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Mittwoch, 25. November 2015

Spannend, spannend, SPANNEND!

noch nicht das Gelände, aber da in der Gegend...

Ich hatte  euch ja letztens auf die beiden Beiträge in der Stadt-Ratte verwiesen, die sich mit dem geplanten Grundstücksankauf der Stadtwerke befassen.

Heute habe ich die fast tägliche Bikejöring-Tour genutzt, um mir das Gelände mal ein bisschen mehr von verschiedenen Wegen aus anzusehen. Das hat sehr viel Spaß gemacht, es war zum Teil supermatschig - aber Joey und ich hatten viel Spaß.



Hier ein paar Eindrücke von dem Gelände, auf dem die Stadtwerke Bäume als nachwachsende Rohstoffe anpflanzen möchten und aus denen sie dann Energie gewinnen wollen. Das Gelände ist im Landschaftsplan als multifunktionales Erholungsgebiet eingetragen, muss aber von Kampfmitteln geräumt werden, was die Stadt nicht leisten kann, weil sie pleite ist. 




Ich versuche gerade mit vielen, vielen, VIELEN Ideen, die Interessen der Stadtwerke mit den möglichen Interessen von verschiedenen Gruppen irgendwie in Einklang zu bringen. Diese Interessen der Bürger (und dann das große Geschrei von wegen Mauschelei und Intransparenz) entsteht spätestens dann, wenn mehr Leute mitbekommen, das diese Fläche nun einmal auch zur Naherholung gedacht ist. Denn ganz ehrlich - so ein Grundstücksdeal geht doch 95 % der Neuruppiner so lange am Allerwertesten vorbei, bis sie ein Haar in der Suppe finden um wieder rumzumaulen und "scheiß Politiker, scheiß Verwaltung!" zu brüllen. Meistens ist das dann zu spät um irgendwie noch was zu bewirken außer frust und halbgaren Notlösungen. 

Vielen Dank geht an dieser Stelle an die wunderbare begeisterte Unterstützung von Andre. 

ein Teil von dem Gelände

Und ich bedanke mich jetzt schon mal bei Katja und Steffi für die Tipps in punkto Reitwege und die Hinweise auf den zunehmenden Reittourismus. Große Klasse! Da mein Versuch, irgendwie schon mal BMX-ler zu finden, leider bislang ins Leere gelaufen ist, habe ich mir aber zumindest einige Videos von Dirt-Bahnen angeschaut, die zum Teil als Jugendinitiative von Städten gebaut worden sind, wie z. B. in Moers. 

Dann habe ich mir natürlich noch MTB und Crossrad-Videos angeschaut und mich mit Single-Trails beschäftigt. Der absolute Hammer und wenn man von Anfang an die verschiedenen Ideen mit in die Planung nimmt, guckt, was machbar ist, was nicht und dem Ganzen letztlich auch einen Rahmen gibt, sich über Jahre entwickeln zu können... ja, dann wäre das schlichtweg der Hammer.  Denn ohne Frage kann man auf dem Areal beides vereinen. Mit guten Willen, vielen Ideen und vor allem auch viel Engagement, das zum Teil eben auch von denen kommen muss, die davon profitieren möchten. 

Habt Ihr Ideen, was man noch machen könnte? Was würdet ihr euch an Möglichkeiten auf so einem Gelände wünschen - wenn ihr bedenkt, das es in erster Linie eine Fläche für Holzanbau sein wird? Also 3000 qm Enduroareal könnt ihr z. B. vergessen. 


Hände in den Taschen lassen, Ausreden, was man im TV verpasst aber im Nachhinein die große Klappe aufreißen... das geht einfach nicht. Das ging eigentlich noch nie, wird aber immer wieder gerne praktiziert. Aktuell sieht man es an der Tannenbaumdiskussion auf dem Schulplatz... nix selbst machen wollen, aber Ansprüche stellen und andere als untätig und faul bezeichnen, die sich Mühe geben. Träume, die in Erfüllung gehen, bekommt man nicht einfach geschenkt - meistens ist es viel Arbeit. Und eine absolut lebenswerte Stadt mit vielen Möglichkeiten ist als Traum doch wohl kaum noch zu toppen - oder? Also, bewegt eure Gedanken, danach eure Finger und überlegt mit, damit ihr - sollte alles irgendwie klappen - voller Stolz sagen könnt: "Da habe ICH MITGEMACHT!".

Am Ende hatten wir rund 15 km beim heutigen Wetter hinter uns. Der Hund hat quasi eine trennende Mittellinie von Dreck zu sauber, mein Rad sieht ganz bäääh aus - aber wie schon geschrieben - wir hatten echt viel Spaß auf der Tour. Damit wären dann jetzt für diesen Monat knapp 150 Kilometer "gejört" und insgesamt 482,22 Kilometer, seit dem wir im September angefangen haben. 



Freitag, 25. September 2015

Bikejöring... war da was mit Ruhetag?

Mittlerweile hat sich bei uns schon so etwas wie Bikejöring-Routine eingenistet und die Entwicklung verläuft sehr erfreulich.

Während unserer "ach, lass uns doch mal nach Molchow fahren"-Runde habe ich auf dem Stadtplan einen roten Weg in die Richtung entdeckt, nannte sich Fahrradweg und versprach von der Kartenansicht her recht asphaltfrei und ruhig zu sein:



Ach so, um gleich denen, die chronisches Meckern über alles was nach Verwaltungstaten aussieht in ihrer DNA verankert, haben vorzugreifen: Mit diesem Wegevorschlag hat die Stadtverwaltung nicht zu tun. :-) Ganz ehrlich nicht. Auch wenn auf der Karte "Neuruppin" steht.

Jepp. War er. Ab Kläranlage ging es über einen Feldweg weiter und danach versackten wir in kniehohem Gras zwischen den Rieselfeldern. Weil die aber letztlich gen Waldgebiet gehen, dachte ich so: "Na jaaa... vielleicht wird es dort hinten noch besser!". 



Wurde es nicht. Ne... irgendwie haben wir dann noch versucht, dieser Wildnis am Zaun des Klärwerkes entlang zu entfliehen - das hatte aber leider nur zur Folge, das wir den ganzen Weg durchs hohe Gras auch wieder zurück mussten. Mit Fahrrad und Anhänger und Dreirad.

Route 666... rundherum irgendwie fast nur öde Schei** in Aussicht...  ;-)  nein, ganz so ist es nicht.  
Joey, dieser Held, hat dann das unbemannte Dreirad gezogen, was besser ging als erwartet, Nick ist durchs tiefe Gras gelaufen und ich habe dann die schlimmste Strecke viermal gemacht, weil ich erst das eine und dann das andere Rad geholt habe, bis es halbweg wieder möglich war, zu fahren.

Später habe ich Joey dann für ein paar Kilometer in den Anhänger verfrachtet - das will er nicht so gerne, aber ich habe ihn so zu einer Pause verdonnert.

Insgesamt haben wir dann rund 10 Kilometer geschafft. Oder besser: Mein Fahrrad. Denn das Handy mit der Komoot-App hatte ich in der Satteltasche. Ich habe mir aber gedacht, ich brauche mir absolut keine Sorgen mehr zu machen, das ich vielleicht aufgehe wie so ein Hefekuchen. Nö... brauche ich nicht.

Sonntag habe ich dann mit Joey nur eine "locker-flockig"-Runde um die Stadt gedreht, das waren tatsächlich nur 4,5 km. Wir können also auch weniger, wobei ich den Eindruck hatte, dem Hund war es definitiv ZU WENIG. 
  Montag wäre dann ja eigentlich... ähm... ja, eigentlich... trainingsfrei gewesen. Also kein Fahrrad fahren. Aber wie das so ist, mit der kurzen Runde am Sonntag und einem Hund an der Leine, der einem klar macht: "Du, also weisst du, ich finde das ja voll doof hier so langsam rumzulatschen..." landet man irgendwann dann doch auf dem Rad. Ergebnis: 6,8 Kilometer.



Happy dog... Pause mit Pfoten kühlen
 

Während ich am Anfang dann noch erst ins Halsband verschnallt habe und auf dem Museumsparkplatz dann angefangen habe, groß umzuschnallen und später dann noch einmal, sind wir jetzt so, das wir zum Teil schon vor der Haustüre starten und dann das lange Zugstopp-Halsband mit dem Geschirr verkoppelt haben, was dann später auf "nur Geschirr" geändert wird. Joey hat verstanden, wenn wir so rausgehen, dann kann er in seinem Tempo laufen. Die Richtungsangaben klappen meistens sehr gut und bei manchen Wegen weiß Joey schon, wo er lang soll. 

