Montag, 8. März 2021

Mit Herrn von Ribbeck auf dem Boden der Tatsachen

Eigentlich wollte Nick ja mehr über Landwirtschaft lernen, als er auf dem Bauernhof der WfbM gearbeitet hat. Sein Wunsch war es, irgendwann vielleicht auf einen regulären Betrieb wechseln zu können. Deshalb war klar, dass ich auch mit Nick Dinge lernen werde, die mit Landwirtschaft zu tun haben. Einiges muss ich dafür erst einmal selbst lernen. Wir haben also überlegt, was Nick an Grundlagen brauchen würde, um irgendwann eine Chance auf einem normalen Betrieb zu haben. Landwirtschaft ist ohne Boden nichts. Also Bodenkunde.


Schloss Ribbeck mit Uffwuff, dem Filzhund davor.
Uffwuff vor Schloss Ribbeck


Bei Besuchen in Naturparkhäusern und Museen gibt es oft große Tafeln vom Bodenhorizont der Gegend, die gut erklärt werden. Die alleine sind schnell langweilig, auch wenn sie aussehen wie moderne Kunst. Aber im Zusammenhang mit anderen Dingen helfen sie zu verstehen, warum unser Boden, unsere Erde, so wichtig ist. Um euch aufzuzeigen, wie schnell man etwas völlig falsch sehen kann, erkläre ich euch jetzt mal (m)eine Version von „von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum auf seinem Grabe stand“:


Viele von euch kennen die Geschichte von Herrn von Ribbeck, der den Kindern immer eine Birne gegeben hat. Wenn ihr das Gedicht irgendwo mit Bildern seht, dann seht ihr einen netten alten Herren in sauberen Kleidern, dralle Kinder und alles ist schön wie im Bilderbuch. Ich habe mich etwas mit der Kolonialisierung des Moores dort befasst und wie früher dort die Landwirtschaft war.


Und es war nicht diese Bilderbuchidylle, die man überall vorgesetzt bekommt. Ich mag Fontane nicht. Ich finde, in vielen Dingen wird er maßlos überschätzt, auch wenn er viel über das Leben in der Mark geschrieben hat – manches ist endloses, langweiliges Geschwafel vom einem Kerl, den man heute schlichtweg einen egoistischen und verantwortungslosen Blödmann nennen würde.


Zu den zwei Sachen, die er dann tatsächlich gut hinbekommen hat, gehört, dass er das Ribbeck-Gedicht bekannter gemacht hat. Als ich mich also mit der Kolonialisierung beschäftigt habe und wie damals die Landwirtschaft war, habe ich geschaut, wann der von Ribbeck gelebt hat. Und das eigentliche Drama – denn das war es – hinter der Geschichte von Herrn von Ribbeck und den Birnen gesehen. Das bewegt mich immer noch tief. Denn Herr von Ribbeck hat dafür gesorgt, das diese Kinder, die bettelarm waren und mit Sicherheit in elenden Verhältnissen gewohnt haben und eben NICHT Bilderbuchmäßig drauf waren, ein Stück Essen zum Überleben hatten. Wahrscheinlich oft das Einzige, was sie an dem Tag überhaupt zu Essen hatten.


Es war die „kleine Eiszeit“. Viele Pflanzen haben diese Eiszeit nicht überlebt – Ernten sind über Jahre ausgefallen und das, was geerntet werden konnte – und auf Moor ist nicht viel gewachsen – dass hatte z. B. bei Getreide ein ganz anderes Kornverhältnis als heute. Heute hat eine Ähre zum Beispiel 12 oder 18 Körner. Also aus einem Korn, das man säht, bekommt man über 10 neue Körner. Das ist gut. Das Getreide zu von Ribbecks Zeiten hatte aber ein ganz anderes Verhältnis. Das hatte oft nur 3 oder 4 Körner und die Flächen waren auch viel, viel kleiner. Man sagt, von Ribbecks Birne wäre die Melanchthon-Birne gewesen, weil diese Birnensorte mit als einzige die kleine Eiszeit überlebt hat.


