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Donnerstag, 31. August 2023

Gebe niemals deine Träume auf!

Foto vom schön gestalteten Deckblatt des Juli-Kurses
"Natur, Kunst und Poesie"

Also ich muss euch jetzt ja mal von meiner neuen Weiterbildung erzählen. Letztes Jahr habe ich den Kurs von der Hamburger Klett-Gruppe ausprobiert, der ist dann ja für mich zu einem ziemlichen Reinfall mutiert. Aber immerhin – es war interessant und letztlich auch ganz lehrreich, wie Fernstudiensachen so sein können.

Dann kam irgendwann der zweite Kurs zu dem Thema im Großen und Ganzen raus, der von der Deutschen Zentrale für  Fernstudien zertifiziert wurde. Ich habe schon immer damit geliebäugelt, alles verfolgt, die Schnupperwoche mit der Haselmaus mitgemacht – alles tutti. Nun hat alles irgendwie so gepasst, dass ich endlich damit anfangen konnte!

Jeden Monat gibt es ein neues Themenfeld, es gibt ein komplettes Team, das sich um den Kurs kümmert und tatsächlich auch Ahnung von Pädagogik hat. Es gibt Zoom-Meetings, die Whatsapp-Gruppe ist tatsächlich gut und da sind auch die Initiatoren drin und machen bei Bedarf mit. Das Lehrmaterial ist mit vielen, vielen Farbfotos versehen und es gibt ein Künstlerpaar, die Wawras, das extra für den Kurs wunderschöne Bilder malt. Von denen habe ich mittlerweile einen Bestimmungsfächer, den ich schon bei den Waldkindern eingesetzt habe. Tolles Teil.

Ich bekomme die Unterlagen über eine spezielle Seite und kann sie mir als PDF herunterladen. Das sind jeden Monat rund 160 Seiten und die sind in verschiedene Themenfelder unterteilt. Ein PDF ist dann „Aus der Praxis für die Praxis“. Ich habe auf über 70 Seiten Vorschläge bekommen, was ich mit Kindern praktisch umsetzen kann. Whow! 


Foto vom Deckblatt des August-Kurses zum Thema
"Vom Potential der Natur für unsere Gesundheit"


Insgesamt sind pro Monat etwa 40 Stunden vorgesehen zum Lernen, für die Zoom-Meetings – und für die praktische Arbeit, denn das, was wir Teilnehmer lernen, sollen wir halt auch praktisch umsetzen und davon jeden Monat 3 Stunden dokumentieren. Was für mich bedeutet, ich muss mir nun eine Kindergruppe zwischen 3 und 12 Jahren suchen, die Spaß daran hätte, sich mit Natur zu beschäftigen und optimaler Weise wären da auch wieder Kinder mit Behinderung dabei wie bei den Waldkindern.

Wenn nach 12 Monaten alle Themenfelder durch sind, bleiben mir 6 – 12 Monate für eine Abschlussarbeit. Darauf freue ich mich jetzt schon, denn einer der Schwerpunkte MEINER Abschlussarbeit soll eigentlich im Bereich „Naturpädagogik für Menschen mit Behinderungen“ sein (ich hoffe, das klappt irgendwie). Das bietet sich einfach an nach der langen Zeit mit Nick, seinen Freunden und Bekannten und der Arbeit im Team vom „Arbeitskreis barrierefreie Stadt Neuruppin“ und nicht zuletzt mit all dem, was ich selbst so mit PTBS-Assistenzhund erlebt habe. Denn auch Joey war (und ist) oft ein Indikator dafür, wie es denn mit der Barrierefreiheit ist, selbst wenn der eigentlich in Rente ist.
(Aber was wäre das für eine Art und Weise zu sagen: "Hey Joey, du hast mir zwar jahrelang den Arsch gerettet, warst jahrelang mit auf den Stadtratssitzungen, auf Fortbildungen, in Schulen, Galerien, Supermärkten, Arztpraxen und den WfbM´s etc. pp. - jetzt bist du alt, sieh´  zu, wie du klar kommst, es geht mir jetzt besser, ich muss jetzt den ganzen Tag arbeiten!"?? Lieber habe ich weniger Geld als weniger Herz). 

Es würde auf allen bisherigen Erfahrungen aufbauen und entspräche auch dem, was sowohl die UN-Behindertenrechtscharta als auch Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) fordert. Damit wäre es eine ziemlich geniale Verbindung zwischen den beiden Themen, die mir wirklich viel bedeuten. Auch wenn da nur zwei oder drei Sachen bei herauskommen, die andere Menschen problemlos bei ihren Aktionen umsetzen können um Teilhabe zu ermöglichen - zwei oder drei ist besser als: "Schön das du dabei bist, ich hoffe, es reicht dir am Rand zu bleiben und zuzuschauen, wie die Unbehinderten Spaß haben!".

