wir besucht haben: Die hat eine eigene Facebookseite, (klick mich, ich bin ein Link). Überhaupt mag ich die Initiative "Milchland Niedersachsen" sehr, denn in dem Bereich gibt es viele tolle Sachen. So zum Beispiel auch "my kuhtube" (Klick mich, ich bin ein Link). Falls ihr hier in einem Laden die Tüten von Hemme-Milch findet - ich glaube, während der Weidesaison haben die vorne auf den Tüten ihren "Kuh-R"-Code. Also so ein Quadrat mit schwarzen und weißen "Frisseln" wie früher, wenn das Fernsehprogramm zu Ende war und nur noch Schnee im Schwarz-Weiß-Fernseher gekommen ist. Damit ihr nicht nur "Ganzweitweg" mal Kühe gucken könnt sondern auch "Vieldichterdran" hier der "Kuh-R-Code" (als Link, bitte anklicken). 

So, und nun mögen alle "die Kühe dürfen niemals raus" und "Scheiß Massentierhaltung" (was bitte ist das eigentlich genau in Zahlen definiert?)-Leute mich mal ganz beherzt...