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Dienstag, 17. Januar 2023

Warum und wie "NUPsis" vor der eigenen Haustüre anfangen sollten

 Nach ein paar Wochen Natur- und Umweltpädagogik (NUP)-Kurs und den Vorgaben dort, möchte ich nun wieder mehr Struktur in das „Was möchte ICH tatsächlich an NUP vermitteln – und wie ist der Weg dahin?“ bringen. Es bringt mir ja nichts, mich über Dinge zu ärgern, die definitiv falsch sind. Oder über Dinge, die ich letztlich auch gar nicht brauche. Für diejenigen „NUPsis“ im Kurs, die ein bisschen eine andere Herangehensweise kennenlernen möchten, von der sie langfristig tatsächlich mehr haben:

Im NUP 01 habt ihr die Aufgabe gehabt, nach „Orten öffentlicher Bildung“ in eurer Umgebung zu suchen. Das ist bislang die BESTE Aufgabe, die es in den Heften 1 – 5 gibt, denn genau die bringt euch richtig viel! Ihr werdet später nicht quer durch die Lande gondeln, um überall zu arbeiten (und wenn doch, könnt ihr euch dann eben später auf neue Landschaften einlassen, in denen ihr arbeiten möchtet). Euer Wohnort ist eure Basis. Wenn ihr etwas über Natur und Umwelt lernen wollt, müsst ihr genau vor eurer Haustüre anfangen.

ein Ort öffentlicher Bildung

Ich mag ja richtige Papierlandkarten total gerne, vielleicht besorgt ihr euch eine Wanderkarte / Freizeitkarte von eurer Gegend, die ihr an eine Türe klebt. Manchmal bekommt ihr von Tourist-Informationen so etwas kostenlos oder für wenig Geld. Für die „vor der Haustüre“-Arbeit bieten sich Karten im Maßstab 1:25 000 an. Eventuell liegt genau euer Wohnort so blöde, dass ihr 2 oder gar 3 Karten braucht. Nicht ärgern, ihr entdeckt einfach mehr. Auf den Karten habt ihr eine größere Übersicht als auf eurem Smartphone bei Google Maps. Auf dem Blog hier findet ihr ein bisschen Kartenkunde HIER (klick mich, ich bin ein Link). Ebenfalls erkläre ich auf dem Blog die App Komoot, die ich oft auf Hunderunden etc. verwende. Allerdings ist der Beitrag schon ein paar Jahre alt. Komoot hat sich weiterentwickelt, aber im Kern stimmt der Beitrag noch.

Es ist übrigens nie verkehrt, in der heimischen Tourist-Info aufzutauchen und sich dort massig Infomaterial zu besorgen, solltet ihr später Führungen oder „Kinderbekasper“ anbieten wollen, bekommt ihr so schon einen ganzen Haufen für euch wichtige Adressen!

Nun müsst ihr euch überlegen, ob ihr den Öffentlichen Personen Nahverkehr (ÖPNV/ Öffis) nutzt, ein Rad oder ein Auto habt. Denn eure Mobilität bestimmt euren Aktionsraum!

Auf der Karte markiert ihr euren Wohnort mit einem dicken Punkt. Nutzt ihr Google Maps und habt euer „Zu Hause“ markiert, dann bekommt ihr das automatisch angezeigt. Nun überlegt ihr, wie weit ihr üblicher Weise kommt. Markiert ein paar Ziele, die ihr öfters anfahrt, um spazieren zu gehen, mit dem Hund oder den Kindern unterwegs zu sein etc., was ihr in einer unproblematischen Zeit erreichen könnt. Das ist eure „Home-Base“. Wenn ihr schon wisst, welchen Radius ihr damit abdeckt, ist das okay. Wisst ihr es nicht, messt die Entfernungen via Luftlinie in Zentimetern. Wenn ihr verschiedene Punkte habt, könnt ihr die Entfernungen zusammenrechnen. Das Ergebnis teilt ihr dann durch die Anzahl der Punkte, die ihr gemessen habt. 

Ihr könnt allerdings auch feststellen, dass eure Adresse nicht der Mittelpunkt ist, sondern eher am Rand liegt und euer Aktionsraum eher so eine Eiform hat. Auch das ist völlig in Ordnung. Wichtig ist nur, dass ihr euren Aktionsraum richtig gut kennen lernt! Manchmal erlebt man dabei so "oh, das ich hier so etwas finde, hätte ich nie gedacht!"-Momente. Genau darum geht es! 