Bislang finde ich da tatsächlich nicht so wirklich viel. Für die Arbeit in Schulen ist das anders, da gibt es wirklich viel wenn es um Behinderungen geht – aber wie ist das, wenn jemand zum Beispiel leichte Sprache benötigt? Wenn er eine Sehbehinderung hat? Wie können Menschen, die eigentlich einen Rolli brauchen, Feld, Wald und Wiese hautnah erleben? Wie ist das mit unterstützender Kommunikation? Was gäbe es da für Möglichkeiten und was muss man beachten? Ich erinnere mich da auch gerne an Nick beim Schnitzkurs. Mit dem Rolli erst einmal über einen sehr matschigen Weg und dann draußen an einem Picknicktisch schnitzen. Tja, versuch das mal so mit Rolli.

An zwei Tagen in der Woche arbeite ich erst einmal als Sozial-assistentin für eine ganz tolle junge Frau mit Behinderung im Umweltbildungszentrum in Vrees. (Ich glaube, ich bin der einzige Mensch, der sich je als "Puzzleteil" beworben hat). Dort wurde dann vorgestern ein Picknicktisch für die Gruppenarbeit draußen zusammen mit dem Förster gebaut. Ich hatte dann vorsichtig angemerkt, das man vielleicht beachten sollte, dass der wenigstens an einer Seite unterfahrbar ist. Der Förster so: "Warte mal ab, das ist sowieso ein Experiment, wie der gebaut wird!". Ehrlich, mir ist so ein Stein vom Herzen gefallen, als ich den fertigen Tisch gesehen habe! Denn da müssten die Fußrasten eines Kinderrollis echt problemlos unten durch passen - und mit anderen Kindern vernünftig mit an einem Tisch zu sitzen und GEMEINSAM statt einsam mit denen arbeiten zu können ist sooooo wichtig! Ich hoffe sehr, ich erlebe es dort noch, dass ein Rollikind dort tatsächlich dran sitzt um zu sehen, ob es tatsächlich passt. Das wäre übrigens dann schon mal ein gutes Beispiel für die Abschlussarbeit.

Oder die Zeit mit Nick und Feuerwehr - „ja, super dass er dabei ist, alles gar kein Problem – aber so als Behinderter reicht es doch sicherlich, wenn er nur daneben steht!!!“. Keine Ahnung, wie oft Nick und ich damals gemeinsam geheult haben, weil es so unfair war. Jedenfalls sehr oft. Ein bisschen cool war aber, dass ich als einzige Mutter und Nicht-Feuerwehr-Mensch dann zum Bundeskongress der Jugendfeuerwehren nach Berlin eingeladen wurde, um über die Erfahrungen zu sprechen und zu diskutieren, was geht und was nicht geht.

Auf jeden Fall wird es für mich absolut spannend, da auf Entdeckungsreise zu gehen, viel zu lernen und hoffentlich auch einige Dinge ausprobieren zu können. Ich freue mich riesig auf die Zeit mit dem Kurs und tollen Leuten quer durchs Land, auf viele neue und alte Entdeckungen, auf das Lernen – und wenn auch nur die Hälfte von dem so klappt, wie ich es mir vorstelle und ÜBER den Dingen ist, die Nick und ich ohnehin vor einigen Jahren geplant hatten, wäre er sicherlich enorm stolz.

Deshalb: gibt nie deine Träume auf - also wenn sie auch nur halbwegs realistisch sind und du nicht gerade von einem Lottogewinn träumst (obwohl du gar kein Lotto spielst oder so). Denn manchmal erfüllen die sich vielleicht doch noch. Irgendwann. Vielleicht ein bisschen anders als ursprünglich gedacht, aber nicht unbedingt schlechter. 



Joey vor einer Experimentierstation in der Molberger Dose

Mittwoch, 24. Mai 2023

 Einer meiner Schwerpunkte ist Naturkunde. Nach und nach kann ich davon auch immer mal etwas bei den Waldkindern einbringen. So hatte ich nun auf einer „Hunderunde durch den Wald“ drei Kinder als Begleitung.


Bild: Pixabay

Huch, warum sind die Eicheln denn jetzt rot?“ war dann meine Frage. Denn genau das hat mich die letzten Wochen beschäftigt, wenn ich mit dem Hund unterwegs war und ganz viele Eicheln gesehen habe, die plötzlich rot waren. Denn im Herbst sind sie grün und wenn man sie aufschneidet, weißlich.



Die Kinder haben ein paar rote Eicheln gesammelt und wir haben sie dann auf der Veranda mit einer Lupe untersucht. Sich Dinge mit einer Lupe ansehen, finden einige Kinder total klasse. Aber was hat es nun mit den roten Eicheln auf sich?