Es gab noch keine größeren Katastrophen, eher so kleinere Verwicklungen. Er rechts und ich links an der Ampel vorbei und dann war er so verwirrt, das er noch mal umzugelaufen ist. Was halt auffällt ist: Je mehr Innenstadt, desto mehr Reize, desto mehr Momente, wo sich die Leine dann mal irgendwie verheddert. Aber... alles noch OK. Ich habe auch noch "keinen Adler" gemacht, obwohl es manchmal durchaus kurz davor war - und so wie Joey sich früher immer aufgeführt hat, spricht es enorm für ihn, das ich noch keinen Abgang vom Rad gemacht habe!

Unterwegs auf Nebenstrecken. Hier der Weg von Wuthenow nach Nietwerder

Was interessant ist, ist der Aufbau von Muskeln und Ausdauer bei Joey. Das macht schon echt Spaß zu erleben und seine Ernährung besteht jetzt aus der angepassten Menge am üblichen Trockenfutter - die ist von 190 auf 245 Gramm gestiegen - und das landet mindestens zweimal am Tag in einer "Suppe" aus aufgelöster Hundewurst von Dülfer. Mag für manch einen sicherlich ekelig aussehen, aber Joey trinkt recht wenig und bei der Leistung braucht er ausreichend Flüssigkeit.

Ansonsten ist die Gesamtentwicklung über die letzten zwei Wochen leistungsmäßig ganz erfreulich. Die Pausen sind weniger geworden, die Durchschnittsgeschwindigkeit hat sich gut erhöht... cooler Sport, toller Hund.









Samstag, 5. September 2015

Lass uns mal eben...

sagte das Frauchen zu ihrem Hund. Gemeint war: "Lass uns mal eben ein bisschen raus fahren, damit du rumrennen kannst!". Immerhin soll ja das ruhig im Anhänger mitfahren noch weiter geübt werden. Anvisiert war so maximal eben eine Stunde unterwegs sein, allerhöchstens, weil die Müdigkeit dann irgendwie doch meinte: "Aber nicht so lange...". 

Der Hundeanhänger hinter dem Rad.


Aber erstens kommt es anders und zweitens als Frau denkt und so ist aus dem "allerhöchstens eine Stunde..." mehr als das Doppelte geworden. Am Certaldo-Kreisel habe ich mich statt für Mesche dann kurzfristig für den Flugplatz entschieden und bin abgebogen. Mit Anhänger kann ich den Fußgängerüberweg hinten in der Nähe vom alten Bahnhof nicht mehr so einfach nutzen, ich muss das Gespann auseinander kuppeln, es einzeln über die Schienen bringen und auf der anderen Seite wieder zusammenbauen. Das habe ich einmal gemacht und auch wenn es so relativ gut geht - in der Zeit bin ich mit dem Rad aber auch aussen rum am... ähm... Babimost-Ring? Bad Kreuznach-Ring? Egal... die Umgehungsstraße lang auf der alle Partnerstädte verewigt sind.

Tja, dann gibt es immer die "interessante" Zufahrt zum alten Flugplatzgelände. Also diese wilde Müllkippe, an der man den schwindenden Intelligenzgrad der Menschen erkennen kann, die zu doof sind, Sperrmüll zu beauftragen und lieber den ganzen Dreck in die Gegend werfen. Und sich DANN gerne beschweren, wie dreckig es überall ist. Trauriges "Highlight" heute - ein Karton mit Maschendraht oben drauf. Da hat sich jemand aber echt viel Mühe gegeben, um ein Behältnis zu bauen, in dem er sein Tier entsorgen kann. Ein großer Karton mit einer Seitenöffnung, vor der so ein Apfelsinennetz geklebt war, damit Luft rein kommt. Alufolie auf dem Boden sollte verhindern, das der Karton nach unten hin durchweicht wenn das Tier, was dort drin entsorgt wurde, mal auf die Streu pinkeln muss. Oben drauf war dann grober Maschendraht gespannt - und eine Fluchtöffnung für das Tier mit Klebeband so gesichert, das es sich nicht groß verletzen kann. Drin war kein Tier mehr und in der Umgebung auch nicht. 

Joey hat sich dann ein Stückchen weiter gefreut, aus dem Anhänger zu dürfen und herum rennen zu können. Wir sind dann den Betonweg hoch, wo er sich am Ende noch ein Wettrennen mit einem Hütehund geliefert hat, der letztlich auch sichtlich Spaß an der Ablenkung hatte. Schafe waren ohnehin nicht da.

Weil das Wetter so schön war, bin ich mit dem Rad und dem leeren Anhänger einfach den Weg weiter gefahren, was etwas rumpelig wurde, weil Feldweg. Joey war schwer begeistert, so viel rennen zu können. Was mich begeistert hat, war seine Abrufbarkeit. Klar, das ist kein Hundeplatz-Standart, aber es wird immer besser. Richtung Klappgraben ist ein Waldstreifen - und dorthin hat es Joey immer gezogen. Da Büsche und Bäume aber Rückzugsgebiet für Wild ist, soll er aus den Bereichen wegbleiben. Egal wie toll es dort riecht und ob er Jagdhund ist oder nicht. Dort haben er und andere Hunde schlichtweg nichts zu suchen. Da dürfen auch gerne mal diejenigen drüber nachdenken, die gerne "Jäger sind Mörder" schreien, aber ihren Hunden "ein bisschen Spaß" gönnen wollen, wenn die durchs Unterholz krachen und das Wild in Panik versetzen. Für Wild ist es nämlich kein Spaß, sondern jedes Mal eine tödliche Bedrohung - und schlimmer, als 95 % der Jäger es je sein könnten. Das mal so nebenbei.

Letztlich sind wir dann bis ganz hinten zum Querweg. Joey hatte langsam aber sicher Durst und in den Gräben war dick Entengrütze, was er etwas doof fand. Da ich dann auch immer schon mal wissen wollte, was rechts herum ist, sind wir in die Richtung weiter - und siehe da, eine alte Pumpstation... der durstige Hund verschwand gen Wasser und dann hörte ich nur noch ein lautes Platschen. Joey ist beim Versuch, ans Wasser zu kommen, abgestürzt und im Wasser gelandet. Voller Panik hat er dann versucht, die Betonwand wieder hochzukommen, was natürlich nicht geklappt hat, aber mit Zuruf habe ich ihn an die Seite bekommen, wo es nicht so steil war und er mehr Halt hatte. Wir haben uns zwar beide erschrocken, aber es war eigentlich voll unproblematisch zu händeln.

Nasser Hund. Was man hier so ein bisschen sieht: Joey hat mehr Flecken als man denkt.

Ein Stückchen sind wir dann den Weg noch weiter gelaufen, mit dem Rad war da irgendwann nicht mehr viel zu fahren. Tolle Gegend, riesige Flächen... und dann ging es wieder zurück.

An den Schaf-Sheltern gab es noch einmal ein Wettrennen mit dem Hütehund, da hat Joey sich nicht abrufen lassen - aber auch nicht groß Stunk gemacht. Er wollte einfach mit dem anderen Hund rennen - ist am offenen Tor vorbeigesaust, wo ich nicht wusste, ob gleich der andere Hund rauskommt und ihm ein paar Löcher in den Pelz brennt - das wäre dann halt so gewesen... und im Vorbeirennen hat er die Pfütze in der Einfahrt gesehen. Vollbremsung, zurück und endlich klares Wasser saufen! 

Der Hütehund hat sich strikt an die Grenze gehalten, auch wenn das Tor offen war, Joey hat sie respektiert und nach ein paar Schlapp Wasser ist er auch angerannt gekommen. Da stand ich schon neben der nächsten Pfütze und habe auf ihn gewartet. Und ja, ganz süß, Joey hat versucht sich in eine winzige Wasserpfütze zu legen.

Insgesamt waren wir etwa 2 1/2 Stunden unterwegs, haben in der Zeit rund 12 km absolviert, von denen Joey etwa 7 km ziemlich durchgehend im Freilauf herumgerannt ist. Tolle Leistung dafür, das wir so eine lange Strecke noch nie in dem Tempo hatten.