Auf der Papierkarte könnt ihr es mit einem Zirkel (Glas, Teller, was halt passt um die Linie hinzubekommen) markieren – oder ihr macht mit einem Lineal eine Pünktchenlinie  Nutzt ihr Google Maps, dann könnt ihr die Webseite CalcMaps dafür nutzen! Speichert das Bild von CalcMaps ab, gerne auch in verschiedenen Maßstäben.

So kann es auf CalcMaps aussehen

Der nächste (Eier-)Kreis, den ihr in die Karte zeichnet, ist die maximale Entfernung, deren Aufwand sich für euch noch lohnt, wenn ihr die mehrmals im Monat erreichen müsstet. Es bringt euch nämlich eher massiv Frust und Unlust, wenn ihr zum „Herumabenteuern“ und um etwas auszuarbeiten ein Gebiet anfahren müsst und dafür dann Fahrzeiten von einer Stunde oder so pro Strecke habt.

Mit diesen beiden Kreisen habt ihr FÜR EUCH einen guten Anfang. Nun könnt ihr innerhalb der Kreise nach und nach alle „Orte öffentlicher Bildung“ suchen, die irgendwie in den Bereich Natur und Umwelt passen. Auf der Papierkarte könnt ihr die mit einem Punkt markieren. 

Entsprechende sucht ihr nun nach Lehrpfaden, nach Museen, nach Tafeln, auf denen etwas erklärt wird. Ihr könnt ökologische Stationen einzeichnen, Adressen von Naturschutzverbänden, Forsthäusern, Sehenswürdigkeiten und so weiter. Streift in dem Home-Base-Gebiet umher, schaut euch alles an – und wenn ihr Kinder im Spielplatzalter habt, dann markiert auf dem Plan mit einer extra Farbe auch gute Spielplätze. So etwas ist immer gut zu wissen! (Hier ist gibt es die Anleitung für eine „Was machen wir heute-Teebox“)

Junior und ich hatten mal eine Challenge, dass wir auf einer Karte alle Straßen markieren, die wir in der Stadt, wo wir mal gewohnt haben, schon abgelaufen sind. Das kann echt spannend sein! Gerade wenn ihr eh mit Kindern raus müsst, macht das. Bezieht die Kinder mit ein, lasst sie Wege auf der Karte und "in Echt" suchen, freut euch mit ihnen über jede nachgemalte Straße, jeden nachgemalten Weg auf der Papierkarte, fotografiert unterwegs tolle Sachen - oder auch nicht so schöne Sachen. Aber wenn ihr den Kurs z. B. auch deshalb macht, weil ihr euren Kindern gerne etwas beibringen möchtet - dann bezieht sie ein. Sie sehen oft Dinge, die ihr als Erwachsene nicht mehr seht - und es ist immer gut, wenn ein Kind seine Umgebung möglichst gut kennen lernt. Deshalb malt auf die Karten auch tolle Spielplätze, Tiere oder was auch immer. 

Aufgabe Nummer zwei für euch wäre: Findet die Adresse der für euren Bereich zuständigen UNTEREN NATURSCHUTZBEHÖRDE heraus. Notiert euch die Adresse, die Mail und eine Telefonnummer. Wenn ihr dort in der Nähe seid und die Behörde noch auf hat, geht hin und schaut, was es dort an Infomaterial gibt. Nehmt mit, was ihr davon irgendwie für euch passend und wichtig findet. Das ist „die halbe Miete“ für euch! Schafft euch eine Box nur für Infoflyer an. Oder besorgt euch auf Amazon diese Dokumententaschen zum abheften. Die sind ziemlich genial. Wenn ihr die Flyer vielleicht auch noch nicht in den nächsten Monaten braucht – egal. Mitnehmen und bunkern. (Es ist kein Affilate-Link zu Amazon!) 

Dann informiert euch, was so eine „untere Naturschutzbehörde“ macht und wofür sie zuständig ist. Das ist elementar wichtiges Wissen, wenn ihr im Bereich Natur- und Umweltpädagogik arbeiten wollt, denn ihr werdet immer mal wieder mit dem Hinweis „Untere Naturschutzbehörde“ konfrontiert. Arbeitet ihr mit Gruppen in Naturschutz-gebieten, ist es mitunter auch gut und manchmal auch notwendig, dass mit der zuständigen  Naturschutzbehörde abzusprechen. 