Und mag sein, dass der junge von Ribbeck dann keine Birnen verteilt hat. Aber er hatte selbst nicht viel – und musste letztlich selbst sehen, wie er über die Runden kommt. In Krisenzeiten zeigen viele Menschen ihr wahres Gesicht. Sehen wir ja gerade an der Pandemie. Warum also wird ein Mensch, der selbst überleben will, als böse hingestellt, weil er das bisschen, was er selbst hat, nicht länger mit anderen teilt? Denn auch er war ja von der Hungersnot betroffen und das imposante „Schloss Ribbeck“, dass heute in Ribbeck steht, ist erst viel später gebaut worden. Vorher war es ein schlichteres, wenn auch größeres Bauernhaus. Das war damals zwar auch schon „mehr“ - aber eben „nur“ ein größerer Hof – und der Arbeitgeber für die Familien rundherum.


Das Leben auf dem Moor war früher sehr speziell, weil natürliche Moorgebiete sehr unwirtliche Gegenden sind. Das, was dort freiwillig wächst, reicht oft hinten und vorne nicht aus um Menschen zu ernähren. Deshalb musste man das Moor erst einmal urbar machen. Also Flächen roden, entwässern – und einen Boden schaffen, auf dem überhaupt erst Ackerbau betrieben werden kann. Die Siedler haben ihre Schafe tagsüber im Moor weiden lassen. Nachts wurden diese Schafe in die frisch eingestreuten Schafställe gesteckt. Wohl gemerkt: Die Ställe wurden frisch gestreut, aber eben so lange nicht ausgemistet, bis die Schafe kaum noch hinein konnten.


Dann hatte man in den Ställen letztlich ein Gemisch aus Schafsdung, Torf und was nicht alles zum Einstreuen genommen wurde – und DAS wurde dann als Erde ausgebracht, die so nährstoffreich war, dass man etwas anpflanzen konnte. Leben im Moor war früher unglaublich hart. Es gab ja noch nicht einmal wirklich gutes Wasser – denn Moorwasser ist einfach ein saures, braunes muffiges Wasser. Ich kenne noch Bauernhäuser, an denen es „Gänsewein“-Tanks gab. Große umgebaute Wasserboiler mit Filterschichten aus Kies, Sand und Kohle um das Wasser genießbar zu machen.


Meine Mutter hatte sich das Buch „Meine Kinder essen Torf“ gewünscht. Das hat sie 1962 oder so mal gelesen. Ich habe es in einem Antiquariat gefunden, gekauft, gelesen – und war einfach tief berührt. Denn auch das ist eine Beschreibung, wie früher gelebt wurde. Aber eben in Friesland. Bettelarm in den großen Torfabbaugebieten.

Samstag, 27. Februar 2021

"Hallo Wurmies!" die neuen Mitbewohner



Wenn man einen Garten hat, überlegt man ja auch, woher man Dünger und Co bekommt. Was liegt da näher, als den Biomüll, den man sonst in die Tonne kippt, zu verwenden? Also haben wir uns mit kompostieren und den verschiedenen Möglichkeiten dazu beschäftigt. Der herkömmliche Komposter hat zwei Kammern und braucht mindestens ein Jahr. So lange möchte ich eher nicht warten, zudem ist unser Garten zu klein und reguläre Komposter ziehen auch gerne mal Schadnager an. Das möchte letztlich auch niemand. Weder wir noch die Nachbarn. 

Thermokomposter wären auch eine Option, die sind nicht so ganz groß - aber auch die brauchen Platz und Zeit. Viel Zeit. Also auch nichts. Aber es hat sich ja viel, viel getan und deshalb gibt es so Dinge wie Wurmboxen, Wurmfarmen und Bokashi. Unter einer Wurmbox könntet ihr euch wahrscheinlich noch etwas vorstellen, bei Wurmfarm oder gar Wurmcafe und Bokashi hört es wahrscheinlich auf. 