Wenn die Eicheln im Herbst auf den Boden fallen, haben sie eine grüne Hülle. Bleiben die Eicheln liegen, platzt diese Hülle irgendwann, weil die Eicheln anfangen zu Keimen. Dann sieht man, dass das Innere einer Eichel aus zwei Teilen besteht. Das ist eigentlich wie bei Erdnüssen, bei denen man letztlich die Früchte die man aus der Schale gepult hat, auch in zwei Teile auseinanderschieben kann. Das sind die beiden Keimblätter.



Bei Eicheln ist es so, dass sie rote Farbstoffe, die Anthocyane, bilden. Diese sind im Prinzip das Sonnenschutzmittel der keimenden Eicheln, weil noch kein grüner Farbstoff, das Chlorophyll, gebildet werden kann. Die Anthocyane liegen in gelöster Form in der Zellflüssigkeit vor und werden durch Lichteinwirkung und Säuregrad der Zellflüssigkeit aktiviert.


Rote Eichel/Bild: pixabay


Rote Eicheln sind also mit ihrer eigenen "Sonnenmilch" eingefärbt. 

Die Anthocyane sind Farbstoffe, die Pflanzen und Früchten zum Beispiel eine blaue oder rote Farbe verleihen. Heidelbeeren sind deshalb dunkelblau, Kirschen und Herbstblätter rot. Ihnen wird eine gesundheitsfördernde Wirkung nachgesagt.

Erdnüsse gehören übrigens zu den Leguminosen, wie Bohnen und Erbsen. Da ihre Hülle aber geschlossen bleibt, zählt die Erdnuss von ihrer Erscheinung her zu den Nüssen. 


Dienstag, 17. Januar 2023

Warum und wie "NUPsis" vor der eigenen Haustüre anfangen sollten

 Nach ein paar Wochen Natur- und Umweltpädagogik (NUP)-Kurs und den Vorgaben dort, möchte ich nun wieder mehr Struktur in das „Was möchte ICH tatsächlich an NUP vermitteln – und wie ist der Weg dahin?“ bringen. Es bringt mir ja nichts, mich über Dinge zu ärgern, die definitiv falsch sind. Oder über Dinge, die ich letztlich auch gar nicht brauche. Für diejenigen „NUPsis“ im Kurs, die ein bisschen eine andere Herangehensweise kennenlernen möchten, von der sie langfristig tatsächlich mehr haben:

Im NUP 01 habt ihr die Aufgabe gehabt, nach „Orten öffentlicher Bildung“ in eurer Umgebung zu suchen. Das ist bislang die BESTE Aufgabe, die es in den Heften 1 – 5 gibt, denn genau die bringt euch richtig viel! Ihr werdet später nicht quer durch die Lande gondeln, um überall zu arbeiten (und wenn doch, könnt ihr euch dann eben später auf neue Landschaften einlassen, in denen ihr arbeiten möchtet). Euer Wohnort ist eure Basis. Wenn ihr etwas über Natur und Umwelt lernen wollt, müsst ihr genau vor eurer Haustüre anfangen.

ein Ort öffentlicher Bildung

Ich mag ja richtige Papierlandkarten total gerne, vielleicht besorgt ihr euch eine Wanderkarte / Freizeitkarte von eurer Gegend, die ihr an eine Türe klebt. Manchmal bekommt ihr von Tourist-Informationen so etwas kostenlos oder für wenig Geld. Für die „vor der Haustüre“-Arbeit bieten sich Karten im Maßstab 1:25 000 an. Eventuell liegt genau euer Wohnort so blöde, dass ihr 2 oder gar 3 Karten braucht. Nicht ärgern, ihr entdeckt einfach mehr. Auf den Karten habt ihr eine größere Übersicht als auf eurem Smartphone bei Google Maps. Auf dem Blog hier findet ihr ein bisschen Kartenkunde HIER (klick mich, ich bin ein Link). Ebenfalls erkläre ich auf dem Blog die App Komoot, die ich oft auf Hunderunden etc. verwende. Allerdings ist der Beitrag schon ein paar Jahre alt. Komoot hat sich weiterentwickelt, aber im Kern stimmt der Beitrag noch.

Es ist übrigens nie verkehrt, in der heimischen Tourist-Info aufzutauchen und sich dort massig Infomaterial zu besorgen, solltet ihr später Führungen oder „Kinderbekasper“ anbieten wollen, bekommt ihr so schon einen ganzen Haufen für euch wichtige Adressen!

Nun müsst ihr euch überlegen, ob ihr den Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV/ Öffis) nutzt, ein Rad oder ein Auto habt. Denn eure Mobilität bestimmt euren Aktionsraum!