Wenn ihr schon auf der Seite eurer Kreis- oder Stadtverwaltung seid, dann sucht euch da bitte auch noch einen Ansprechpartner mit Mailaddy für wilde Müllkippen heraus. Da könnt ihr auch beim Ordnungsamt gucken. Speichert euch auch da die Telefonnummer und eine Mailaddy. Wenn ihr nämlich unterwegs seid und irgendwo eine wilde Müllkippe seht, dann geht hin und macht ein Foto davon. Als nächstes ruft ihr Google Maps auf und lasst euch anzeigen, wo ihr seid. Screenshot so, dass man es wiederfinden kann. Google Maps zeigt euch auch die Koordinaten an – speichert die ab. Wenn ihr die Bilder dann vial Mail mit einer kurzen Erklärung „Ich war in … unterwegs und habe dort eine wilde Müllkippe gefunden, anbei Fotos und Koordinaten/Karte, wären Sie so freundlich, den Bauhof zu bitten, das einzusammeln?“ an die Verwaltung schickt, kann die sich um die Entsorgung kümmern. Auch damit seid ihr für eure Kinder Vorbilder. 

Ich denke nämlich, wenn man Natur- und Umweltpädagogik vermitteln will, sollte man so ein paar Dinge einfach auch ganz selbstverständlich immer wieder mal machen. Denn wenn wir keine wilden Müllkippen melden – wer sollte es denn dann tun? Es ist die „gute Tat des Tages“. Junior und ich hatten schon lange vor, auf unseren Touren ab und an Müll vom Wegrand einzusammeln. Das haben wir zusammen leider nicht oft geschafft. Aber wir haben uns Greifer angeschafft, damit geht das recht gut und nun mache ich es auf manchen Touren. Zum Einen stört mich der Müll am Wegrand, ich finde es unschön und nervig.  

An einem Waldparkplatz eingesammelt 

Zum Anderen ist es praktizierter Umwelt- und Tierschutz - ich muss ja auch kein Grab pflegen, also kann ich das pflegen, was Nick und mir wichtig war. Zum Beispiel auch deshalb, weil es vorkommen kann, dass zerdrückte Dosen im Mähgut für Viehfutter landen. Das sind Aludosen, da schlagen keine Magnete an - Rinder wiederum können dann versehentlich diese platten Dosen mit scharfen Kanten fressen - und sich innerlich unglaublich schwer und unrettbar verletzen. Die gehen daran ein. Ähnlich kann es mit Plasteteilen und Scherben sein. 

Es wird gefressen, was auf dem Futtertisch liegt, manchmal leider auch Ungesundes!
(Highland-Bullen im Kaltstall, Hof "vom Lohmühlenbach" )


So, das wäre es für heute, vielleicht hilft es ja dem Einen oder der Anderen irgendwie. 

Samstag, 28. April 2018

Gute Karten, schlechte Karten: In der märkischen Streusandbüchse

Ich hatte im vorletzten Beitrag ja von den Karten aus dem Dr. Bartels-Verlag geschrieben, die ich persönlich eher nicht so toll finde. Gestern waren wir dann spätnachmittags noch mal unterwegs. Auf der Karte, auf der ich dann jetzt noch Notizen mache, war an einer Stelle ein "Ding" eingezeichnet. Das wollte ich mal genauer ergründen:


In der Kartenlegende ist das "Ding" natürlich auch erklärt, und zwar mit "Wall". Auf Komoot, meiner digitalen Karte, ist an der Stelle eine Art Tempel als Zeichen. Zumindest bei der Android-Version. Auf dem Rechner ist dort in der Open-Street-Map dann eine Amphore eingezeichnet. Also war ich erst recht neugierig. Das mit den Fotos ist übrigens, weil ich die Tour gestern via Komoot aufgezeichnet habe.



Hier zeige ich euch mal den ganzen Kartenausschnitt - und wie gesagt, ich benutze sie für Notizen. Zum Beispiel um Orte zu markieren, die Fontane in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" erwähnt hat, Schutzhütten einzuzeichnen, falsche Wegeangaben durchzukreuzen und so weiter:



Die Gegend ist schon mal wirklich schön - und von der Autobahn sieht man eigentlich auch nicht so wirklich viel, falls da jemand Bedenken hat. Wir sind an einer Mutterkuhherde vorbei gekommen, wo die Tiere tatsächlich noch Hörner haben dürfen! Auch das möchte ich bei dem üblichen "Uuuuh.... Massentierhaltung, böööööse!" mal sehr lobend erwähnen. Wir haben Kraniche gesehen, Greifvögel und Feldlerchen. Die finde ich übrigens besonders beeindruckend, weil die im Flug ihre ganzen Liedfolgen zwitschern können. Andere Vögel können im Flug maximal rufen - wie die Kraniche und Gänse - aber eben nicht solche komplizierten Tonfolgen loslassen.