Eine Wurmfarm ist eigentlich so etwas ähnliches wie ein vertikaler Komposter mit mehreren Ebenen, die von unglaublich vielen Kompostwürmern bewohnt und bearbeitet werden. Diese Komposterform ist auch nicht unbedingt groß und es gibt sie auch in super-stylisch als Hockerform für die Küche. Dann sitzt man da quasi auf dem Komposter und unter dem Hintern arbeiten EINTAUSEND Würmer. Bokashi ist eigentlich das silieren von Biomüll. Also das, was man sonst in der Landwirtschaft mit Gras oder Mais macht, wird bei Bokashi in speziellen luftdicht verschließbaren Eimern mit dem Biomüll aus der Küche gemacht. Es wird dort hineingepresst, mit Milchsäurekulturen die ganz schwurbelmäßig "EMR" heißen und Holzkohle versehen und darf dann ein paar Wochen lang vor sich hin fermentieren, bevor es in ein Beet eingearbeitet wird. Problem: das fermentierte Zeugs ist immer noch sehr, sehr stückig. Es ist ja nicht zersetzt, sondern einfach nur fermentiert. Bei Wurmfarmen und Bokashi wird die anfallenden Flüssigkeit aufgefangen. Das ist letztlich etwas, das wie ein Düngerkonzentrat ist - und entsprechend wird es verdünnt und als Dünger verwendet. 



Nach einigen Überlegen und Informieren habe ich ein Starter-Set für eine Wurmfarm und einen Stapel lebensmitteltauglicher Eimer mit Deckel bestellt. Mir war ein fertiges Plastesystem einfach zu teuer, schon ein Starter-Set mit Würmern, Wurmerde, Mineralfutter, Hanfmatten etc. ist nicht gerade billig - und irgendwo hört der Spaß auch auf. Von den Eimern habe ich drei mit verschieden großen Löchern versehen, weil eine Wurmfarm immer auch Luft braucht. Davon sind die größten Löcher im Boden, damit die Würmer die Etagen wechseln können und die kleinsten Löcher oben an den Seitenwänden. Nachdem der Frost vorbei war und das Starter-Set gekommen ist, war der Beutel mit den Würmern erst einmal auf der Waage. Über ein Kilogramm Würmer und Erde. 


Ein Kompostwurm kann am Tag die Menge seines Körpergewichtes fressen! Dann gab es noch fertige Wurmerde - faktisch das "Schnuffeltuch zum Einleben des Wurmes" und einen Ziegel Kokoserde, der in Wasser aufgeweicht werden muss. Zusammen mit eingeweichten und zerpflückten Eierpappen war es eine ganze Menge Erde! So viel hatte ich nicht unbedigt erwartet und wir haben auch nur 3/4 erst einmal auf zwei Eimer verteilt und dann die Würmer draufgekippt. Ich habe auch nicht daran gedacht, dass denen die Eimer zu hell sein könnten - und deshalb haben sie die ersten Tage auch mit den Eimern in dem Karton gestanden, in dem die Eimer geliefert wurden. In der Anleitung steht, man soll über der Wurmfarm 4 Tage lang eine Lampe brennen lassen, damit die Würmer sich in die Erde verkriechen und einleben und nicht abhauen. Das haben wir auch gemacht, wir haben LED Klemmlampen. 

Als die Würmer in der Erde waren, habe ich noch eine der Hanfmatten rund geschnitten und oben auf die Erde gepackt. Die schützt vor Austrocknen und Würmer mögen die auch als Futter. Also - immer wenn die Lampe aus war, sind die Würmer nach oben gekommen. Binnen weniger Tage war die Matte komplett perforiert. Nachgebessert haben wir die Abstände von dem untersten Eimer, der die anfallende Feuchtigkeit auffangen soll und vom mittlersten Eimer, der keinen Abstandshalter für den obersten Eimer hatte. Das fanden die Würmer nicht so wirklich super, weil die Erde doch ziemlich zusammengepresst worden ist. Da sind jetzt Abstandshalter drin, die Erde wurde noch mal aufgelockert, die Würmer haben ein bisschen frische Luft bekommen - und sind jetzt auch agiler. Ein bisschen Salat haben sie auch schon bekommen und als es warm war, habe ich das ganze Teil für ein paar Stunden an die frische Luft gestellt. 



Mittlerweile haben sie sich gut eingelebt, die Lampe ist nicht mehr an und sie bleiben in den Eimern und wechseln zwischen den Etagen. Eimer Nummer vier steht schon faktisch "in den Startlöchern". Es heißt, nach den ersten vier Tagen kann man den Deckel auch zu machen - aber ich habe da noch gar keinen Deckel drauf. Denn es ist eigentlich noch sehr spannend, zu gucken wie sich das System entwickelt und ob die Wurmies agil sind oder ob ihnen vielleicht etwas fehlt. Insgesamt wird es ein paar Monate dauern, bis sich alles eingespielt hat - und die Würmer dann hoffentlich ausreichend Bioabfall etc. zu hochwertiger Wurmerde verarbeiten. 