Auf der Karte markiert ihr euren Wohnort mit einem dicken Punkt. Nutzt ihr Google Maps und habt euer „Zu Hause“ markiert, dann bekommt ihr das automatisch angezeigt. Nun überlegt ihr, wie weit ihr üblicher Weise kommt. Markiert ein paar Ziele, die ihr öfters anfahrt, um spazieren zu gehen, mit dem Hund oder den Kindern unterwegs zu sein etc., was ihr in einer unproblematischen Zeit erreichen könnt. Das ist eure „Home-Base“. Wenn ihr schon wisst, welchen Radius ihr damit abdeckt, ist das okay. Wisst ihr es nicht, messt die Entfernungen via Luftlinie in Zentimetern. Wenn ihr verschiedene Punkte habt, könnt ihr die Entfernungen zusammenrechnen. Das Ergebnis teilt ihr dann durch die Anzahl der Punkte, die ihr gemessen habt. 

Ihr könnt allerdings auch feststellen, dass eure Adresse nicht der Mittelpunkt ist, sondern eher am Rand liegt und euer Aktionsraum eher so eine Eiform hat. Auch das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass ihr euren Aktionsraum richtig gut kennen lernt! Manchmal erlebt man dabei so "oh, das ich hier so etwas finde, hätte ich nie gedacht!"-Momente. Genau darum geht es! 

Auf der Papierkarte könnt ihr es mit einem Zirkel (Glas, Teller, was halt passt um die Linie hinzubekommen) markieren – oder ihr macht mit einem Lineal eine Pünktchenlinie  Nutzt ihr Google Maps, dann könnt ihr die Webseite CalcMaps dafür nutzen! Speichert das Bild von CalcMaps ab, gerne auch in verschiedenen Maßstäben.

So kann es auf CalcMaps aussehen

Der nächste (Eier-)Kreis, den ihr in die Karte zeichnet, ist die maximale Entfernung, deren Aufwand sich für euch noch lohnt, wenn ihr die mehrmals im Monat erreichen müsstet. Es bringt euch nämlich eher massiv Frust und Unlust, wenn ihr zum „Herumabenteuern“ und um etwas auszuarbeiten ein Gebiet anfahren müsst und dafür dann Fahrzeiten von einer Stunde oder so pro Strecke habt.

Mit diesen beiden Kreisen habt ihr FÜR EUCH einen guten Anfang. Nun könnt ihr innerhalb der Kreise nach und nach alle „Orte öffentlicher Bildung“ suchen, die irgendwie in den Bereich Natur und Umwelt passen. Auf der Papierkarte könnt ihr die mit einem Punkt markieren. 

Entsprechende sucht ihr nun nach Lehrpfaden, nach Museen, nach Tafeln, auf denen etwas erklärt wird. Ihr könnt ökologische Stationen einzeichnen, Adressen von Naturschutzverbänden, Forsthäusern, Sehenswürdigkeiten und so weiter. Streift in dem Home-Base-Gebiet umher, schaut euch alles an – und wenn ihr Kinder im Spielplatzalter habt, dann markiert auf dem Plan mit einer extra Farbe auch gute Spielplätze. So etwas ist immer gut zu wissen! (Hier ist gibt es die Anleitung für eine „Was machen wir heute-Teebox“)

Junior und ich hatten mal eine Challenge, dass wir auf einer Karte alle Straßen markieren, die wir in der Stadt, wo wir mal gewohnt haben, schon abgelaufen sind. Das kann echt spannend sein! Gerade wenn ihr eh mit Kindern raus müsst, macht das. Bezieht die Kinder mit ein, lasst sie Wege auf der Karte und "in Echt" suchen, freut euch mit ihnen über jede nachgemalte Straße, jeden nachgemalten Weg auf der Papierkarte, fotografiert unterwegs tolle Sachen - oder auch nicht so schöne Sachen. Aber wenn ihr den Kurs z. B. auch deshalb macht, weil ihr euren Kindern gerne etwas beibringen möchtet - dann bezieht sie ein. Sie sehen oft Dinge, die ihr als Erwachsene nicht mehr seht - und es ist immer gut, wenn ein Kind seine Umgebung möglichst gut kennen lernt. Deshalb malt auf die Karten auch tolle Spielplätze, Tiere oder was auch immer. 

Aufgabe Nummer zwei für euch wäre: Findet die Adresse der für euren Bereich zuständigen UNTEREN NATURSCHUTZBEHÖRDE heraus. Notiert euch die Adresse, die Mail und eine Telefonnummer. Wenn ihr dort in der Nähe seid und die Behörde noch auf hat, geht hin und schaut, was es dort an Infomaterial gibt. Nehmt mit, was ihr davon irgendwie für euch passend und wichtig findet. Das ist „die halbe Miete“ für euch! Schafft euch eine Box nur für Infoflyer an. Oder besorgt euch auf Amazon diese Dokumententaschen zum abheften. Die sind ziemlich genial. Wenn ihr die Flyer vielleicht auch noch nicht in den nächsten Monaten braucht – egal. Mitnehmen und bunkern. (Es ist kein Affilate-Link zu Amazon!) 