An einem umgestürzten Baum haben wir "die märkische Streusandbüchse" ganz gut nachvollziehen können. So wird die Gegend hier aufgrund des sandigen Bodens oft genannt. Die Baumwurzeln haben das Erdreich ja recht tief ausgehoben, als der Sturm den Baum umgehauen hat. Da ist dann nach einer dünnen Erdschicht letztlich auch nur noch Sand zu sehen. Fontane hat oft die "wüste Feldmark" beschrieben. Googelt man nach dem Begriff "wüste", wird einem erklärt, dass damit lebensunwerte Gebiete bezeichnet werden. Gebiete, in denen kaum etwas wächst, um sich und seine Leute dort vernünftig ernähren zu können. Das es mittlerweile anders ist, haben wir den ersten Siedlern zu verdanken, die angefangen haben, das Land urbar zu machen - und danach allen, die diese Arbeit fortgeführt haben um auf der "Streusandbüchse" Orte zu schaffen, die lebenswert sind.




So, zurück zu den Karten. Hier habe ich zwei Karten aus dem Dr. Bartels-Verlag, die sich in weiten Teilen auch überschneiden, mal nebeneinander gelegt:


Es wäre ja schön, wenn man sich im Verlag mal entscheiden könnte, was man eigentlich möchte. Aber je nach Karte, die ich zur Hand nehme, habe ich dann gefühlt die Version "bling-bling - Moment, an den Einhörnern arbeiten wir noch!" oder eben gefühlt die Version mit "Wir haben da mal Wege per Dartpfeil ausgewählt, keine Ahnung, ob die stimmen oder gut zu fahren sind, aber die sehen cool aus!". Übrigens sind dann auf einer Anschlusskarte, die dann gen Fehrbellin geht, auch Rettungspunkte samt ihren Nummern eingezeichnet. Hier nicht - denn genau in dem Kartenausschnitt befindet sich ein Rettungspunkt. Dort an der Abzweigung, wo ich den einen Weg durch"geixt" habe.

Ich verstehe, dass sich Karten im Laufe der Jahre entwickeln. In einem bestimmten Intervall sollten Karten neu überarbeitet und gedruckt werden, damit die neuen Straßen und Wege, Schutzhütten und so weiter auch darin gefunden werden können. Das machen andere Kartenverlage auch so - aber ohne halt gleich solche enorm krassen Unterschiede auf ein und dem selben Kartenausschnitt hinzulegen.

Ganz abgesehen davon, dass ich "Anschlusskarten",  die sich in weiten Teilen überlappen, auch fragwürdig finde.  Die Karten haben einen Maßstab von 1:50 000. Das bedeutet, 1 cm auf der Karte sind 500 Meter "in echt". Der Kartenausschnitt (Karte Rheinsberg, Neuruppin, Ruppiner Schweiz) ist unten  66 cm breit, das sind 33 Kilometer. Die Anschlusskarte Löwenberger Land, Lindow, Zehdenick ragt da rund 36 cm rein. Das sind 18 Kilometer. Allein seitliche Überschneidung. Dafür gibt es für andere Bereiche im Anschluss dann gar kein Kartenmaterial. Also solltet ihr je vorhaben, euch neue Wanderkarten auf Papier zu besorgen, guckt euch die Karten bitte genau an, bevor ihr zu Hause feststellt, dass ihr euch irgendwie voll verarscht vorkommt.

Immerhin... auf der "Bling-Bling"-Karte ist dann "Burgwall Netzeband" (klick mich, ich bin ein Link) eingetragen. Der ist - für Leute, die so etwas mögen - tatsächlich ganz beeindruckend. Anderen sehen halt nur einen Erdwall mit Bäumen drauf mitten in der Landschaft.