Der Anhänger hat sich relativ gut bewährt, Joey springt auch problemlos hinein und macht nicht mehr ganz so viel Theater. Ganz ohne geht aber auch nicht, herumfiepsen muss schon sein. Nachdem er einmal durchs Dach rausgesprungen ist, weil er oben angeleint war, wird er nun unten am Boden angeleint. So kann er zwar durchs Dach gucken, wenn die Klappe dort auf ist - aber nicht mehr herausspringen.

Was beide Hunde nicht mochten ist, dass der Anhänger in sich ein bisschen kippt. Nicht viel, aber es reicht damit Hunde ein Problem haben. Der Boden ist auch nicht eben, sondern hat eine Welle durch die Achsaufhängungen. Auch nicht ganz so optimal. Auf dem Foto seht ihr, dass das Rad, was zum Schieben sonst vorne untergeschraubt wird, nun in der "Aufbewahrung" hinten am Anhänger steckt. Da ich den Anhänger aber zwischendurch nicht umbaue, wird es dort verschwinden. Das ist dann etwas über ein Kilo weniger Gewicht und weniger Geklapper.

Diestel trifft Klett. Bionic lässt grüßen.


Die Anhängerkupplung war für mich etwas gewöhnungsbedürftig. Es ist ein kleiner "Pinökel" direkt an der Hinterradachse. Unsere Kinderanhänger hatten immer größere Klemmkupplungen, die auch gerne mal gen Speichen gekippt sind, wenn man nicht aufgepasst hat.  Ich war ja echt skeptisch ob des winzigen Teilchens - aber bislang habe ich nix zu meckern und auch das ankuppeln ist voll unproblematisch.  Das wir abseits jeglicher befestigten Straßen unterwegs waren, sieht man an den unfreiwilligen Mitbringseln auf dem Anhänger :-)

Der Mittagsschlaf fand dann ein bisschen später statt und war dann auch ein bisschen länger, weil Joey und ich einfach nur fix und alle waren. Letztlich kommen Rad und Anhänger auf locker 40 kg Grundgewicht und der Rollwiderstand auf Feldwegen bei vier Rädern ist auch nicht zu unterschätzen. Von daher: Das werden wir wohl öfters machen.







Dienstag, 30. Juni 2015

Ein Dankeschön...






So, hier nun auch noch einmal auf dem Blog ein dickes "Dankeschön" an den Schreibwarenladen beim Fontane-Platz! Ich war gestern in der Wärme mit den Hunden unterwegs und die Inhaberin vom Schreibwarenladen hatte eine große Schale mit Wasser für die Vierbeiner draußen stehen.

Die war nach dem Besuch meiner Hunde dann leer und musste neu aufgefüllt werden - aber gerade bei der Wärme ist es auch für Hunde wichtig, viel zu trinken. Schwitzen können sie ja nicht richtig, das geht bei ihnen über die Pfoten und ansonsten bleibt ihnen das Hecheln um den Temperaturhaushalt zu regulieren. 

Vielen Dank also für das Wasser! 
















Sonntag, 28. Juni 2015

Kultur: Barrierefreiheit – nicht mehr als „mit Rollstuhl befahrbar“?


Wenn es um Barrierefreiheit geht, denkt jeder Mensch als erstes an Menschen mit Rollstühlen. Das sind die „Vorzeigebehinderten“ in dem Bereich, wo so ein Mensch mit seinem Rolli hinkommt, da ist es barrierefrei, sonst könnte er da ja nicht hin.

Ist es tatsächlich so? Reicht es aus, irgendwo mit einem Rolli hinzukommen um zu sagen „DAS ist jetzt aber behindertengerecht!!!“? Ich denke nicht – und ich bin seit donnerstag total angefressen, auf 180 und bemühe mich, für mich mit dem, was ich erlebt habe, klar zu kommen. War von euch schon mal jemand im hiesigen Museum? Nach der Neueröffnung? Ich war auf der Eröffnungsfeier, die war sehr beeindruckend und das Museum wurde hoch gelobt, wie schick und modern es doch ist und dieses Lob wehte durch allerlei Blätter und andere Medien. 



In der Zwischenzeit habe ich öfters mal den Museumsgarten besucht; mit der Rampe bis nach oben. Ja... stimmt, da kann man mit einem Rollstuhl hoch oder mit einem Rollator. Ob man, wie alle größeren, normal auf zwei Beinen unterwegs seienden Menschen, dann oben auch den Blick in den Tempelgarten genießen kann ist aber eine andere Frage. Denn die Mauer ist da ziemlich hoch. Das Stück, wo man relativ barrierefrei durch ein Gitter gucken könnte, ist nur über mehrere Stufen zu erreichen. Das ist eben so, wenn Architekten ein für sie barrierefreies Leben führen können und Menschen mit körperlichen Einschränkungen als eine Art „nicht ernst zu nehmende Randerscheinung“ wahrnehmen, denen man die Standartnormen zubilligt ohne weiter darüber nachzudenken.

Selbstverständlich würde es fast niemand zugeben, wenn er an der Lebensberechtigung von Schwerstbehinderten zweifelt oder sie gar „Gemüse“ nennt. Das, was viele Menschen als „Teilhabe“ auffassen, ist oft nicht mehr als ein „Goodie“, ein „Bonbon“ - Teilhaben kann ein Behinderter nach Auffassung vieler „normaler“ Menschen ja auch, wenn er am Rand steht und zuschaut. Das reicht doch völlig. Wie man sich dabei fühlt – interessiert die Anderen nicht, Hauptsache, sie haben ihren Spaß. Selbstverständlich sind viele Eltern auch total dafür, das Behinderte und Nicht-Behinderte gemeinsam lernen. Bis sie merken, das ihre Kinder vielleicht Kompromisse schließen müssen, vergleichbare Klassen viel weiter sind oder die Klassenfahrten mehr kosten, weil auf eine Behinderung Rücksicht genommen werden muss. Dann ist aber sowas von schlagartig Schicht im Schacht, das kann man sich kaum vorstellen!

Die Definition von „barrierefrei“ lautet (Quelle Wikipedia) nach dem Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen § 4 :
Barrierefrei sind bauliche und sonstige Anlagen, Verkehrsmittel, technische Gebrauchsgegenstände, Systeme der Informationsverarbeitung, akustische und visuelle Informationsquellen und Kommunikationseinrichtungen, sowie andere gestaltete Lebensbereiche, wenn sie für behinderte Menschen in der allgemein üblichen Weise, ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.


Dieses weitergehende Verständnis von Barrierefreiheit findet sich in Deutschland auch beispielsweise in den Landesbauordnungen der Bundesländer.

Ups, da war wohl keine Lehne an der Bank in der Ofenecke...

Also im Klartext: barrierefrei sind alle Orte, Fahrzeuge, und sämtliche Sachen aus den verschiedensten Bereichen wie Computer, CD-Player, Handys oder auch Haushaltsgegenstände, wenn sie von Menschen mit Behinderungen genauso benutzt werden können wie von „üblichen“ Menschen und die Benutzung nicht sehr schwer oder immer nur mit Hilfe erfolgen kann.

Klingt logisch und einfach – oder? Aber was gibt es denn alles für körperliche Einschränkungen? Bei Rollifahrern scheint es einfach zu sein. Die sitzen in ihrem Rolli und können halt nicht laufen. Auch hier gibt es je nach Grund, weshalb so ein Mensch im Rolli sitzt, dann noch welche, die sich mehr und welche, die sich weniger bewegen können. Dann gibt es Leute, die mit Geh-Hilfen laufen. Stützen, Stöcke, Rollatoren etc. - die können zwar ein bisschen laufen, sind aber eben trotzdem auf Hilfsmittel angewiesen – und überwiegend auch darauf, das sie unterwegs ab und an eine Sitzmöglichkeit finden um auszuruhen, ihren Körper zu entlasten und ein bisschen zu entspannen. Das bedeutet – sie müssen sich anlehnen können um ihrer Wirbelsäule soviel Halt geben zu können, das die umgebenen Muskeln die Möglichkeit haben, sich auch mal zu entspannen – und letztlich auch ihrem Hirn ein Signal zu vermitteln: Anlehnen = Sicherheit.