Dann informiert euch, was so eine „untere Naturschutzbehörde“ macht und wofür sie zuständig ist. Das ist elementar wichtiges Wissen, wenn ihr im Bereich Natur- und Umweltpädagogik arbeiten wollt, denn ihr werdet immer mal wieder mit dem Hinweis „Untere Naturschutzbehörde“ konfrontiert. Arbeitet ihr mit Gruppen in Naturschutz-gebieten, ist es mitunter auch gut und manchmal auch notwendig, dass mit der zuständigen  Naturschutzbehörde abzusprechen. 

Wenn ihr schon auf der Seite eurer Kreis- oder Stadtverwaltung seid, dann sucht euch da bitte auch noch einen Ansprechpartner mit Mailaddy für wilde Müllkippen heraus. Da könnt ihr auch beim Ordnungsamt gucken. Speichert euch auch da die Telefonnummer und eine Mailaddy. Wenn ihr nämlich unterwegs seid und irgendwo eine wilde Müllkippe seht, dann geht hin und macht ein Foto davon. Als nächstes ruft ihr Google Maps auf und lasst euch anzeigen, wo ihr seid. Screenshot so, dass man es wiederfinden kann. Google Maps zeigt euch auch die Koordinaten an – speichert die ab. Wenn ihr die Bilder dann vial Mail mit einer kurzen Erklärung „Ich war in … unterwegs und habe dort eine wilde Müllkippe gefunden, anbei Fotos und Koordinaten/Karte, wären Sie so freundlich, den Bauhof zu bitten, das einzusammeln?“ an die Verwaltung schickt, kann die sich um die Entsorgung kümmern. Auch damit seid ihr für eure Kinder Vorbilder. 

Ich denke nämlich, wenn man Natur- und Umweltpädagogik vermitteln will, sollte man so ein paar Dinge einfach auch ganz selbstverständlich immer wieder mal machen. Denn wenn wir keine wilden Müllkippen melden – wer sollte es denn dann tun? Es ist die „gute Tat des Tages“. Junior und ich hatten schon lange vor, auf unseren Touren ab und an Müll vom Wegrand einzusammeln. Das haben wir zusammen leider nicht oft geschafft. Aber wir haben uns Greifer angeschafft, damit geht das recht gut und nun mache ich es auf manchen Touren. Zum Einen stört mich der Müll am Wegrand, ich finde es unschön und nervig.  

An einem Waldparkplatz eingesammelt 

Zum Anderen ist es praktizierter Umwelt- und Tierschutz - ich muss ja auch kein Grab pflegen, also kann ich das pflegen, was Nick und mir wichtig war. Zum Beispiel auch deshalb, weil es vorkommen kann, dass zerdrückte Dosen im Mähgut für Viehfutter landen. Das sind Aludosen, da schlagen keine Magnete an - Rinder wiederum können dann versehentlich diese platten Dosen mit scharfen Kanten fressen - und sich innerlich unglaublich schwer und unrettbar verletzen. Die gehen daran ein. Ähnlich kann es mit Plasteteilen und Scherben sein. 

Es wird gefressen, was auf dem Futtertisch liegt, manchmal leider auch Ungesundes!
(Highland-Bullen im Kaltstall, Hof "vom Lohmühlenbach" )


So, das wäre es für heute, vielleicht hilft es ja dem Einen oder der Anderen irgendwie. 

Donnerstag, 12. Januar 2023

Das Klassenaquarium, der Ruderfüßer und der Splatterfilm.

Ich lerne ja im Moment viel. Das heißt: eigentlich lerne ich immer irgendwas. Mal mehr, mal weniger. Im Moment etwas mehr. 

Es gibt wieder so eine ganz interessante Aufgabe in einem Kursheft, das sich rund um Schule dreht. Da soll man sich ein Miniaquarium im Klassenzimmer vorstellen und dann folgt eine Aufzählung dessen, was in diesem Aquarium schon lebt. Das habe ich mir notiert und jeden Namen gegoogelt. 

Ich werde nie einen Schulteich anlegen und so etwas auch nie in einem Plenum besprechen, also habe ich mir aus dem Heft herausgesucht, was für mich in Frage kommt und den Rest nur überflogen. Aber für die Aufgabe muss ich halt wissen, was das für Viecher im Aquarium sind und was und wen die fressen, weil der Autor viel, viel Wert auf "Räuber-Beute-Beziehung" legt. 