Dieser Erdwall ist vor etwa 900 (!) Jahren entstanden, als die Slawen dort eine Burg errichtet haben. Mit rund 130 Metern Durchmesser ist es sogar einen ziemlich große Burg gewesen, die dort in einem Moor-/Sumpfgebiet entstanden ist. Deshalb wird so eine Burgform auch Niederungsburg genannt, weil sie eben in niedrig liegendem Gelände gebaut wurde, dessen Umgebung oft genug auch so blöd zu erobern war, das schon die Gegend einen gewissen Schutz geboten hat.

Im Vergleich zu den Burgen, die aus Stein gebaut wurden, haben die Slawen zum Bau Holz und Erde benutzt - an ein Holzgerüst wurde Erde aufgehäuft, und damit entstand gleichzeitig ein Graben um die Burg. Heute ist das Gebiet ein Bodendenkmal - und die Natur hat es sich zurück erobert. Wenn ich mir die Bäume so anschaue - die verwurzelten Eichen und die Holundersträucher - dann leben dort neben vielen Tieren wohl nur noch Feen und Elfen.



























Sonntag, 25. März 2018

Gute Karten, schlechte Karten...

Finger weg von diesen Karten:



Jedenfalls dann, wenn ihr etwas mehr damit machen möchtet und so Sachen erwartet wie:

"Boah, da sind super Radtouren angegeben, die mache ich!" - und euch dann wundert, dass es endlose Strecken über Bundesstaßen ohne Radweg aber mit viel Verkehr geht.

Oder einfach so mal Wege als Wanderwege eingezeichnet werden, die eigentlich Ackerwege sind.

Wenn ihr korrekte und übliche Ortsangaben erwartet und euch nicht wundern wollt, warum "Steinberge" dann bei Seehof auf der anderen Seite vom Ruppiner See liegt und nicht oben hinter dem Tierpark (der als Heimtierpark angegeben ist, auch so ein Schwachsinn) oder dann feststellt, das jemand so Retro ist, bei den Ruppiner Kliniken "Landes Nervenklinik" zu schreiben.

Wenn ihr euch auf reguläre Wanderwege und die korrekte Kennzeichnung auf der Karte verlassen wollt und nicht irgendwann endlos auf Straßen laufen wollt, obwohl der Wanderweg ein ruhiger und netter Naturweg ein Stückchen weiter fast parallel verläuft - und so auch auf anderen Karten eingezeichnet ist! 

Wenn ihr bei kleinen Orten lieber mehr Straßen auf der Karte hättet, als irgendwelche Labels wie "historischer Ortskern", oder dick in kitschig-Gold unterlegte Ortsnamen, die wichtige Abzweigungen etc. verdecken.

Wenn ihr gerne eine Karte hättet, mit der eine Rundtour um den Ruppiner See möglich ist. Der ist auf zwei Kartenblättern des Verlages drauf und beide Male ist er nicht komplett drauf. Das muss man erst einmal fertig bringen als Kartenverlag, der sich auf Wanderkarten spezialisiert hat.

Wenn ihr zwar kein Problem habt, durchaus mehrere Karten zu kaufen, um eine großes Gebiet abzudecken, aber dann feststellen müsst, dass die Kartenausschnitte irgendwie recht willkürlich festgelegt sind und es für große Bereiche gar keine Anschlusskarte gibt.

Wenn euch das "GPS-fähig" Label überlegen lässt, warum eine Papierkarte GPS-fähig ist. Den GPS steht für "Global Positioning System". Das bedeutet, aus den Daten von mindestens drei Satelliten wird durch einen ELEKTRONISCHEN GPS-Empfänger, wie man sie z. B. in Fitnessarmbändern und Smartphones hat, der aktuelle Standort ermittelt. Wie also ist eine PAPIERkarte GPS-fähig - und wozu sollte das überhaupt gut sein?

Gut, sie hat ein UTM-Gitter draufgedruckt. UTM ist der modernere Koordinatenmaßstab und tatsächlich wichtig. Für Militär, Rettungsdienst etc. um etwas PUNKTGENAU zu finden. Aber um etwas PUNKTGENAU zu finden, braucht es dann tatsächlich einen elektronischen GPS-Empfänger. Jedenfalls, wenn es genau und vor allem schnell sein soll. Auf einer Papierwanderkarte bringt mir das UTM-Gitter nämlich gar nichts. Es ist Augenwischerei, völlig überflüssig und ich bin sicher, 99 % derer, die eine solche Papierkarte nutzen, wissen schon mit dem Begriff gar nichts anzufangen.

Also Finger weg von diesen Karten aus dem Dr. Barthel-Verlag. Die haben einfach viel zu viele Fehler. 