Wenn es wärmer wird, kommt die Wurmfarm nach draußen. Aber im Moment ist es noch zu kalt. Wir haben speziell eine Wurmfarm mit Kompostwürmern - aber für Angler gibt es die auch mit Tauwürmern. Also das, was früher massig aus der Erde gekrochen kam, wenn wir mit der Mistgabel reingepiekst und gewackelt haben, damit  Angelopa Köderwürmer bekommt. 


Montag, 15. Februar 2021

Vom Guten Heinrich, Goldforellen, bunten Beten und hohen Beeten.

"Guter Heinrich" Bild: Thomé, Flora von Deutschland, 1885

 

Während draußen – 7 Grad sind, beschäftigen wir uns drinnen mit unserem Garten.

Wir haben Hochbeete geplant und gestern sind die Rahmen dafür gekommen. Die beiden größeren Beete werden 80 x 120 cm groß. Damit das Holz länger hält, werden die Rahmen mit Bootslack gestrichen. Von innen kommt Noppenfolie dagegen, damit das Holz nicht direkt mit der Erde in Berührung kommt. Weil ein Hochbeet kuschelig warm werden kann, kommt auf den Boden Wühlmausgitter. Das ist schließlich für unsere Ernährung gedacht und kein Wellness-Hotel für Wühlmäuse! Gegen Schnecken kommt ein breites Kupferband um die Kisten.

Die Hochbeete werden etwa 60 cm hoch, jeder Rahmen ist knapp 20 cm hoch und unten kommt noch eine Reihe Steine hin, damit das Holz nicht direkt auf dem Boden liegt. Man sollte in der Schule bei Mathe auch deshalb aufpassen, weil es zwar irgendwie nach wenig klingt, wenn man sagt „das Hochbeet wird 120 cm lang und 80 cm breit und etwa 60 cm hoch!“. Bis man ausrechnet, wieviel Füllmaterial dafür tatsächlich gebraucht wird!

Famila hatte Folienfrühbeete. Sehr einfach und sehr günstig und genau in der Rahmengröße. Davon haben wir dann auch zwei Stück, weil wir so die Aussaat früher machen und bis in den Winter hinein ernten können.

Wer mit Hochbeeten selbst anbauen möchte, wird feststellen, dass es sich von der finanziellen Seite her oft nur bedingt lohnt. Also dann, wenn es nicht unbedingt nach verwilderter Müllhalde aussehen soll. Jeder Supermarkt bietet deutlich günstiger fast alles an, was wir anbauen wollen, wenn die Baukosten mit einberechnet werden. Aber es lohnt sich von der „Erlebnisseite“ her. Von dem „das haben WIR gemacht!“ und von dem „DAS können wir!“.

Andere machen für das Geld, das wir in die Hochbeete investieren, eine Woche all-inclusive-Urlaub irgendwo an einem Strand in einem Betonklotz mit 3000 anderen Leuten. Wobei das ja ohnenhin dieses Jahr für viele Menschen wegfällt, da wir eine Naturkatastrophe mit Namen Corona haben und jeden Tag deutschlandweit im Prinzip ein Dorf stirbt oder ein bis zwei Flugzeuge abstürzen. Aber letztlich sorgt gerade Corona auch für einen enormen Auftrieb beim eigenen Anbau von Obst und Gemüse. Denn nicht nur, dass man beschäftigt ist, sondern man muss auch ein bisschen weniger einkaufen gehen und sich der Ansteckungsgefahr aussetzen, wenn alles angewachsen ist. Wer einen Garten hat, besitzt damit sein eigenes Refugium in dem er ausreichend Abstand zu anderen Menschen wahren kann.

Wir haben die Hochbeete. Im Garten. Den wir für uns alleine haben. Die Sonne scheint auch hier – und wir haben natürlich noch etwas: Wenn alles klappt, haben wir einige ganz alte Gemüsesorten, die man eben nicht im Supermarkt bekommt. Weil die sich für konventiolle Landwirtschaft nicht lohnen, aber sicherlich eine Entdeckung wert sind.