Nun ja, es war auch absolut kein Problem, alle Tierchen zu googeln.  Das hat auch alles Sinn ergeben. Bis... na ja, bis auf den Ruderfüßer. Ich lache immer noch. In der Literaturangabe ist ein Buch aus dem Kosmos-Verlag angegeben "Was lebt in Tümpel, Bach und Weiher?". Dieses Buch hatte ich vor 35 Jahren in meiner Büchersammlung. Wie so ziemlich alle Kosmos-Naturführer, deren ich habhaft werden konnte. Ich habe es geliebt und immer wieder reingeschaut. Aber in so vielen Jahren vergisst man eben auch richtig viel. Den Ruderfüßer zum Beispiel. 


Das Vieh lebt also zusammen mit ein paar anderen Wasserviechern in einem Aquarium, das etwa die Grundfläche einer A4-Seite hat und nun kommen zwei Kiddies an und wollen da noch Libellenlarven und Kaulquappen mit reinstopfen. Man soll dann aufschreiben, was man den Kindern sagen würde. Also erst dachte ich ja, nachdem ich den gegoogelt habe, das ist einfach ein total genialer Trick vom Autor, um zu gucken, wer aufgepasst und sich wirklich mit den Tieren beschäftigt hat. War es dann doch nicht. Darf ich mich vorstellen: Ela, die Fettnäpfchenqueen!

Aber ich hatte so derbe viel Spaß mit dem, was Google mir als Ruderfüßer angezeigt hat und kann auch nachweisen, dass Google das angezeigt hat, dass ich letztlich nur die Splatterfilm-Erklärung für Erwachsene zur Frage "WAS passiert, wenn man in ein kleines volles Aquarium auch noch Kaulquappen und Libellenlarven stopft?" kindgerecht und nach dem Motto "doppelt gemoppelt hält besser!" und pädagogisch wertvoll umwandeln musste. "Hömma, spinnt ihr? Zurück damit, flotti-karotti!" gilt nun einmal nicht als "pädagogisch wertvoll".



Es gäbe dann tatsächlich ein Bio-Splatterfilm-Vorlage mit dem Vorteil, dass das Aquarium so klein ist, dass man nicht mal groß die Schauplätze des Gemetzels suchen müsste - und die Kaulquappen wären die personifizierte Opfer so ziemlich aller anderen Viecher. 

Aber eigentlich meint der Autor so ein kleines Krebstierchen. Nur: den Google-Verweis darauf und eine echt Asbach-aussehende Seite dazu mit geschätzt Bildern von 1950 wurde mir erst nach mehreren Tagen von Google angezeigt. Merke: Denkst du dir Fragen für eine Online-Arbeit aus, überlege, wie die Lernenden an die Antworten kommen könnten. Vor allem, wenn das Wort "Ruderfüßer" sowieso nur zwei Mal im ganzen Heft vorkommt. Das eine Mal bei einem Beispiel, dass man mit den Schülern am Schulteich ja gucken könnte, wer sich wie fortbewegt - und das andere Mal in der Aufgabe. Nur das Wort. Keine Erklärung, welches Tier/ welche Art nun konkret gemeint ist. 

Zwei Aufgaben in der Einsendearbeit weiter geht es um ein durchsichtiges Plasteaquarium mit Kompost auf einer Fensterbank im Klassenzimmer. Das war dann der Moment, wo ich das Heft am liebsten an die Wand gefeuert hätte. Denn mit so einem Ding in so einem Beobachtungsaufbau lernt man als Schüler eigentlich nur eines: Wie man etwas richtig massiv versemmelt und Würmer sterben lässt. 

Übrigens bekomme ich seit etwa zwei Wochen unglaublich viele Angebote für Online-Kurse die mit Natur, Umwelt oder Pädagogik zu tun haben. Das ist unglaublich krass, was für ein großes Angebot es da gibt, selbst der NABU bildet jetzt Naturführer aus. Ich habe 6 der Studienhefte bekommen und bin mit jedem Heft eigentlich nachdenklicher geworden - nicht, ob das Thema als solches zu mir passt. Das nicht. 

Aber ich bin gefühlt Fehlerdetektorin geworden. Ein Bücherregal ist mir schon vor längerer Zeit zusammengebrochen, weil ich einfach so unglaublich viel Fachliteratur habe.  Das habe ich erst gar nicht gemerkt, weil es so ein Schrankregal ist. Da hat es die Seitenteile auseinander gebogen und dann ist halt alles abgerauscht. Als ich es dann gemerkt habe, haben Nick und ich uns kringelig gelacht. Aber bei mir müssen Bücherregale tatsächlich Bücher aushalten. Viele Bücher. In den nächsten Tagen kommen noch zwei dazu. Eines der typisch deutschen Bücher über Fährtenlesen ist in den Kritiken ziemlich zerrupft worden. Einer der Kritiker hat auf ein Buch aus den USA verwiesen und das konnte ich tatsächlich als Rebuy-Exemplar ergattern. Das liegt gerade irgendwo beim Zoll oder so. Darauf freue ich mich schon sehr.  Das andere beschäftigt sich mit Unfallprävention im Bereich Erlebnispädagogik und Co. 