Ich bin ein bisschen ein Kartenfreak. Ich finde Land- und Wanderkarten total klasse. Es ist spannend, sich verschiedene Karten anzuschauen, sie zu vergleichen - und es ist interessant, auf Karten die Entwicklung eines Gebietes zu verfolgen. Oder Dinge zu entdecken, wo man denkt: "Sieht interessant aus, da würde ich gerne hin!". Ich nutze Papierkarten vor allem wegen der größeren Übersicht. Und weil ich dann gemütlich am Tisch sitzen kann anstatt vor dem Rechner, um etwas zu planen. Weil ich dort etwas drauf einzeichnen und sie beschreiben kann.

Aber ich benutze auch Google Maps und vor allem Komoot. Das sind digitale Karten, die ich über den PC oder das Smartphone bekomme. Komoot.de habe ich hier schon ein paar Mal vorgestellt. Nachdem wir gestern auf einer Papierkarte zu Hause überlegt haben, wo wir hinfahren um "rumzuabenteuern" haben wir dann vor Ort die App fürs Smartphone benutzt und Wege zu finden, die Streckenlänge zu messen, Fotos zu machen... und am Schluss ist das hier dabei heraus gekommen:




Hier der Link zur Tour (klick mich!) Wobei 2:06 h für "Zeit in Bewegung" steht. Mit den ganzen "Wir gucken mal nach dem Weg, wir lesen mal eben ein Schild, bleib mal stehen, ich will ein Foto machen und wir trinken mal etwas" waren wir dann über 3 Stunden unterwegs. 

Weil ich an Komoot ja schätze, dass man dort mitarbeiten kann, habe ich gestern dann übrigens an den Punkten in und um Molchow herum dort den Hinweis hinterlassen, dass die Molchow-Brücke in 2018 nicht vorhanden ist und man das bitte einplanen sollte, falls man die nutzen möchte. Vorraussichtlich irgendwann 2019 ist sie wieder da. Wobei ich die ja mittlerweile ob des ganzen Ärgers lieber "Molotow-Brücke" nenne. Aber dazu steht mehr auf der  Stadt-Ratte (klick mich, ich bin der Link!)




Donnerstag, 1. September 2016

Strecken - gesucht, geplant und gefunden


„Hey, wie findest du deine Touren?“ bin ich letzte Woche in einem Kommentar gefragt worden. Es scheint noch (mindestens) einen Zughundesportler hier zu geben und er hat – eigentlich genau wie ich – das Problem mit „pfotenfreundlichen Untergründen“. 




auch so ein "Versuch und Irrtum"-Weg.
Wenn man sich mal durch die Hundeliteratur liest und durch manche Foren, dann wird immer wieder gesagt, wie unglaublich wichtig es doch ist, das Hunde nicht auf Asphalt oder Pflaster laufen, das wäre für ihre Gelenke nicht gut.

Jain. Meine Erfahrung mit Joey und Farino zeigt, dass Hunde selbst wenn sie die Wahl haben zwischen dem, was Menschen „pfotenfreundlich“ und einem glatten aber harten Untergrund wählen können, oft lieber genau das gewählt wird, was Menschen so verteufeln. Gerade heute bei einer Tour über das Klinikgelände habe ich es wieder gesehen – wir sind über den Zebrastreifen an der Fehrbelliner Straße gelaufen und dann geht links ein Weg über die Grünanlage. Joey hatte auf diesem Stück die Wahl auf dem Weg zu laufen, dessen Belag aussieht wie ausgekotzter Eiersalat, auf dem gemähten Rasen – oder auf einem schmalen Streifen Ziegelsteine. Er hat über 70 % der Strecke dort ausgerechnet die ca. 15 cm breiten Ziegelsteine zum Laufen gewählt! Da piekst nichts in die Pfoten, es verirrt sich auch kein kleiner Stein zwischen die Pfotenballen und wenn sie lieber auf dem Asphalt eines viel frequentierten Weges laufen anstatt auf dem Gras daneben, dann mag es zwar nicht gelenkschonend wirken – aber oft ist es pfotenschonender. Denn was an Glas etc. vom Asphalt geschoben wird, landet meistens genau dort. 