Wir haben dann das, was vielleicht Großeltern und Urgroßeltern noch kannten und schätzten: Guter Heinrich, Melde, Kerbelkraut und marmorierte Kartoffeln, Zuckererbsen direkt vom Strauch, Tomaten, die Wind und Wetter erlebt haben und lila Möhren direkt aus dem Beet, die nicht schon nach wenigen Tagen verschimmelter Matsch sind. Sogar Fische können wir anbauen: Goldforelle! Die schwimmt aber nicht, sondern ist eine alte Salatsorte die eine tolle Färbung hat. 

Darauf freue ich mich!











Sonntag, 31. Januar 2021

Ruppi-Struppi ist ganz schön markig geworden!

 Viele haben ja schon mitbekommen, dass wir keine Ruppiner mehr sind. Letztes Jahr Ende Oktober sind wir endgültig weggezogen. Vor hatten wir das eigentlich nicht - aber manchmal lässt einem das Leben keine andere Wahl - oder ja, wir hätten durchaus die andere Wahl gehabt. Aber das wäre die viel, viel schlechtere gewesen.

Nick hat einen neuen Hirntumor entwickelt. Rund 18 Jahre nach dem ersten. Und auch wenn die Ruppiner-Kliniken ein riesen Kasten mit vielen Häusern und Abteilungen ist, mit Neurologie, Neurochirurgie und vor allem Hirntumoren sind die offensichtlich überfordert. Sie haben festgestellt, dass es einen neuen gibt und das war es dann. 

Wir sind dann zur Familie nach Rastede gefahren, Nick ist in Oldenburg im Evangelischen Krankenhaus gelandet, die eine sehr gute Neurochirurgie haben und ist dort weiter behandelt worden. Es ist hier alles viel, viel unkomplizierter und definitiv patientenfreundlicher und menschlicher als das, was wir in Neuruppin erlebt haben und dickes Lob an die AOK, das, was die alles völlig problemlos gemacht haben, ist unglaublich. 


Eine Wohnung war gar nicht so einfach zu finden, auch wenn wir einen enormen Suchradius über 3 Landkreise und eine kreisfreie Stadt hatten, aber das hat dann doch noch geklappt. Just nach einem absolut phantastischen Fahrzeugkorso für Nick, der absolut der Hammer war und wo sehr viele Leute kollektiv geheult haben, WEIL es einfach eine unglaubliche Geschichte war. Oben seht ihr ein Bild von den Teilnehmern, dem Organisationsteams und einigen der rund 30 LKW´s und Landmaschinen, die gekommen sind

Nun wohnen wir 420 Kilometer von Neuruppin entfernt, werden bei unseren Touren übers Land aber dann jedes Mal dran erinnert und das ist eigentlich ganz amüsant. Da Kartzfehn hier in der Gegend keine Großställe mehr bauen durfte, haben die ja "rübergemacht" in den Osten und dort die riesigen Ställe gebaut, wo ging, in den Wäldern. Aber das Futter, das kommt oft noch hier aus der Gegend aus den riesigen Futtermittelsilos. 

Es gibt aber noch andere Sachen, die sich sehr ähneln. Hier gibt es auch viel Sandboden, Wälder, Moore und Heiden. Sogar Kraniche sind hier! Nicht so viele wie in OPR, aber es gibt kleinere Gruppen von denen auf den Feldern. Das finde ich natürlich super. Dann sind wir ja aus der "Mark Brandenburg" weggezogen. Hier wohnen wir in Markhausen, auf der anderen Seite ist die Marka, ein Flüsschen, dass so ursprünglich ist, dass es mit seinem Uferbereich unter Natur- und Landschaftsschutz steht. 

Markhausen gehört zu Friesoythe. Das ist ähnlich wie Neuruppin mit seinen eingemeindeten Dörfern. Friesoythe ist eine Kleinstadt und Mittelzentrum der Region. Es gibt hier auch eine City und die haben das eigentlich ganz gut hier geregelt, weil in der "Begegnungszone" - und immerhin führt die Hauptstraße da durch - dann Tempo 20 ist und weil es so hübsch ist, steht in jedem Advent ein großer Weihnachtsbaum mitten auf einer Kreuzung! Das ist einfach toll! Die Neuruppiner können sich mal überlegen, wie das wohl wäre, wenn mitten auf der Kreuzung am Fontane-Denkmal plötzlich ein Weihnachtsbaum stehen würde und es statt Ampeln Kreisverkehr gäbe! Was ich hier als wirklich riesige Hilfe für uns empfinde ist, dass das Sozialamt problemlos mit dem Jobcenter zusammenarbeitet und auch von sich aus Sachen initiiert, wie die EU-Rente für Nick. Das ist echt eine enorme Erleichterung für mich. 