Dann gibt es Menschen, die sind sehbehindert. Sie können schlecht oder gar nichts sehen und benötigen entweder gute Kontraste um etwas sehen zu können oder gar fühlbare Hinweise, wie zum Beispiel die Braille-Schrift für Blinde. Sehr viele fühlen auch mit den Füßen und das so etwas ziemlich gut geht, merkt ihr immer mehr, wenn ihr durch die Stadt geht und vor den Straßenquerungen die geriffelten oder genoppten Steine seht. Diese haben sowohl einen taktilen – also zu ertastenden – als auch einen visuellen – also zu erkennenden – Reiz, da sie schwarz bzw. weiß sind.

Sehbehinderte? Oh, die haben wir GLATT vergessen!

Dann gibt es Menschen, die schwerhörig oder gar taub sind. Manche haben Hörgeräte, manche Implantate – und oft reagieren diese winzigen Wunderwerke der Technik auf andere Dinge. So kann man manche Hörgeräte auf sein Telefon oder auf Konzerte einstellen etc.. Manchmal bekommen solche Teile aber auch Probleme mit stärkeren Magneten, genau wie Herzschrittmacher oder implantierte Shunt-Systeme, die den Abfluss von Gehirnwasser regulieren. Deshalb findet man an Sicherheitsschleusen wie auf den Flughäfen oder in der Radiologieabteilung in Krankenhäusern auch immer große Warnschilder, denn wenn solche lebenswichtigen Implantate gestört werden, kann das im schlimmsten Fall tödlich enden. Stärkere Magnete finden sich im Museum an den schweren Hörern, über die man sich etwas erzählen lassen kann, soweit ich das mitbekommen habe. Gekennzeichnet sind sie nicht.

Es gibt eine enorme Vielfalt von körperlichen und geistigen Einschränkungen bei Menschen, manche sieht man, manche nicht. Jeder, der „üblich“ lebt, kann froh sein, das er keine Einschränkung hat – und jeder, der mit Dingen wie „ey, bist du behindert oder was?“, „Spasti“ oder „Gehirnkrebs“ rumwirft, sollte einfach mal daran denken – der nächste LKW-Fahrer könnte dich übersehen. Und dann bist du... MATSCH. Vielleicht bist du behindert wenn du überlebst, bekommst epileptische Anfälle, weil dein Gehirn nicht mehr normal funktioniert... völlig egal. Wobei – das muss gar nicht mal ein LKW oder so sein, einer von Nicks alten Klassenkameraden ist beim Kadertraining für Tischtennis zusammengebrochen. Top fitter Kerl, 14 Jahre alt, gute Chancen auf Olympiateilnahme. Die Mutter hatte ihn just beim Training abgeliefert. Herzstillstand an der Platte, 3o Minuten lang reanimiert, wochenlang im Koma. Danach Schwerstpflegefall im Rolli.

Bei Nick entpuppte sich der Verdacht auf Migräne als ausgewachsener Hirntumor, der in letzter Minute entdeckt wurde. Auch er war danach ein Schwerstpflegefall im Rolli der im Laufe der ganzen Behandlungsgeschichte kaum etwas an Problemen ausgelassen hat. Da tauchte eine Hirnhautentzündung auf, das Gehirn wurde gequetscht und so weiter und so fort. Sein Schulfreund ist als Kleinkind von einer Leiter gefallen, als die Mutter „nur mal eben schnell“ die Post annehmen wollte. Schädelbruch und eine Odysee mit dem Rettungshubschrauber, weil jede Klinik im Umkreis gefunkt hat: „Wir sind voll, bei uns nicht landen!“. Das Kind lebt noch, weil der Pilot dann irgendwann die Schnauze voll hatte und einfach bei einer Klinik gelandet ist, sonst wäre im das Kind im Hubschauber verreckt.


Zu klein geraten? Macht nix, das Museum ist groß!
Erklärung zum Bild in den Nachträgen

Samuel Koch - vor laufender Kamera bei "Wetten das" verunglückt, Christopher Reeve, beim Reiten über ein kleines Hindernis von 50 cm gesprungen - und schwupps, "Superman" landete im Rollstuhl, Michael Schuhmacher - es wird einen sehr, sehr triftigen Grund haben, warum es keine Bilder mehr von ihm gibt und nur sehr vorsichtige Äusserungen zu seinem Zustand!
Behinderung kann JEDEN treffen! Egal ob selbst oder innerhalb der Familie und es redet sich als nicht-Betroffener immer ganz vortrefflich darüber, was für Behinderte gut ist, was ausreichend ist etc.. Vielleicht hätte das Museumsteam einfach mal das eigene Museum mit einem Rollstuhl erkunden sollen. Oder eine Schwimmbrille aufsetzen, die mit Vaseline verschmiert ist (damit macht ein blinder Bekannter immer Besuche in Schulen und schickt die Schüler auf Entdeckungsreise) – oder gleich ganz zugeklebt ist und dann mit einem Langstock sich durch das Gebäude tasten.

Aber nein, sie wissen ja alles, wie was geht und was gut ist. „Wir machen nun einmal Museum für die Masse“ erklärte Herr Albrecht, der Museumsleiter. Als ich dann Zuhause darüber nachgedacht habe, tauchte die Frage auf, für WELCHE Masse denn?

Gerade Neuruppin als Sitz der ehemaligen Landesirrenanstalt, deren Bewohner zum größten Teil nach der Wende irgendwo in Wohngruppen etc. untergebracht wurden, als Standort einer Schule für geistige Entwicklung, als Standort für Förderschulen, als Standort für die Stephanuns-Werkstatt und mit dem Parade- und Vorzeigeobjekt „Gentz-Schule“ für Inklusion und einem barrierefreien Schulhof... gerade diese Stadt leistet sich ein Museum das letztlich einen sehr, sehr, SEHR großen Teil all dieser Menschen mit den unterschiedlichsten Einschränkungen AUSSCHLIESST. Ja, sie dürfen rein. Sie dürfen da durch die Räume. Aber ob sie auch nur die Hälfte (wenn überhaupt) von dem erleben und an Wissensvermittlung bekommen, wie „übliche“ Menschen, das wage ich sehr, sehr stark zu bezweifeln.

Das Museum steht bei vielen Leuten in der Kritik. Der Bau ist zu groß, die Kooperation mit hiesigen Leuten aus der Kulturszene zu schlecht, es gibt Kritik an der Sammlung und so weiter. Zu alle dem lassen sich sicherlich vortreffliche Argumente finden um zu begründen, warum man so arbeitet.

Aber ich würde gerne die Argumente dafür hören, warum man es fertig gebracht hat, in einen Bau, der mit Millionen an EU-Mitteln gefördert wurde und in Zeiten, wo Barrierefreiheit, Teilhabe, Inklusion und so weiter immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gezerrt werden und entsprechende Projekte als Prestigeprojekte dargestellt werden, sich so behindertenfeindlich zu verhalten! 

Das, genau DAS finde ich beschämend! Und mag sein, das man im Museum auf Nachfrage mit allerlei Daten zur ehemaligen Landesirrenanstalt beliefert wird, auf die Stolpersteine dort hingewiesen wird, die an die Behinderten erinnern sollen, die dort im 2. Weltkrieg „plötzlich und ganz unerwartet“ gestorben worden sind. Aber ich habe den Eindruck, das man bei all der Wissenschaft, die man beherrscht, eigentlich NICHT begriffen hat, dass hinter so einem Wissen mehr steckt als Daten auf einem Stück Papier. Das waren (sind) MENSCHEN. 
Die ausgegrenzt, eingesperrt, zum Teil umgebracht worden sind, weil sie körperlich und geistig nicht „perfekt“ waren! Und nun ist da ein Museum, das sich auch „Heimatmuseum“ nennt, in dessen Archiven sicherlich viel Material dazu lagert – und es hat nichts besseres zu tun, als solche Leute ebenfalls „auszusperren“. Nicht vom Gebäude, das wäre dann viel zu offensichtlich und hätte sofort einen riesigen Sturm der Entrüstung verursacht. Aber man macht es ihnen eben schwer bis unmöglich, das Museum so zu nutzen wie es „übliche“ Menschen nutzen können.