Ich denke, dass ich für viele andere Menschen "zu gründlich" bin. Ich erwarte einfach einen adäquaten Gegenwert für die Kursgebühr. Es ist aber echt faszinierend zu sehen, wie viele Menschen diesen Kurs machen und nichts hinterfragen. Selbst wenn sie aussagen, ab und an mit dem Kopf geschüttelt zu haben - das ist ein psychologisches Ding und gehört ins Marketing. Durch Klimawandel etc. sind die Leute viel mehr sensibilisiert auf Natur- und Umweltthemen und man gibt gerne mehr Geld aus, wenn man es moralisch und ethisch für gut befindet und das Gefühl bekommt, etwas "Richtiges" zu tun. 

Mal schauen, was wird. Ich habe heute eine Mail bekommen, wenn ich den Lehrgang bei Google gut bewerte, könnte ich ein Ipad gewinnen. Hahahahaaa - nein. Ich habe heute ein Feedback zum Kurs losgeschickt - per Post. An denjenigen, der tatsächlich dafür verantwortlich ist. 








Sonntag, 18. Dezember 2022

Wie die Massentierhaltung in Deutschland entstanden ist

Ich lerne jetzt "Natur- und Umweltpädagogik". Als Fernstudium. Denn ich würde gerne mit dem, was Nick und mein Leben zum Teil ausgemacht hat, weitermachen. Statt Nick etwas zu dem Thema beizubringen, aber dann damit, anderen Kindern etwas beizubringen. Da gibt es Studienhefte, die arbeitet man durch und am Schluss hat man eine "Einsendeaufgabe", vergleichbar mit einer Klassenarbeit. Verschiedene Fragen, die beantwortet werden müssen. Im ersten Studienheft ging es recht kurz um Massentierhaltung und in der Einsendeaufgabe sollte man dann a) erklären, warum es zur Massentierhaltung gekommen ist und b) die Probleme bei der Massentierhaltung aus Tierschutzsicht beleuchten. Da meine Antworten etwas ausführlicher geworden sind und ich viel, viel Spaß dabei hatte, sie zu schreiben, hier nur die Blogversion davon:

Um die Punkte a) und b) zu klären, bedarf es zunächst einmal einer genaueren Definition des Begriffes „Massentierhaltung“. Der Begriff wurde 1975 „amtlich“ als er in eine Massentierhaltungsseuchenverordnung eingearbeitet wurde (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Massentierhaltung) und wird heute als Synonym für Intensivtierhaltung verwendet. Es bedeutet, dass viele Tiere auf verhältnismäßig begrenztem Raum gehalten werden.

Für Verbraucher beginnt Massentierhaltung bei 500 Rindern, 5000 Tieren Geflügel und 1000 Schweinen. (Quelle: wir-sind-tierarzt.de)





Die Zahl der Menschen, die ein Landwirt ernährt, haben sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Ernährte ein Landwirt, also ein Betrieb, 1970 noch 27 Menschen, hat sich diese Zahl durch das Sterben der kleineren Höfe drastisch verändert.

In einer Tabelle habe ich mit Daten des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung sowie dem statistischen Bundesamt/destasis die Entwicklung von Bevölkerung, Zahl der pro Landwirt ernährten Menschen und soweit zu finden, die Zahl der tierhaltenden Betriebe geordnet:


Jahr

Bevölkerung in Deutschland

Ernährte pro Betrieb

Anzahl Nutztierbetriebe



1970


77.709 Mio


27




1980

78.275 Mio

47



1990

79.365 Mio

69



2000

82.188 Mio

127

391 500**


2010

81.752 Mio

124

216 100


2020

83.160 Mio

139 / 150*

168 000



*die Zahl der ernährten Personen, wenn man Importfuttermittel mit einrechnet

** Zahl der Geflügelbetriebe wurde von genesis-destasis nicht erfasst

Allein die Entwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten zeigt ein massives Höfesterben an. Die freiwerdenden Flächen werden dabei von anderen landwirtschaftlichen Betrieben übernommen (sofern sie nicht zu Baugebieten oder Naturschutzflächen ohne größeren landwirtschaftlichen Nutzen werden). Flächenübernahmen bedeuten für landwirtschaftliche Betriebe, dass sie sich vergrößern und ihren Tierbestand aufstocken. Denn auch wenn ein Betrieb mit Nutztierhaltung aufgibt und die Zahl der Nutztiere seit Jahrzehnten zurückgeht, bleibt immer noch ein hoher Fleischbedarf zu günstigen Erzeugerpreisen.