Im Rathaus hier steht übrigens eine Statue mit Hund! Voll irritiert hat mich in der ersten Zeit wenn ich zu meiner Tochter gefahren bin, auch immer eine Bronzestatue die aussieht wie Fontane. Irgendwann war da der Parkplatz tatsächlich mal frei und ich habe angehalten. Es ist tatsächlich ein Theodor - aber mit Nachnamen Wreesmann, das war der Seher der Stadt. 

Es gibt einen Dorfarzt, eine Kita, eine Schule, eine Pizzeria, einen Schuhladen und 2 Dorfläden, die auch Sonntags ein paar Stunden auf haben. Der eine Dorfladen hat morgens ich glaube ab 5:30 Uhr auf (!!!), der andere beherbergt zusätzlich die Post, Partyservice und Angelladen auf geschätzt 60 qm. 

Wir bewohnen jetzt fast das komplette Erdgeschoss eines Hauses, etwa 100 qm. Die Küche ist richtig groß, was absolut klasse ist, weil wir ja echt gerne kochen und backen. Die Dusche ist bodengleich und echt groß. Wir haben zwei Stellplätze und der Garten ist ungefähr so groß wie die Wohnung, was Joey total freut. Wenn ich aus dem Küchenfenster gucke, sehe ich die Kiefernwipfel von dem Wald nebenan. Die Sandkuhle ist 20 Meter weit weg - und Joey liebt sie, weil die zum Ballspielen total super ist und ab und zu wird sie als Endurostrecke benutzt. 

Das Haus ist in einem Neubaugebiet mit vielen Kindern, die hier auf der Straße spielen, in der Sandkuhle oder auf dem Spielplatz gegenüber, der von den Eltern mit betreut wird. Ich finde das total toll - auch wenn ich echt froh bin, über mir keine trampelnden Kinder mit ebenso trampelnden Eltern mehr wohnen zu haben. Dafür gibt es jetzt Gregor, Kevin und Bami Goreng. Wer das sind? Erfahrt ihr später...




Samstag, 2. Mai 2020

Nick empfiehlt: Ziemlich kuhle Videos!



Seit Wochen ist Corona-Alarm. Seit Wochen ist der Hof für die Beschäftigten aus Neuruppin und Kyritz zu. Auch für Nick. Da Nick aber etwas über Landwirtschaft lernen möchte, macht er dies ohne auf dem Hof zu sein. Zusätzlich zu einigen Sachen, die wir lesen und besprechen werden oft Filme geschaut. Das ist sehr praktisch. Denn um durch einen Film etwas zu lernen, braucht man nicht viel lesen oder schreiben!

Nick und ich haben überlegt, dass wir für alle, die auch besser durch Filme lernen, ein paar Filme, die ihm besonders gut gefallen haben, verlinken. Fast alle Filme sind unter 10 Minuten. 



Ein Film über das Verhalten von Kühen auf der Weide:



Wie sehen, hören und riechen Rinder eigentlich? Das wird in diesen Filmen erklärt:


und in diesem:




Wer sich zu dem Thema auch etwas anhören möchte, kann sich den Podcast von Kuhverstand dazu anhören. Der geht etwa 20 Minuten:




Rinder sind Wiederkäuer. Sie haben eine besondere Verdauung. Die wird hier erklärt:




Wer immer schon mal wissen wollte, wie es in einer Kuh aussieht: 



Manchmal fressen Rinder Sachen, die sie nicht fressen dürften und das kann böse ausgehen. Ein ganz wichtiger Film dazu ist der hier: 




Ihr findet noch viel mehr gute Filme auf folgenden Kanälen:

BZL - Bundesinformationszentrum für Landwirtschaft
SVLFG (Sozialversicherungen Landwirtschaft, Forsten, Gärtnereien)
mykuhtube (Projekt der Landwirtschaftskammer Niedersachsen)

und von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen gibt es die tolle Reihe: Tier Haltung Verstehen:




Donnerstag, 9. Januar 2020

Braucht man Vorsätze?