Ich denke auch, dass es auch ein Unterschied ist, welchen Schwerpunkt man selbst eigentlich beim Bikejöring hat. Selbst wenn Pferd und Hund dann doch ganz unterschiedliche Pfoten- bzw. Hufgelenke haben – eines bleibt gleich: kein Kutscher würde sein Tier lange Zeit auf Asphalt gallopieren lassen – aber er hat kaum ein Problem damit, Kutschpferde mit Hufeisen einige Zeit locker über die Straßen traben zu lassen. Die Belastung der Gelenke steigt mit der Geschwindigkeit (womit wir eigentlich auch schon wieder bei kinetischer Energie wären, siehe letzten Beitrag...) und der Dauer/Distanz. Danach ist der Untergrund auszuwählen.

Strebe ich das Bikejöring auf Geschwindigkeit an, wäre es fatal, den Hund auf Asphalt auf Geschwindigkeit zu trainieren. Schon die Fußfolge macht klar, dass dabei enorme Kräfte auf die Gelenke einwirken, die ihren Dämpfung im Untergrund brauchen. Mittlerweile habe ich fast alle europäischen YouTube-Videos durch. Unterteilen kann man sie vor allem in Wettkampf / Wettkampftrainings-Videos und Freizeitsportler „just for fun“. Bikejöring-Wettkämpfe haben vordefinierte Streckenlängen und die sind unter 10 Kilometer. Ich glaube, die längste Strecke ist etwas unter 8 Kilometer, oft sind die Strecken zwischen 3 – 5 Kilometer. Das kann ein Hund mit viel Training durchgallopieren. Einer der Profihundesportler, Herr Obermair, erklärt in einem Video, er erreicht mit seinen Hunden zum Teil Geschwindigkeiten bis 50 km/h. Das halten Hunde nicht lange, aber sie können es je nach Strecke, Training und Gespannteam erreichen. Der hat einen Transporter, da sind die Hunde drin und die Fahrräder drauf. Das ist dann natürlich super, weil man mit dem Ding bis an Strecken heranfahren kann, die dann einen fast durchgehend pfotenfreundlichen Untergrund bieten.



Die Karte der Komoot-App, die ich z. B. auf dem Smartphone habe.

Viele „Just for fun“-Bikejörer haben das aber nicht. Die starten von zu Hause aus und dann sieht man auch in den Videos, wie sie auch lange Strecken über Asphalt oder Beton fahren, bis sie einen Feld-, Wald- oder Wiesenweg erreichen und dann die Hunde oft auch an Tempo zulegen. Für mich war das recht beruhigend. Denn es zeigt mir, ich bin mit meiner Problematik, nun einmal den Hund und das Rad nicht erst irgendwo in ein Auto zu packen um dann zum Wald zu fahren und dort alles wieder auszupacken und zu starten, nicht alleine. Da es mir nicht um höhere Geschwindigkeiten und Wettkämpfe geht, sondern eher um Spaß an der Sache und Joeys Auslastung, sind wir also eher so ein Distanzteam. Das also vorweg. 


Open Cycle Map
Wie finde ich aber nun meine Strecken? Ich mag Landkarten. Ich kann mich lange über eine Karte aus Papier beugen und mir die Wegeverläufe ansehen und überlegen, wie es da wohl dann in natura aussieht (das manche Dinge auf Karten besser aussehen als in natura gehört dann zum Lerneffekt dazu...). Wird die Planung einer Tour etwas konkreter, gucke ich mir die Strecke oft auch auf google-maps als Satellitenbild an. Das ist ebenfalls schon mal relativ hilfreich um einen ersten Eindruck zu bekommen, was mich da so erwartet. Aber viele Wege die mit Hund vor dem Rad recht gut zu fahren sind, entdecke ich eigentlich durch „Versuch und Irrtum“ (oder auch ausprobieren genannt) oder dadurch, dass mir jemand irgendwann mal den Weg gezeigt oder davon erzählt hat. Je länger ich Joey vor dem Rad habe, desto größer wird unser Radius und desto mehr Strecken stehen und letztlich zur Verfügung, die einen Mix aus hartem und weicherem Untergrund bieten. Die App „Komoot“ bietet auch die Möglichkeit, sich Strecken nach bevorzugtem Untergrund anzeigen zu lassen – und man bekommt viele – zum Teil gut bebilderte – Streckenvorschläge von anderen Nutzern in ganz verschiedenen Gegenden. 

Vorschläge von Komoot.de

Im direkten Stadtumfeld bieten sich als Streckenmix dann Touren durch den Gutspark und darum herum an. Toll fand ich auch die Tour von dort aus über Feldwege bis an den Fahrradweg vor Treskow. Das hat richtig viel Spaß gemacht, dort mit Hund und Rad langzufahren, war aber auch etwas anstrengend.