Diejenigen, die die Einrichtung des Museums maßgeblich beeinflusst haben (und nein, die sitzen eher nicht im Rathaus!), haben es geschafft, aus etwas, das eigentlich Prestige- und Vorzeigeobjekt für die Stadt sein soll, in meinen Augen ein Armutszeugnis zu machen. Und das ärgert mich einfach maßlos! Ich warte dann mal auf die Antworten zu den 11 Fragen, die ich ans Museum geschickt habe – und ehrlich gesagt ist es mir grad mal wieder ziemlich scheißegal, ob ich mich mir 5 oder 10 Leuten verkracht habe, die unbehindert irgendwo irgendwelche gut bezahlten Posten inne haben, studieren konnten oder was auch immer und sich jetzt angepisst vorkommen. 

Vielleicht hätte man ja VORHER mal die tatsächlichen Fachleute für Behinderte fragen können - und das sind die Behinderten selbst oft eben auch ihre direkten Angehörigen, die 24 Stunden lang jeden Tag damit klar kommen müssen im Rahmen ihrer Einschränkungen das Leben dennoch so gut wie möglich hin zu bekommen! Wofür gibt es hier einen Arbeitskreis der sich mit Barrierefreiheit befasst, wenn sie bei solchen Projekten doch ganz offensichtlich nicht einmal mit dem Allerwertesten angeschaut werden?

„Museum für die Masse“ bedeutet „Museum für alle“ - und nicht nur für eine unbehinderte sich selbst beweihräuchernde Intelligenzelite! Übrigens sind im ganzen Museum auch einige der wichtigsten Lernmöglichkeiten und -grundlagen an sich völlig außen vor gelassen worden die man sonst in jedem anderen Museum findet. Aber die "wissen ja, wie man so etwas macht“. Man riecht dort nichts, man hört dort nichts, ein Kopfhörer ist immer nur für eine Person und entsprechend hat eine Familie z. B. dann ein Problem. Es gibt fast nichts, was man irgendwie anfassen könnte, das mehr Struktur als Glas hat, um etwas wirklich „zu begreifen“. Keine Nachbauten, keine Vergleichsmodelle, keine Braille-Schrift... GAR NICHTS. Man findet auf dem Aufsteller draußen vor dem Haus oder den Schildern an der Hauswand, mit den Plakaten zur aktuellen Ausstellung  ja noch nicht einmal einen Hinweis auf den Garteneingang. Nur die Plakate zur laufenden Ausstellung. Und ehrlich - da kann keiner kommen mit "mimimimi... der Denkmalschutz verbietet das aber...", sondern das ist einfach nur Desinteresse, "Huch, wir sind sooo toll" und Ignoranz! Denn darauf hingewiesen wurde schon mehrfach. 

Selbst Sheldon Cooper hätte bei einer Museumseinrichtung wohl mehr Phantasie und Kooperationsbereitschaft aufgebracht...

So, verweisen möchte ich gerne noch auf einige Sachen:

a) Das Magazin „Handicap“, das wir seit Jahren als Abo haben und dessen wirklich netten Herausgeber Herrn Belitz wir kennen und sehr schätzen gelernt haben. Es erscheint 6 Mal im Jahr zu einem wirklich guten Preis, ist richtig dick – und was man selbst für sich oder seinen Angehörigen nicht an Tipps oder so braucht... irgendwann trifft man auf andere Leute, die genau so etwas brauchen! Das Jahresabo kostet ungefähr 25 Euro.

b) Die Webseite nullbarriere – einfach mal auf Entdeckungsreise dort gehen. Da ist für fast jeden etwas dabei

c) Als ich das Buch „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“ von Raul Krauthausen in der Buchhandlung abgeholt habe, wurde ich auf den lustigen Titel angesprochen. (Gut, ich hatte zwei Bücher bestellt und die Kombination der Titel „Der Tod und andere Höhepunkte meines Lebens“ und „Dachdecker wollte ich eh nicht werden“ ist natürlich schon.... ;-) ). Raul Krauthausen kennen viele Menschen aus dem TV von Aktion Mensch und letztens hat er getwittert: „Wurde schon wieder mit Steven Hawkings verwechselt!“. Super lesenswert das Buch und sehr ehrlich. Übrigens sammelt er Behindertenwitze. Nur mal so nebenbei. Raul hat mit Freunden zusammen die Firma Organisation „Sozialhelden“ gegründet und sie haben die

d) wheelmap.org ins Leben gerufen. Die wheelmap gibt es auch für Smartphones etc. und hilft, rollstuhlgerechte Orte zu finden – und natürlich kann man sie auch eintragen! Damit noch viel mehr Orte mit einem Rollstuhl erreichbar werden, haben sie die

e) wheelramp entwickelt, die man z. B. Als Geschäftsinhaber für verhältnismäßig wenig Geld erwerben kann um auch Kunden mit vier Rädern statt zwei Beinen begrüßen zu können – und da die wheelramp über einen gemeinnützigen Verein verkauft wird, gibt es sogar eine Spendenquittung.



Nachträge:

der Arbeitskreis für Barrierefreiheit war in dem Museum, ich schaue mal, ob ich die Protokolle bekomme.

Es gibt eine Druckwerkstatt insbesondere für die Arbeit mit Kindern. Ergo gibt es doch ein bisschen was zum anfassen... ob nur bei Führungen und mit Kindern ist mir noch nicht ganz klar.  

Ich bemühe mich, soweit ich kann, den KulturBEIRAT aus dieser Diskussion herauszulassen. Das ist meine PERSÖNLICHE Meinung - und nicht die des Beirates. 

Als Angehörige eines Menschen, der sich mittlerweile über ein Jahrzehnt in ein möglichst "übliches" Leben zurückgekämpft hat, habe ich gelernt, zu hinterfragen. Wenn mir ein Arzt mit 1,80 Metern Körpergröße erzählt: "Kleinwüchsige Menschen haben keine Lebensqualität!" - dann würde ich gerne wissen, woher er meint, das zu wissen. Er wird nie "in dessen Schuhen gelaufen sein". Ebenso ist es mit Barrierefreiheit oder Lernbehinderungen.

Heimatmuseum... ja, es ist kein direktes Heimatmuseum mehr - wird vom überwiegendem Teil der Neuruppiner aber noch als Heimatmuseum angesehen, weil es darin seine Wurzeln hat. 

Die Aufgabe eines Museums ist AUCH zu Sammeln und zu Forschen. GLEICHZEITIG hat es aber den Auftrag, Ergebnisse der Allgemeinheit zu präsentieren. Zur Allgemeinheit gehören auch Menschen mit Einschränkungen der verschiedensten  Art. Möchte man am liebsten nur sammeln und forschen, sollte man ein Institut aufmachen, da kann man am ehesten die Türen zumachen und nur die einem genehmen Leute reinlassen. 