Willkommen im neuen Jahr! Ich hoffe, dass der Jahreswechsel gut überstanden wurde. Junior und ich haben sehr ruhige Festtage mit unserer Familie verbracht. Es war richtig schön! Weil der Hofladen in Heilbrunn nur donnerstags und freitags auf hat, haben wir den Fleischanteil vom Weihnachtsessen schon vorgekocht und heiß in Weckgläser gefüllt. So hat es sich prima gehalten, konnte gut durchziehen und musste nur noch aufgewärmt werden.

Zum Jahreswechsel kamen bei Twitter dann viele Tweets mit „Welche Vorsätze habt ihr fürs neue Jahr?“. Wir haben keine Vorsätze. Wir machen weiter, wie wir 2019 aufgehört haben. Wir hatten ja einige Dinge schon mal angefangen – aber die sind dann auch mitunter wieder eingeschlafen. Manchmal habe ich Dinge angeschafft „für später“. Weil es da gerade passte, diese Sachen anzuschaffen/eine Grundlage zu bilden. Mit manchen Dingen ist jetzt „später“, andere Dinge werden „wieder abgestaubt und hervorgekramt“ - und es ist toll! 

"Schüttgut dörren" - hier das Suppengemüse in den Etagen
Auf Twitter gibt es #wish2hand und da hat sich jemand einen Dörrapparat gewünscht um zwei Mal im Jahr Gemüsebrühe selbst herzustellen. Ich habe geantwortet, ich würde meinen zwar nicht hergeben, aber ich könnte einen Schwung Suppengemüse dörren. Das haben wir dann auch gemacht und hier zwei Wochenenden lang Gemüse gedörrt. Wir haben ein bisschen herumprobiert mit Mi-Nudeln und Glasnudeln – und jetzt haben wir faktisch unsere eigene „5-Minuten-Terrine“. Nur ohne Plastikmüll, Zucker und irgendwelche Geschmacksverstärker. Weil es gerade passte, habe ich unseren Dörrapparat dann noch um 2 Etagen erweitert. Ich merke jedes Mal, wenn ich ihn benutze, wie gut die Entscheidung war, den Rommelsbacher zu nehmen. Der ist zwar deutlich größer als andere – aber dafür können wir „Schüttgut“ dörren. Also klein geriebene Sachen in größeren Mengen. Das geht bei anderen Apparaten oft nicht. 

Für den Motorblock haben wir nun Fleischwolf & diese Getreidemühle

Dann haben wir unseren Getreidemühlenvorsatz eingeweiht. Drei Jahre lang habe ich ihn auf meiner „möchte ich gerne haben“-Liste als Ergänzung zum Jupiter-Motorblock von unserem Fleischwolf gehabt. Jetzt haben wir ihn! Ich hatte ganz früher schon mal eine Getreidemühle und es immer mal wieder vermisst. Jupiter hat für die Mühle sogar einen Handantrieb im Angebot. Wir haben Roggen gemahlen, gesiebt, genau angeguckt – und Sauerteig zum Brot backen angesetzt. Manchmal ist es ein kleines bisschen wie früher in der Bauernhaus-WG mit dem Lager der Food-Coop in der Räucherkammer. Nur dass das Roggenbrot von mir dann besser ist als das harte "Komissbrot" dass die Vollkornbäckerei früher geliefert hat. Meine Mutter hat früher immer gesagt, damit könnte man locker Fensterscheiben einwerfen. 

Es heißt, man soll seinem Sauerteig einen Namen geben. Also habe ich ein bisschen überlegt und mich dann für „Herr Secale“ entschieden. Secale cereale ist der lateinische Name für Roggen. Zu meiner Schulzeit gab es „Hermann“. Der war sehr beliebt und wurde mit genauer Fütteranleitung weiter gegeben. Hermann müsste auch ein Sauerteig gewesen sein. Nick sagt, es gibt Sauerteige, die sind aus rund 100 Jahre alten Sauerteigkulturen. Sauerteig entsteht dadurch, dass Milchsäurebakterien und wilde Hefen den Zucker im Roggenmehl verarbeiten. Da Milchsäurebakterien und wilde Hefen auch dafür sorgen, dass Kefir Milch fermentiert, Joghurt entsteht – und ebenso Sauerkraut und Silage, sind es echt faszinierende Dinger!

Nicks Sauerteig wollte ihn nach der Arbeit gerne begrüßen...