Ebenfalls oft bin ich an der Mesche unterwegs, kurz hinter dem Wendekreis fängt die erdige Schlaglochpiste an, die um das Kleingartengelände herumführt. An einer Kreuzung hinter dem Gelände hat man die Wahl ob man weiter stadtauswärts auf einem Betonplatten-Weg fährt, sich geradeaus auf die Frage einlässt, ob der Wiesenweg durch grasende Rinder blockiert ist oder man ihn bis in die Kränzliner Siedlung befahren kann – oder man biegt halt links ab um wieder auf der Mesche zu landen. Wenn nicht viel los ist, fahre ich auch Wege durch das Kleingartengelände, weil die zum Training einfach schön für die Hundepfoten sind. Aber gerade im Sommer ist dort eigentlich zu viel los und überall gehen Hunde die Zäune hoch. Fürs Training ist das doof. Ich zeige euch aber anhand des Gebietes verschiedene Karten zur Streckenplanung.



hier die Open street map (OSM) von dem Gebiet

Der Stadtpark und -wald bietet auch mehr als den Uferwanderweg und ist von der Innenstadt aus durch das Kleingartengelände dort gut zu erreichen und zum Teil einfach enorm abenteuerlich zu fahren (aber das macht ja auch einen Teil des Reizes aus...).

Auch eine wirklich tolle Strecke gibt es auf der anderen Seeseite, über den Seedamm und dann rechts den Uferweg bis zur Badestelle, hoch zur Straße und dort rechts halten bis zur Landstraße. Hier links bis zur Badestelle an der Lanke – und gegenüber in den Feldweg ein. Hinter der Eisenbahnbrücke wieder links halten und bis Nietwerder fahren. Dort wieder links, und dann hat man die Möglichkeit direkt hinter dem Ort rechts abzubiegen, muss einen Hof passieren – um auf einem Feldweg bis nach Gildenhall zu fahren, falls man nicht den Radwege nutzen möchte.

Jede Strecke ist letztlich ein Mix aus ganz verschiedenen Untergründen, die verschiedene Geschwindigkeiten ermöglichen (so der Hund das möchte) und mehr oder minder lang und schwer zu fahren sind. Aber Spaß machen sie eigentlich alle.


Hier das Satellitenbild von google maps aus dem Gebiet

Alle hier gezeigten Kartenausschnitte habe ich von Komoot rausgezogen. Wie ihr seht, sieht jede Karte etwas anders aus und ist schon fast eine Wissenschaft für sich. Mit etwas Übung bekommt man es aber gut hin, sich auf den Karten zurecht zu finden.

Was man auch sieht: auf dem Satellitenbild kann man zwar schon viel erkennen, aber es lässt sich noch weiter vergrößern. Dann sieht es so aus:




Und hier kann man dann ziemlich gut erkennen, was für Wege es sind und zum Teil auch, ob die überhaupt real befahrbar sind. Denn auf den Übersichtskarten sind mitunter Wege und auch Wegeverbindungen verzeichnet, die in der Realität so nicht unbedingt existieren. Oder einfach Privatwege von Bauernhöfen aus sind, die aber auf der Karte aussehen wie nutzbare Wanderwege.

Hierzu auch ein Beispiel aus dem Gebiet da oben:




Hier ist auf dem Satellitenbild ein Bahnübergang für Fußgänger zu sehen. Mitten im fast Nirgendwo gibt es also einen Weg für Fußgänger über die Bahn... interessant!





Hier ist der gleiche Kartenausschnitt auf der üblichen Komoot-Karte zu sehen. Aha, da ist tatsächlich ein Weg über die Bahn und bei den Bäumen!





Der Ausschnitt via Open Street Map etwas größer und für euch zur Orientierung oben die Markierung vom Bauernhof. Tatsache! Da geht ein Weg über die Bahnschienen und von hinten in die Kränzliner Siedlung! Boah! Sogar auf der Strecke zwischen Bahn und Goethestraße ein Wiesenweg!

Tja... nur das der nicht immer befahrbar ist, sondern auch mal abgesperrt ist, weil dort Rinder weiden. Sonst ist es ein netter und sehr pfotenfreundlicher Weg. Man darf sich halt nur nicht darauf verlassen, den tatsächlich jederzeit nutzen zu können.