"Du, das mit dem Judenstern ist etwas unglücklich..." - ich weiß, aber ich erkläre euch mal, warum ich das Motiv gezeichnet habe. Mein Sohn hatte ja Krebs und wurde bestrahlt. Die ganze Wirbelsäule wurde quasie "platt gemacht", damit sich dort keine Krebszellen ansiedeln können und die, die sich vielleicht dort hin verirrt haben, tot gemacht werden. Das bedeutete aber auch, dass er aufgehört hat zu wachsen. Bei 118 cm. Vielleicht nehmt ihr mal einen Zollstock und guckt, wie groß das ist. In der Klinik hat der Arzt damals immer quasie mantramäßig gesagt: "Der braucht Wachstumshormone, kleinwüchsige Menschen haben keine Lebensqualität!". Wenn euer Kind einen Hirntumor hätte, der nicht ganz entfernt werden kann und dann ein Arzt kommt und sagt: "Das Kind braucht jetzt aber Wachstumshormone, das hat keine Lebensqualität wenn es klein bleibt!" - wie würdet ihr euch fühlen? Wahrscheinlich genau wie ich: Wie im falschen Film, als ob euer Kind nur ein Versuchskaninchen ist, vor allem, wenn der Arzt just aus der Forschung zum Thema Hirntumore kommt. Eine ganz logische Reaktion für Eltern zu sagen: NEIN!  Ich habe dann viel recherchiert zum Thema Kleinwuchs und überlegt, wie wir die Wohnung anpassen können, wie die Küche umgebaut werden kann, damit er mitbrutzeln kann und so weiter und mich auf der Suche nach Menschen gemacht, die mir mehr über Kleinwuchs erzählen können. Und dann klingelte das Telefon und der Vorsitzende vom Bundesverband der Kleinwüchsigen war dran und wir haben uns lange, lange unterhalten. Darüber, wie man plötzlich erlebt, das Menschen mit Sprüchen kommen wie "musste das denn sein, das er überlebt?" oder andere Menschen für einen entscheiden wollen, was "gut" und was "schlecht" ist. Gut ist meistens, wenn es möglichst wenig Menschen mit Einschränkungen gibt. Und wenn ihr als Eltern mitbekommt, wieviele Leute noch völlig selbstverständlich Behinderten eine hohe Lebensqualität absprechen, das schwerer Behinderte völlig selbstverständlich "unwertes Leben" sind... dann ist das für lange, lange Zeit ein tiefer Schock. Dieses Bild mit dem Dreieck habe ich in Erinnerung daran gezeichnet, das mir der Anrufer dann erzählt hat, er wäre verheiratet mit einer ebenfalls kleinwüchsigen Frau. Die war schwanger, wäre kurz vor der Geburt in eine Spezialklinik gekommen - und dort hat ihnen ein Arzt nahe gelegt, das Kind abzutreiben. Stellt euch das mal vor, kurz vor der Geburt! Sie haben nach der Begründung gefragt und der Kerl hat den beiden, die BEIDE KLEINWÜCHSIG sind dann tatsächlich gesagt: "Kleinwüchsige Menschen haben keine Lebensqualität!".  Woher will er das wissen? Weil er nur aus seiner normal groß-Warte entscheidet? Sollte man also Babys kurz vor der Geburt umbringen, wenn klar ist, sie werden nie 1,70 m groß, weil sie KEINE LEBENSQUALITÄT haben und zum Beispiel im Museum kaum etwas sehen? Das ist der Hintergrund für das gelbe Dreieck. Behinderte sind oft abgestempelt, mehr, als sich normale Menschen je vorstellen können. Ihnen wird Bildung vorenthalten, sie werden von vielen Freizeitaktivitäten ausgeschlossen und so weiter. Ihr könnt euch nicht vorstellen, was mir schon an den Kopf geknallt wurde, weil ich ein behindertes Kind habe. Und ich weiß, nicht nur mir... deshalb das gelbe Dreieck. 

Vor einigen Jahren habe ich übrigens das Buch "Anton oder die Zeit des unwerten Lebens" gelesen. Über ein behindertes Kind im 2. Weltkrieg. Es gibt nicht viele Bücher, bei denen ich Rotz und Wasser heule, bei Anton habe ich es. Denn dieses Buch - eine wahre Geschichte - erzählt von der Zeit im 2. Weltkrieg. Real habe ich aber über 50 Jahre später viele, viele Sachen mit meinem Kind GENAU SO erlebt. Das sind die Momente wo einem bewusst wird, das sich manche Sachen wahrscheinlich nie ändern werden und das, was sich ändert, oft nur eine oberflächliche Garnitur ist, so eine Art dicker Zuckerguss, der vertuscht, wie es oft wirklich ist. 

Deshalb... das gelbe Dreieck hat schon einen ziemlich handfesten Hintergrund - und manchmal braucht es vielleicht auch einfach mal eine "virtuelle Keule" um klar zu machen: DAS GEHT SO NICHT! 

Protokoll vom AK Barrierefreies Neuruppin liegt mir vor, ist von 2013 und im Bereich Museum sehr übersichtlich. In meinen Augen sieht die Bereitschaft mit Behinderten zu kooperieren anders aus und hätte ein aktuelleres Datum...


kann sein, das diese Liste sich noch ergänzt, also immer mal wieder nachschauen bitte. Danke.






Freitag, 26. Juni 2015

Kunst: Galerieeröffnung in Berlin, das Skulpturenkabinett




Teil 2:

Weil die Galerie „auf Zeit“ ist, und die Nachnutzung danach auf Wunsch der Eigentümer „Abriss“ lautet, musste viel improvisiert werden.

Dieser Häuserkomplex, der die „Galerie auf Zeit“ beinhaltet, hat übrigens eine eigene Internetseite. Die wird von der Bürgerinitiative dort gestaltet. Deren Auffassung sind, dass es in jedem Stadtteil auch bezahlbaren Wohnraum für alle geben sollte – zumal die „Edelplatte“ auch noch gar nicht mal so alt ist. In der DDR ist die nämlich nicht fertig geworden. Der ganze Komplex ist an einen Schweizer Investor verkauft worden, der dort gerne moderne Wohnungen hinbauen möchte. Das der Quadratmeterpreis dann von „Otto Normalverbraucher“ nicht mehr bezahlt werden kann, ist klar. 


Das Skulpturenkabinett

Letztlich ist auch dieses „Großstadtproblem“, etwas, das mehr und mehr in Neuruppin ankommt. Das plötzlich die Viertel der finanziell eher nicht so gut da stehenden Leute zu „in-Vierteln“ für Besserverdienende wurde und über Jahrzehnte gewachsene Strukturen innerhalb weniger Jahre zerschlagen wurden. In Berlin war es nach dem Fall der Mauer – jetzt stellen viele Großstädter fest, Berlin wird irgendwie zu voll und zu hektisch – das Umland ist ja auch ganz schick. Plötzlich sieht man dann in der Innenstadt verspiegelte Fenster von Wohnungen, oder bekommt mit, wie aus maroden Häusern Schmuckstücke werden – aber eben auch zu einem entsprechenden Preis vermietet werden – und das wird so weitergehen. Schön, das saniert und investiert wird – aber letztendlich werden sich immer weniger „Urneuruppiner“ in zehn, fünfzehn oder zwanzig Jahren eine Wohnung im Stadtkern leisten können, sofern sie keinen wirklich gut bezahlten Job haben.

Aber das wird nicht nur „Urneuruppinern“ so ergehen, sondern auch Leuten wie mir und damit uns das irgendwann nicht mehr so schwer fällt, bürgert man für die Viertel mit hoher Wohndichte schon mal nette Namen ein. ;-)

Aber zurück zur Galerieeröffnung: Nachdem nun die Ausstellung offiziell mit Ansprache eröffnet wurde, die Künstler alle vorgestellt wurden, ging es irgendwann in einer Gruppe in den zweiten Raum. Das „Skulpturenkabinett“. Hier hat man gesehen, wie sehr die Leute in den letzten zwei Wochen rotiert haben – denn der Raum wurde komplett neu gestrichen. Er hat auch eine völlig andere Atmosphäre als der große Raum – und präsentiert die dortigen Ausstellungsstücke sehr schön. 


Wie das wohl heisst? "In memory of Whitney Houston"?

Jens Kanitz ist mit vielen Werken dort vertreten und es hat einen Hauch von... nicht nur Afrika, sondern generell Urvölkern, auch wenn es als erstes wahrscheinlich oft eher mit Afrika assoziiert wird. Ich finde die Arbeiten wirklich superschön und vor allem, dass sie aus Holz sind. Eine Skulptur mit vielen Kanus hat mich dann ein bisschen an den Spielplatz der Uniklinik in Göttingen erinnert. Dort in der Gegend macht jemand Murmelbahnen – aus großen Sandsteinblöcken. Keine Ahnung, wie er das im Inneren der Blöcke hinbekommt, aber die sind a) sehr begehrt und b) wunderschöne Kunstwerke (vor allem für mich Murmelliebhaberin!). 


Kanus

Ich denke, dass die Werke von Kanitz wirklich absolut toll sind um sich in Tagträumen zu verlieren, zu entspannen und innerlich runterzufahren – sich zu erden. Sie strahlen eine enorme Ruhe aus und irgendwie so ein tiefes: „Alles Gut!“. Ich glaube, wenn man so eine Art „Speed-Dating“ mit den Künstlern hätte und sie nicht über ihre Kunst sprechen dürften, und man danach die Werke den Künstler zuordnen müsste – bei ihm wäre es wahrscheinlich am einfachsten das Wesen des Künstlers dem Wesen der Werke zuzuordnen. Selbst wenn man nur rudimentär Ahnung von Kunst hat.

Dann gibt es dort noch Werke von Marion Menzel, die mit Teeblättern und Kunstharz arbeitet. Ziemlich gewöhnungsbedürftig. Allerdings kommt es auch so gut an, dass sie internationale Ausstellungen damit bestückt und sogar nach Japan eingeladen wurde um dort etwas mit dem Material zu machen!