Wie ihr seht, reicht es also völlig aus, dass wir weitermachen wie bisher. Zumal diese Sachen ja nur ein Teil davon sind, was wir machen und angefangen haben. Wir brauchen gar keine großen Vorsätze für dieses Jahr. Wenn wir unseren Weg so weitergehen wie bisher, dann ist es achtsam, lehrreich und arbeitsreich genug für uns. 


Zum obersten Bild: Das Dinokostüm habe ich zu Weihnachten von meinem Mann und meiner Tochter bekommen :-). Ich habe es mir gewünscht und es ist toll, dass meine Familie diesen Humor zu weiten Teilen teilt. Weil keine Selfies damit möglich sind ("Kurze Arme - keine Selfies. Sooo schaaade!") sollte Nick ein paar Fotos machen und weil er dabei so lachen musste, sind die leider alle etwas verwackelt. 

Dienstag, 3. Dezember 2019

Nick bloggt: über Milch.


Letztens habe ich euch vom Käse machen geschrieben. An einem Tag haben über 50 Leute den Bericht gelesen! Das finde ich richtig toll. Heute geht es um die Milch.

Milch ist die erste Nahrung, die Menschen- und Säugetierbabys bekommen. Säugetiere sind zum Beispiel Kühe, Schafe, Hunde, Katzen oder Elefanten. In den Körpern von Menschen und diesen Tieren wird Milch mit Milchdrüsen gebildet, die in Brüsten, Zitzen, Eutern oder Gesäuge enden. Je nach Lebewesen. 


Für längere Zeit können Babys gar nichts Anderes zu sich nehmen. Sonst würden sie verhungern, da sie nicht ausreichend Nährstoffe bekommen bzw. schwer krank werden, weil sie etwas anderes noch nicht vertragen. Die Erstmilch (Colostrum) von Kühen enthält wichtige Immunstoffe (Abgekürzt IgF ) für das Kalb. Diese Milch landet nicht im normalen Milchtank für die Molkerei.

Neugeborene Kälber haben kein Immunsystem. Das bedeutet, sie haben keine gute Abwehr gegen Krankheiten und Infektionen. Sie bekommen ihre Abwehrstoffe durch die erst milch der Mutterkuh. Kälber müssen in den ersten 2-3 Stunden nach der Geburt 3 Liter dieser Biestmilch trinken um ein Immunsystem aufbauen zu können. Danach verlieren sie mehr und mehr die Eigenschaft, die wichtigen Immunstoffe aus der Milch aufnehmen zu können. Deshalb bleiben neugeborene Kälber in Milchviehbetrieben auch für 10-14 Tage alleine in einem Kälberiglu oder so. Sie können andere Kälber zwar sehen und riechen und hören und auch Kontakt aufnehmen, aber nicht direkt hin. Die Aufzucht von Kälbern bis zum 6. Monat ist in der Tierschutz-Nutztierhaltungs-Verordnung geregelt.


Da jede Herde ihren eigenen „Abwehrstoffemix“ hat, ist es sehr wichtig, dass Kälber die Biestmilch der Mutterkuh bekommen. Viele Höfe frieren auch Biestmilch ein, um sie bei Bedarf an Kälber zu verfüttern, wo die Mutterkuh nicht genügend Erstmilch produziert.

In Heilbrunn ist es anders. Wir haben keine Milchkühe, sondern Fleischrinder. Die Kälber laufen bei uns von Anfang an mit ihrer Mama. 




Die Gitter im Hintergrund begrenzen übrigens das "Kälberkinderzimmer". Das ist ein Bereich, wo zwar die Kälber rein können, aber die Kühe nicht. In Heilbrunn kann es übrigens passieren, dass die Leute morgens in den Stall kommen und so ein kleines Kalb dann durch den Stall marschiert und die Welt entdeckt, weil es durch die Gitter vorne passt.

Da Milch ein sehr umfangreiches Thema ist, haben wir mit den Grundlagen angefangen, es gab einen Lückentext, einige Fragen und zum Schluss wurde alles für den Blog passend umgetextet und Nick hat heute Fotos im Stall gemacht. Es gibt also noch einige Fortsetzungen zu dem Thema. 

Wusstet Ihr übrigens, dass Hamsterweibchen bis zu 18 (!!!!) Zitzen haben können?