Damit wird die Versorgung der Bevölkerung gesichert, die durch Zunahme an Personenzahl, Veränderung der Wohn- und Lebensformen, dem mangelnden Platz (Zeit, Interesse) sich nicht selbst versorgen könnte. Dabei ist auch zu beachten, dass Tiere auch die Dinge fressen, die für Menschen eher „nicht so lecker“ sind und/oder die der menschliche Körper nicht verwerten kann. So bekommen Tiere auch Erntereste, Trester, Gras und so weiter – das würden viele Menschen nicht essen. Wenn Nutztiere solche für Menschen ungenießbaren und unverwertbaren Pflanzen / Pflanzenbestandteile fressen, nennt man das oft „veredeln“. Denn dadurch, dass Tiere den Kram fressen, verwerten und Fleisch ansetzen, haben wir Menschen letztlich etwas, dass unser eigener Körper verwerten kann – nämlich Fleisch, Eier und Milchprodukte – oder auch Fisch aus den vielen Fischzuchten hier in Deutschland.

Etwa 1970 war die Region in der ich lebe (Landkreis Cloppenburg/ Emsland/Ostfriesland; Nordwest-Niedersachsen) das „Armenhaus Deutschlands“. Es gab kleine Bauernhöfe und weite Flächen mit Wald und Moor, die nicht unbedingt zur Viehhaltung taugten. Insbesondere durch das relativ nahe Ruhrgebiet mit seinen ganzen Zechen und der Montanindustrie änderte sich die Region hier binnen weniger Jahrzehnte, denn die „Kumpel aus dem Pott“ leisteten Schwerstarbeit und brauchten entsprechend Nahrung, die alleine im Ruhrgebiet nicht anzubauen war.

Hier gab es diese Flächen und so wurde dafür gesorgt, dass aus dem ehemaligen Armenhaus der Republik dann eine ertragreiche Kulturlandschaft wurde. Höfe wurden nach und nach zu Großbetrieben, die mehr und mehr sicherstellen konnten, dass der „Sonntagsbraten“ bei dem „Vattern das größte Stück“ bekam die tägliche Wurstschnitte, die tägliche Bratwurst, das jederzeit in ausreichender Menge verfügbare Schnitzel wurde. Aus der Grundernährung durch Kohl, Kartoffeln und Rüben sowie Karnickeln aus dem eigenen Stall, für die Kinder Gras und Löwenzahn sammelten (siehe auch „Tante Linas Kriegskochbuch“) wurde das Motto „Fleisch ist mein Gemüse“, das nach dem Motto „der Kunde ist König“ immer und überall im Überfluss zu haben sein muss.

Dazu kam, dass man sich von der Vollverwertung eines Tieres immer mehr auf die „guten Stücke“ verlagerte. Dadurch wurde in zunehmendem Maße nur noch wenig Fleisch eines einzelnen Tieres verwendet, was ebenfalls einen Anstieg der Masttiere zur Folge hatte. Schließlich wollte ja jeder „das gute Fleisch“ und kaum noch einer so etwas wie Pansen, Kutteln, Nieren, Ochsenschwanz, Saumagen, Euter, Hirn, Zunge und so weiter. Bis zum Auftreten der Schweinepest wurden erhebliche Mengen von den Sachen, die deutsche Verbraucher nicht verwenden nach China exportiert. Mit Auftreten der Schweinepest gab es einen Exportstopp, China baut seitdem Massenställe in Hochhausmanier, um selbst Schweine zu produzieren. (Quelle: https://www.topagrar.com/schwein/news/neue-26-stoeckige-schweinehochhaeuser-in-china-13190792.html

der Film dazu: https://www.youtube.com/watch?v=vTEyYDayp5w) Ein anderer Abnehmer für hier unerwünschte Schlachtteile ist z. B. Indonesien.

So entstand die Massentierhaltung in Deutschland – was sich dabei für die Tiere überwiegend sehr positiv verändert hat, wird im zweiten Teil erklärt


Der kommt etwas später, wird sicherlich noch mal aufgeteilt, weil er wirklich sehr lang geworden ist - aber verraten kann ich schon, dass ich für meine Einsendeaufgabe 100 von 100 Punkten und damit die Note 1 bekommen habe. Das finde ich total klasse, weil ich erst unsicher war, ob ich mit dem Studium überhaupt klar komme. Ich werde nicht immer 100 Punkte bekommen, auch wenn ich mir viel Mühe gebe, aber für den Anfang ist das schon sehr motivierend!