Weil ich für mich aber einen „Ankerpunkt“ brauche (siehe im Teil 1 bei Mayumi Okabayashi) war es erst gar nicht so einfach für mich, diesen „Teegeschichten“ etwas abzugewinnen. Bis.. ich das hier gesehen habe: 


Reversi lässt grüßen

Hat von euch jemand schon mal „Reversi“ gespielt? Das ist ein strategisches Legespiel, bei dem es darum geht, auf einem Spielbrett so viele Felder wie möglich mit seiner Farbe zu belegen. Tja, shit happens... rot hat gewonnen, weiß keine Schnitte mehr und das Brett ist noch nicht einmal voll belegt! Also, damit kann ich dann etwas anfangen.


Der Kunst saures geben... Zitronen. Oder doch Kiwi?

Dann stand da so ein Brett mit – hm.... - Pralinen??? Kiwis??? Muffins??? herum. Reinbeissen sollte man tunlichst nicht, aber irgendwie hat das Ding etwas lustiges. Wie mit buntem Zuckerguss übergossene Kiwis halt. Daneben waren abstrakte Formen mit Tee ummantelt, damit kann ich nun wieder nichts anfangen. Aber die Teesachen haben wohl (ich habe es nicht ausprobiert) einen relativ guten Effekt. Bei ihnen sollte man tatsächlich „nur mit den Augen gucken, nicht mit den Händen!“. Sie sind pieksig wie ein Seeigel. Dabei taucht gerade die Frage auf, wie wohl der Teebehälter von Frau Menzel aussieht? Wurde ein Tiegel zum Teeigel? ;-) 



Damit kommen wir zu Künstler Nummer acht, von dem Werke in der Ausstellung sind: Günter Grass. Zu dem brauche ich eigentlich wirklich nicht viel zu schreiben, denn alles was es über ihn zu sagen gibt, ist vor kurzem in etlichen Nachrufen durch die Presse gerauscht. Ausgestellt sind von ihm die Werke zum Thema „der letzte Tango“ und im Prinzip ist das ob der jeweils sehr naturgetreuen Darstellung egal ob in den Bildern an der Wand oder bei den Bronzeskulpturen sehr leicht, dazu einen Bezug zu finden. Wenn man jemanden wie Doris kennengelernt hat, deren Hobby Lateinformationstanz ist und die das auf Wettkampfniveau betreibt, noch viel leichter... 


So, das war es mit dem zweiten Teil, ich hoffe, ich konnte euch einen guten Einblick vermitteln und etwas neugierig machen, sich mit Kunst zu beschäftigen. Und wenn es nur ein paar eigene Gedanken von euch sind, die beim Betrachten der Bilder aufploppen! 




Dienstag, 23. Juni 2015

Kunst: Ab in die Mitte




Freitag, 18 Uhr und viele Minuten – die Endstation des R6 von Neuruppin nach Berlin ist der Bahnhof Gesundbrunnen. Umsteigestation für mich auf dem Weg zur Galerieeröffnung.  Keine Ahnung, warum das hässliche, unwirtliche Ding "Gesundbrunnen" genannt wurde. Hier fahren Züge durch, hier halten Züge – und es gibt hier auch sonst jede Menge Zug. Von hier aus gibt es eine direkte Verbindung mit einer S-Bahn zum Brandenburger Tor. Wenn man ein bisschen sucht und sich auf die Architekten einstellt, die Bahnhöfe und Hinweisschilder entwickeln mit dem Ziel, Menschen zur Verzweiflung zu bringen, findet man irgendwann auch das passende Gleis in der Kellerabteilung dieser Großstadt. 


Mauerstück in der Wilhelmstraße


Bis zum Brandenburger Tor dauert es etwa eine viertel Stunde, von der Menschen wie ich dann die Hälfte der Zeit darüber nachdenken, ob sie tatsächlich die richtige U-Bahn erwischt haben. Egal, man hat Zeit, die Leute zu beobachten. In einer Ecke sitzen vier Leute, jeweils zwei sich gegenüber. Die beiden auf den äusseren Sitzen unterhalten sich relativ zivilisiert, während der Glatzkopf an der Fensterseite irgendwann anfängt herumzubrüllen: „Eeeeyyyy, Paaarty.... FICKEN??? FICKEN????“ und dann seiner Gegenüber ziemlich derbe die Haare durchwuselt um danach wieder auf seinen Sitz zu fallen und für den Rest der Fahrt zu verstummen. Besser ist das. Für ab und zu mal finde ich so ein Kuriositätenkabinett ja ganz interessant und lehrreich, aber für jeden Tag reicht Neuruppin völlig aus. Im Vergleich zu Berlin ist das hier quasi die homöopathische Verdünnung davon. Was mich im übrigen an das Pärchen letztens erinnert hat, sie ein bisschen adipös angehau... futtert und mit einer schwarzen Sweatjacke. Das ist ja an und für sich ganz ok, hätte Madam nicht die Fan-Jacke von FreiWild getragen, die den schönen Aufdruck „Land der Vollidioten“ trägt. Das sind dann so Momente, wo ich mir einen weißen Edding wünsche. Um drunter zu schreiben: „Hurraaaa – und ich gehöre dazu!“.

Nun denn, wer am Brandenburger Tor aussteigt, landet gleich im Überwachungs-Bewachungs-Aufpasser-Viertel. Ämter, Botschaften, das Adlon... alles was wichtig und geschichtsträchtig ist ist von hier aus gut zu erreichen – und ich gebe zu, mit dem Viertel da habe ich mich noch nie so richtig beschäftigt. Die Wilhelmstraße ist da gleich um die Ecke. Man erkennt es total gut an den dicken Pollern, die aus dem Wirrwarr an Straßen mit einer Bahn, zwei Bahnen, zum ganz durchfahren, nicht ganz durchfahren, gar nicht durchfahren ein bisschen mehr Wirrwarr machen. Aber immerhin – kleine Kinder könnten da ungestört Radfahren lernen und auf der Straße spielen und wenn so ein Straßenmalkünstler da einen Teppich hinmalen würde, dann hätte das sogar was. Weil die britische Botschaft dort ein bisschen aussieht wie ein überdimensionierter Schrank aus Wurzelholz. Mit einem offenen Fach. Und wisst ihr, was in dem offenen Fach ist? Ein lila Teil, das aussieht wie so ein kleiner Hut der Queen! Also eines muss man den Briten lassen: sie haben einen wunderbaren Humor. Auch in der Architektur. 

Im Gegensatz zu deutschen Bahnhofsarchitekten.

Geschichtsträchtiges Pflaster

Nachmittags hatten wir noch auf Google Streetview geschaut, wie es dort eigentlich aussieht. Oder besser: wie es dort mal ausgesehen hat, denn die Bilder sind von 2008 und da waren die Läden, in denen jetzt die Ausstellung ist, nun einmal noch Läden. Ebenfalls habe
ich bei der Gelegenheit geschaut, wo ich einen Laden für Künstlerbedarf in der Gegend finde. Am Ende der Straße in der „Shopping Mall“. Da wollte ich gerne noch hin und dachte mir so: „Nun, die Galerie ist auf der anderen Seite, auf dieser Seite parken Autos und ist ein bisschen Grünzeugs, da sieht keiner das du schon da...“ klingeling, mein Handy: „Stoooop, du bist zu weit, andere Straßenseite und ein paar Meter zurück!“. Mist. Entdeckt. Mir wurde dann aber dennoch ein kurzer Ausflug in diese „Shopping Mall“ gegönnt, in der ein junger Kerl mit Anzug und Krawatte hinter einem Rezepzionstresen im Durchzug steht und mit Engelsgeduld den Leuten erklären darf, wo sie was finden. Gleich neben dem Eingang ist so eine Art Krimskramsladen, alles handgewerkelte Teile von Künstlern. 


Gedenktafel für Johann Elser "Ich wollte den Krieg verhindern"

Dahinter prangt sehr überdimensional der Umriss von „Karl“ auf den Scheiben. Also nicht Karl der Große, auch nicht Karl die Große sondern Karl, der rumläuft wie eine Mischung aus Michael Jackson und Mozart und dazu eine Heino-Sonnenbrille trägt. Einer der Ursachen des „Schantallismus“ in Deutschland, weil er für „Schanelle“ gearbeitet hat/arbeitet. Und wie das eben so ist, wer sich die Klamotten und Duftwässerchen schon nicht leisten kann, will wenigstens so ein kleines Zweibein mit edel anmutendem Namen besitzen. Wer weiß, das einer der Grundbausteine für Luxusparfüms das Analdrüsensekret von Moschusochsen ist kann ja überlegen, wie aus „Chanel - Eau de toilet“ dann „Oh, de Schanelle muss aufs Klo!“ wird. Die Rache für die ganzen Anglizismen wird an den Franzosen ausgeübt... danke, Karl. Davon haben die schon immer geträumt! 


Dreierlei an Hirsch... Anke Gesell

Ein bisschen später war ich dann in der Galerie auf Zeit, original DDR-Edelplatte in exklusiver Wohnlage. Vor ein paar Jahren gab es hier unter anderem noch ein Steakhaus. Nun kommt man rein und guckt auf Hirsche an Backsteinwand. Das sieht übrigens ziemlich gut aus, sogar etwas Erde gibt es unten, fehlen eigentlich nur noch ein paar Holzscheite. Die Hirsche sind von der Neuruppiner Künstlerin Anke Gesell. Weil Künstler heute oft „nicht nur“ Künstler sind, machen viele von ihnen nach dem Kunststudium Weiterbildungen. Anke Gesell hat eine Weiterbildung gemacht, um zum Beispiel in der Schule für geistige Entwicklung mit den Schülern zu arbeiten. 

Märchenhafte Leichtigkeit von Mayumi Okabayashi


Gleich daneben hängt eine große Installation von Mayumi Okabayashi: riesige Papierteile die an seidenen Fäden von der Decke hängen. Sehr fragil alles und in Echt viel schöner als auf allen Fotos, die es davon gibt. Wobei es durchaus einige Zeit brauchen kann, bis man mit so einer Art von Kunst für sich selbst klar kommt. Bei mir war es so, das ich es von der Seite betrachtet habe, die Abendsonne schien durch die Fenster und spielte mit den Farben auf den großen Blättern... und in dem Moment hat es „klick“ gemacht. Ich habe an einen Film gedacht: „Hugo“, den Nick und ich mittlerweile schon mehrfach gesehen haben. In diesem Film geht es um die Anfänge der Filmkunst und damit vor allem um einen der ersten Filmemacher überhaupt: Georges Méliès 
Der Galerist und sein Besuch aus der alten Heimat, die Kulturamtsleiterin aus Köln.

Nachdem ich also für MICH die Entdeckung gemacht habe, dass das Werk von Mayumi Okabayashi eigentlich irgendwie an eine der Bühnendekorationen von Melies erinnert, habe ich irgendwie darauf gewartet, das große Goldfische oder ein Neptun zwischen den Blättern wie aus dem Nichts auftauchen. Vielleicht erinnert es jemand anderen ja an die Geschichte vom kleinen Wassermann, an ein altes Papiertheater, Schattentheater oder was auch immer. Denn ist es nicht genau das, was aus „Ist das Kunst oder kann das weg?“ etwas macht, für das man eine Wertschätzung entwickelt? Ganz für sich selbst einen Bogen zu finden, der ein Kunstwerk mit so vielen Emotionen zu etwas das man kennt oder erlebt hat zu verbinden, das man eben nicht mehr denkt: „Ist das Kunst oder kann das weg“? 

Friedrich Puhl, im Hintergrund Bilder von Thomas Berthold

Dann stellt der Überraschungskünstler aus – es gab eine kleine Auswahl an möglichen Künstlern und letztlich war Thomas Berthold derjenige, der sich für flexibel genug erklärt hat, einige Werke dort auszustellen. Das ist sehr schön, denn dieses Jahr hat er noch einen ganzen Stapel anderer Ausstellungen, die er bestücken möchte. Viel schreiben kann ich zu ihm nicht, wer wissen möchte, was und wie er malt, sei auf seine Homepage verwiesen. 


"Umbau" von Holger Bunk

So richtig toll war es für die riesigen Werke von Uschi Jung und Holger Bunk, die dort zum Teil frei hängend, ihre Wirkung gut entfalten. Es ist schon etwas anderes, ob ein Bild an einer Wand hängt oder frei im Raum, ob man eine Wand mit Bildern entlang läuft – oder auch zwischen ihnen laufen kann. Von Holger Bunk hängen zum Beispiel zwei riesige Tücher von der Decke. Das vordere wurde schwarz eingefärbt – ist aber halbtransparent geblieben – und auch die Zeichnung auf dem Tuch passt an den Ort wie die Faust aufs Auge, hält jemand doch ein Schild „Umbau“ in der Hand. Ja, die Räume wurden ein bisschen umgebaut – um irgendwann abgerissen zu werden – und eigentlich steht es auch generell für die Wilhelmstraße. „Umbau“. Mauer weg, ein riesiger Shopping-Center mit überdimensionierten „Stolpersteinen“ die in den Fußböden dort eingelassen sind und in der Form keine Erinnerung an bestimmte Personen, sondern an die jüngere Geschichte der Stadt/des Ortes tragen. Viele Erinnerungstafeln mit langen, fast schon erschlagenen Texten über Widerstandskämpfer, Führerbunker und so weiter. Eine Straße im ständigen Umbau die gegen das Vergessen mahnt – und ich bin sicher, nicht nur ich habe ein Problem damit, wenn eines der schwärzesten Kapitel der deutschen Geschichte mit zunehmendem Luxus überbaut wird. Aber... das ist nun einmal der Lauf der Geschichte: Altes geht, Neues kommt. Alle paar Jahrzente gibt es vom Kern der Sache her Wiederholungen, die aber nicht so auffallen, weil sich die Mittel der Zeit angepasst haben. Zurück zur Kunst: 

Kunst auf Zeit am Fenster, Jens Kanitz und Uschi Jung davor

Uschi Jung hat dann auch noch kurzfristig ein „Kunstwerk auf Zeit“ an einer Fensterscheibe geschaffen – das war so eigentlich nicht angedacht, aber die Scheibe hatte einen Sprung und so wurde aus der Not eine Art Farbexplosion gemacht, die später mit dem Haus untergehen wird. Nicht nur ein Kunstraum auf Zeit, sondern auch Kunst auf Zeit. Wie toll sie auf problematische Räume eingehen kann und wie einfallsreich zeigt ihr Bodenkunstwerk „Himmel über Berlin“. Denn auf den Bildern der leeren Räume, die ich gesehen habe, ist genau dort eine ziemliche Macke im Fußboden. Nicht jeder schafft es, aus einer unschönen Macke dann „den Himmel auf Erden“ zu machen. Sie schon. Wer dann als Neuruppiner der öfters in der Bilderbogenpassage weilt, vor dem Haus steht, wird ein bekannteres Werk von ihr direkt an zwei Scheiben entdecken, die so vom großen Raum mit Bildern zum kleineren Raum mit den Skulpturen überleiten. Es ist ursprünglich ein Foto (ich glaube es war ein roter Zug in grüner Landschaft), das sie so dermaßen vergrößert hat, dass es sogar die Ministeck-“Plastik-Pixel“ um Längen schlägt. (Ich habe euch da mal ein nettes Teilchen verlinkt...  ;-D)


Der Himmel über Berlin. Kein Quilt aber tolle Vorlage dazu

Sooo, damit wäre Teil eins erst einmal fertig – über die zauberhaften Entdeckungen im kleineren Skulpturenraum berichte ich im zweiten Teil. 


Nachträge:

Ein dickes Lob geht noch an Friedrich Puhl, ihr seht ihn oben auf einem der Bilder. Friedrich hat zur Eröffnung ein paar klassische Gitarrenstücke gespielt - und es war unglaublich gut! Hut ab! Ein riesiges Talent und wenn ich mich an meine WG-Zeit mit dem Musikstudenten erinnere, der Flamenco-Gitarre gespielt hat, dann bewundere ich Friedrichs Durchhaltevermögen beim Üben. Whow.




Hier übrigens noch die "Neuruppiner" von Rang und Namen, die an dem Abend vor Ort waren: Vorne ist Dagmar Ziegler, "unsere" Bundestagsabgeordnete, dahinter etwas versteckt Jens Kanitz. Dann auch sehr begeistert der Vize-Landrat Werner Nüse, der als Kunstliebhaber vor Ort war, davor Uschi Jung, hinter ihr Vincent Dallmann der neue Ortsvorsitzende der SPD, dann kommt Anke Gesell und die ist immer irgendwie gut drauf und hinter ihr unser Galerist Johannes Bunk.